Verteidigung des Monetarismus

Gérard Bökenkamp

Alle Zentralbanken haben die Geldmenge in den letzten Jahren erheblich ausgeweitet. Die US-Zentralbank um 215 Prozent, die Bank von England um 569 Prozent, und die EZB um 178 Prozent. Das hat Beobachter dazu veranlasst die Aussage der Monetaristen, dass es einen Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation gibt grundsätzlich in Frage zu stellen. Peter Bernholz verteidigt in der Neuen Zürcher Zeitung die Grundaussage des Monetarismus, dass Inflation immer ein monetäres Phänomen ist:

„Ich sehe nicht, dass diese Aussage irgendwann widerlegt worden ist. Meine Untersuchungen von Dutzenden von Inflationen, besonders von Hoch- und Hyperinflationen, haben nicht einen Fall aufgedeckt, in dem nicht eine massive Geldvermehrung vorausgegangen wäre. Vorübergehende Preiserhöhungen wegen Missernten in früheren Zeiten oder heute wegen starker Verteuerungen etwa des Ölpreises sind dabei natürlich keine Inflation, da es sich ohne Geldmengenerhöhung nur um die meist vorübergehende Erhöhung von relativen Preisen handelt. Eine Hochinflation wegen einer solchen Teuerung hat man noch nie gesehen.“

Für die alltägliche Preisinflation sei nicht die Gesamtgeldmenge, sondern die Geldmenge in den Händen des Publikums relevant und diese sei kaum angestiegen. Das Auseinanderklaffen zwischen der massiven Geldmengenvermehrung auf der einen Seite und der begrenzten Zunahme der Geldmenge in den Händen des Publikums sei durch die schleppende Kreditvergabe und den Zwang der Banken größere Eigenkapitalquoten aufzubauen bedingt.

Eine Inflation könnte vermieden werden, wenn die Zentralbanken die Geldmenge rechtzeitig abschöpfen, bevor sie den Publikumsverkehr erreicht. Dies würde aber starke Zinserhöhungen erfordern, die die staatlichen Defizite erheblich erhöhen würden. Der politische Druck davon abzusehen wird also immens sein.

Ein zusätzlicher Faktor, den Bernholz nicht erwähnt, ist der Umstand, dass bislang in der Eurozone die Bundesbank im Zuge des Target-2-Systems durch die Kredite der Bundesbank bei den Geschäftsbanken zusätzliches Bargeld abschöpft, so dass die in Südeuropa erzeugte zusätzliche Geldmenge in Schulden der Bundesbank bei den Geschäftsbanken umgewandelt wird.

Information: Peter Bernholz in der NZZ

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4 Antworten zu “Verteidigung des Monetarismus

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  2. Geld ist eine Ware wie andere.

    Daß dessen Vermehrung (korrekt Inflation genannt) zwingend zu Teuerungen führt, versteht sich ganz von selbst.

    Wer dazu pseudowissenschaftliche Belehrungen aufgeblasener Schlaumeier und Dummschwätzer braucht, tut mir herzlich leid.

    Aber wer nicht mal Inflation und Teuerung, Ursache und Wirkung unterscheiden kann…

    xRatio

  3. Bernholz argumentiert bei der Inflation „vom Ergebnis“ her, wenn er sagt, jeder Inflalion wäre eine Geldmengenerhöhung vorausgegangen.
    Das rechtfertigte allerdings nicht jeden Umkehrschluß, was er jedoch zu insinuieren trachtet, wenn er von der aktuellen Geldmengenerhöhung in USA, CH und Euroland spricht.

    Dennoch hat er prinzipiell Recht.
    Quantitave Easing und Twisting allerdings sind im Prinzip dasselbe, richten sich nur an unterschiedliche Schwerpunkte, wie etwa zu Beginn des QE 1 die MBS rsp. direkt Hypodarlehen – nach dem „zwei Fliegen mit einer Klappe“- Prinzip.

    Ob in USA Inflation ihre negativen Auswirkungen auszubreiten vermag, muß sich noch zeigen durch das (noch restriktive) Verbraucherverhalten, wenngleich es etliche Symptome gibt, die sich aber noch bei Assets wie Aktien, Rohstoffe (langsam weniger) $-carry-trade (rückläufig) und Auswärtsinvestments (verhalten) austoben.

    Wer davon ausgeht, daß wir am Beginn der zweiten Phase des Double dip stehen, kann für seine Zweifel an der bevorstehenden Inflation der US-Verbraucherpreise (erst dann wäre sie komplett) etliche gute Gründe anführen.

    Eher spricht – nicht unähnlich dem Beginn des „verlorenen Jahrzehntes“ in Japan – manches für aufkommend deflationäre Tendenzen in US, mindestens mittelfristig.
    Ebenso spricht allerdings das bisherige Verhalten der trotteligen Regierung Obama und des wirren Fed-Bernanke dafür, daß sie verzweifelt versuchen werden, eine deflationäre Entwicklung zu verhindern.

    Das wird ihnen zwar ebensowenig gelingen, wie der aktuelle Versuch, breite Inflation als Vorraussetzung für Finanzdepression zu generieren, verspricht jedoch weitern erheblichen Schaden fü´s Land und Leute der MainStreet (nicht der WallStreet) anzurichten.

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