Jüdische Religion und Liberalismus

Detmar Doering

Israel ist die einzige funktionierende Demokratie im Osten. Hat das auch etwas damit zu tun, dass das jüdische Religionsverständnis und der Liberalismus in hohem Maße kompatibel sind? Der Philosoph David Conway geht in diesem Vortrag für das Jerusalem Institute for Market Studies dieser Frage geisteshisorisch auf den Grund.

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2 Antworten zu “Jüdische Religion und Liberalismus

  1. Eine sehr schöne und sachkundige Analyse.

    Ich möchte noch hinzufügen, dass zum Wesen des altisraelitischen „Liberalismus“ auch die Unantastbarkeit des Privateigentums gehörte. Seit der Landnahme hatte jeder Israelit bis auf die Leviten ein Stück Land als unveräußerliches Erbteil. Es war war sogar gegen staatliche, königliche Enteignung geschützt. Sehr schön ist das nachzulesen in 1. Könige 21, der Geschichte von Naboths Weinberg. Siehe 1. Könige 21, 4: „Das lasse der Herr fern von mir sein, dass ich dir meiner Väter Erbe gebe!“

    Ohne Eigentum keine Freiheit. Auch die Vererbbarkeit des Eigentums gehört zur Freiheit. Das setzt staatlicher Erbschaftsbesteuerung eine Grenze.

    Im übrigen wäre eine Zerstörung von Eigentum und Erbrecht ja auch leistungsfeindlich: Warum sollte ich etwas leisten und etwas sparen, wenn ich nicht wenigstens einen erheblichen Teil davon an meine Kinder vererben könnte? Wenn nach mir alles dem Staat gehörte, wäre es doch viel rationaler, alles auf den Kopf zu hauen.

  2. Mal als (vereinfachend zusammenfassende) These:
    Der Katholizismus: Konservativer Hierarchieglaube und liberale Lebensweise (wenns nicht zu öffentlich wird -> sonst Buße tun und Besserung [im Dezent-Sein] geloben).
    Der Protestantismus: Liberale Rechtsgleichheitsidee und (oftmals) konservative Lebensweise.
    Orthodoxe Kirche: Hierarchie und konservative Lebensweise. Im Kloster aber manchmal liberale Lebensformen in der Kommune: Gelegentlich ein Spielraum und ein Biotop für differenzierte Idiorrhythmie (statt dem mehrheitlichen, gleichgetakteten Koinobitismus).*

    ___
    * Vergleiche Roland Barthes: Wie zusammen leben (eines meiner Lieblingsbücher).

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