Was hat die Finanzkrise systemisch gemacht?

Michael von Prollius

Substanzielle Untersuchungen der aktuellen Finanz- und Schuldenkrise besitzen eine große Bedeutung. Das liegt einerseits daran, dass immer noch viel Propaganda im Mainstream zirkuliert. Andererseits gilt es eine tragfähige alternative Erzählung anzubieten.

Russ Roberts hat genau das mit „Gambling with other people’s money“ getan. Nun legen Patric H. Hendershott und Kevin Villani nach: „What Made the Financial Crisis Systemic?“ Ihre Antwort lautet, dass es sich nicht um eine unglückliche Verkettung isolierter Ereignisse gehandelt hat, sondern um die Konsequenzen einer Politik, die Märkten ihre Selbstregulierungsfunktion genommen hat. Die Pervertierung der Marktwirtschaft erfolgte durch öffentliche Unternehmen, öffentliche Protektion und Regulierung nicht zuletzt in Form von Aufsichtsregeln. In Ihrem gut zwanzigseitigen Cato-Papier gehen die beiden Ökonomen, Villani ist als früherer Mitarbeiter der US-Wohnungsbaubehörde ein Insider, der Regulierung und ihrer langen Geschichte seit der Weltwirtschaftskrise nach. Sie zeigen überzeugend auf

  • in welchem Ausmaß ein bürokratisch-sozialer Komplex im Immobiliensektor errichtet wurde,
  • wie die Anreizsysteme im Finanzsektor verändert wurden und
  • wie kontinuierlich in Kongressanhörungen vor der Systemkrise gewarnt wurde.

Das Ergebnis einer Reihe von Krisen und der Regulierung vor der aktuellen Finanzkrise ist systemischer Moral Hazard – so mangelte es „der Regierung und den Regulatoren nicht an regulativer Kompetenzen, um Moral Hazard abzumildern, allerdings der politische Wille und die technischen Fähigkeiten, dies zu tun.“ Ihr Fazit: „Politiker sind verantwortlich sowohl für regulative Inkompetenz als auch Aufgaben induzierte Laxheit.

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3 Antworten zu “Was hat die Finanzkrise systemisch gemacht?

  1. Die Schlußfolgerung ist völlig richtig:
    Politiker sind in ihrer ganzen Inkompetenz und Interessengebundenheit natürlicherweise (natural born) unfähig, komplexe Systeme zu begreifen, zu erhalten, zu steuern und im Notfall auch richtig zu regulieren.

    Diese offenbar nicht zu überwindende Schranke der Unmöglichkeiten zwischen logisch-vernünftigen Systemen einerseits und in jeder Hinsicht horizontbegrenzten egozentrischen Politikern einer (jeden) Demokratie andererseits wird dazu führen – und zwar immer wieder auf`s Neue -, daß der sogenannte kleine Mann regelmäßig um seine hart erarbeitete Existenz gebracht wird.

    Den (selbstverständlich) unterschiedlichsten Versuchungen ausgesetzten Führungskräften des ökonomischen Systems ist kaum vorzuwerfen, daß sie angesichts der egoistischen politischen Fremd-Verschwendung nebst unverschämten Selbstversorgungen der ihnen täglich als Vorbild entgegengehaltenen Politiker in deren selbst geschaffenen Schmarotzerparadiesen gelegentlich ebendiesen nachzueifern nicht widerstehen können.
    Die Vorbildfunktion der politischen Kaste ruiniert mehr Volksvermögen als es alle Finanzhaie der Geschichte zusammen vermöchten.

  2. Mihaela Zeinali

    Ein klares Bild (oder Zerrbild) natuerlicher Grenzen der menschlichen Vernunft und Faehigkeiten, errinert mich an Kants Kritik der reinen Vernunft.
    Nun, nachdem wir schliesslich die Ursachen der Finanzkrise erkannt, und Lehren daraus gezogen haben, unsere dringend-hoechst kollektiven Ziele und Aufgaben sind: alle moeglichen vernuenftig-moralischen Kraefte und Aktionen massiv einzusetzen, um die finanziellen und politischen Fehlstrukturen und korrupten Praktiken zu zerruetteln, sie mit reformiert-besseren, humaner und gerechterer Systemstrukturn auszutauschen.
    Die leidenden Opfermassen ueberall in der Welt, haben keine Zeit und Geduld mehr, sich unendliche Debatten elitaer-priviligierter Gruppen anzuhoeren, alle brauchen und wollen affirmativ-endgueltiege Loesungen und positiv-definitive Veraenderungen, hier und jetzt.

  3. @ ….zeinali:

    Haben wir die Lehren bereits gezogen?
    Davon war bislang nicht zu erkennen oder zu spüren.

    Wissen Sie mehr?

    Und schnell ging unter Beteiligung von Politikern egal welcher Provenienz noch nie irgendetwas – außer vielleicht der Untergang.

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