Macht Freihandel arm?

Steffen Hentrich

Freihandel mag Veränderungen nach sich ziehen, arm macht er jedoch nicht

In einem Beitrag zur Haltung der indischen Regierung zur gegenseitigen Marktöffnung von Europa und Indien titelte die taz gestern „Freihandel macht arm“ und bezog dabei die Position indischer Lebensmittelproduzenten, denen die Konkurrenz aus Europa ein Dorn im Auge ist. Nicht von der Hand zu weisen ist das Risiko des Wettbewerbs für die Einkommenssituation in Indien etablierter Produzenten, doch kein Wort liest man über die Vorteilen, die mehr internationaler Wettbewerb für die wachsende urbane Bevölkerung des Landes bringt. Schließlich kann sich die Furcht der indischen Bauern nur aus einem Rückgang der Lebensmittelpreise bzw. einem Anstieg der angebotenen Qualität am Markt herleiten, die ihnen in Zukunft das Leben schwer machen dürfte. Doch genau das liegt im Interesse von 1,2 Mrd. indischen Konsumenten. Im Vergleich dazu malt die taz ein Bedrohungsszenario für  einige Millionen vermeintlich Betroffene Landwirte.

Zum Glück können wir inzwischen recht genaue Aussagen über den Zusammenhang von Freihandel und Einkommen in einer Vielzahl von Ländern machen. Ein Blick auf die Grafik, in der die Korrelation zwischen dem Freihandelsindex des Economic-Freedom-Index des Jahres 2008 und dem Pro-Kopf-Einkommen illustriert ist, zeigt recht deutlich, dass sich die Öffnung der Märkte förderlich zur durchschnittlichen Einkommenssituation verhält. Freihandel mag keine Wohlstandsgarantie bedeuten, weil eine prosperierende Wirtschaft auch anderer Rahmenbedingungen bedarf, doch fällt auf, dass die Länder mit dem größten Wohlstand sich durch eine überdurchschnittlich hohe Freiheit des internationalen Handels auszeichnen. Gesamtwirtschaftlich stellt die Marktöffnung zweifellos einen Gewinn dar. Die Parteinahme für nur einen Teil der Bevölkerung, der besonders lautstark seine ökonomischen Interessen gegenüber der Politik artikulieren kann, scheint ein charakteristisches Merkmal globalisierungskritischer Berichterstattung zu sein.

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2 Antworten zu “Macht Freihandel arm?

  1. Herr Hentrich,
    ich denke es macht keinen Sinn, den ideologischen Blickwinkel der TAZ-Redakteure und deren Leserschaft mit Fakten zu konfrontieren, die der zugrundeliegenden linken Weltanschauungen widersprechen.
    Eben so gut kann man versuchen mit Islamgelehrten darüber zu diskutieren, welchen Beitrag die Schweinezucht zur Ernährung der Weltbevölkerung leistet.
    Die Begrenzung einer selbst erworbenen Sichtweise, die sich an Dogmen klammert, setzt eine Vorliebe für die Eingrenzung ihrer Mitmenschen als missionarische Motivation in Gang. Mit der Aussicht zum Oberkontrolleur aufzusteigen und luxuriöse Funktionärs Privilegien zu genießen.
    Daher das konkurrenzlose akzeptieren der Linken mit denen die halal Ideen-Handel betreiben und weder der politischen und wirtschaftlichen Liberalität noch der Weltoffenheit eines Freihandels zustimmen wollen.
    Das sprengt die „Setz-Kästchen ihrer Ideologie-Baustein-Sammlungen“.

  2. @ Herr Meier

    Sie haben ja so recht, daß es schon beinahe weh tut.

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