Buchrezension „Eigentum und Umweltschutz“

Charles B. Blankart

Steffen Hentrich (Hrsg.): Eigentum und Umweltschutz, Liberal Verlag. Universum Kommunikation und Medien AG, Berlin 2011, ISBN 978-3-942928-01-4 (kostenloser Download und Bestellmöglichkeit hier)

„Lokale Wasserknappheit, die Abholzung von Urwäldern, die Ausrottung seltener Tierarten, die Überfischung der Weltmeere, ja selbst der Klimawandel … sind ungelöste Probleme, den mit Verboten, Grenzwerten oder  Abgaben bislang nicht beizukommen war“, schreibt der Herausgeber Steffen Hentrich in der thematischen Einführung zum o.a. Sammelband. Sodann trifft er den wunden Punkt: „All diese Umweltprobleme haben eine Gemeinsamkeit, es fehlt eine klare Zuordnung von Eigentumsrechten an den betreffenden Naturressourcen.“ (S. 21).

Der Standard-Umweltpolitiker würde darauf antworten: Dass handelbare Eigentumsrechte den Wohlstand fördern, wissen wir schon seit Adam Smith’s „Wohlstand der Nationen“ (1776). Im Umweltbereich lautet jedoch die Frage: Wie kommen wir von einer Welt ohne Eigentumsrechten zu einer Welt mit Eigentumsrechten? Hier liegt das zentrale Problem, vor dem die meisten Umweltpolitiker kapitulieren. Sie rufen den Staat zu Hilfe, damit er mit seiner Befehlsgewalt das Problem angeht, dann aber meist nicht löst, weil er weder die nötige Information hat noch den durchschlagenden politischen Willen aufbringt. Folglich fällt das Problem an den Ökonomen zurück. Er hat Wege zu finden, um Eigentumsrechte zu etablieren und durchzusetzen, auch wo das schwierig erscheint.

In den folgenden drei Beiträgen zeigen Rögnvaldur Hannesson, Professor für Umweltökonomik an der Norwegian School of Economics and Business Administration, Rolf D. Baldus, der als Entwicklungsökonom der Praxis das Selous Wildreservat in Ostafrika  vor der Ausrottung bewahrt hat und anschließend die tansanische Regierung über 13 Jahre beraten hat im Gespräch mit dem Journalisten Michael Miersch, und schließlich der Ökomom und Philosoph Graham Dawson von der University of Buckingham, wie sich dieses schwierige Problem der Etablierung und Durchsetzung von Eigentumsrechten angehen und im Wesentlichen auch lösen lässt.

Hannesson befasst sich mit den Fischgründen in den Weltmeeren. Diese wurden noch am Ende des 19. Jahrhunderts als unerschöpflich betrachtet. Mit dem Aufkommen der Schleppnetzfischerei und anderen Neuerungen erhöhte sich jedoch die Effizienz der Fischerei um ein Vielfaches. Die Knappheit an Fisch stieg, und es stellte sich die Frage, ob sich die von Adam Smith hochgehaltenen Eigentumsrechte jetzt durch die „unsichttbare Hand“ des Marktes von selbst herausbilden. Hannesson zeigt in seinem Beitrag, dass es weniger die unsichtbare als die sichtbare Hand des Staates war, die zuerst die Drei-Meilen-Schutzzone (entsprechend der einstigen Reichweite von Küstenkanonen) entlang den nationalen Küsten durchsetzte. Dann kam ebenfalls mit Macht die amerikanische Theorie vom Festlandsockel und schließlich die heute noch gültige 200 Meilen-Zone, die alle Seenationen für sich beanspruchen. Hanesson schildert sodann, wie Staaten wie Neuseeland, Island, die USA und andere Staaten mit dem neu gewonnenen Recht umgehen. Mit individuell transferierbaren Fangquoten (ITQ) wurde ein guter Anfang gemacht. Doch nicht immer wurden die Quoten (etwa durch Auktionen) an die Fischer mit der höchsten Effizienz ihrer Produktion vergeben. Oft kam es auch zu Günstlingswirtschaft in Umfang und Zuteilung. Anders gesagt: Die Überwindung des Allmendeproblems durch Durchsetzung der 200-Meilen-Zone schuf ein neues politisch-ökomomisches Allmendeproblem des wettbewerblichen Lobbying nach privilegierter Zuteilung von Fangquoten, das als solches auch wieder soziale Kosten verursacht. Die 200-Meilen-Zone kann somit als Teilerfolg betrachtet werden, hinter den das für die weiter außen liegenden Weltmeere geltende UN Stock Fish Agreement, das keine Bindungskraft entfaltet, weit zurückfällt.

Faszinierend ist die Beschreibung von Baldus, dem es ihm gelingt, das Allmendeproblem im 50.000 Quadratkilometer großen Selous-Wildreservat in Afrika zu organisieren. Er überwand das unkontrollierte Abschießen nach dem Wettbewerbsprinzip dadurch, dass er die jeweiligen Dorfbewohner an den Erträgen der Jagd beteiligte. Gemeindeorientierte Wildbwirtschaftung bedeutet, dass demokratisch gewählte Gremien der Dorfgemeinschaft die Abschussquoten festsetzen und verkaufen und vom Erlös einen Teil behalten dürfen. Es bedarf – das ist das Wesentliche – nicht exklusiver, privater Eigentumsrechte, um eine nachhaltige Bewirtschaftung zu erzielen. Eigentum einer sozial zusammenhängenden Gruppe mit einem internen sozialen Sanktionssystem genügt, um die Ressource Wild nachhaltig zu nutzen und so zur Stabilisierung, ja Erhöhung ihres Bestandes beizutragen. Zu diesem Ergebnis gelangt auch die Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom in ihren theoriebasierten Untersuchungen,1990. Jagd vermindert den Wildbestand nicht (wie oft gesagt wird), sie erhöht ihn wenn kommunale Eigenverantwortung und Eigenbewirtschaftung etabliert wird. Besonders positiv für den Wildbestand in Afrika ist die (in Umweltkreisen verpönte) Trophäenjagd, weil die Einnahmen aus ihr sehr hoch sind und sie somit zur Pflege des Wildbestandes besonders beiträgt. Nur mittelmäßigen Ertrag liefern dagegen die viel Infrastruktur beanspruchenden Öko-Safari-Tours. Schlecht weg kommen bei Baldus die Tierschutzorganisationen, die die Jagd verbieten und dadurch die Lebensgrundlage der Dorfbewohner sowie die Erhaltung des Wildbestandes in Frage stellen wollen, wofür im Gegenzug die Wilderer ungehinderten Zugang erhalten.

„Anthropogene Globale Erwärmung“ (AGE): Gibt es das? Graham Dawson verneint es. Bei der AGE-Hypothese handle es sich „keineswegs und das größte Marktversagen, sondern vermutlich eher um die größte moralische Panik, die die Welt je gesehen hat.“ (S. 98). Das begründet Dawson mit Poppers Diktum, dass Erkenntnisse immer vorläufig sind und daher als Hypothesen, die noch nicht widerlegt worden sind, betrachtet werden müssen. Die „Ergebnisse,“ die der internationale Klimarat IPCC mit den nationalen Regierungen aushandelt, seien daher nichts anderes als Ansichten. Ja durch das Aushandeln von Kompromissen mit den Politikern verlieren sie selbst diese Eigenschaft. Was wäre herausgekommen, wenn Einsteins Theorie vor ihrer Veröffentlichung mit Politikern auf ihre Tragfähigkeit hätte überprüft werden müssen? Daraus folgert Dawson: „Alle bestehenden klimapolitischen Instrumente wie Steuern, Beihilfen, Regulierungen und der Emissionshandel sollten daher abgeschafft werden.“ (S.98). Solange man nichts weiß und kein Weltklimakonsens vorliegt, sollten die Nationen eine Politik der Anpassung und nicht der Klimakorrektur verfolgen. Umwelttechnisch schlägt Dawson eine Politik des Cap-and-Trade vor wie sie mit den EU-Umweltzertifikaten verfolgt wird. Dass deren Wirkung weltweit durch den Leakage Effekt aufgehoben wird, könnte besser ausgeführt werden. Ferner ist es ungewiss, ob es wirklich besser ist, Quantitäten (Caps) festzulegen und die Preise sich einpendeln zu lassen oder ob nicht besser die Preise festzulegen und die Mengen sich anpassen zu lassen. Letzteres würde die Lasten über das konjunkturelle Auf und Ab besser verteilen. Die eigentlichen Träger der Umweltpolitik sollten nach Dawson die Gerichte sein. Doch wer kontrolliert die Gerichte? Der Wettbewerb unter Gerichten? Das mag solange gut gehen, bis wir beim obersten Bundesgericht angekommen sind, das nicht mehr unter Wettbewerbsdruck steht. Es trifft aus seiner eigenen Sicht eine Niedrigkostenentscheidung, erzeugt aber Hochkosten-Konsequenzen für die Gesellschaft. Das ist eine denkbar ungünstige Anreizsituation.

Trotz einigen kritischen Punkten halte ich das Buch für sehr lesenswert. Es enthält viele Anregungen für all jene die einmal einen Ausflug weg von den Trampelpfaden des Mainstreams unternehmen wollen.

Charles B. Blankart war bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2010 Professor für Volkswirtschaftslehre am Institut für öffentliche Finanzen an der Humboldt-Universität Berlin. Seine Forschungsgebiete sind insbesondere öffentliche Finanzen, Public Choice und Föderalismus.

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