Den Euro retten?…Wovor?

Gérard Bökenkamp

Alle haben Angst vor der Apokalypse, aber niemand kann sich darunter so richtig etwas vorstellen. In jeder Zeitung und jedem Kommentar liest man, der Euro müsse gerettet werden. Wenn nicht gehandelt würde, dann würde der Euro scheitern usw. Wovor der Euro eigentlich gerettet werden soll und was „Scheitern“ eigentlich heißt, das bleibt nebulös. Unter dem „Scheitern“ des Euro kann man sich drei Dinge vorstellen:

  1. Der Wechselkurs bricht ein
  2. Einzelne Staaten verlassen die Eurozone
  3. Die Inflationsraten steigen

1.) Kommen wir zum ersten Punkt. Der Wechselkurs ist der Preis für eine Währung gemessen in einer anderen Währung. Wie jeder Preis ergibt sich dieser aus Angebot und Nachfrage und wie jeder Preis erfüllt der Wechselkurs eine wichtige Anpassungsfunktion. Wenn weniger Anleger Euro halten wollen, dann sinkt der Preis für Euros. Das heißt andere Währungen zu kaufen wird für Eurohalter teurer und den Euro zu kaufen wird für die Besitzer anderer Währungen billiger. Damit wird es teurer etwa in den USA Urlaub zu machen und leichter Produkte in den Nichteuroraum zu exportieren. Das ist alles. Bedeuten sinkende Wechselkurse, dass der Euro scheitert? Nein.

2.) Einzelne Staaten könnten den Euro verlassen. Die Frage ist, warum sollten sie das tun? Die zweite Frage wäre, wäre das so schlimm. Wenn einzelne Staaten der Eurozone den Rücken kehren, so ist nicht ersichtlich, dass das den Euro im Ganzen gefährden sollte. Besonders, wenn ökonomisch schwache Staaten das tun. Die Frage ist aber, warum sollten sie das tun? Nun, sie könnten nach der Rückkehr zur nationalen Währung ihre Wechselkurse anpassen und sich damit den Export erleichtern. Das würde bedeuten, dass die Kaufkraft der einheimischen Bevölkerung sinkt. Dies würde auch dann geschehen, wenn die Löhne und öffentlichen Ausgaben sinken würden. Der Effekt für die Bevölkerung dieser Staaten wäre letztendlich derselbe. Wenn ein Staat aus dem Euro austritt müssten die Schulden weiter in harter Währung bezahlt werden. Das heißt, der Staat käme auch nach dem Austritt um eine Umschuldung nicht herum. Ob die Umschuldung in oder außerhalb der Eurozone stattfindet,  macht also keinen wesentlichen Unterschied.

3.) Die dritte Möglichkeit des Scheiterns wären steigende Inflationsraten in der Eurozone. Schließlich ist versprochen worden, der Euro solle so stabil sein wie die D-Mark. Das hängt von der Geldpolitik der EZB ab. Wenn die EZB die Geldmenge stabil halten und darauf verzichten würde immer mehr Staatsanleihen anzukaufen, dann gäbe es auch keine Inflation. Dieses Problem ist also hausgemacht. Hätte man nicht die EZB dazu gedrängt, den Euro zu „retten“, wäre seine Stabilität nicht in Gefahr. Europa hätte dann ein Schuldenproblem aber kein Währungsproblem.

Fazit: Die Behauptung der Euro müsse „gerettet“ werden, ist eine vorgeschobene Behauptung, um Panik zu schüren und ein Druckmittel zu haben, um eine Transferunion zu rechtfertigen. Das Problem der europäischen Staaten ist banal. Viele Staaten geben einfach mehr Geld aus als sie einnehmen, das hat zu großen Schuldenbergen geführt. Die Schulden abzubauen und entsprechend eine auf Jahre und Jahrzehnte angelegte Konsolidierungspolitik zu betreiben, ist schmerzhaft. Ein wenig einfacher ist es für viele – so meinen sie – wenn sie ein Teil der Schulden kollektivieren und die Nettozahler dafür aufkommen müssen. Der aktuelle Konflikt lässt sich auf einen primitiven Verteilungskonflikt zurückführen: Die Schuldenstaaten wollen von den anderen Geld haben. Das ist der Kern der sogenannten „Euro-Krise.“

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5 Antworten zu “Den Euro retten?…Wovor?

  1. Der Wortlaut der Ergänzung zum Lissabon-Vertrag ist:

    „Die Mitgliedstaaten, deren Währung der Euro ist, können einen Stabilitätsmechanismus schaffen, der aktiviert wird, wenn dies unerlässlich ist, um die Stabilität der Euro-Zone als Ganzes zu sichern. Die Bewilligung finanzieller Hilfen wird unter strikte Bedingungen gestellt.“

  2. Auf den Punkt gebracht: Ein ganz banales Umverteilungsthema – das hinter großen Worthülsen versteckt wird.

  3. Das Wort Rettungsschirm ist ein PR Gag und soll verschleiern, daß es sich um eine Umverteilung vom Geld des deutschen Steuerzahlers in die Taschen der Banken, welche sich wieder mal verzockt haben, handelt.
    Die FDP macht sich zum Steigbügelhalter einer Politik, welche die totale Verarmung des deutschen Volkes zum Ziel hat.
    So wie sie den Lissabon Vertrag abnickt, der in verfassungsfeindlicher Manier unser Grundgesetz abgeschafft hat.
    Das ist nicht liberal sondern totalitär.

  4. Wir haben keine Eurokrise. Was einige Euro-Staaten haben ist eine Finanzkrise dieser Staaten

  5. Vollkommen richtig. Die Thematik sehr gut auf den Punkt gebracht, Herr Bökenkamp.
    Eine Umschuldung ist beim Austreten eines wettbewerbsschwachen Landes aus der Währungsunion vermutlich nicht zu vermeiden. Deutsche Banken wären davon stark betroffen. Es wäre allerdings deutlich billiger, eine oder einige Bank(en) in Deutschland zu retten, als einige Länder innerhalb der Eurozone zu retten.
    Die FDP täte gut daran, sich nicht weiterhin einer hauchdünnen Hoffnung hinzugeben, daß Griechenland und Portugal etc. ihre Haushalte nachhaltig sanieren. Damit hat selbst Deutschland die größten Probleme.

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