Die Moritat von der „ungelösten Endlagerfrage“

Nicht der Atommüll, sondern die grüne Anti-Atomkraftideologie leidet unter einem Endlagerungsproblem

Gastkommentar Klaus-Dieter Humpich

Die Mythenbildung war in der Menschheitsgeschichte immer schon ein Herrschaftsinstrument. Eine der letzten großen „Gespenstergeschichten“ ist die Moritat von der „ungelösten Endlagerfrage“. Als die Partei Bündnis 90/Die Grünen in ihrer Verkörperung als Umweltministers Trittin ein Gesetz erfanden, in dem die Wiederaufbereitung explizit verboten wurde (§ 7 (1) des Atomgesetzes), war die „Unlösbarkeit“ der Atomfrage erschaffen. Allerdings hat sich noch nie in der Geschichte des Sozialismus eine Partei selbst auf ein so tönernes ideologisches Fundament gestellt. Wahrscheinlich ein Trauma aus alten K-Gruppen-Zeiten. Wer sich noch an den Alltag der frühen 1980er Jahre an Westdeutschen Universitäten zurück erinnern kann, wird noch um die Spaltung der K-Gruppen im Wochenrythmus wissen. Es wurde immer absurder, für jedes Grüppchen einen neuen Slogan als Alleinstellungsmerkmal zu erfinden. Dies muss man wissen, will man Jürgen Trittin – als führenden „Kommunisten“ der damaligen Studentenbewegung – verstehen. Die krankhafte Aufrechterhaltung des Gründungsmythos als „Anti-Atomkraft-Bewegung“ ist allerdings im Internet-Zeitalter der einfach und frei zugänglichen Informationen ein gewagtes Unterfangen. Machen wir uns deshalb die Mühe, uns etwas näher mit dem „Entstehen des Atommülls“ auseinanderzusetzen. Aufklärung ist immer noch die beste Methode dem „Hexenwahn“ und anderen Geschichten der Finsternis entgegen zu leuchten.

Nähern wir uns der Frage zuerst physikalisch: Die gute alte Physik hat schon andere herrschende Ideologien zum Einsturz gebracht. Sie machte einst die Erde zu einer Kugel und ließ diese um die Sonne kreisen. Beides mit enormen Konsequenzen für das Denken und die Entwicklung der Menschheit. So wie die Erkenntnis, dass ein Atom, welches ein Neutron einfängt, in einen hoch angeregten Zustand versetzt wird, der es entweder spaltet oder ein neues instabiles Element bildet. Bei der Spaltung wandelt sich ein Teil seiner Masse in eine gewaltige Menge Energie. So gewaltig, dass wenn man ein einziges Gramm spaltet etwa gleich viel Energie entsteht, wie bei der Verbrennung von 3 Tonnen Kohle oder 13 barrel Öl (über 2000 Liter). Für die hiesigen Betrachtungen ist nur wichtig, dass durch die Spaltung auch nur ein Gramm Atommüll entstanden ist. Wie viel Müll bei der Verbrennung von drei Tonnen Kohle entsteht, mag sich jeder selbst ausrechnen. Wegen dieser Einzigartigkeit der Kernspaltung, ist es überhaupt möglich, dass ein Atom-U-Boot mehr als 33 Jahre mit einer Brennstoffladung beständig durch die Weltmeere fahren kann und dabei den Lebensraum (einschließlich Atemluft und Trinkwasser) für hunderte von Matrosen schafft. Hier bietet sich bereits ein weiterer Anhaltspunkt für die „Gefährlichkeit“ des Atommülls: Die Menschen leben für Monate in unmittelbarer Nähe zu ihrem Reaktor und das für viele Dienstjahre ihres Lebens ohne nachweisbare Schäden. Warum ist das möglich? Nun, niemand isst Atommüll. Dieser bleibt sicher eingeschlossen und durch mehrere Barrieren von den Menschen getrennt. Ionisierende Strahlung ist technisch einfach und in beliebig geringen Dosen zu messen. Nachweisgrenzen oder das vorab wissen müssen, was man überhaupt sucht um das richtige Analyseverfahren anwenden zu können, sind bei der Radioaktivität nicht nötig. Außerdem ist radioaktive Strahlung biologisch nicht annähernd so wirksam, wie viele Menschen befürchten. Radioaktivität ist überall in der Natur vorhanden. Könnten Lebewesen nicht damit umgehen, gäbe es weder Tiere noch Menschen. Entscheidend ist – wie bei allen Giften – die Dosis. Es gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied für die biologische Wirksamkeit: Ob man neben einer Strahlungsquelle steht (geringe „Krebsgefahr“) oder ob man radioaktive Stoffe in seinen Körper aufnimmt (Nahrung, Trinkwasser oder Atemluft). Plutonium kann man problemlos in die Hand nehmen, da die alpha-Strahlung nicht einmal die menschliche Haut durchdringt; man sollte es aber tunlichst nicht essen, da es als Schwermetall bereits ein Knochengift (chemische Wirkung) ist und bei seinem radioaktiven Zerfall auch noch „Krebs“ auslösen kann. Hiermit sind wir bei der nächsten Forderung: Man sollte radioaktive Stoffe sicher von der Umwelt isolieren, damit sie nicht in die Nahrungskette gelangen oder noch besser: Beseitigen. Doch dazu später. Zuerst noch ein paar Worte zu der Geschichte der Kerntechnik.

Die Geschichte der Kerntechnik ist leider untrennbar mit der Atombombe verbunden. Nicht auszudenken, welchen Verlauf sie genommen hätte, wenn sie nicht in den 1930er Jahren — mitten im fürchterlichsten Krieg der Menschheitsgeschichte — entdeckt worden wäre. Aus Angst vor dem Gegner stand die militärische Nutzung im Vordergrund. Man wollte möglichst schnell eine Bombe bauen. Dafür gab es und gibt es zwei Wege: Eine Uran-Bombe oder eine Plutonium-Bombe. Für den zweiten Weg musste ein chemisches Verfahren her, mit dem sich möglichst reines Plutonium 239 von dem Uran und den Spaltprodukten abtrennen ließ. Das PUREX-Verfahren (Plutonium Uranium Extraction) war geboren. Es ging nur darum, waffengrädiges Plutonium zu gewinnen. Alles andere war in diesem Sinne Abfall. Wegen der Waffengrädigkeit gab es nur eine geringe Spaltstoffkonzentration und praktisch keine Aktinoiden (Atome mit noch mehr Neutronen als Pu239). Dies sind gänzlich andere Bedingungen als bei „Atommüll“ aus einem Kraftwerk. Bis zum heutigen Tage hat man dieses Verfahren – wenn auch teilweise modifiziert – beibehalten. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass (bisher) alle Nationen mit Wiederaufbereitungsanlagen auch Kernwaffenstaaten sind. Mit anderen Worten: Wirtschaftlichkeit unter besonderen Randbedingungen. Ähnliches gilt für den Druckwasserreaktor: Er ist eigentlich kein besonders glückliches Modell, um elektrischen Strom in einem Kraftwerk herzustellen, aber das geeignetste Schiffsantrieb (Atom-U-Boot). Entsprechend sind überall auf der Welt konzentriert Mittel für Forschung und Entwicklung in dieses Modell geflossen. Mit dem Ergebnis, dass er heute den Markt für zivile Kraftwerke dominiert. Durch das Trauma der Irankrise stoppte Jimmy Carter (selbst mit kerntechnischer Ausbildung) die zivile Wiederaufbereitung in den USA. Da die USA über gewaltige preiswerte Uranvorkommen verfügen, wollte er durch eine langfristige „Zwischenlagerung“ abgebrannter Brennelemente eine Weiterverbreitung der Wiederaufbereitungstechnologie eindämmen. Ein — wie wir heute wissen — zum Scheitern verurteilter Weg.

Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges gab es unzählige Konzepte für eine (rein) friedliche Nutzung der Kernkraft. Bereits in den 1950er Jahren baute man Prototypen von Kraftwerken, die das Uran besser nutzen sollten, weniger (langlebigen) Atommüll produzierten oder Thorium verwendeten. Stichworte hierfür sind Reaktoren mit schnellen Neutronen mit Natrium oder Blei/Wismuth als Kühlmittel und Hochtemperaturreaktoren mit Thorium als Brennstoff und Helium als Kühlmittel. Noch weiter ging der Schritt, Brennstoff und Kühlmittel miteinander als geschmolzene Salzlösung zu kombinieren. Bis heute verfolgt Russland beharrlich das Konzept einer „Atomwirtschaft“ aus drei Reaktortypen: Die Grundlast soll mit natriumgekühlten „schnellen Brütern“ erzeugt werden, Leichtwasserreaktoren heutiger Bauart als „Arbeitspferde“ dienen und deren „Atommüll“ in einigen wenigen Salzbadreaktoren „verbrannt“ werden. Worin bestehen nun die Unterschiede im Atommüll solcher (fortschrittlichen) Konzepte?

Hier kommt die Lebensdauer ins Spiel. Wäre der „Atommüll“ innerhalb von — sagen wir 300 Jahren — vollständig verschwunden, würde die Diskussion sicherlich zu einer gänzlich anderen Bewertung führen. Als Totschlagargument gegen die Kerntechnik dient die Gefahr für Jahrmillionen. Diese besteht aber nur, wenn man so langlebige Isotope, wie Plutonium und die  sog. „Minoren Aktinoiden“ weiter bestehen lässt. Genau dies fordern aber nur die Deutschen Grünen! Machen wir uns nichts vor, selbst wenn heute weltweit mit der Nutzung der Kernenergie (Brückentechnologie!) Schluss gemacht würde, würden einige tausend Tonnen Plutonium und Aktinoiden — nicht zuletzt aus der Rüstung — verbleiben. Diese sollen nach den Wünschen von Trittin und Co aus rein ideologischen Gründen einfach verbuddelt werden. Wahrscheinlich als Dünger für die Verwirklichung des Sozialismus. Diese Forderung von „Atomkraftgegnern“ kann man nur als pervers bezeichnen. Es soll eine vermeidbare Gefahr aus einer verquasten Ideologie heraus erhalten werden, um Argumente für die Durchsetzung unsinniger Investitionen in Wind und Sonne rechtfertigen zu können. Warum ist die Rückkehr zu einer Wiederaufbereitung — als erster Schritt zur Beseitigung — zwingend notwendig? Wenn ein Brennelement den Reaktor verlässt, besteht es immer noch zu rund 95% aus Uran. Ein Recycling vermindert die weiterhin zu „bewachende“ Menge auf weniger als 5%. Ein bereits nicht als gering zu schätzender Vorteil. Trennt man nicht nur das Plutonium, sondern auch die Aktinoiden ab, verbleiben die Spaltprodukte, die nach etwa 400 Jahren vollständig verschwunden sind. Plutonium wird bereits heute weltweit in konventionellen Reaktoren als Brennstoff wirtschaftlich eingesetzt. Das eigentliche Problem stellen die „Minoren Aktiniden“ dar, sie lassen sich aber in Reaktoren mit schnellem Neutronenspektrum „mit verbrennen“.

Noch einmal zur Klarstellung, um ein oft gehegtes Missverständnis zu vermeiden: Eine Wiederaufbereitung ist ein rein chemisches Verfahren, bei dem weder Radioaktivität erzeugt noch vernichtet wird. Die Radioaktivität ist am Ende des Prozesses gleich groß, wie am Anfang (abgesehen von einigen Zerfällen während des Prozesses). Jede Wiederaufbereitung dient nur zur (möglichst guten) Trennung in verschiedene Fraktionen. Die größte Fraktion ( 95% Uran) stellt das Uran dar. Da es in seiner Zusammensetzung etwa dem Natururan entspricht, ist es — vom Standpunkt der Radioaktivität betrachtet — völlig harmlos. Jeder, der beispielsweise schon mal mit einem Jumbo geflogen ist, war von mehreren Kilogramm Uran in Form von Ausgleichsgewichten etc. für Stunden umgeben. Ohne ideologische Begleitung wird hierbei offensichtlich ein „Krebsrisiko“ akzeptiert, was für 95% eines abgebrannten Brennelements plötzlich zur „Gefahr für die Menschheit“ hoch stilisiert wird. Kommen wir nun zu den rund 3% Spaltprodukten. Wenn sich Uranatome zerlegen, entsteht praktisch das gesamte Periodensystem chemischer Elemente. Die neu entstandenen Elemente sind überwiegend radioaktiv und zerfallen in bekannten Ketten weiter, bis ein stabiler Zustand erreicht wird. Als Maßstab für die Lebensdauer verwendet man die Halbwertszeit. Das ist die gemessene Zeitdauer, nach der genau noch die Hälfte der ursprünglichen Stoffmenge vorhanden ist. Dieser Zerfall ist übrigens durch nichts zu beschleunigen oder zu verlangsamen. Es hat sich eingebürgert, die zehnfache Halbwertszeit als die Zeitdauer anzusetzen, nach der der Stoff (praktisch, d. h. bis auf weniger als ein Promille) verschwunden ist. In diesem Zeitraum ist eine sichere Lagerung erforderlich. Ob es sinnvoll ist, die Spaltprodukte in Salzstöcke zu verbuddeln, dazu später. An dieser Stelle ist fest zu halten, dass die Spaltprodukte kein Problem für geologische Zeiträume, sondern allenfalls wenige Jahrhunderte  darstellen. Ein Zeitraum, der sonst — es sei hier nur auf „chemische Gifte“ und deren Deponien verwiesen — gesellschaftlich locker akzeptiert wird.

Kommen wir nun zum „Endlagerproblem“. Lediglich die Stoffe, die sich durch das (wiederholte) Einfangen eines Neutrons ohne Spaltung gebildet haben, ergeben wegen ihrer langen Halbwertzeit ein „Problem für die Menschheit“. Dies fängt beim Plutonium an und setzt sich über die Gruppe der „Minoren Aktinoiden“ fort. Es war immer geplant, das eine Prozent Plutonium aus den „abgebrannten“ Brennstäben zu extrahieren und im Kraftwerk wieder als Brennstoff zu verwenden. So kann aus etwa sieben abgebrannten Brennstäben ein neuer (sog. Mischoxid) hergestellt werden. Nebenbei gesagt, eine Technologie die in Deutschland entwickelt und zur Anwendung gebracht wurde. Durch die Hysterie von Rot/Grün („Plutoniumfabrik“ in Hanau) ist dieser Vorteil verspielt worden, wird dafür aber überall in der Welt dankend weiterverwendet. Neuerdings auch großtechnisch in Japan. Ein Anhaltspunkt, wie groß der technische Fortschritt in Deutschland auf diesem Gebiet einmal war, bis der „Taxifahrer“ Joseph Fischer seinen Hass auf das System als Umweltminister in Hessen auszuleben begann. Das war die Geburtsstunde der „Endlagerproblematik“, die dann von Müller/Trittin/Schröder/Fischer mit der Neufassung des „Atomgesetzes“ und dem darin enthaltenen Verbot der Wiederaufbereitung und der „Konditionierung der Brennelemente“ in Gorleben und deren Endlagerung vollendet wurde. Man kann es sehen, wie man es sehen möchte, als Plan zur Deindustriealisierung Deutschlands oder als Vorbereitung der persönlichen Lebensplanung: Müller anschließend im Kohlengeschäft, Schröder und Fischer im internationalen Gashandel.

Von der gesamten „Endlagerproblematik“ bleiben bisher nur die „Minoren Aktinoide“, die sich im Bereich einiger Promille des abgebrannten Brennstoffes bewegen, übrig. Bisher wurden diese international wegen ihrer geringen Menge nicht als Problem betrachtet. In Frankreich z. B. sollen sie zusammen mit den Spaltprodukten in Glas eingeschmolzen und langfristig gelagert werden. Sie lassen sich nur recht aufwendig mit dem PUREX-Verfahren abtrennen. Allerdings war ein solcher zusätzlicher Verfahrensschritt bei der Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf bereits in der technischen Planung. Der Baustopp der Anlage Wackersdorf war übrigens das erste Bubenstück des Herrn Müller, welches ihn anscheinend zum Minister — parteilos — unter Schröder qualifizierte. Gleichwohl, hat man die Aktinoiden erst mal chemisch aus der Suppe der Spaltprodukte abgetrennt, ist ihre Beseitigung — unter Energiegewinnung — nur eine Frage „überschüssiger“ Neutronen. Egal ob man diese aus „schnellen“ Reaktoren (international favorisierte Lösung), Spallationsquellen (Deutschland) oder Laser-Fusion (USA) bezieht. Alle Verfahren funktionieren und sind bereits erprobt, aber mehr oder weniger kostenintensiv. Bezüglich der Kosten hat aber in den letzten Jahren grundsätzlich eine Verschiebung stattgefunden: Kerntechnik ist nicht mehr in Konkurrenz zu billigem Öl und Kohle, sondern als Alternative zu den exorbitant hohen Kosten der „erneuerbaren“ Energien zu bewerten. Sollte tatsächlich die Versorgung durch Wind und Sonnenenergie die neue Vergleichsbasis werden, wird schlagartig das „Jahrtausend der sauberen Kernenergie“ ausbrechen. Im Moment spricht vieles dafür. Asien (China, Japan, Südkorea und Indien) setzen bereits voll auf diese Karte. China sieht Kerntechnik als die kommende Schlüsseltechnologie an und will auf diesem Gebiet Weltmarktführer werden. Die USA entwickeln gerade fieberhaft eine Antwort auf diese Herausforderung. Nur Deutschland setzt tapfer auf „Plastikflügel auf Stahlmasten“. Wer das verstehen will, sollte sich mal in die Archive begeben und die Flugblätter der „Anti-Atomkraft-Bewegung“ noch einmal lesen. Dort wurde die Nutzung von Wind und Sonne nie als „High-Tech“ verkauft, sondern stets als „Angepaßte Technologie“ bezeichnet. Sie sollte gerade ein Gegenmodell zur Industriegesellschaft bilden. Sozusagen mit dem Windrad auf dem Biobauernhof in die schöne neue Welt des Sozialismus. Überspitzt könnte man auch sagen: Kampuchea light.

Abschließend stellt sich die Frage, ob „Atommüll“ überhaupt Müll ist. Spaltprodukte sind genauso Abfall, wie eine Plastiktüte oder sonstiger Schrott. Sie enthalten jede Menge wertvoller Rohstoffe. Es gibt bereits in Indien ein kommerzielles Projekt, was sich mit der Extraktion von Rhodium beschäftigt. Man ist dort der Meinung, dass allein der Gehalt an Rhodium und Palladium (beides wichtige Ausgangsmaterialien für Katalysatoren) im „Atommüll der Welt“ zu heutigen Preisen bereits mehrere hundert Milliarden Dollar beträgt. Indien ist mit diesen Gedanken nicht allein. Wir erinnern uns, die Aktivität nimmt mit der Zeit exponentiell ab. Der erste Atommüll aus den frühen Atombombenprogrammen ist schon über 60 Jahre alt, d. h. bereits stark abgeklungen. Je geringer die Aktivität, je einfacher und damit billiger ist er technisch handhabbar. Deshalb gibt es in keinem Land der Welt — mit der einzigen Ausnahme Deutschland — mehr das Konzept einer Endlagerung. Überall geht man heute von einer zwar langfristigen aber stets rückholbaren Lagerung aus. Ob dies oberirdisch (USA), in Kammern im Granitfels (Finnland) oder unterirdisch in Ton (Schweiz) erfolgt, ist nahezu Geschmackssache. Technisch hat alles seine Vor- und Nachteile. Der Atommüll ist eine der seltenen Ausnahmen, wo das spielen auf Zeit durchaus wirtschaftlich ist. Je länger man mit dem Recycling wartet, desto einfacher ist die Handhabung. Die Lagerkosten sind wegen der geringen Mengen zu vernachlässigen. Wir erinnern uns: 1 g Uran setzt soviel Energie frei, wie 3.000.000 g Kohle. Die Lagerkosten spielen bezogen auf seinen Wert eine geringere Rolle als bei Gold.

Nun noch ein paar Worte zu den „Endlagern“. In jedem Land wurde nach den „besten“ unter den „möglichen“ Standorten gesucht. Kleine Länder haben deshalb nur eingeschränkte Auswahlmöglichkeiten. Wenn man einen Stoff, den man als gefährlich ansieht, über sehr lange Zeiträume von „menschlichen Aktivitäten“ fern halten will, muss man unter den geeigneten Formationen die auswählen, die am wenigsten wert ist. Es macht wenig Sinn, den Atommüll in Gebiete zu verbuddeln, von denen man weiß, dass sie wertvolle Rohstoffe enthalten. In Deutschland ist dieser Stoff Salz. Das ist der Grund, warum man hier Salz als „Mülldeponie“ — auch für sonstige gefährliche chemische Stoffe — verwendet und nicht z. B. alte Kohlegruben. Insofern ist die Suche nach „alternativen Standorten“ ein äußerst fadenscheiniges Argument. In Frankreich und der Schweiz will man Tonschichten verwenden und in Schweden und Finnland Granit. Das sind die dort „minderwertigsten“ geologischen Vorkommen. Ebenso ist jedem Fachkundigen, der Zustand der alten, außer Betrieb genommenen Salzbergwerke Asse und Morsleben (dort ruht der „Atommüll“ der DDR, der wegen des richtigen Klassenstandpunktes natürlich völlig ungefährlich ist) bekannt gewesen. Ganz einfach und deutlich gesagt: Es war immer klar, dass in beide Bergwerke innerhalb kürzester Zeit Wasser eindringt. Es war deshalb — jedenfalls im Falle Asse und Schacht Konrad — immer nur die Grundlage aller Untersuchungen und Berechnungen, mit welcher Geschwindigkeit und in welchem Zeitraum aufgelöster „Atommüll“ wieder in biologisch genutzte Bereiche gelangt! Es kann immer nur um Wahrscheinlichkeiten gehen. Endlösungen gibt es nur in der Vorstellungswelt von Deutschlehrern und Sozialwirten.

Nach der Bestandsaufnahme stellt sich nun die Frage, in welche Richtung die weitere Reise gehen sollte. Der wichtigste Schritt ist, endlich Schluss mit der Realitätsverweigerung zu machen: Es gibt bereits heute „Atommüll“ und es wird auch auf jeden Fall weiterhin welcher produziert werden — unabhängig von Kernkraftwerken. Es sei denn, man will auch aus der Nuklearmedizin und Werkstofftechnik aussteigen. Das wäre allerdings das endgültige Bekenntnis zum Modell Kampuchea! Darauf ist immer wieder klar und deutlich in der Öffentlichkeit hinzuweisen. Wer das „Risiko Strahlung“ ausschalten will, muß auch die Verantwortung für die daraus resultierenden Konsequenzen (z. B. Verzicht auf Nuklearmedizin) übernehmen. Es ist jedem Menschen freigestellt, sich einer „Strahlenterapie“ z. B. bei Krebs zu verweigern. Wenn man sich aber zu einer Nutzung der „Strahlung“ entscheidet, muss man sich auch der Verantwortung des „Müllproblems“ stellen. Dies ist nicht anders, als bei einem Sonnenkollektor. Wer sich ein solches Gerät zur persönlichen Gewinnerzielung auf das Dach stellt, muss auch die Verantwortung für die Gifte bei Produktion und Beseitigung übernehmen. Die Vorstellung von einer Welt, in der es nur Vorteile oder nur Nachteile gibt, sollte sich mit dem „erwachsen werden“ erledigt haben.

Hat man die Realität zur Kenntnis genommen, geht es darum „mögliche“ Lösungen vorurteilsfrei zu diskutieren. Die Betonung liegt dabei auf „Möglichkeiten zu schaffen“. „Endlösungen“ gibt es nur in sozialistischen Weltvorstellungen. Auf die „Atommüllfrage“ übertragen heißt das: Wiederverwendung bzw. Beseitigung (Plutonium etc.) muss vor Deponierung gehen. Technische Lagerung ist einem vermeintlich kostengünstigem „verbuddeln“ vorzuziehen. Spätestens nach der Erfahrung mit der Asse und Morsleben sollte dies jedem bewusst geworden sein. Es muss endlich wieder dem Begriff der „Wirtschaftlichkeit“ Geltung verschafft werden. Ist es wirklich sinnvoll, weitere Milliarden in den politischen „Zankapfel Gorleben“ zu versenken? Technisch ist das nicht notwendig. Diverse Alternativen einer langfristigen und sicheren Lagerung stehen bereit. Aus dem sehr standfesten und trockenem Schacht Konrad könnte beispielsweise mit weit aus geringerem Aufwand ein „rückholbares“ Lager nach skandinavischem Vorbild gemacht werden. Es wäre hierzu eine rein politische Entscheidung notwendig. Deutschland muss sich wieder auf die internationale Bühne der kerntechnischen Forschung und Entwicklung begeben. Man würde uns mit offenen Armen empfangen! Allerdings kann nur Deutschland selbst, das finstere Rot/Grüne-Zeitalter der totalen Verweigerung beenden. Die Aufgabe der Politik ist es „Möglichkeiten zu schaffen“ und nicht die Welt mit ideologischen „Glaubensbekenntnissen“ und „endgültigen Lösungen“ zu fesseln. Sollten wir wirklich nichts aus unserer jüngeren Geschichte gelernt haben?

75 Antworten zu “Die Moritat von der „ungelösten Endlagerfrage“

  1. Sie schreiben am Schluss:

    „Die Aufgabe der Politik ist es „Möglichkeiten zu schaffen“ und nicht die Welt mit ideologischen „Glaubensbekenntnissen“ und „endgültigen Lösungen“ zu fesseln. Sollten wir wirklich nichts aus unserer jüngeren Geschichte gelernt haben?“

    Diese Frage müssen Sie an sich selbst richten. Ihr Artikel ist doch nichts anderes als ein ideologisches Glaubensbekenntnis. Sie verweigern sich komplett der wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Realität. Wenn das alles so ist, wie Sie schreiben, warum reißen sich Bürger, Kommunen und Bundesländer dann nicht um Endlager oder Wiederaufarbeitungsanlagen? Warum hat nicht einmal das angeblich so Atomenergie-freundliche Frankreich ein Endlager in Betrieb? Warum herrschen – wenn das alles so ungefährlich ist – rund um die WAAs in La Hague und Sellafield seit Jahrzehnten nichts als Vertuschung, Geheimhaltung und Lügen?

    Ich weiß nicht, ob Sie für die FDP oder im Sinne der FDP schreiben. Wenn ja, wunderts mich wirklich nicht, warum diese Partei nach ein paar Monaten an der Regierung schon wieder bei 5% oder noch weniger steht. Sie müssen endlich die Realitäten akzeptieren und nicht ideologische Weltfremdheit wie eine Monstranz vor sich hertragen.

    • Sehr geehrter Herr Heindl,

      es wäre auch für die anderen Leser hilfreich, wenn Sie dem Autor die konkreten Stellen, an denen er ideologisch argumentiert, nennen würden und Ihre Vorwürfe begründeten. Ansonsten setzen Sie sich dem Verdacht aus, genau das selbst zu praktizieren, was Sie Herrn Humpich vorwerfen.

      MfG

      Steffen Hentrich

      • Markus Heindl

        Sehr geehrter Herr Hentrich,

        jeder, der sich Materie auskennt und ERNSTHAFT damit befasst, stößt doch beim Lesen ganz von alleine auf „ideologischen“ Stellen dieses Artikels. Ich nenne dennoch einige davon; los geht’s ja gleich am Anfang des Artikels:

        1. „Die Mythenbildung war in der Menschheitsgeschichte immer schon ein Herrschaftsinstrument. Eine der letzten großen „Gespenstergeschichten“ ist die Moritat von der „ungelösten Endlagerfrage“. Als die Partei Bündnis 90/Die Grünen in ihrer Verkörperung als Umweltministers Trittin ein Gesetz erfanden, in dem die Wiederaufbereitung explizit verboten wurde (§ 7 (1) des Atomgesetzes), war die „Unlösbarkeit“ der Atomfrage erschaffen. Allerdings hat sich noch nie in der Geschichte des Sozialismus eine Partei selbst auf ein so tönernes ideologisches Fundament gestellt. Wahrscheinlich ein Trauma aus alten K-Gruppen-Zeiten. Wer sich noch an den Alltag der frühen 1980er Jahre an Westdeutschen Universitäten zurück erinnern kann, wird noch um die Spaltung der K-Gruppen im Wochenrythmus wissen.“
        Wer von der Entsorgungsfrage nach wenigen Worten auf die K-Gruppen der 70er Jahre kommt, zeigt dass es ihm nicht um die sachliche Erörterung der Entsorgungsfrage geht, sondern um parteipolitisierte Auseinandersetzung. In KEINEM Land der Erde ist die Entsorgung des Atommülls geklärt. Insofern ist es abstrus, dies nur auf Deutschland zu beziehen und dann auch noch alte Kamellen wie die K-Gruppen ins Spiel zu bringen. Wo besteht denn da ein Zusammenhang???

        2. „Man sollte radioaktive Stoffe sicher von der Umwelt isolieren, damit sie nicht in die Nahrungskette gelangen oder noch besser: Beseitigen.“

        Genau das ist doch das Problem. Worüber reden wir denn die ganzen Zeit? Nehmen wir mal zum Beispiel Wiederaufarbeitungsanlagen. Wie wird bei den Anlagen, die in Betrieb sind, den mit Radionukliden verfahren? Man kann sie nicht einfach beseitigen oder isolieren. Die Lösung ist Abwasser oder Abluft. In La Hague und in Sellafield bediente man sich immer schon der Abwasser-Lösung, bei der geplanten deutschen WAA, deren Bau 1989 Gott sei Dank eingestellt wurde, wäre es – mangels anliegender Ozeane – die Abluft gewesen (Kamin), zum Teil auch das Abwasser (Fluss Naab). Die Planungsunterlagen haben damals daraus überhaupt kein Geheimnis gemacht. Abwasser oder Abluft ist jedenfalls immer gleichbedeutend mit Anreicherung in der Nahrungskette.

        3. „Machen wir uns nichts vor, selbst wenn heute weltweit mit der Nutzung der Kernenergie (Brückentechnologie!) Schluss gemacht würde, würden einige tausend Tonnen Plutonium und Aktinoiden — nicht zuletzt aus der Rüstung — verbleiben.“
        Was ist denn das für ein Argument? Also immer weiter auf dem gleichen Holzweg? Man könnte ja auch sagen, dass trotz des Tötungsverbots weiterhin Menschen ermordet werden. Ist das Tötungsverbot daher falsch?

        4. „Noch einmal zur Klarstellung, um ein oft gehegtes Missverständnis zu vermeiden: Eine Wiederaufbereitung ist ein rein chemisches Verfahren, bei dem weder Radioaktivität erzeugt noch vernichtet wird.“
        Dieser Satz ist schlicht falsch. Was passiert denn bei dem chemischen Verfahren, das Kernbrennstäbe zerlegt? Vllt. könnte der Autor begründen, warum er der Meinung ist, dass dabei keine Radioaktivität erzeugt wird? Denn dieser Satz ist wirklich 100% ideologische Volksverdummung, die niemand glaubt. Weiter unten schreibt der Autor dann selbst in verschwurbelter Form von „neu entstehenden Elementen“…

        5. „Ein Anhaltspunkt, wie groß der technische Fortschritt in Deutschland auf diesem Gebiet einmal war, bis der „Taxifahrer“ Joseph Fischer seinen Hass auf das System als Umweltminister in Hessen auszuleben begann.“
        Diesen Satz muss man eigentlich nicht kommentieren. Er zeigt nur, dass der Autor einen abgrundtiefen Hass gegen die Partei der Grünen hat. Für das Endlager-Problem letztlich aber völlig bedeutungslos. Um es mal geradezurücken: Die BRD besteht seit 1949 und damit seit nunmehr 61 Jahren. Davon haben die Grünen auf Bundeseben ganze sieben Jahre regiert. Die FDP und die Union waren viel länger an der Regierung, hätten die Entsorgung des atomaren Mülls eigentlich locker organisieren können ,wenn das alles so einfach wäre. Lange Rede kurzer Sinn: Der „Taxifahrer“ tut hier eigentlich gar nichts zur Sache. Wer das Entsorgungs-Problem auf solche Nichtigkeiten reduziert, verweigert sich den Realitäten und argumentiert zynisch.

        6. „Man kann es sehen, wie man es sehen möchte, als Plan zur Deindustriealisierung Deutschlands oder als Vorbereitung der persönlichen Lebensplanung: Müller anschließend im Kohlengeschäft, Schröder und Fischer im internationalen Gashandel.“
        Eine wunderschöne Verschwörungstheorie. Braucht man nicht zu kommentieren.

        7. „Der Baustopp der Anlage Wackersdorf war übrigens das erste Bubenstück des Herrn Müller, welches ihn anscheinend zum Minister — parteilos — unter Schröder qualifizierte.“
        Na ja, na ja. Etwas komplexer war das damals schon.

        8. „China sieht Kerntechnik als die kommende Schlüsseltechnologie an und will auf diesem Gebiet Weltmarktführer werden.“

        Ach, China als technologisches Vorbild? Wunderbar!

        9. „Sozusagen mit dem Windrad auf dem Biobauernhof in die schöne neue Welt des Sozialismus. Überspitzt könnte man auch sagen: Kampuchea light.“

        An dieser Stelle disqualifiziert sich der Autor als hasserfüllter Geiferer selbst. Gott sei Dank sind solche Parolen im modernen Deutschland nicht mehrheitsfähig.

        10. „Abschließend stellt sich die Frage, ob „Atommüll“ überhaupt Müll ist.“

        Nein, wahrscheinlich ist es ein Wertstoff, mit dem man gut Geld verdienen kann. Daher die Pläne, die Entsorgung zu privatisieren. Und da es kein Müll ist, wäre ich dafür, dass sich jeder wahre Libertäre einen abgebrannten Brennstab ins Wohnzimmer legt.

  2. Danke für diesen sachlichen Kommentar. Die erste Antwort darauf zeigt, dass Atomkraftgegner immer noch nicht zu einer sachlichen Auseinandersetzung bereit sind. Da diese ihr politisches Betätigungsfeld vor allem auch außerhalb unserer demokratischen Organe sehen, stellt sich die Frage, ob man nicht mit der entsprechenden Aufklärung genügend Bürger finden kann, eine Art „Atomkrfatbewegung“ zu begründen. Ich lebe neben Deutschland in Schweden und Frankreich, wo man dies – mal abgesehen von den sympathisch niedrigeren Energiekosten – anders sieht. So ist z. B. auf meiner französischen Stromrechnung – die incl. Heizung etwa 1/5 der deutschen beträgt – immer der Anteil der Kernenergie vermerkt. Dies sind immer über 80% und ich habe noch niemanden getroffen, den dies (dort) störte.

    • Sehr geehrter Herr Ehrl,

      ich bin mir sehr sicher, dass jeder Atomkraftgegner zu einer sachlichen Auseinandersetzung bereit ist. Nur leider wird diese Auseinandersetzung oft nicht unternommen. Ich würde mir z.B. wünschen, dass im TV mal Frau Merkel oder Herr Röttgen zur besten Sendezeit mal ganz ruhig und sachlich mit ein paar Atomkraftgegnern diskutieren. Das gibt es aber nicht. Man verweigert sich sowohl seitens der Bundesregierung als auch seitens der vier großen Betreiber von AKW jeder sachlichen Auseinandersetzung. Dafür macht man lieber „Geheimverhandlungen“. Ein wirklich sehr überzeugendes Demokratieverständnis.

      Interessant ist ihr Gedanke, eine Atomkraftbewegung zu betreiben. Ja warum denn nicht????? Wer um alles in der Welt hindert sie denn daran? Es gäbe beste Connections zu den großen Stromerzeugern und jede Menge Startkapital (siehe jüngste Zeitungsannonce pro AKW). Wir sind Gott sei Dank eine Demokratie, in der natürlich auch eine Pro-AKW-Bewegung ihren Platz hat. Aber bitte tun sie mir einen gefallen: Schieben Sie die fehlenden Bataillone der Pro-AKW-Bewegung nicht von sich weg, sondern akzeptieren Sie einfach, dass es kaum Menschen gibt, die bereit wären, für diese hochgefährliche, teure Technologie auf die Straße zu gehen. Ich glaube es liegt einfach an den besseren Argumenten, warum es eine Anti- aber keine Pro-AKW-Bewegung gibt. Diese gibt es übrigens auch nicht in den von ihnen genannten Ländern Schweden und Frankreich.

      • Steffen Hentrich

        Sehr geehrter Herr Heindl,

        vielleicht liegt es daran, dass Menschen die keine Atomkraftgegener sind besseres zu tun haben, als für oder gegen irgendetwas auf die Straße zu gehen. Sie kaufen es einfach und äußern dadurch ihre Präferenzen.

        Mit besten Grüßen

        Steffen Hentrich

      • Sehr geehrter Herr Heindl,
        ich beziehe mich auf Ihre Antwort an Herrn Hentrich: Also, Hass kann ich dem Beitrag von Herrn Humpich nicht entdecken, sondern sehr viele interessante Informationen. Diese lassen die fragwürdige Energiekonzeption von Rot/Grün wie ein Kartenhaus zusammen stürzen. Weil Sie auf der Endlagerfrage herum reiten: Aus dem Beitrag wird sehr anschaulich, dass eine sinnvolle Wiederaufbereitung diese Frage sehr relativiert. In Deutschland wurde, im Gegensatz zu anderen Teilen der Welt, ein Riegel vorgeschoben.

  3. Pingback: Dreimal Endlagerung « Erich sieht

  4. Sehr guter Artikel. Leider wird ihm der Sprung ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit nicht gelingen, da es nunmal viel einfacher ist, die Angst der Menschen für sich zu nutzen. Und wenn das böse Wort der „Wirtschaftlichkeit“ ins Spiel kommt, dann ist man als Linker auf der sicheren Seite, weil man vorgibt, Mitgefühl den wirtschaftlichen Interessen entgegenzusetzen. Hat was von Gandhi, der Herr Trittin. 😉

  5. Pingback: B.L.O.G. – Bissige Liberale ohne Gnade » Das Endlagerungsproblem der grünen Atomkraftideologie

  6. @ M. Heindl

    Wenn Sie ab und an auch ausländische Presse konsumieren würden (Vorsicht: nicht wie gewohnt „linksliberal“ Gedankengut), dann wüssten Sie, dass sich insbesondere finnische Gemeinden um ein Endlagerstandort regelrecht gerissen haben. Also: Immer schön Augen und Ohren offen halten, auch ausserhalb unseres verklärten Heimatlandes!

    • @Andy

      Ok, akzeptiert.
      Ich habe kein Problem damit, dass andere Länder die Frage der Atomenergie anders beurteilen. Das ist ja auch in anderen Politikfeldern so, dass zwischen Ländern große Unterschiede herrschen (Gesundheitspolitik etc.).
      Wenn aber in Deutschland die Mehrheit der Bevölkerung seit vielen Jahrzehnten in der Frage der Atomenergie eine Anti-Haltung besitzt, sollte man das irgendwann ebenso akzeptieren können, ohne diese Leute in die Ecke von Ideologen oder Spinnern rücken zu wollen.
      Ausserdem wage ich die Behauptung, dass Okiluoto eine Ausnahme ist, was das Endlager angeht. Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.

  7. Super Artikel! Den werde ich gleich ausdrucken, noch mal lesen und die Argumente in der nächsten Diskussionsrunde mit meinen linken Bekannten und Verwandten verwenden. Ganz vielen Dank!

  8. @ Herr Hentrich

    Na, das ist Ihre Vermutung. Mehr nicht. Im Unterton kann man bei Ihnen folglich eine Abneigung gegen Demos auf der Straße erkennen. Das sehe ich halt ganz anders. Die Demonstrationsfreiheit ist ein sehr hohes gut. Und es ist sicher auch nicht so, dass die, die auf die Straße gehen, alles arbeitslose Faulenzer sind. Ich hoffe nicht, dass Sie das suggerieren wollten, aber „besseres zu tun haben“ lässt leider darauf schließen.

    Was die Präferenz-Äußerung durch Kaufentscheidung angeht, stimme ich Ihnen vollkommen zu. Auch Atomkraftgegner können auf diese Weise ihre Präferenz äußern und tun das ja auch. Ich möchte zum Beispiel als Konsument auch mitentscheiden können, wie der Strom, den ich einkaufe, erzeugt wird. Und ich finde, dass zu dieser Palette eben auch der sogenannte „Ökostrom“ zählen muss. Leider hatte die FDP als Partei in Regierung und Opposition noch nicht eine Minute ein Interesse daran, dass Verbraucher diesen Strom kaufen können. Es herrscht im liberalen Lager eine regelrechte manische Hysterie gegen erneuerbare Energien. Das finde ich schade, und ich kanns irgendwie auch nicht nachvollziehen.

    Grüße
    M. Heindl

    • Das Sie Argumente gegen die Förderung von Erneuerbare Energien nicht nachvollziehen können, kann ich gut verstehen, da Sie sich offenbar mit den Argumenten nicht hinreichend auseinandersetzen. Kein Liberaler hat etwas gegen Erneuerbare Energien per se, sondern bestenfalls gegen ihre staatliche Privilegierung, die erst zu ihrem Wildwuchs führt. Im Übrigen ist nicht zu erkennen, inwieweit die FDP den Verbraucher am Kauf des „Ökostroms“ hindert. Soweit ich weiß können Sie sich diesen Strom unter Dutzenden Anbietern auswählen und unter FDP-Beteiligung in der Bundesregierung hat das äußerst großzügige EEG nach wie vor Bestand. Wenn hier gegen diese Förderung argumentiert wird, dann mit gutem Grund, den sie in den betreffenden Beiträgen nachlesen können.

  9. Interessanter, wenn auch für meinen Geschmack mit zu vielen unnötigen Seitenhieben gespickter, Artikel.
    Dennoch muss ich einige Gegenargumente loswerden, auf die sie hoffentlich ohne ideologische Seitenhiebe antworten werden:
    – Meines Wissens gibt es bislang keine erprobte oder auch nur im konkreten Planungsstadium befindliche Anlage zur Erzeugung von elektrischer Energie aus Kernspaltung, die „inhärent sicher“ ist, bei der also auch durch absichtliche Fehlbedienung durch (wenige) Arbeiter keine Kernschmelze entstehen bzw größere Mengen an Radionukliden austreten kann. Oder gibt es mir bisher unbekannte Entwicklungen?
    – Konzepte, die den ersten Punkt beinhalten sehen soweit mir bekannt üblicherweise eine WAA vor. Egal ob direkt auf dem Betriebsgelände oder an wenigen zentralen Stellen (Sicherung der Transporte!): WAA wie bisher geplant und realisiert nutzen riesige Mengen starker Säuren und Gifte und erzeugen noch größere Mengen an schwach mit Radionukliden „verseuchten“ Abfällen. Hier müsste sichergestellt werden, dass alles was „nach außen“ dringen kann (Risikoabschätzung!) weit unterhalb realistischerweise ungefährlicher Grenzwerte ist (z.B. unterhalb natüricher Radioaktiver Belastung im Hochgebirge). Gibt es hierzu sinnvolle Konzepte? Eine simple „Endlagerung“ dieser entstehenden „Abfälle“ verbietet sich ja wohl – dann hätte man auch gleich die geringere Menge vor der WAA „endlagern“ können.
    – Des weiteren besteht die Gefahr, dass in WAA zwangsläufig angereicherte hochaktive, hochgiftige oder zur Kernwaffenherstellung geeignete Stoffe auf ungeplantem Weg aus diesen Anlagen verschwinden (vulgo: geklaut werden). Kann dies sicher verhindert werden?
    Sobald alle diese Punkte geklärt sind würde ich bedenkenlos neben eine solche Anlage ziehen….
    Solange eine unproblematische großtechnische Verwendung und WAA allerdings nicht geklärt ist bin ich ganz klar für die (rückholbare!) Einlagerung an einem möglichst unbesiedeten Ort mit Überwachung, dass da auch nichts ungeplant verschwindet.

    Seperatanmerkung: „Endlösung“ ist im Sprachgebrauch nicht gerade prümär mit Kommunisten verknüpft…

    • Würden Sie die absurde Anforderung, dass „alle diese Punkte geklärt“ sein müssen, also insbesondere, dass auch im Falle von böswilliger Absicht das Risiko für Mitmenschen gleich Null sein müsse, auch an ein Wasserkraftwerk mit angeschlossenem Stausee stellen, bevor Sie bereit wären in eine Stadt zu ziehen, die unterhalb dieses Stausees liegt?
      (Hier läge das Schadenspotential für etwaige terroristische Anschläge VIEL höher als bei Kernkraftwerken!)

      Stellen Sie die Anforderung, dass auch bei böswilliger Absicht niemand zu Schaden kommen können darf, auch an den Straßenverkehr, bevor Sie bereit sind in ein Auto einzusteigen?

      Das Leben ist voller Risiken, die man zwar in gewissen Grenzen minimieren kann, mit denen man jedoch letztendlich leben muss.
      Die weit verbreitete ideologisch begründete Unfähigkeit, die Einschätzung der Risiken der Kernerergienutzung mit demselben Maß zu messen wie die Risiken aller anderen Technologien und Lebensbereiche, ist es doch gerade, das eine sachliche öffentliche Debatte zum Thema hierzulande nahezu unmöglich macht.

      • Kernenergie ist nunmal (nicht in alen aber in genug Punkten „anders“:

        Ein Wasserkraftwerk bringt bei einem Unfall/Sprengung *einmal* dutzende bis tausende Leute um. Wenn das Wasser weg ist kann man aber problemlos wieder hinziehen (wie lange bleiben die Sperrzonen um Tschernobyl nochmal bestehen?) Ich würde aber dennoch ieber an den hang über dem Stausee ziehen. bessere Aussicht 🙂

        Beim Autoverkehr trifft es im Fall des Falles pro Ereignis wenige Menschen. UND man hat es als Verkehrsteilnehmer (teilweise) selbst in der Hand, welche Risiken man eingeht. Man kann sich in ein besonders sicheres Auto setzen, aufmerksam fahren, … Beim AKW (oder auch Staumauer) bin ich dem aber *komplett* hilflos ausgeliefert.

        Oh, und weder aus Autos noch aus Staumauern bzw. deren „Abfällen“ kann man Bomben bauen, die zehntausende umbringen…

        Bei „kerntechnischen Abfällen“ hat man zudem das Problem, dass man beim Recycling zumindest zwischenzeitlich enorme Mengen stark schädlicher Substanzen benötigt und erzeugt. Gemessen pro Tonne „Atommüll“ geradezu gigantische Mengen, v.a. wenn man es in Relation zu einer Tonne Hausmüll vergleicht 😀
        Ein ganz wichtiger Punkt wurde im Artikel auch vergessen: Ja, „Verwerten“ steht vor „Beseitigen“ — aber DAVOR kommt „Vermeiden“…

  10. Klaus-Dieter Humpich

    Lieber Herr Heindel,
    ich will Ihnen doch ihren Glauben gar nicht nehmen. Ich kenne auch eine ganze Reihe katholischer Krankenschwestern und Ärzte. Die wissen ganz bestimmt woher die Babys kommen. Trotzdem würde ich mit keinem eine Diskussion über die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Maria führen.

    Nur noch ein paar Worte zu den Inhalten. Als Chance für all die, die verstehen wollen und sich ein eigenes Urteil bilden wollen:
    Stoffe werden nur im laufenden Reaktor durch den Kontakt mit Neutronen radioaktiv. Ist der Reaktor abgestellt, ist damit Schluss! Von diesem Moment an, läuft der radioaktive Zerfall (nahezu) unbeeinflussbar, wie eine Uhr ab. Das ist z. B. der Grund für die wunderschöne C14-Methode zur Altersbestimmung der Archäologen und „Klimaforscher“. Die einzige Methode dies zu beeinflussen, wäre der erneute Beschuß mit Neutronen. Nur dadurch ließen sich radioaktive Stoffe spalten (sofern sie über sehr große Kerne wie Uran verfügen) oder in etwas größere Kerne verwandeln.

    Jede Wiederaufbereitungsanlage ist eine reine Chemiefabrik. Insofern kann sie gar nicht auf Atom-Kerne einwirken. Egal mit welchem Verfahren (Nasschemisch wie PUREX oder Thermo-Elektrolytisch) dient sie nur zur Auftrennung des Vielstoff-Gemisches „abgebrannter Brennstab“ in unterschiedliche Fraktionen. Dabei wird weder Radioaktivität erzeugt noch verbraucht, da es sich um rein chemische Prozesse handelt.
    Bei „dem chemischen Verfahren, das die Brennstäbe zerlegt“ wird mittels kochend heißer gesättigter Salpetersäure der vorher in Stücke geschnittene Brennstab aufgelöst. Ein rein chemischer Prozess, der die (keramischen) Uranoxide in wasserlösliche Salze umwandelt. Dies hat mit „Radioaktivität“ wirklich überhaupt nichts zu tun!

    Offensichtlich haben Sie den Taxifahrer als Umweltminister in den „falschen Hals gekriegt“. Ich habe genauso wenig etwas gegen Taxifahrer (Fischer), wie gegen Sozialwirte (Trittin), Deutschlehrer (Gabriel) oder Musik- und Kommunikationswissenschaftler (Müller). Ich habe nur etwas dagegen, wenn sich völlig ungelernte (auf das Gebiet Kerntechnik bezogen) als „Atomexperten“ aufschwingen. Wenn sich nachgewiesene Laien als Ärzte ausgeben, nennt man das Quacksalber! Und damit nicht schon wieder ein (bewusstes) Missverständnis entsteht: Der hier in Deutschland gern als Schauspieler abqualifizierte R. Reagen, war nie allwissend in seinem Selbstverständnis, sondern hat sich stets von (kontroversen) Sach-Verständigen beraten lassen!

    • Ich kenne auch eine ganze Reihe katholischer Krankenschwestern und Ärzte. Die wissen ganz bestimmt woher die Babys kommen. Trotzdem würde ich mit keinem eine Diskussion über die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Maria führen.

      Gut so, denn schon die Verbindung der beiden Themen würde Sie als in Glaubensfragen komplett ahnungslos ausweisen ;-). Die „unbefleckte Empfängnis“ hat nämlich mit der Lehre von der Erbsünde zu tun und entgegen einem der wohl populärsten Irrtümer nicht mit dem Kinderkriegen. Und so passt es vielleicht sogar noch viel besser als Beispiel in Ihre Argumentation…

  11. Sehr „liberal“, diese Zensur hier. Man schreibt Kommentare und diese werden nicht freigeschaltet. Schade 😦 …habe es aber gar nicht anders erwartet. Dieser Blog gehört zu den ideologischsten und doktrinärsten, die mir jemals begegnet sind. Sie alle zusammen pervetieren den Freiheitsbegriff.
    Viele Grüße, Markus Heindl

    • @ M. Heindl
      und warum wurde dann dieser – wie all ihre anderen Beiträge – veröffentlicht?
      Mir scheint eher, dass hier einem ‚Atomgegner‘ ganz heftig die Argumente ausgegangen sind. Aber so können Sie bei Ihresgleichen noch ein wenig als ‚unterdrückter Anti-Atom-Kämpfer‘ punkten.
      Ich finde es nicht gut, dass Sie sich so von der Diskussion verabschieden, denn einige Ihrer ersten Argumente hätte ich gerne näher erläutert bekommen. V.a.: Wiederaufbereitung bedeutet Abführen einger Nuklide in Abwasser oder Abluft.
      Vielleicht kann hier jemand der anderen Kenner was zu schreiben – denn dann wäre es doch in der Tat nicht akzptabel?!
      Gruß, M.Schlichting

  12. „Wer sich noch an den Alltag der frühen 1980er Jahre an Westdeutschen Universitäten zurück erinnern kann, wird noch um die Spaltung der K-Gruppen im Wochenrythmus wissen.“

    Ein schönes Beispiel dazu:
    Die „KPD/ML Neue Einheit“ hat auf der Straße Handzettel verteilt mit dem Titel (Es hat u.a. auch eine „KPD/ML Rote Fahne“ und eine „KPD/ML Roter Morgen“ gegeben.):

    „Über die hinterlistige Falle, die die Rote-Fahne-Clique, ergänzt durch die Rote-Morgen-Clique, dem Marxismus-Leninismus in Deutschland stellt.“

    Aber unübertroffen bleibt der Jahrhundert-Blödsinn linksgrüner Dialektik, den diese späteren Grünen im Zusammenhang mit den Protesten gegen das geplante Kernkraftwerk Wyhl Anfang der 1970er Jahre von sich gaben:

    „Kernkraftwerke in China sind gut, weil sie dort dem Volke dienen.“

  13. Ein so unglaublich schlecht recherchierten Artikel hab ich ja noch nie gelesen. Hat der geehrte Herr Auto denn jemals Physik in der Schule gehabt? Uran ist nicht gleich Uran und eine Aufbereitung kein Recycling…

    • Liebe Grüner Ganter,
      die Kommentare werden grundsätzlich freigeschaltet und es ist hier auch nicht nicht freigeschaltet worden. Es müssten schon extreme Dinge sein, die uns, die wir fest an Meinungsfreiheit glauben, zum Nichtfreischalten bringen könnten. Ist bisher noch nicht geschehen.
      Allerdings wollen wir uns das Recht auf Freischaltung aus rechtlichen Gründen nicht nehmen lassen.
      Wenn es mal vorkommt, dass sich dann die Freischaltung etwas verzögert, dann liegt das nur daran, dass wir keine 24-Stunden-rund-um-die-Uhr-Redaktion sind, weshalb manchmal der Blog auch einmal einige Stunden unbetreut ist.
      Mit besten Grüßen
      Detmar Doering

      • grüner Ganter

        Hatte das nur in einem anderen Kommentar gelesen und daher die Befürchtung. Dem scheint ja nicht so zu sein, also nehm ich das auch gern zurück…

  14. Ach, bevor der andere Kommentar nicht freigeschaltet wird ( scheint ja üblich zu sein), hier noch ein sachlicher Nachschub:

    Der Verbrauch von Kohlekraftwerken in Vergleich zum Atommüll ist bei gleicher Stromproduktion nur 1:1000 nicht wie oben behauptet 1g zu 3 t. Das berücksichtigt aber nicht die radioaktiven Schotter, der beim Abbau von Uran anfällt und eigentlich auch entsorgt werden müsste.

    Es ist richtig, dass alte Brennstäbe noch zu einem Großteil aus Uran bestehen. Bei der Aufbereitung interessiert aber leider nur Plutonium und der unverbrauchte Anteil an Uran 235…

    Die Liste an falschen Fakten oder Halbwahrheiten mit falschen Schlüssen ließe sich wohl beliebig lang fortsetzen…. Ist ja fast schlimmer als dieses Sarrazin-Buch 😉

  15. Klaus-Dieter Humpich

    Antwort auf die Fragen von Engywuck:
    Mag sein, Sie haben etwas versäumt. Alle Reaktoren der sog. III. Generation, wie beispielsweise die 4 in China im Bau befindlichen Reaktoren AP100 sind dafür ausgelegt, daß nach einem Störfall — jedweder Art — für mindestens 72 Stunden keinerlei Eingriff durch Bediener erforderlich ist. Dieser Schritt war in den USA die unmittelbare Entwicklung aus dem Three Mile Island (Harrisburg) Störfall.
    Ist das vielleicht der Grund, warum in Deutschland keine neuen Reaktoren gebaut werden dürfen?

    Mit dem in Jülich betriebenen sog. Kugelhaufenreaktor (AVR) und dem THTR in Hamm Üntrop lag ein „nicht schmelzbarer Reaktor“ vor. Man hat mit dem AVR damals alle Regelstäbe bei voller Leistung gezogen. Es gibt (gab?) darüber sogar eine Film-Reportage des WDR. Damals war die SPD in NRW noch fortschrittsgläubig. Der Himmel über der Ruhr sollte wieder blau werden. Der Hoch-Temperatur-Reaktor erschien damals noch als der Verbündete und Retter des deutschen Kohlebergbaues!
    War die „inhärente Sicherheit“ der Grund für die Einstellung dieser Reaktorlinie durch Rot/Grün?
    Dieser Typ ist wieder in USA, Südafrika und China im Bau, teilweise unter Mitarbeit deutscher Ingenieure „von damals“, die mit dieser Technologie Deutschland verlassen haben. Hauptgrund ist nicht die Sicherheit, sondern die hohen Temperaturen zur Wasserstofferzeugung auf chemischen Weg (nicht zu verwechseln mit Elektrolyse) und Produktion synthetischer Kraftstoffe.

    Auf die Gefahr hin, mich schon wieder zu wiederholen: Jede Wiederaufbereitungsanlage ist eine reine „Chemiefabrik“. Es wird hier weder Radioaktivität erzeugt noch vernichtet!
    Sorry, wenn meine Kritik am PUREX-Verfahren nicht deutlich genug geworden ist. Es gibt selbstverständlich andere Verfahren mit anderen Vorteilen und Nachteilen. Insbesondere im Zusammenhang mit der „Weiterverbreitung von Techniken zum Bombenbau“ sind Verfahren mit grundsätzlich anderer Zielstellung entwickelt worden. Vielversprechende Variante sind Elektro-Chemische-Verfahren, wie sie z. B. auch zur Kupfergewinnung seit Jahrzehnten angewendet werden. Hierbei werden genau 3 Fraktionen erzeugt: Uran (ca. 95%), möglichst reine Spaltstoffe als Atommüll kurzer Lebensdauer und ein Gemisch aus Plutonium und minoren Aktiniden. Diese dritte Fraktion ist aus verschiedenen neutronenphysikalischen Gründen für eine Waffenproduktion ungeeignet. Sie soll zur weiteren Produktion von Energie — unter gleichzeitiger Beseitigung des Langzeitproblems „Atommüll“ — in sog. schnellen Reaktoren weiter genutzt werden.
    Aus dieser internationalen Entwicklung ist Trittin ausgestiegen!

  16. @Grüner Ganter:

    Falls Wiederaufbereitung kein Recycling sein sollte, streiten Sie sich doch am Besten gleich mit den Redakteuren des Wikipedia-Artikel zur Wiederaufbereitung:

    „Ziel ist die Gewinnung bzw. Rückgewinnung von Radioisotopen, Kernbrennstoffen und Plutonium sowie die Verringerung der radioaktiven Abfallmenge.“

    • Ich wollte damit sagen, dass es nicht in dem Maße eine Wiederverwendung stattfinden kann, wie es im Text dargestellt wird oder z.B. bei Papier der Fall ist.
      In einem abgebrannten Brennstab sind lediglich noch 0,86% U235 und 0,93% Plutonium. Im Artikel wird es so dargestellt, als seien die komletten 95% Uran wiederverwertbar…

      • Steffen Hentrich

        In dem Beitrag geht es nicht um die schiere Menge der Wiederverwendung, sondern um die Reduzierung der langfristigen Strahlenbelastung abgebrannter Brennstäbe durch Wiederaufbereitung. Insofern ist der Verweis auf den Mengeneffekt für die Diskussion eher irrelevant.

  17. Klaus-Dieter Humpich

    zum grüner Ganter:
    Für Menschen, die sich nicht täglich mit Energietechnik beschäftigen: Kohle ist nicht gleich Kohle und Rohöl nicht gleich Rohöl. Deshalb hat man — für z. B. Energiestatistiken — einen internationalen Standard für Umrechnungen definiert.
    1 to (= 1000 kg) Steinkohleeinheit (SKE) entspricht 8141 kWh.
    1 barrel Öl (1 boe) = 1699,406 kWh.
    spalten von 1 kg U-235 ungefähr 23 Mio. kWh.
    23 Mio. kWh/kg / 1000gr/kg / 8141 kWh = 2,825 to SKE = 1 gr U-235.

    Ich will aber ihr Weltbild nicht völlig zerstören: Der Urangehalt der Asche nach der Verbrennung von rund 3 to Kohle, ist in vielen Regionen der Welt wesentlich höher als 1 gr Uran. Es gibt deshalb in den beiden größten Kohleproduzenten China und USA bereits Pläne, die „Aschehalden“ in „Uran-Bergwerke“ zu verwandeln. Bisher ist das noch nicht wirtschaftlich. Es gibt einfach zu viel „billiges“ Uran.

    Jedenfalls ist unbestritten, daß der Ausstoß an Radioaktivität eines Kohlekraftwerkes in USA und Indien (geologische Verhältnisse) höher als bei einem Kernkraftwerk ist.

    Beim Bergbau wird keine Radioaktivität erzeugt. Was Sie wahrscheinlich mit …radioaktiven Schotter, der beim Abbau von Uran anfällt und eigentlich auch entsorgt werden müsste… meinen, ist der nicht gewonnene Rest-Uran-Gehalt und die Spaltprodukte wie z. B. Radon. Zudem meinen Sie wahrscheinlich, daß „Uran-Bergbau“ das ist, was die sozialistische DDR darunter verstanden hat. Im Sozialismus gab es weder Umweltschutz noch Arbeitsschutz. Wer seine Bürger an der Grenze niederschießen läßt, interessiert sich auch nicht für Lungenkrebs bei seinen Bergleuten. Im „bösen Kapitalismus“ baut man Uran mit Robotern (Kanada) oder „in-situ“ ab. Dabei verbleibt die gesamte „Radioaktivität“ weiterhin unter der Erde. Es gibt allerdings eine schändliche Ausnahme, das ist der Goldbergbau, bei dem zur Auslaugung sehr giftige Chemikalien verwendet werden. Urangewinnung ist dort oft ein Abfallprodukt.

    Und noch ein Denkanstoß: Liberale haben es nicht nötig, „Kommentare nicht frei zu schalten“, genauso wenig, wie ich es nötig habe, meine Meinung nicht unter meinem Namen zu verbreiten. Wer anderer Meinung ist, kann das gerne sein und bleiben.

    • Hervorragende Darstellung! Habe mir erlaubt, sie auf meinen Blog zu verlinken!

    • http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=5406794

      Soviel zu deinem Märchen vom „sauberen Atomabbau“…

      • Steffen Hentrich

        @Grüner Ganter: Bereits ein Blick auf den Wikipediartikel zum Thema Uranbergbau (http://de.wikipedia.org/wiki/Uranabbau#Gefahren) gibt Ihnen Auskunft darüber, dass es nicht der Abbau grundsätzlich ist, der zu einem Problem führt, da die radioaktive Strahlung des Abraums in etwa der natürlichen Hintergrundstrahlung entspricht. Hier ist der von Ihnen verlinkte Beitrag schlichtweg schlecht recherchiert, denn an keiner Stelle wird eine Aussage über die relative Belastung der betroffenen Arbeiter getroffen. Das Problem liegt daher, und da liegen Sie durchaus richtig, am mangelnden Arbeitsschutz vieler Bergbauunternehmen in den Entwicklungsländern, was aber wie sie anhand der Problemlage sehen nicht nur auf den Uranbergbau, sondern nahezu alle Abbaumaterialen (etwa auch das Eisenerz für den Bau von Windkraftanlagen) zutrifft. Hier wäre vor allem wirtschaftliche Entwicklung und technischer Fortschritt in den Förderländern förderlich. Ihre Argumentation lenkt aber von dem hier diskutierten Endlagerproblem ab. Im Übrigen weise ich Sie darauf hin, dass wir uns gegen solche haltlosen Begriffe wie „Liberalen Rassismus“ verwehren und uns vorbehalten Sie als Kommentator zu sperren sollten Sie bei Ihrer unsachlichen Art der Diskussionsbeiträge bleiben. In dieser Form tragen sie nicht zu einer konstruktiven Debatte dieses wichtigen Themas bei. Wir wären Ihnen auch sehr verbunden, wenn Sie die persönlichen Angriffe auf die Autoren unterlassen würden und sich in Ihren Äußerungen auf konkrete Belege für Ihren Unmut beschränken könnten.

        Mit besten Grüßen

        Steffen Hentrich

      • Sehr geehrter Grüner Ganter,

        Unter dem Link, den Sie angeben, finden sich solche Aussagen wie: „weite Landstriche werden verstrahlt“ (durch Abbau von Uran oder, wie Sie es nennen, „Atomabbau“ – was immer das ist.) Wissen würde ich gerne, wie man eine weiträumige Verstrahlung durch Uranerz bewirken kann.

        Ich habe vor einigen Jahren eine Reihe von Uranabbaustätten in Frankreich sowie in Sachen und Thüringen besucht. Es ist kein Problem sich dort aufzuhalten, weder untertage noch übertage. Selbst bei den früher von den Sowjets (eher nachlässig) betrieben Gruben gibt es keine Verstrahlung weiter Landstriche. Wenn Sie mögen, können Sie in einer ehemaligen Tagebau-Uranerzgrube in Frankreich auch gerne Fische fangen. Der entstandene See wird seit Jahren von einem Angelverein betrieben. Die Fische beißen gut und sehen aus, wie Fische halt aussehen.

        Ich habe auch Ihre anderen Beitrage gelesen und habe den Eindruck gewonnen, dass Sie, mit Verlaub, von Radioaktivität und Kernenergie nicht sehr viel wissen, außer den üblichen Ammenmärchen und Angstgeschichten. Sieht man das als religiöses Bekenntnis, geht es aber in Ordnung. Ich streite auch nicht mit einem Gläubigen über den Teufel.

  18. Hallo,

    vielen Dank für diesen sehr ausführlichen und informativen Artikel.
    Ich würde gerne einen Punkt noch hervorheben bzw. ergänzen:
    Das grundlegende Ziel der grünen Bewegung ist es, den Betrieb der Kernkraftwerke zu verhindern. Dies ist ideologisch motiviert und das Primärziel der grünen Politik.
    Einen möglichen Ansatz zur Erfüllung dieses Ziels boten die Grundsätze der Entsorgungsvorsorge für Kernkraftwerke. Diese formulierten einen Zusammenhang zwischen dem Betrieb der Kernkraftwerke und Fortschritten bei der Entsorgung, also dass Kernkraftwerke nur weiter betrieben werden können, wenn die Entsorgung gesichert ist.
    Dementsprechend wurde politisch agiert. Als die Möglichkeit der grünen Gesetzgebung gesehen wurde, wurden sämtliche Kernkraftrelevanten Gesetze derart umgestaltet, dass eine möglichst unüberwindbare Blockade errichtet wurde.
    Dies umfasst sowohl das Verbot der Wiederaufbereitung, als auch das durch Herrn Trittin ausgelöste Moratorium über die Erkundung des Salzstocks Gorleben. Kerntechnische Forschung wurde de facto verboten.

    Somit wurde durch ein künstlich erzeugtes „Endlagerproblem“ die deutsche wissenschaftliche – und wirtschaftliche Führung in sämtlichen kerntechnischen Bereichen aufgegeben aufgrund einer argumentlosen Prinzipsache.

    Viele Grüße,
    Frode

  19. Oh mein Gott, was für stupides Gefasel gegen den Menschenverstand und den Fortbestand der Menschheit. Und das im Jahre 2010!

    Wahrscheinlich gibt es auch kein Ozonloch!
    Und keine Ölkatastrophe im Golf von Mexiko!
    Und die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg!

    Markus Heindl hat dich richtigen Antworten bereits gegeben, jetzt muss nur noch dieses gefährliche Gedankengut, das hier verbreitet wird, samt Agitatoren aus der Regierung abgewählt werden.

  20. @Florian Schmitt:
    Ihre Vermutungen sind insgesamt etwas skuril:
    1. OB es ein Ozonloch gibt oder nicht, war nie die Frage. Es gab immer eines, mal größer, mal kleiner. Fraglich ist die Ursache dafür (was bs heute unklar ist), und welche Folgen es hat (was ebenfalls nicht ganz geklärt ist).
    2. Es gab ein Ölleck im Golf von Mexiko. Ob es eine „Ölkatastrophe“ war, ist u.a. Definitionsfrage.
    3. Was die Ausländer betrifft, nehmen die uns sicher zum Großteil nicht die Arbeit weg. Die versorgen sich doch lieber über HartzIV und jobben (so sie besonders initiativ sind) ein bisserl auf dem Schwarzmarkt nebenher. Bzw. (falls eher kriminell talentiert) bereichern unsere Kriminalitätsstatistik, Rubrik „Straftäter mit Migrationshintergrund“.

    Im übrigen: träumen Sie ruhig weiter. Es kann Ihnen nichts geschehen …

  21. @LePenseur:

    1. Oh doch. Das Ozon-Loch wurde immer bestritten und wird es auch heute noch in Ihren Kreisen. Und Ihr „das Ozon-Loch ist vielleicht gar nicht schädlich“ sagt eigentlich alles zum Thema.

    2. Eine Definitionssache? Ich glaube Ihr Verstand ist Definitionssache!
    Es trat zehn Mal so viel Öl aus wie bei der Exxon Valdez: 4,4 Millionen Barrel. Nein, das ist keine Ölkatastrophe !

    3. Okay, also wenns ausländerfeindlich wird, bin ich raus aus der Diskussion. Mit Volksverhetzern wie Ihnen kann man über das Internet sicher nicht reden.

    Bei dem selbstgegebenen Spitznamen haben Sie sich übrigens komplett vertan!

  22. @Florian Schmitt:

    Mit Volksverhetzern wie Ihnen kann man über das Internet sicher nicht reden.

    Naja, wenn Sie schon selbst zugeben, mit mir nicht reden zu können, dann kann ich Ihnen aber auch nicht helfen. Führen Sie also weiter Selbstgespräche (bzw. gutmenschliche Diskurse mit anderen Gutmenschen).

    Und vorallem, ganz wichtig: machen Sie nie-nie-nie-nie Ihre Augen auf — es könnte schreckliche Folgen für Ihr seelisches Gleichgewicht haben! Und wozu auch Ihre ideologischen Scheuklappen durch schnöde Fakten in Frage stellen lassen, net wahr …?

  23. Das Interessante an der Entsorgungsdebatte ist die Proliferation neuer Entsorgungsideen. Während sich ständig reale Problem bei der praktischen Umsetzung früherer Entsorgungsideen auftun, werden schon wieder neu, viele bessere Ideen produziert, die zwar physikalisch-theoretisch möglich sind, deren praktische Verwirklichung sich aber immer weiter in die Zukunft verschiebt. Theoretisch vorstellbar ist das schon, dass wir bald Dutzende Brutreaktoren und mehrere WAA haben, tägliche Hochsicherheitstransporte von Abbrand und MOX, riesige (und radioaktiv belastete) Gaszentrifugenanlagen neuster Technik zur Abtrennung von Neutronengiften und extrem langlebigen und hochradiotoxischen Substanzen wie Neptunium u.s.w.. Faktisch haben wir es bisher noch nicht geschafft ein einfaches Loch zu erfinden, in dem wir den schon vorhanden Müll sicher verwahren können. Theoretisch ausgefeilte Betrachtungen über Wirkungsquerschnitte beim Fang schneller Neutronen sind leider nicht hilfreich, wenn man nach Jahrzehnten plötzlich feststellt, dass man die Stabilität des Deckgebirges auf einem Salzstock falsch eingeschätzt hatte.

  24. Hey, das ist ja echt erbärmlich:

    Einen weltfremden Schreiberling, der keine Ahnung von Energiepolitik hat, sowas vermutet man ja noch bei den Liberalen. Aber das hier im sogenannten „Think Tank“ der Liberalen Rassismus auf niederstem Niveau propagiert wird hätte ich echt nicht erwartet…

    Ich bin raus hier. Sollten nicht-Rassisten Interesse an ernsthaften Diskussionen haben, habt ihr ja meine Mail-Adresse.

    Adios und viel Spaß in der Außerparlamentarischen Opposition meine liberalen Freunde.

  25. @Grüner Ganter:

    Ach wie schade! Sie wollen nicht mit den pöhsen Purschen spielen? Na, da bleibt uns wohl nur, Ihnen ein herzliches »Tschüß mit Ü!« nachzurufen …

  26. Klaus-Dieter Humpich

    Lieber Thorsten,
    sie liefern ’ne Menge richtiger – oder besser beachtenswerter – Antworten auf die falsche Frage. Es gab da mal diesen Gedanken der Nachhaltigkeit: Manch einer – Ich bekenne mich ausdrücklich dazu – hat diese Diskussionen verinnerlicht.
    Wenn der vorhandene (gedanklich drei mal unterstrichen) Atommüll gefährlich ist (und darüber stimmen wir offensichtlich überein), was gibt uns das Recht, diesen einfach zu „verbuddeln“?
    Noch deutlicher formuliert: Woher nehmen Parteien (z. B. Bündnis 90/Die Grünen) das Recht, Forschung und Entwicklung auf einem Gebiet zur Beseitigung einer Gefahr zu verbieten? Ist es legitim, aus Angst vor dem Einsturz des eigenen ideologischen Gebäudes (Atomkraft böse, Wind gut) Tätigkeiten zu untersagen? Steckt hier vielleicht die Angst dahinter: Wenn jemand eine (allgemein akzeptierte) Lösung des Problems bietet, sind wir (die Grünen z. B.) überflüssig geworden?

    …wenn man nach Jahrzehnten plötzlich feststellt, dass man die Stabilität des Deckgebirges auf einem Salzstock falsch eingeschätzt hatte.
    Woher beziehen Sie eigentlich die Erkenntnis, daß jemand irgendetwas falsch eingeschätzt hätte oder nicht vorher gesehen hätte?

    Mir ist keine Fragestellung bekannt, die nicht ausgiebig diskutiert und erforscht worden ist. Wird hier nicht Ursache und Wirkung auf den Kopf gestellt? Nehmen wir nur mal den Komplex Asse, Morsleben, Gorleben.
    Lediglich von Politikern ist behauptet worden, daß dies die einzig selig machenden Standorte für das „verbuddeln“ (ebenfalls drei mal unterstrichen) sind. Schon Konrad — als ehemaliges Eisenerz-Bergwerk — tanzt aus der Reihe.
    Ist es nicht denkbar, daß sich hier einzelne Politiker – wie z. B. Trittin – völlig verrannt haben (mit ihrem Wunsch Brennstäbe komplett zu vergraben) und nun die Gefahr einer „Lebenslüge“ erahnen? Ist es bloß ein Zufall, daß (auch) in diesen Kommentaren plötzlich die „Ausländerfrage“ auftaucht? Ein ähnlich von „unumstößlichen Glaubensgrundsätzen“ geprägtes Thema, in dem stets die Realität dem eigenen Gedankengebäude angepaßt werden muß, um auch weiterhin im „politischen Geschäft“ bleiben zu können?

  27. @Engywuck:

    Kernenergie ist nunmal (nicht in alen aber in genug Punkten „anders“

    Jede Technologie ist anders als jede andere… 😉

    Der Einfluss auf, und die Risiken für, Mensch und Umwelt machen jedoch aussagekräftige Vergleiche möglich.

    Beim Autoverkehr trifft es im Fall des Falles pro Ereignis wenige Menschen.

    Dafür tritt der „Fall des Falles“ viel viel viel häufiger auf. Worin liegt für den einzelnen Menschen der Vorteil, durch einen häufig vorkommenden „normalen“ Unfall zu sterben, im Gegensatz zum Tod durch ein seltenes Großereignis? Tot ist tot.

    UND man hat es als Verkehrsteilnehmer (teilweise) selbst in der Hand, welche Risiken man eingeht. Man kann sich in ein besonders sicheres Auto setzen, aufmerksam fahren, … Beim AKW (oder auch Staumauer) bin ich dem aber *komplett* hilflos ausgeliefert.

    Sie bestätigen meine Vermutung, dass die weit verbreitete Kernkraft-Kritik eher psychologische als sachliche Ursachen hat.

    Das Risiko im Straßenverkehr größtenteils „selbst in der Hand“ zu haben, halte ich für eine Illusion.
    Ich sehe es andersherum: Für mich als Individuum entsteht sowohl durch
    a) das Kernkraftwerk nahe meines Wohnortes, als auch
    b) durch den Straßenverkehr, dem ich täglich ausgesetzt bin,
    ein gewisses durch mich nicht oder kaum beeinflussbares Risiko an Leib und Leben.

    Der Unterschied ist:
    – Im Fall (b) ist dieses Grundrisiko (für mich als Individuum) deutlich größer als im Fall (a).
    – Im Fall (b) habe ich – im Gegensatz zum Fall (a) – die Möglichkeit, durch mein eigenes Fehlverhalten das Risiko sogar noch weit über das Grundrisiko hinaus zu steigern.

    Wieso sollte ich all das ignorieren und (b) günstiger bewerten als (a), nur weil ich dabei irgendwie das Gefühl habe, „die Kontrolle zu behalten“?

    Ein Wasserkraftwerk bringt bei einem Unfall/Sprengung *einmal* dutzende bis tausende Leute um. Wenn das Wasser weg ist kann man aber problemlos wieder hinziehen (wie lange bleiben die Sperrzonen um Tschernobyl nochmal bestehen?)

    Selbstverständlich ist die langfristige Unnutzbarmachung ehemals ökologisch oder siedlungstechnisch relevanter Gebiete im (theoretischen) Fall eines schweren Kernkraftwerk-Unfalles ein schlimmer Schaden, der bei der Risikoanalyse der zivilen Kernkraft mit einfließen muss (und dies natürlich auch tut).

    Wieso sollte es jedoch ein „Totschlagargument“ sein, um die Kernkraft von vorne herein von einer solchen sachlichen Risikoanalyse auszuschließen und per se zu verbieten?

    Und übrigens:
    Wenn der potentielle Wegfall von Flächen für Ökosysteme oder menschliche Nutzung so über alle Maßen schlimm ist, dass dies – selbst bei extrem geringer Auftretenswahrscheinlichkeit – durch keinen noch so großen Nutzen gerechtfertigt werden könnte, dann ist dies nicht gerade ein Argument für den Ausbau der Wasserkraft anstelle von Atomenergie – denn die (nicht zu unterschätzenden) Flächen, die für die angeschlossenen Stauseen benötigt werden, fallen nicht erst bei einem schweren Unfall, sondern schon von Beginn an weg…

    PS:
    Nur um das klar zu stellen: Ich bin nicht gegen Wasserkraft. Ich denke, dass sowohl die Wasserkraft als auch die Kernkraft uns heute (noch) von enormem Nutzen ist, auch wenn sich das natürlich durch den technologischen Fortschritt im Bereich von alternativen Energiequellen in Zukunft völlig ändern kann.
    Ich bin vielmehr gegen eine Politik, die glaubt, Wirtschaftlichkeit und Nutzen bestimmter Technologie besser einschätzen zu können als der Markt, und die sich bei Sicherheitsauflagen für diese Technologie nicht durch eine wissenschaftlich fundierte Risikoanalyse, sondern durch emotionale, ideologische Vorgaben leiten lässt.

    • „Ich bin vielmehr gegen eine Politik, die glaubt, Wirtschaftlichkeit und Nutzen bestimmter Technologie besser einschätzen zu können als der Markt, und die sich bei Sicherheitsauflagen für diese Technologie nicht durch eine wissenschaftlich fundierte Risikoanalyse, sondern durch emotionale, ideologische Vorgaben leiten lässt.“

      Genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Denn das alles entscheidende Argument gegen Kernkraft ist nun mal die potenzielle Kontamination weiter Landstriche über eine lange, lange Zeit. Und genau gegen dieses Risiko ist kein Energieunternehmen versichert. Das Risiko trägt hier damit letztlich der Staat, bzw. die Bürger. Würde man die Energieunternehmen zu einer entsprechenden Versicherung verpflichten, wäre der Preisvorteil von Atomstrom dahin – wenn er denn überhaupt noch bezahlbar wäre.

      • Joseph Urban

        Ohne die Kernenergie abzulehnen – auch ich würde mich wohler fühlen, wenn man die Risikoeinpreisung eines (unwahrscheinlichen) SuperGAU nicht den politischen Entscheidungsträgern überläßt. Die Experten sitzen bei den großen Versicherungsunternehmen. Man sollte auch bei der Versicherung den Markt wirken lassen: Kraftwerksbetreiber und Versicherer sollen über Risiken und Höhe der Prämie einer unbegrenzten Schadensdeckung verhandeln.
        Die jetzige Regelung, dass ein Kraftwerksbetreiber nur mit naximal 100 Millionen Euro je Schadensfall haftet, ist politisch gesetzt und fern jeder Realität.
        Ich befürworte in jedem Fall eine rückholbare Lagerung der sog. Abfälle, um unkontrollierte Umweltvergiftungen auszuschließen und um jederzeit Zugriff auf diese Rohstoffe zu haben, die in 20 Jahren vielleicht schon das zig-fache ihres Wertes haben.

  28. Soweit ich mich erinnere waren die Grünen die Ersten, die auf die Frage was man mit dem „Sachzwang existierender Atommüll“ denn bitteschön ihrer Meinung nach machen sollte, antworteten: Zuerst mal bei den Kraftwerken zwischenlagern, dann werden wir weitersehen. Damals wurden sie viel gerügt, für ihre Unverantwortlichkeit, weil sie keine fertigen Konzepte auf den Tischen legten, denn das zeige, dass sie nur Negativisten wären und keine echten Lösungen hätten. Ökochaoten eben.

    Tempus fugit. Heute sehen wir klarer, was die damaligen Konzepte wirklich wert sind – aber es gibt ja glücklicherweise beständig Nachschub: An Konzepten für die ferne Zukunft – bedauerlicherweise weniger an Lösungen für jetzt.

    Auf die meisten Ihrer Fragen, etwa wer uns (uns?) welches Recht (Im Sinne des Naturrechts? Oder wie ist das eigentlich zu verstehen?) gibt oder was Hr. Trittin möglicherweise für finstere Absichten hegt, kann ich nicht wirklich konstruktiv antworten. Denkbar ist natürlich ganz Vieles. Physikalisch möglich, ist Ihr Szenario der High-Tech-Entsorgung im Prinzip schon, ebenso ist physikalisch möglich, dass tief unter der Stirn grüner Politiker nichts anderes schlummert als die pure Machtgier, wofür alles Andere nur Vorwand ist. Grundsätzliche physikalische Möglichkeit sagt eben sehr wenig aus. Ob das alles wirklich so ist, kann man aber derzeit nicht wissen, ich plädiere daher dafür sich mit Sachverhalten und Argumenten auseinanderzusetzen, statt mit dahinter lediglich vermuteten Motiven.

    In einem Punkt kann ich ihnen aber vielleicht weiterhelfen, wenn Sie fragen: „Woher beziehen Sie eigentlich die Erkenntnis, daß jemand irgendetwas falsch eingeschätzt hätte oder nicht vorher gesehen hätte?“

    Ich beziehe meine Information – etwa über Asse – aus allgemein zugänglichen Quellen, für den Anfang z.B. http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/hg_finanzierung_asse_bf.pdf
    Wenn sie mehr wissen wollen, können ihnen Herr König und das BfS und BMU vermutlich weiterhelfen, allerdings wäre zu fragen, ob „falsch eingeschätzt“ nicht eine arg euphemistische Untertreibung ist und teilweise nicht eher Vokabeln wie „erschreckende Inkompetenz“ und „bewußte Verschleierung“ angebracht sind.

    Ich will versöhnlich schließen, denn ich vermute, dass Ihr Konzept, wenn es denn ausgearbeitet ist, eine Menge Fragen und Arbeit für die „gute alte Physik“ (hier wohl symbolisch für die Kernchemie und weitere betroffene Naturwissenschaften) schafft, auch vieles, was geklärt werden kann und muss ohne deswegen gleiche eine ganz WAA bauen zu müssen. Das Offenhalten zweiter, dritter etc. Entsorgungsoptionen ist natürlich grundsätzlich zu begrüßen. Ich sehe hier eher das Problem, dass die Energiewirtschaft zögern dürfte, ihre Rückstellungen und Forschungsausgaben zu vervielfachen um allen denkbaren Optionen parallel nachzugehen, wünsche Ihnen aber viel Glück für den Versuch.

  29. @Klaus-Dieter Humpich |

    Hallo Klaus-Dieter,

    ein Kugelhaufenreaktor a la Jülich ist in Südafrika keinewegs im Bau, sondern das Projekt ist soeben kläglich gescheitert: Der einzige Kunde war abgesprungen, neue Kunden oder Investoren liessen sich weltweit nicht finden und internationale Banken verweigerten Kredite. Ursachen: Ungelöste Sicherheitsprobleme und technische Probleme, Kosten gegenüber den ersten Schätzungen um den Faktor 20 angestiegen. Am 16.09.2010 hat die zuständige Ministerin im Parlament das praktisch vollständige Ende des Projektes verkündet nachdem 1 Mrd € investiert worden sind. Nur noch eine Handvoll Leute bleiben übrig, 800 werden entlassen und die Versuchseinrichtungen werden verschrottet. Südafrika wird auf konventionelle und erneuerbare Energien setzen.

    http://www.capetown-online.com/pressestimmen/56-pressestimmen/2939-suedafrika-ende-fuer-pbmr-entwicklung.html

    Man sollte der fast marktschreierischen Werbung der Kugelhaufenlobby nicht zuviel glauben. An der Technologie ist etwas prinzipiell faul, wie auch die schon jetzt explodierenden Rückbaukosten des Jülicher Reaktors AVR zeigen ( obwohl der Reaktor frühestens in 60 – 70 Jahren ganz zurückgebaut werden kann).

  30. Klaus-Dieter Humpich

    Lieber Rainier,
    nicht ganz so flott, sonst geht so ein Schuß leicht nach hinten los.
    Richtig ist, daß das Kugelhaufenreaktor-Projekt in Südafrika gestoppt wurde. Nur die Ursachen sind nicht richtig bzw. nicht vollständig wiedergegeben.
    „Ungelöste Sicherheitsprobleme“. Das ist schlichtweg Unsinn, eher das Gegenteil ist der Fall (siehe später).
    Richtig sind technische Probleme und explodierende Kosten. Dies betrifft aber gerade nicht den Reaktor, sondern die Heliumturbine. In Deutschland ging man und in China geht man immer noch (genau aus dem Grund einer nicht vorhandenen Helium-Gasturbine) den Weg über einen konventionellen Dampfkreislauf. Der 2. Schritt auf dem Weg zur „Hochtemperatur“ vor dem 1. hat diesem Projekt geschadet. Es war für Südafrika einfach zu ambitioniert, so etwas im Rahmen des 4. Generation Projektes zu übernehmen. Außerdem wurde es mit den einschlägigen Partner aus USA durchgeführt. Jetzt holen diese (Patentstreitigkeiten) genau das Projekt in die Heimat zurück.
    Richtig ist, daß der Versorger abgesprungen ist, weil ihm die Entwicklung zu langsam ging. Deshalb startet er gerade eine internationale Ausschreibung für 4 „konventionelle“ Druckwasserreaktoren. Er will also schneller mehr Kernenergie. Insofern ist der Satz „Südafrika wird auf konventionelle und erneuerbare Energien setzen.“ (nur ganz leicht) irreführend. Südafrika setzt konsequent auf alle Energieträger. Es baut beispielsweise an zwei Standorten gleichzeitig 12 x Hamburg Moorburg (vom gleichen Hersteller Hitachi). Um auch dem Laien zu verdeutlichen, was das bedeutet: Nur für diese beiden Kraftwerke werden parallel 4 neue Kohlebergwerke und zwei neue Städte für die Arbeiter gebaut. Parallel werden auch noch einige Windmühlen gebaut, das ist richtig.

    Und damit haben wir die Überleitung zu China. China hat in seinem neuen „5-Jahresplan“ gerade verkündet, den Kohleverbrauch bis 2030 von 2000 Millionen Tonnen jährlich auf über 3000 Millionen zu steigern. Um mit einer Steigerung von 50% auszukommen, ist der Bau von 40 neuen Leichtwasser Kernkraftwerken beschlossen, von denen bereits bei 20 der Beton geflossen (und mehr) ist.

    Und jetzt zu der 4. Baureihe in China (neben Leichtwasserreaktoren, Schnellem Brüter und Schwerwasserreaktoren) dem guten alten Kugelhaufenreaktor nach Deutscher Bauart: Weil alle Testreihen positiv verlaufen sind (international in der Fachwelt viel beachteter Abschlußtest: Bei voller Leistung vollständige Unterbrechung sämtlicher Kühlung für 24 h mit der Folge einer Aufheizung des Cores auf (geplante) 1050 °C), ist jetzt die Planung einer „Fabrik“ zur Serienfertigung solcher Reaktormodule angelaufen. Ausdrücklicher Anwendungszweck: Einsatz in Raffinerien, Schwerindustrie und Kohleveredelung als Wärmequelle. Nur so sieht sich China in der Lage, genug Öl für Verkehr und Chemie zu schaffen. Ein Schelm, wem jetzt einfällt, daß der größte Chemiestandort der BASF inzwischen der in China ist. Vor Ludwigshafen und Antwerpen.

    Man muß und soll das nicht alles für richtig und gut halten, man sollte aber nicht die Augen vor der Realität vollkommen verschließen. Heute beziehen wir unsere im Bau befindlichen Steinkohle und Braunkohlekessel bereits von Japanern (Hitachi) und Franzosen (Alstom). Heute ersetzen uns auf Drittmärkten schon die Koreaner (4 Reaktoren für die Vereinigten Emirate), weil wir freiwillig aus der Kerntechnik ausgestiegen sind. Ich wage mal hier eine Prognose: Wenn der „Jieper“ auf Wind und Sonne in spätestens 10 Jahren vorbei ist, werden wir ein Kernkraftwerk in China bestellen. Genauso, wie heute PC’s, Kopierer und Telefone. Mir hat bloß noch keiner sagen können, wo dann das Geld für Sozialleistungen, Renten und Rückzahlung der Staatsschulen her kommt in diesem unseren Ökoparadies. Vielleicht liegt mein Irrtum ja auch darin, daß dann kaum noch Strom gebraucht wird, weil die Industrie längst verlagert wurde.

  31. Das ist ein schöne Darstellung des technisch sinnvollen Umgangs mit dem „Atommüll“. Warum der Autor allerdings die grün-roten Katastrophennachrichten über den Zustand von Asse unkritisch übernimmt, ist unverständlich. Tatsache scheint nämlich zu sein, daß es in Asse keine Probleme gibt. Ich verweise hierzu auf einen Besuchsbericht,der unter
    http://www.eike-klima-energie.eu/uploads/media/PR090922_Asse.pdf
    zu finden ist.

  32. Klaus-Dieter Humpich

    Vielen Dank Thorsten,
    für den Hinweis zur Asse. Mir sind gestern wieder ein paar Papiere und Sitzungsmitschriften von mir selbst vom Anfang der 1980er Jahre in die Hände gefallen. Ich mußte schmunzeln , wie ich mir damals den Kopf eingerannt habe mit meiner Argumentation zur Asse. Ich wurde von den Kollegen (jawohl, ich bezeichne sie immer noch als solche und halte sie auch keinesfalls für inkompetent und schon gar nicht für verbrecherisch) immer als Hofnarr gesehen, wenn ich davor gewarnt habe, uns ständig das Wort in der Öffentlichkeit verdrehen zu lassen.

    Ich kann Ihnen versichern, daß alles was heute zum „Absaufen und zur Standsicherheit“ der Asse aufgeregt geschrieben wird, aus den Unterlagen der Menschen, die Sie für inkompetent halten, abgeschrieben ist. Diese Forschungs-, Tagungsberichte etc. waren und sind alle öffentlich zugänglich. Was glauben Sie eigentlich, wie die ganzen selbsternannten „Atomexperten“ – ohne jede Fachausbildung – darauf gekommen sein sollen?

  33. Ich habe noch eine Frage. Im Bergwerk Asse betreibt die Physikalisch-Technische Bundesanstalt ein Laboratorium zur Eichung von Dosismeßgeräten. Soweit ich weiß fahren die Mitarbeiter jeden Tag ohne Angst, absaufen zu können, hinunter. Aber sie haben nicht nur keine Angst vor dem Ersaufen, auch die Strahlung in diesem „zusammenbrechenden, höllisch gefährlichen“ Lager macht ihnen nichts aus; gerüchteweise soll das Bergwerk sogar der Ort der geringsten Strahlendosis in der BRD sein. Wie paßt das alles mit dem Politiker- und Mediengeschrei über einen höchstgefährlichen Zustand von Asse zusammen?

  34. Klaus-Dieter Humpich

    Lieber Provinzler,
    hier liegt ein Mißverständnis vor.

    Ich wollte lediglich zum Ausdruck bringen, daß es keinerlei Neuigkeiten zu den gelogischen Verhältnissen im ehemaligen Salzbergwerk Asse gibt.

    Um es ganz kurz zu machen: Ich kann im jetzigen Zustand der Asse keine Gefahr für irgendwelche Anwohner durch eine radioaktive Freisetzung aus der Asse erkennen. Im Gegenteil: Ich halte ein „ausbuddeln“ aus Gründen des Arbeitsschutzes für eine vermeidbare (siehe vor) und deshalb nicht zu rechtfertigende Maßnahme. Wer sich auf solche Forderungen (politisch) einläßt, muß sich nicht wundern, wenn er später bei einem etwaigen Arbeitsunfall dafür zur Verantwortung gezogen wird.

    Wenn die Asse als gefährlich angesehen wird, was bitte ist dann mit der „Sondermülldeponie“ Morsleben? Wird die auch wieder ausgebuddelt?

    Noch einmal: Risiko gibt es immer und bei allen Tätigkeiten. Ein Ingenieur muß deshalb stets Vor- und Nachteile einer Aktion abwägen. Hier Arbeitsschutz zu (angeblichen) Umweltbelastungen.

    Der „Komplex Asse“ ist aus einer anderen Sicht höchst interessant. Sollte man Endlagerung von (überwiegend) staatlichem Müll aus Krankenhäusern und staatlichen Forschungseinrichtungen überhaupt Staatsbetrieben überlassen? Sind dadurch nicht Interessenkonflikte vorprogrammiert gewesen? Der Düsseldorfer würde sagen: Da können wir helfen!

  35. Lieber Herr Humpich,

    vielen Dank für Ihre Antwort. Ich hatte Ihre Ausführungen zu Asse als Bestätigung der offensichtlich verlogenen Berichtserstattung durch das bundesdeutsche Medienkartell verstanden, das wissentlich Tatsachen verdreht und verfälscht. Gerade im Falle Asse scheint die Lügenmaschine auf Hochtouren zu laufen. Enttäuschend ist natürlich auch, daß Leute, die es aufgrund von Augenschein besser wissen, und nicht ideologisch verbohrt sein sollten, z. B. Abgeordnete von CDU und FDP, die Asse besuchten, zu feige sind, die Medienlügen richtigzustellen. Offensichtlich wirkt die rot-grüne Einschüchterung, jeden Abweichler von der genehmen Meinung bis zur Existenzvernichtung zu verfolgen, im gewünschten Sinne; die Angst lähmt die Stimme. Wie gefährlich es ist, seine eigenen Gedanken auszusprechen, war erst vor wenigen Tagen am Beispiel der CDU-Abgeordneten zu beobachten, die die Doktrin vom menschengemachten Klimawandel infrage stellte. Sofort heulte die Empörungssirene auf und es wurde ihre Absetzung als unweltpolitische Sprecherin der CDU verlangt. Und wie nicht anders zu erwarten, gehorchte die CDU-Fraktion den rot-grünen Befehlen und rügte die Abweichlerin. Auf dem Weg in den rot-grünen Obrigkeitsstaat sind wir schon viel weiter als wir meinen.

  36. Sie hatten mir die konkrete Frage gestellt, woher ich die Erkenntnis beziehe dass jemand irgendetwas falsch eingeschätzt oder nicht vorher gesehen hätte, worauf ich in Form des obigen Links ein konkretes Beispiel anführte. Ich will daraus gerne nochmals zitieren:

    „Eine rechtlich verpflichtende Beteiligung der EVU an den Stilllegungskosten der Asse hätte vor der Ablieferung der Abfälle mit den EVU vereinbart werden müssen.“

    Ihre allgemeine Zusicherung zum Gesamtkomplex „Absaufen und Standsicherheit der Asse“ ist da momentan wenig hilfreich. Vielleicht sollte man der Gründlichkeit halber eine konkrete Angelegenheit nach der anderen betrachten. Wurde die Notwenigkeit die EVU zu verpflichten nun vorher gesehen oder nicht? Im ersteren Fall wäre der Nichtabschluss von Vereinbarungen bewusstes Unterlassen zum Schaden des Steuerzahlers.

    Ich habe nicht oft die Gelegenheit, mit Ihren Kollegen zu sprechen, wenn jedoch, so ist das nicht immer erfreulich oder auch nur erkenntnisförderlich. Ich erinnere mich etwa an eine Informationsveranstaltung, die das damalige bayerische WAA-Projekt für Befürworter gab und in die mich ein früherer Studienkollege einschleuste. Vielleicht darf ich ein Schlaglicht daraus beisteuern:

    Damals war eines der offiziellen Argument pro WAA noch, dass eine baldige Uranknappheit drohe. Dazu gab es eine Stellungnahme einiger Physiker der nahegelegenen Universität, welche dies bestritt und dazu unter anderem auf die Möglichkeit der Urangewinnung aus Meerwasser hinwies. Um dies zu entkräften legte der Herr Kollege ein Folie auf, in der tabellarisch die Urankonzentration in verschiedenen Gesteinen und auch im Meerwasser aufgelistet war. Der Unterschied macht, wie Ihnen sicherlich bekannt sein dürfe, etliche Zehnerpotenzen aus, der Kollege zog es aber vor mit reinen Kommazahlen zu arbeiten, wodurch sich die Meerwasserkonzentration durch eine ansehnliche Reihe Nullen deutlich absetzte.

    Er wies dann auf diese Nullen hin und sagte, dass er zu diesem Argument der Physiker wohl nichts weiter sagen müsse. Ich ließ das und den Rest des Vortrags über mich ergehen und fragte nach Abschluss an, wie den dieses Argument zu verstehen sei. Schließlich gehe, wenn man die zitierten Orginalarbeiten zur Urangewinnung aus Meerwasser einsehe daraus hervor, dass es sich dabei um selbstanreichernde Systeme handelt, in denen großteils selektiv Uran aus der Meereströmung oder durch einen per Wellengang betriebenen Mechanismus in ein Aufnahmesubstrat absorbiert wird. Eine Antwort darauf und auf andere Nachfragen erfolgte nicht, vielmehr kam das restliche Publikum zu der Ansicht, dass ich voreingenommen sei und folglich ruhig zu sein habe und der Herr Kollege trat den Nachhauseweg an.

  37. Pingback: Kollege Tank agiert “wirtschaftlich”

  38. Pingback: B.L.O.G. – Bissige Liberale ohne Gnade » Repräsentativ?

  39. @Markus Heindel:

    Sie haben den Artikel wohl nicht richtig gelesen. Es braucht keine „Endlösung“, wie man sie im grünen Lage predigt. Es braucht offenbar keine endgültige Lagerung.

  40. Danke an alle Kommentatoren.
    insgesamt eine ausgewogene Information zu einem emotionalisietem Thema.

    Leider habe ich mit, sagen wir normalen, Gegnern dieser Energierzeugung noch kein fachliches, sachliches Gespräch führen können. weil sehr schnell die enorme Unwissenheit zu Tage kommt.
    Fachwissen und Realität ist natürlich auch nicht gewollt. Wer Teilnahmeprämien* für Proteste gegen Atomkraft und freie Kaffeefahrten zu den Demonstrationsorten bezahlt und angepreist, will doch keine aufgeklärten Mitbürger haben.

    *) ich wurde auch schon eingeladen.

  41. Hans Dieter Bellmann

    Lieber Klaus Dieter Humprich,
    Ich habe Deinen Artikel und die ganzen Blogs gelesen. Dein „Jieper“ mit Wind und Sonne kürzt herrlich mein ellenlanges Schriftstück der letzten Nacht ein nach dem ich dann endlich wieder schlafen konnte. Allerdings belastet mich als alten Landwirt und Vater in einer großen Familie auch das Schicksal der Hungernden Menschen in den Entwicklungsländern gewaltig. Wenn seit 2007 deren Zahl von 800 Millionen bis heute auf mehr als 1,1 Mrd.gestiegen ist durch den riesigen Nahrungsflächenumbau auf alterna- ive Energieerzeugung in den armen Ländern. Dort wird ausgelöst durch Exportaufträge von klimareligiösen Regierungen und verantwortungs- losen Initiatoren „Biodiesel“ für reiche Länder hochsubventioniert erzeugt. In diesen Ländern sterben täglich allein 10000 Kinder den Hungertod was kaum jemanden interessiert und bei die Erhöhung des Beimischungszwan- ges ermöglicht. In Europa betreibt man eine ähnliche klimapolitisch an- getriebene Bevölkerungsminimierungsstrategie mit Hilfe des Fördermittel- diebstahls aus dem bereits abgabefreiem Einkommen die vom Baby bis Greis, je ärmer diese sind umso schlimmere Auswirkungen haben. Sogar Christian von Weizäcker nennt diese ökologistische Abzocke verfassungs- widrig und meint dass es sich nur niemand wagt dagegen zu klagen wie es ehemals beim Kohlepfennig erfolgreich war. Aber jetzt scheint der „Jieper“ bei den weitaus klüger scheinenden Amerikanern einen Dämpfer bekommen zu haben denn Al Gore hat seine Anteile bei der CCX noch abstoßen können bevor der Kurs des CO2-Zertifikates auf fünf Cent fiel und der Handel gestorben ist. Noch gibt es aber die Europäische ECX weil die Hiesigen nicht aus dem selbstgebauten Labyrint herausfinden. Man sollte ihnen deshalb raten täglich 30 Gramm Walnüsse oder Heidelbeeren zu essen um die bei ihnen wahrscheinlich stark verringerte Anzahl der Neuronenverbindungen wieder auf eine für ihre Vernunft und Ehrlichkeit notwendige Anzahl anzuheben. Amerikanische Forscher haben dieses Ergebnis bei Versuchen mit alten Ratten nachweislich erzielt. Jedenfalls hat das auch bei mir geklappt wie sie vielleicht an meinem Blog sehen können denn ich bin gerade 80 Jahre alt geworden und vor den Walnüssen und Heidelbeeren habe ich mich weitaus öfter verrechnet und verschrieben.
    Ich glaube ganz fest, dass den alternaiven Energieproduzenten viel früher als in 10 Jahren die Fördermittel ausgehen. Allerdings muss vorher die für sämtliche neuen Atomkraftwerke im deutschen Umland,z.B. der moderns- te im Bau befindliche Reaktor in Finnland, und die in Planung befindlichen
    Kraftwerke die ganz Europa vernetzende 380 und 450 KW- Leitung stehen. Wenn die deutschen Meiler abstellen muss ja bezahlbare Enrgie weiterhin verfügbar sein. Die für keine Volkswirtschaft bezahlbare alternaive Ener- gieerzeugung erhält dann vom Monopol der Atomstromerzeuger als Dank für die Ausschaltung der Kohlekraftwerkskonkurrenz mit der seit 1988 be- triebenen Hetze gegen das CO2, die Ausschaltung deutscher Atomkraft und die nur mit dem Vorwand des Windenergietransportes von Norden ins Inland möglichen Durchsetzung des riesigen Leitungsnetzes als mit dem unrealistischen nie von den Entscheidungsträgern beachteten Kosten- Nutzen-verhältnisses als lächerliche Konkurrenz den Denkmalsschutz. Für die Bürger der Volkswirtschaften wird die Entsorgung eine harte Nuss.

  42. „Es kann immer nur um Wahrscheinlichkeiten gehen“ – Sie sind lustig!
    Wenn die Wahrscheinlichkeit des groesstMOEGLICHEN Unfalles in einer kerntechnischen Anlage groesser Null ist UND dabei Millionen Tote SICHER zu erwarten sind, lautet die einzige Frage, die Sie beantworten muessen (ohne Ausfluechte, bitte!): „Kann ein solcher Unfall passieren? Wenn ja, kann er auch morgen zufaellig eintreten und hunderttausende Soforttote sowie Millionen Tote insgesamt verursachen? Wenn ja, und es morgen eintraete, wuerden Sie dann im Nachhinein immer noch zu den Befuerwortern der „friedlichen“ Nutzung der Atomkraft zaehlen?“ Und die uebrigen Leser solcher Blogs, was sagen Sie? Was fuer eine Rolle spielt denn da bitte die Endlagerung?
    Warum wird verschwiegen, dass ein Land, das Atomkraftwerke besitzt, diese im Konfliktfall abschalten und entladen muss, d.h. im Krieg faellt der Atomstrom ersatzlos weg? Warum wird verschwiegen, dass das manipulativ heruntergerechnete Risiko eines Atomunfalles (es fehlen naemlich die Berechnungsgrundlagen – auch das wird verschwiegen!) auch nicht wirklich weiterhilft, wenn ein AKW stattdessen im Betrieb einfach ohne Vorwarnung angegriffen wird? Eine Bombe erzeugt auch hier Millionen Tote durch Austritt des radioaktiven Inventars!
    Was sollen also solche verschleiernden Artikel?

  43. Pingback: Atommüll: Der Versuch einer Neubetrachtung |

  44. Da gab es dan wohl keine Antwort mehr auf den letzten Kommentar??!

  45. Pingback: Readers Edition » Plädoyer für mehr Ehrlichkeit in der Energiepolitik

  46. @Bodo: Es wird wohl generell angenommen, daß CrisisMavern bereits an einem Herzinfarkt verendet ist, weil er sich täglich so aufregt. 😉
    Es kann, lieber CrisisMavern, tatsächlich nur um Wahrscheinlichkeiten gehen. Um was denn auch sonst? Die Wahrscheinlichkeit, daß das Lachsbrötchen, was Sie vorhaben zu essen, sich auf dem Weg in den Magen durch ungünstige, zufällige Impulsverteilung der Lachsbrötchenelementarteilchen zu einer breiten Scheibe verformt und Sie dabei ersticken ist nicht gleich null. Trotzdem werden Sie die Wahrscheinlichkeit dafür vermutlich zurecht als hinreichend gering betrachten, daß Sie den Verzehr genußvoll in Angriff nehmen.

    Rechnen Sie doch mal kurz die Wahrscheinlichkeit aus, daß die von Ihnen skizzierten Szenarien eintreten und ich sage Ihnen, warum Sie damit nicht ernstgenommen werden.

  47. Guten Tag zusammen.
    Die Verteufelung der Kernenergie ist schon lange geplant(Rockefeller, Rothschild, Club of Rome und anderen) und kommt nun in die entscheidene Phase. Es sind übrigens die gleichen Drahtzieher, die uns den Klimaschwindel, Ozonlüge,Finanzblasen und so weiter im wahrsten Sinne verkauft haben. Es sind uralte Pläne, die schon in den 50er Jahren in der ehemaligen Sowjetunion geschmiedet wurden.Ich empfehle das Buch von Thorsten Mann: „Rote Lügen im grünen Gewand-Der kommunistische Hintergrund der Ökobewegung.“
    Die sogenannte Endlagerung des wertvollen Spaltmaterials, es beinhaltet wie der Autor dieses Artikels,Herr Humpich richtig erörterte auch wertvolle Elemente,bzw Metalle enthält, welche bei den Fissionen entstanden sind und ist viel zu schade zum“Wegwerfen“. Es ist geradezu grothesk, wenn ausgerechnet die Grünen das Recyceln dieses Materials ablehnen, wo diese doch jeden Kondom am liebsten recyceln würden.Man kauft sich ein Auto und vergräbt es wenn der Tank leer ist.
    Nun wird der Irrsinn Gesetz und wir kaufen den Stom im europäischen Ausland ein, der überwiegend aus Nuklearenergie stammt und münzen ihn als Öko um und der Verbraucher zahlt. Nun dürfen wir uns als absolut abhängeig von Frankreich,Tschechien, Polen und Russland betrachten.Tolle Wurst!
    MFG:

  48. Hier noch ein interessantes Video zu den Spaltprodukten und deren Rohstoffwert:

    Kirk Sorensen ist ausserdem ein Promoter für den LFTR, (Niederdruckreaktor, welcher auf Flüssigfluorid und Thorium als Brennstoff basiert) und arbeitete bei der NASA, wird also schon was verstehen 😉

  49. Pingback: Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi: Unfallursache, aktuelle Situation und Zukunft (Teil 1) |

  50. Pingback: Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi: Unfallursache, Unfallursache, aktuelle Situation und Zukunft (Teil 2) |

  51. Die Behauptung, dass die Kirche geglaubt hat das die Erde eine Scheibe ist, ist eine Lüge. Das hat niemand geglaubt.

    Die Behauptung, das die Katholische Kirche gegen Galileo war weil er das Heliozentrische Weltbild vertrat ist falsch. Die Kirche war gegen Galileo weil er anfing mit der Bibel zu argumentieren, beleidigend wurde und so weiter.

    Die Kirche „bestrafte“ Galileo dahingehend das er in einer der Villen des Papstes unter Hausarrest stand, und dort sein Hauptwerk schrieb.

    Wenn schon Ideologien – dann richtig. Die Aufklärung war und ist eine Ideologie.

    Templarii

  52. Die Grünen und deren Ideologische Gefolgschaft sind, so vermute ich, gegen Endlager weil dann eine „Lösung“ in ihrem Denken für die AKWs gefunden wäre und dann kein Grund mehr bestünde sie abzuschaffen. Was völlig irre ist überlegt man sich einmal die Risiken. Da gäbs doch wohl noch genug Gründe um auszusteigen auch mit Endlager. Aber anders kann ich mir diesen schon fanatischen Kampf gegen Endlager oder andere Lösungen nicht erklären.

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