Street View ist kein Fall für den Datenschutz

Gérard Bökenkamp

So sieht es auf jeden Fall der SPIEGEL-Redakteur Thomas Darnstädt. Er schreibt auf SPIEGEL-Online, dass es zwar ein Eingriff ins Persönlichkeitsrecht darstelle, wenn individuell erkennbare Personen-Bilder veröffentlicht werden. Doch soweit sich Google an seine Ankündigung halte, dieses zu unterlassen, sei nicht erkennbar, wieso der Fall Street View in die Kompetenz der Datenschützer falle.

Wenn die Fotoansicht von Häusern, Autos und Gärten künftig als verfassungsrechtlich geschützter Ausdruck der Menschenwürde gelte, dann mache man damit „den Datenschutz lächerlich, den wir so dringend brauchen, um etwa Leute in die Schranken zu weisen, die unter Verweis auf amerikanische Vorbilder Internet-Pranger für Sexualverbrecher fordern oder Passagiere am Flughafen nacktscannen wollen.“ Recht hat er.

Als Journalist hatte Darnstädt gute Gründe hier Einspruch zu erheben. Denn wenn Google die Ansicht von Straßenzeilen im Internet untersagt würde, dann dürfte auch eine Fernseh-Dokumentation über Problembezirke keine Bilder mehr von Straßenzeilen in Neukölln zeigen und kein Bericht über „soziale Ungerechtigkeit“ mehr Bilder aus Villenvierteln und Plattenhaussiedlungen. Denn was für das Internet gilt, muss wohl auch für das Fernsehen und die Printmedien gelten. Wer den Datenschutz über alles stellt, schadet damit dem Recht auf Informationsfreiheit.

Information:

Die lächerliche Angst vorm bösen Blick

6 Antworten zu “Street View ist kein Fall für den Datenschutz

  1. Sehr richtig, und ich gehe noch weiter: Wer erleidet einen Schaden, wenn jemand für seine Bekannten erkennbar ist? Bei Promis mag das anders sein. Wenn Google alle Gesichter unkenntlich machen soll, was ist dann mit den genannten Postkarten von belebten Marktplätzen, Bikinischönheiten am Strand etc etc? Fassaden, Straßen und alles was sich auf ihnen bewegt sind Teil des öffentlichen Raums. Facit: Man kann alles übertreiben, und man tut es offenbar, wenn man sonst keine nennenswerten Sorgen hat.

    hhr

  2. David Henneberger

    Ich sehe das ein bisschen anders. Schon heute haben in vielen Personalabteilungen junge Bewerber mit der falschen Postleitzahl des Elternhauses keine Chance. Wenn jetzt auch noch die tatsächliche Wohnsitation bequem vom Schreibtisch aus abrufbar ist, wird das diesen Trend weiter verschärfen.

    Den Nacktscanner finde ich wiederum völlig harmlos . Was stört es mich, wenn eine Sicherheitskraft, die jeden Tag Tausende von Reisenden vor sich sieht, meine Körperumrisse schemenhaft erkennen kann – vorausgesetzt die Bilder werden unmittelbar danach wieder gelöscht. Bei meinem Radiologen kann ich damit ja auch leben – wie am Flughafen geht es hier um die Herstellung oder Gewährleistung der körperlichen Unversehrtheit.

  3. Offensichtlich ist sowohl vielen Leserinnen und Lesern als auch manchem Autor noch immer nicht der Unterschied zwischen digitalen (und d.h. aggregierbaren, permanenten (oftmals dank Redundanzen endlos ) und analogen (mithin meist nur per direkter Suche auffindbaren und nur mit Aufwand vervielfältigbaren) Daten bekannt.
    Da es sich bei den o.g. Postkarten, Dokumentationen (selbst wenn sie online abrufbar sind) etc. um analoge Daten handelt, die im Allgemeinen nicht verknüpft sind mit Personendatensätzen, ist die Angelegenheit dort gänzlich anders gelagert und – selbstredend – zurecht kein Platz für den Datenschutz.

    Bei Google Street View scheint nun bei einigen die Vorfreude so groß, dass sie darüber vergessen, dass Google nicht der nette Onkel ist, der uns generös die Bilder überlässt von zwei Jahren Kamerafahrten durch deutsche Städte, mit einer Haftnotiz versehen: „Viel Freude damit und bis zu meinem nächsten Besuch.“
    Nein, Google investiert nicht aus Philanthrophie einen unbekannten, sicherlich aber nennenswerten Betrag, um uns die Vorfreude auf potentielle Reiseziele anschaulicher zu gestalten.
    Wie bei der Online-Buchsuche Google Books ist am Anfang die Vorfreude ebenso groß wie blind. Und sie übersieht in schier grenzenloser Faszination über das technisch Machbare die Dreistigkeit des Privatunternehmens (!) Google. Denn wie bei der Digitalisierung von Millionenbeständen, deren Nutzen – utilitaristisch betrachtet – freilich außer Frage steht, ignoriert Google auch bei Street View den rechtlichen Gang der Dinge, der vereinfacht ausgedrückt schon im Kindergarten Anwendung findet: Erst fragen, dann handeln.
    Aber vielleicht sind’s ja auch nur diese ewig zeternden Datenspinner, die sich darüber aufregen. Und am Ende ist Google ja womöglich tatsächlich nur ein Mäzen mit zuviel Serverkapazitäten…

  4. Wenn wir jede Investition verbieten würden, die nicht aus Philanthropie passiert… Fakt ist: Ich darf jedes Haus von der Straße fotografieren und ins Internet stellen, also darf Google das auch. Wer’s Google verbieten will, muss es allen verbieten. Es ist sicher kein Zufall, dass sich gerade Datenspinner (z.B. Sascha Lobo) an den Kopf fassen angesichts der derzeitigen Diskussion – bei der E-Mail-Ausdrucker ganz vorneweg marschieren.

  5. Pingback: wettersberg.de» Blogarchiv » Street View und der Datenschutz

  6. Lieber Herr Bökenkamp,

    Sie sagten ganz am Ende:

    „Denn was für das Internet gilt, muss wohl auch für das Fernsehen und die Printmedien gelten. Wer den Datenschutz über alles stellt, schadet damit dem Recht [aller anderen] auf Informationsfreiheit.“

    Ich wünsche es mir, daß man sich im Internet etwas freier bewegen kann als in einer nicht besonders freien Gesellschaft, welche die „BRD“ leider ist. Denn Internet ist schließlich ein privates Medium, das als solches viel mehr erlauben soll als das, was sich Fernsehen und die Printmedien erlauben.

    Im Internet wird m.E. zu viel Zensur betrieben. Nur „politisch korrekte Gedanken“ werden erlaubt (Beispiel: Wikipedia, Wikimedia usw.). Das Recht auf Gedankenfreiheit wird so sehr eingeschränkt, daß man an manchen Stellen nicht die Möglichkeit zum Denken hat.

    Mit Persönlichkeitsrecht in bezug auf Datenschutz ist ausschließlich und ausdrücklich das negative Recht gemeint. Es ist fast verboten, in Deutschland das positive Persönlichkeitsrecht auszuüben. Und das negative Persönlichkeit drückt sich am besten sowie am augenfälligsten in der Islamistin, welche die Burka trägt. Auch sie will ihr [negatives] Persönlichkeit ausüben. Das ist das Recht, gar keine Persönlichkeit zu haben und auch nicht gezwungen zu werden, eine gesunde Persönlichkeit zu entwickeln. Deswegen zeigt sie ihre „Persönlichkeit“, indem sie darauf besteht, keine haben zu müssen sowie zu wollen. So kommen mir diese Datenschutzrechtler vor. Sie islamisieren unsere Gesellschaft und vergiften sie auch.

    Ihr

    Luis

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