Bundestagsabgeordneter Frank Schäffler spricht an der Universität Passau

Ralph Bärligea

Wettbewerbliche Geldordnung als Zukunftsvision

Am Dienstag, den 22. Juni 2010, war der Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler zu Gast an der Universität Passau. Eingeladen wurde er von dem studentischen Verein LUPE e.V., „Lust an Politik und Entwicklung“. Der Hörsaal 1 des Philosophicums war voll besetzt. Mehr als 400 Gäste, darunter Studenten, Dozenten, Professoren und Passauer Bürger, verfolgten die Veranstaltung. Auch Vertreter der Passauer Neue Presse waren anwesend. Außerdem zu Gast war der in Passau lehrende Professor Johann Graf Lambsdorff, der sich international vor allem durch seine „Antikorruptionsforschung“ einen Ruf gemacht hat. Am Beispiel der Griechenlandkrise „EZB – EURO – EUROPA, eine griechische Tragödie in drei Akten“ wurden grundlegende Charakteristika unseres kriselnden Wirtschaftssystems hinterfragt.

Beide Redner hielten einen Vortrag von etwa 15 Minuten, indem Sie zum Anlass der aktuellen griechischen Verschuldungskrise auf die Gründe der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise eingingen. Danach gab es eine Diskussion zwischen den beiden Rednern, die eine konträre Philosophie von Wirtschaftstheorie und Freiheit vertreten und somit auch unterschiedliche politische Maßnahmen als Antwort auf die Krise fordern. Moderiert wurde die Diskussion von dem Privatdozenten Doktor Hendrik Hansen, der politische Ökonomie an der Universität Passau lehrt. Anschließend bekam das Publikum Gelegenheit, Fragen an die Diskutanten zu stellen.

Bundestagsabgeordneter Frank Schäffler – Vertreter der Österreichischen Schule und politischer Visionär

Der Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler vertritt die Wirtschafts-, Konjunktur-, und Krisentheorie der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, wie sie Ludwig  von Mises und der Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek entscheidend prägten. Dementsprechend sah er die Ursachen der Fehlinvestitions-, Konjunktur- und Überschuldungskrise in dem immensen Geldmengenwachstum. Seit der Euroeinführung hat sich die Geldmenge mehr als verdoppelt!

Das Geld wird von der Zentralbank als Schuld ausgegeben. Extrem niedrige Zinsen und die Finanzierung durch einen Kreditgeber letzter Instanz, der keine Eigentümerinteressen vertritt, hätten die Banken dazu veranlasst wirtschaftlich nicht tragfähige Investitionen zu tätigen und so die Krise ausgelöst. Die Banken wiederum, die nur eine Rechtsform darstellen und deren private Haftung auf wenig Eigenkapital beschränkt ist, verfahren in diesem System nach dem Motto „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“, so Frank Schäffler. Gleichzeitig hat das Fremdkapital, das wie alles Geld in letzter Instanz von der Zentralbank kommt, keinen echten Eigentümer, wodurch ein System der Verantwortungslosigkeit erschaffen wurde. Letztendlich sei dieses System unsozial, weil einige wenige das frisch gedruckte Geld in großen Mengen erhalten, damit noch vor der Entwertung frei und auf Kosten anderer wirtschaften können, während die Kosten der Inflation dann die Sparer, Renten- oder BAföG-Empfänger tragen, so Schäffler.

Darum ist es ersichtlich, dass Frank Schäffler vor allem die in massivem Umfang neu geschaffenen Geldmengen als Ursache der Krise sieht. Diese haben neben dem ohnehin fehlerhaften und schädlichen Geldmonopol noch zusätzlich für Fehlinvestitionen gesorgt und so Investitionsblasen geschaffen, die langfristig nicht tragbar sind und in eine gewaltige Krise führen. Die Rettung krisengeschüttelter Banken, Unternehmen und Staaten durch die Notenpresse erhält die nicht tragfähigen Strukturen nur kurzfristig, verzögert notwendige Anpassungen und verschlimmert die Krise weiter, ist sich Frank Schäffler sicher. Er rechnet nicht damit, dass eine Exit-Strategie, also die Rückführung der Geldmengen gelingen wird und kalkuliert darum mit einer hohen Inflation, evtl. sogar einem Währungszusammenbruch, wenn die Menschen sich entscheiden, den Euro ab zu verkaufen und in ein wertstabileres Geld, wie etwa Gold, umzutauschen. Die Maßnahmen die im Mai getroffen wurden, um die südeuropäischen Länder zu „retten“ bezeichnet Frank Schäffler als „stille Währungsreform“, da die drei Säulen der Währungsunion aufgehoben wurden: Unabhängigkeit der Zentralbank, kein Ankauf von Staatsanleihen, keine kollektive Haftung für Schulden eines Mitgliedslands. Die WirtschaftsWoche urteilte ähnlich und wählte im Mai als Titelblatt eine Todesanzeige für den Euro. Wie bitte soll auch Geld, das man Pleitebanken, Pleiteunternehmen und Pleitestaaten gegeben hat, wieder zurück gefordert werden? Unmöglich! Frank Schäffler fordert darum, das Verbot anderer Zahlungsmittel als dem Euro aufzuheben und im Wettbewerb stehende private Währungen sofort zuzulassen, um den aktuellen Entwicklungen Rechnung zu tragen und den Fortbestand stabiler Zahlungsmittel zu sichern.

Professor Johann Graf Lambsdorff – Neo-Keynesianer, Spieltheoretiker und politischer Realist

Ganz anders sieht dies Graf Lambsdorff. Er rechnet mit einer Deflation und langjährigen Stagnation wie in Japan. Er begründet dies durch die Liquiditätsfalle, eine Theorie von Keynes, die besagt, dass die Aussichten der Unternehmen so schlecht sind, dass diese selbst zu null Prozent Zinsen keine Kredite mehr aufnehmen, wodurch die Wirtschaft, da ein weiteres Absenken des Leitzinses nicht mehr möglich ist, nicht weiter angekurbelt werden kann.

Seine Rede leitete Lambsdorff wie viele seiner Vorlesungen mit einem lustigen Spiel ein. Zwei Studenten sollten wählen welche Währung sie lieber mögen, den lettischen Lats, oder den US Dollar. Wenn sich beide Studenten auf dieselbe Währung einigen, bekommen sie im Falle des US Dollar 80 Cent, im Falle des lettischen Lats 1 EUR und wenn die Wahl auf unterschiedliche Währungen fällt „eben gar nichts“, so Lambsdorff. Beide Studenten wählten natürlich den Lats. Lambsdorff lobte, dass dies rational sei, wir aber „auf dieses Verhalten bei den Kapitalmärkten“ schon „seit Jahren warten“. Die subtile Schlussfolgerung: Wissenschaftler, ja selbst Studenten, können in die Wirtschaft als eine Art Übermenschentum sinnvoll intervenieren, weil sie rationaler denken. Diese „Einsicht“ schmeichelte den Zuhörern und gefiel deswegen. So hätte etwa die KfW in der Krise Griechische Staatsanleihen kaufen sollen, so Lambsdorff, da diese aus seiner Sicht unterbewertet gewesen seien. Das aber ist nach Hayek eine Anmaßung von Wissen. So stützte Graf Lambsdorff auch die Verschwörungstheorie, dass sich Spekulanten gemeinsam gegen Griechenland abgesprochen hätten, um von der griechischen Staatspleite zu profitieren. Dass Griechenland ohne die Subvention durch den Euro unter Marktbedingungen schon vor 10 Jahren pleite gewesen wäre, interessierte das eristische Rhetorik-Genie dabei wenig.

Die Akteure auf den Kapitalmärkten seien hingegen während der Krise geradezu in den Dollar geflohen, der Dollar deswegen geradezu überbewertet. Dies sei ein psychologischer Effekt: Man traue den Großen mehr zu; eine Reaktion ähnlich wie bei einer geschiedenen Frau, die erst mal zu den Eltern zieht, selbst wenn sie dort eine schlechte Kindheit hatte. Kleinere Währungen dagegen wurden abgestraft. Darum können wir froh sein, dass wir den Euro haben, denn dieser habe uns sicherer durch die Krise gebracht, als dies nationale Währungen hätten leisten können, so Lambsdorff.

Die Vision einer wettbewerblichen Geldordnung, die zwangsläufig an reale Werte wie Gold anknüpft und Geldwertstabilität am zuverlässigsten sichert, wie sie Frank Schäffler forderte, teilt Professor Lambsdorff nicht. Er meinte, dies sei politisch unrealistisch, weil niemand die einmal erhaltene Macht über das Geld freiwillig abgeben würde. Er meinte wortwörtlich, „Geld ohne Zentralbanken ist so realistisch wie Frieden ohne Waffen“. Meine Ansicht ist, dass die ökonomische Realität eine wettbewerbliche Geldordnung zwangsläufig wieder hervorbringen wird.

Universität Passau und LUPE e.V. veranstalten „EZB – EURO – EUROPA , eine griechische Tragödie in drei Akten“

WirtschaftsWoche titelt mit Todesanzeige für den Euro

Investmentlegende Marc Faber: „Ich traue überhaupt keiner Papierwährung.“

Warum in der EU und den USA Inflation wahrscheinlich ist im Gegensatz zu Japan

„Währungswettbewerb als Evolutionsverfahren“ von MdB Frank Schäffler und Norbert F. Tofall

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3 Antworten zu “Bundestagsabgeordneter Frank Schäffler spricht an der Universität Passau

  1. Die Geldschöpfung müßte in Staatshand liegen. Sonst zahlen wir Zinsen an Privatbanken, die das Geld aus dem Nichts geschaffen hatten. Bitte lesen:
    „Der Dollarcrash “ von Ellen BrownA

  2. Pingback: Die Euro-Lüge, Teil II: Entlarvung des Euro-„Rettungsschirms“ « Fortschreiten – Aufbruch in neue Zeiten …

  3. Pingback: Die 7 schlimmsten Euro-Lügen aus der Sicht Deutschland´s – Wie ist Deine Meinung dazu? | Blog von Klaus Schreiner Österreich, Tirol, Innsbruck

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