Kritik am New Deal

Von Gérard Bökenkamp

Der New Deal ist ein wichtiger Bezugspunkt für die Wirtschaftspolitik von Präsident Barack Obama. Die Schulbuchweisheit in den USA aber auch in Deutschland lautet nämlich, dass die Weltwirtschaftskrise von 1929 von der Irrationalität der Märkte verursacht worden sei, Präsident Hoover mit seiner Politik des Laissez-faire daran scheiterte die Krise erfolgreich zu bekämpfen und schließlich Präsident Franklin D. Roosevelt mit seinem New Deal, Arbeitsbeschaffungsprogrammen und entschlossenen Eingriffen in die Wirtschaft, die Krise überwunden habe.  So der gängige Roosevelt-Mythos, der heute wieder als politisches Vorbildung dient.

Der Ökonom Robert Murphy hat in seinem Buch „The Politically Incorrect Guide to the Great Drepression and the New Deal” die zentralen Argumente gegen diese Sichtweise zusammengefasst. Dort stellt er die Schulbuchweisheit auf den Kopf: Roosevelt habe die „Große Depression“ nicht etwa überwunden, sondern er habe eine tiefe, aber unter normalen Umständen zeitlich begrenzte Krise mit seinen Eingriffen in das Wirtschaftsgefüge und die Verunsicherung der Investoren  erst zu der „Großen Depression“ gemacht, die das ganze Jahrzehnt überschattete.

Murphy bezieht sich zur Erklärung des Crashs auf die Theorien von Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek und das von ihnen entwickelte „Österreichische Konjunkturmodell.“ Danach wurde sowohl die Krise von 1929 als auch die aktuelle Finanzkrise durch die Geldpolitik der US-Zentralbank verursacht. Die niedrigen Zinsen gaben falsche Preissignale vor, die massenhafte Fehlinvestitionen verursachten. Dies führte zu einem künstlichen Boom und einer Blase an den Aktienmärkten, die zwangsläufig früher oder später in einen Crash münden mussten. Das Österreichische Konjunkturmodell kann den Crash überzeugend erklären, aber nicht warum diese Krise so lange andauerte. Bis zur Weltwirtschaftskrise dauerten Wirtschaftskrisen in den USA selten länger als zwei Jahre und niemals länger als fünf Jahre.

Anhand der Arbeitslosenzahlen macht Murphy deutlich, dass nicht davon die Rede sein kann, dass FDR die Krise gemeistert habe. Vor dem Ausbruch der Krise lag die Arbeitslosigkeit bei knapp über drei Prozent. Zwei Jahre später im Jahr 1931 schon bei fast 16 Prozent. Die Krise erreichte 1933 ihren Höhepunkt mit Arbeitslosenzahlen von fast 25 Prozent. Bis 1937 fiel die Arbeitslosigkeit zwar auf unter 15 Prozent, stieg das Jahr darauf aber schon wieder auf 19 Prozent an und ging erst im Jahr des Kriegseintritts der USA 1941 auf unter 10 Prozent zurück. Die Maßnahmen der ersten Jahre der Roosevelt-Regierung hatten sich also als weitgehend fruchtlos erwiesen, wie die „Depression in der Depression“ von 1937 vor Augen führte.

Für die Länge der Wirtschaftskrise macht Murphy die staatlichen Interventionen von Hoover und Roosevelt verantwortlich. Dass Hoover eine Laissz-faire-Politik betrieben habe, verweist Murphy in das Reich der Mythen. Unter Hoover begann die Politik der Lohn- und Preisfestsetzungen und der Abschottung gegen den internationalen Handel, was die Krise drastisch verschärfte. Roosevelt setzte diese Politik fort und griff noch stärker als sein Vorgänger in die Wirtschaft ein.

Die Steuerlast wurde erhöht und von den Einnahmen teure Arbeitsbeschaffungsprogramme finanziert. Große Teile des Arbeitskräftepotentials wurden auf diese Weise mit wenig produktiven Aufgaben beschäftigt. Damit wurden der Privatwirtschaft finanzielle Mittel entzogen und in diesen wenig produktiven Bereichen öffentlicher Beschäftigung gebunden. Die Einführung von Mindestlöhnen und kollektiven Tarifabsprachen schlossen große Teile der Arbeitssuchenden, die dieses Lohnniveau nicht erwirtschaften konnten, vom Arbeitsmarkt aus. Die Hochpreispolitik auf dem Agrarsektor führte zur Vernichtung von landwirtschaftlichen Gütern, während gleichzeitig in den Städten verarmte Bevölkerungsgruppen unter Hunger litten.

Murphy beruft sich auf die Ergebnisse von Robert Higgs, der in der Unsicherheit der Investoren einen wichtigen Krisentreiber gefunden hat. Die Nettoinvestitionen stagnierten den ganzen Zeitraum der dreißiger Jahre über. Vielen Unternehmern waren die ideologischen Überzeugungen der New Dealer und ihre Sympathien für autoritäre Systeme nicht geheuer. Wie Umfragen zeigen, erwartete nur noch eine Minderheit der US-Amerikaner die Rückkehr zu einer freien Marktwirtschaft. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Kalte Krieg seine Schatten voraus warf, fassten die Investoren wieder Vertrauen in die Dauerhaftigkeit des Kapitalismus in den USA und die freigesetzten Investitionen schufen die Grundlage für das Nachkriegswachstum.

Murphys „Politically Incorrect Guide“ richtet sich an breite Leserschichten und ist durch die aktuelle Diskussion über die Finanzkrise motiviert. Er hat in dem Buch die Ergebnisse der kritischen Forschungsliteratur gut lesbar zusammengefasst. Es ist ihm gelungen, komplexe wirtschaftshistorische Sachverhalte auf eine einfache Weise zu vermitteln und auf den Punkt zu bringen. Eine deutsche Übersetzung oder ein entsprechendes deutsches Sachbuch, das die Kritik am New Deal klar und kompakt zusammenfasst, wäre sehr wünschenswert.

Literatur:

Robert P. Murphy. The Politically Incorrect Guide to the Great Depression and the New Deal, Washington 2009.

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2 Antworten zu “Kritik am New Deal

  1. Sehr gute gegen Argumente! Das ist genau was ich ganz lange gesucht habe! Vielen Dank fuer den Post und… Mir ist eine Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik wie Roosevelt als eine lassez faire (Hoover) Politik durchzuführen.

  2. Sehr gute gegen Argumente! Das ist genau was ich ganz lange gesucht habe! Vielen Dank fuer den Post und… Ich glaub schon, dass Roosevelt besser regiert hat als Hoover.

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