Archiv der Kategorie: Wissenschaft/Technik

Der Hockeystick des Wohlstands

Steffen Hentrich

Es gibt Hockeysticks, die erfordern statistische Tricks, um in Form zu bleiben. Und es gibt Hockeysticks, die von uns allen erlebbar und damit kaum in Zweifel zu ziehen sind. Donald Boudreaux, Wirtschaftsprofessor an der amerikanischen George Mason University, erklärt die Fortschrittsentwicklung der Menschheit in der neuen Serie “Everyday Economics”. Bedauerlich nur, dass diese Hockeysticks in der Klimadebatte gegeneinander in Stellung gebracht werden.

Angst schüren mit Statistik

Detmar Doering

Angstmache ist die Mutter aller illiberalen Politik. Aber wie schürt man Angst? Mit Statistik! Dazu brauche man Statistiken gar nicht zu fälschen, meint Ross Pomeroy hier im Newton Blog. Es genüge schon, dass man die Art der Darstellung auf hinreichend geschickte Weise irreführend gestaltet – und schon sehen die Dinge schlimmer aus als sie sind.

Klimapolitik: Eile mit Weile

Steffen Hentrich

In der Klimapolitik wird seit Jahren auf die Tube gedrückt. Zumindest verbal wird von Regierungsberatern aus den Klimawissenschaften betont, dass der größte Teil der Klimamodelle darauf hindeute, Gefahr sei im Verzug ist und schnellstmögliches Handeln bei der Reduzierung von Treibhausgasen angezeigt. Wohlgemerkt, das legen die Modelle nahe. Doch seit mehr als einem Jahrzehnt, so der kanadische Statistiker und Umweltökonom Ross McKitrick (Lesern dieses Weblogs sicher als Autor unserer Veröffentlichung Energy, Pollution Control and Economic Growth bekannt) in der Financial Post fallen Modellprojektionen und gemessene Temperaturen deutlich auseinander. Während die Modelle in der historischen Rückschau gut mit den Messwerten übereinstimmen ist ihre prognostische Qualität umstritten, weshalb auch der IPCC einräumen musste, dass die Simulationen zu sensitiv auf den Anstieg von Treibhausgasen reagieren. Überzeugende Antworten auf diese Diskrepanz gibt es noch keine, zumal die Klimaforschung in den vergangenen Jahren stets Wert auf die Feststellung gelegt hatte, dass Veränderungen der Erdtemperatur nur zu einem untergeordneten Teil auf natürliche Prozesse zurückzuführen seien.

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Bio gut, alles gut?

Detmar Doering

Der Hauptgrund, warum Menschen Bio-Produkte kaufen und zu sich nehmen, ist die Angst vor Pestiziden. Die, so meint man, gebe es in Bio-Produkten nicht. Das sei falsch, kommentiert Ross Pomeroy in RealClearScience. Bio-Bauern verwendeten durchaus Pestizide, nur eben nicht “künstlich” produzierte, sondern “natürlich” gewonnene. Diese könnten ebenso giftig sein wie die Konkurrenz aus dem Laboratorium. Oft seien sie aber unwirksamer, weshalb die Bauern sie mehr und konzentrierter anwendeten. Das stelle die Behauptung in Frage, Bio-Produkte seien per se gesünder als andere.

Debatten zum ersten Jahrestag der Snowden-Enthüllungen

Steffen Hentrich

Zum Jahrestag der Enthüllungen von Entward Snowden über die Geheimdienstarbeit der USA-Sicherheitsbehörde NSA im Internet und der damit verbundene Versuch einer nahezu lückenlosen Überwachung des zivilen Datentransfers verschenkt die Webseite netzpolitik.org das E-Book Überwachtes Netz – Edward Snowden und der größte Überwachungsskandal der Geschichte. Auch der Washingtoner Free-Market-Thinktank Cato-Institute will mit der Debatte The Snowden Files, One Year Later auf seiner Debattenplattform Cato-Unbound dazu betragen, dass das Thema nicht wieder aus der öffentlichen Diskussion verschwindet, sondern politische Konsequenzen für mehr Freiheit im Internet nach sich zieht.

Arbeitsfrei oder Arbeitswandel?

Steffen Hentrich

Kurzrezension zu Arbeitsfrei: Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen von Constanze Kurz und Frank Rieger: Constanze Kurz und Frank Rieger nehmen uns mit auf eine Entdeckungsreise in die moderne Welt der Wirtschaft, der Mechanisierung und Automatisierung in der Industrie, aber auch der Computerisierung des Dienstleistungssektors. Vom Getreidefeld über die Fertigungsstraßen für wie von Geisterhand gesteuert erntende Mähdrescher, über automatisierte Mühlen, die das Mehl für unser in Hightech-Backöfen produziertes Brot mahlen, führt uns die Reise in die Technologie- und Arbeitswelt von heute, deren Horizont weit in die Zukunft ahnen lässt. Was in der Landwirtschaft und Industrie begann, setzt sich zunehmend dort fort, wo der Mensch bislang als unersetzbar galt. Das hat Wohlstand und verbesserte Arbeitsbedingungen gebracht, den Menschen aber auch Veränderungswillen abverlangt. Diesen Prozess beschreiben die Autoren nicht nur sehr fesselnd, sondern auch angenehm nüchtem, weit entfernt von den sonst oft dystopischen Zukunftsbildern. Ihre Vision von der gesellschaftlichen Dimension der Arbeitswelt von morgen kann hingegen nicht überzeugen: Immer weniger Arbeit bleibt übrig und spaltet uns in Arm und Reich, was durch noch mehr Umverteilung kompensiert werden muss. Das dürfte den Anpassungsprozess nicht leichter machen, aber den Fortschritt hemmen. Unter der realistischen, David Ricardo entlehnten Prämisse komparativer Kostenvorteile von Mensch und Maschine, die uns auch dann einen Platz in der Arbeitswelt von morgen sichert, wenn wir Jobs nur relativ besser als Maschinen erledigen, hätte das Buch wohl einen optimistischeren Ausblick und passenderen Titel gehabt: Arbeitswandel – Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die unser Leben verändern.

Diese Rezension erschien zuerst im Magazin liberal 2.2014.

Vegane Pseudowissenschaft

Detmar Doering

Der Genuss von Käse führt zu Autismus. Milch trinken verursacht Krebs. Die Horrormeldungen, mit denen die Tierrechtsorganisation PETA uns das Veganertum nahe bringen wollen, werden von nicht wenigen Menschen geglaubt. Schließlich scheinen sie ja irgendwie wissenschaftlich fundiert zu sein. An diesem Anspruch zweifelt Steven Novella in diesem Beitrag für Science-Based Medicine mit guten Gründen. Die Organisation pflücke sich aus der Wissenschaft nur das heraus, was sie aus ideologischen Gründen herauspflücken wolle – oft nur Hypothesen und Mutmaßungen. Stichhaltiges findet sich selten.