Archiv der Kategorie: Wissenschaft/Technik

Debatten zum ersten Jahrestag der Snowden-Enthüllungen

Steffen Hentrich

Zum Jahrestag der Enthüllungen von Entward Snowden über die Geheimdienstarbeit der USA-Sicherheitsbehörde NSA im Internet und der damit verbundene Versuch einer nahezu lückenlosen Überwachung des zivilen Datentransfers verschenkt die Webseite netzpolitik.org das E-Book Überwachtes Netz – Edward Snowden und der größte Überwachungsskandal der Geschichte. Auch der Washingtoner Free-Market-Thinktank Cato-Institute will mit der Debatte The Snowden Files, One Year Later auf seiner Debattenplattform Cato-Unbound dazu betragen, dass das Thema nicht wieder aus der öffentlichen Diskussion verschwindet, sondern politische Konsequenzen für mehr Freiheit im Internet nach sich zieht.

Arbeitsfrei oder Arbeitswandel?

Steffen Hentrich

Kurzrezension zu Arbeitsfrei: Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen von Constanze Kurz und Frank Rieger: Constanze Kurz und Frank Rieger nehmen uns mit auf eine Entdeckungsreise in die moderne Welt der Wirtschaft, der Mechanisierung und Automatisierung in der Industrie, aber auch der Computerisierung des Dienstleistungssektors. Vom Getreidefeld über die Fertigungsstraßen für wie von Geisterhand gesteuert erntende Mähdrescher, über automatisierte Mühlen, die das Mehl für unser in Hightech-Backöfen produziertes Brot mahlen, führt uns die Reise in die Technologie- und Arbeitswelt von heute, deren Horizont weit in die Zukunft ahnen lässt. Was in der Landwirtschaft und Industrie begann, setzt sich zunehmend dort fort, wo der Mensch bislang als unersetzbar galt. Das hat Wohlstand und verbesserte Arbeitsbedingungen gebracht, den Menschen aber auch Veränderungswillen abverlangt. Diesen Prozess beschreiben die Autoren nicht nur sehr fesselnd, sondern auch angenehm nüchtem, weit entfernt von den sonst oft dystopischen Zukunftsbildern. Ihre Vision von der gesellschaftlichen Dimension der Arbeitswelt von morgen kann hingegen nicht überzeugen: Immer weniger Arbeit bleibt übrig und spaltet uns in Arm und Reich, was durch noch mehr Umverteilung kompensiert werden muss. Das dürfte den Anpassungsprozess nicht leichter machen, aber den Fortschritt hemmen. Unter der realistischen, David Ricardo entlehnten Prämisse komparativer Kostenvorteile von Mensch und Maschine, die uns auch dann einen Platz in der Arbeitswelt von morgen sichert, wenn wir Jobs nur relativ besser als Maschinen erledigen, hätte das Buch wohl einen optimistischeren Ausblick und passenderen Titel gehabt: Arbeitswandel – Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die unser Leben verändern.

Diese Rezension erschien zuerst im Magazin liberal 2.2014.

Vegane Pseudowissenschaft

Detmar Doering

Der Genuss von Käse führt zu Autismus. Milch trinken verursacht Krebs. Die Horrormeldungen, mit denen die Tierrechtsorganisation PETA uns das Veganertum nahe bringen wollen, werden von nicht wenigen Menschen geglaubt. Schließlich scheinen sie ja irgendwie wissenschaftlich fundiert zu sein. An diesem Anspruch zweifelt Steven Novella in diesem Beitrag für Science-Based Medicine mit guten Gründen. Die Organisation pflücke sich aus der Wissenschaft nur das heraus, was sie aus ideologischen Gründen herauspflücken wolle – oft nur Hypothesen und Mutmaßungen. Stichhaltiges findet sich selten.

Klima der Angst

Steffen Hentrich

Wissenschaftliche Zweifler lebten schon immer gefährlich, wenn sie an Dogmen rüttelten, die sich zum Fundament von Karrieren, politischer Macht und damit verbundenen wirtschaftlichen Gewinnen entwickelt hatten. Dass sich daran auch im vermeintlich aufgeklärten 21. Jahrhundert nicht viel geändert hat, musste kürzlich der renommierte Klimaforscher Lennart Bengtsson erfahren, der aufgrund seiner Zweifel an der Objektivität der Thesen des IPCC zum globalen Klimawandel ein Angebot zur Aufnahme in den wissenschaftlichen Beirat des klimapolitikkritischen britischen Thinktanks Global Warming Policy Foundation (GWPF) angenommen hatte. Nun hat sich der Wissenschaftler aus Angst vor dem Druck seiner Kollegen aus dieser Position wieder Position wieder zurückgezogen, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Reaktion seiner Kollegen eine erhebliche Einschränkung seiner wissenschaftlichen Arbeit bedeutet hätte. Wörtlich schrieb er in seiner Rücktrittserklärung:

 I have been put under such an enormous group pressure from all over the world that has become virtually unbearable. It is a situation that reminds me [of] the time of McCarthy (Ich bin weltweit unter einen nahezu unerträglichen Gruppendruck geraten, ein Zustand, der mich an die McCarthy-Ära erinnert).

Angesichts der Tatsache, dass sich die Klimapolitik stets mit den den Ergebnissen derselben Forscher legitimiert, die versuchen den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess in eine bestimmte Richtung zu drängen und auf Widerspruch und Zweifel mit Druck und Ausgrenzung reagieren, kann diese Affäre gar nicht hoch genug bewertet werden. Sie ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass die Politik zunehmend weniger objektiv beraten ist.

Sozioökonomische Effekte der grünen Gentechnik 1996-2012

Steffen Hentrich

Vernünftige Argumente gegen die grüne Gentechnik zu finden ist wahrlich nicht leicht, weshalb Gentechnikgegner regelmäßig gezwungen sind sich auf methodisches Glatteis zu begeben. Kein Wunder, dass ein in der Zeit-Online erschienener unzulässiger Produktivitätsvergleich zwischen konventioneller und gentechnisch veränderter Baumwolle  im vergangenen Monat das Zeug zur “Unstatistik des Monats” des RWI hatte. Methodisch zuverlässigere Analysen, wie die von Graham Brooks und Peter Barfoot über die sozioökonomischen Effekte der landwirtschaftlichen Gentechniknutzung, kommen daher auch zu einem ganz anderen Ergebnis. Weltweit hat die Gentechnik in der Landwirtschaft erheblich zur Wertsteigerung der landwirtschaftlichen Produktion beigetragen, indem Flächenerträge gesteigert und Pflanzenschutzmittel eingespart werden konnten. Das ist nicht nur gut für die Einkommen der Landwirte und die Lebensmittelpreise der Verbraucher, sondern entlastet auch die Umwelt und reduziert den Flächendruck der Landwirtschaft. Selbst für Freunde des Klimaschutzes ist etwas dabei, denn die grüne Gentechnik trägt weltweit zur Reduzierung landwirtschaftlicher Treibhausgasemissionen bei. Schön für Biobauern aus Uganda und Kirgisien, dass ihre Spitzenerträge mit dem globalen Durchschnitt des Anbaus gentechnisch veränderter Baumwolle mithalten können. Noch besser, wenn Bauern mit der Pflanzentechnologie ihrer Wahl erfolgreich wirtschaften kann, ohne dass sie durch Gentechnikgegner und staatliche Hemmnisse daran gehindert werden. 16 Jahre kommerzieller Anbau gentechnisch veränderter Nutzpflanzen zeigen, dass dem fairen Wettbewerb zwischen Biolandwirtschaft und Gentechnik prinzipiell nichts entgegen steht.

Die beste Sozialpolitik ist Fortschritt, nicht der Erhalt von Arbeitsplätzen

Steffen Hentrich

250 Jahre industriellen Fortschritts haben gezeigt, dass der technologische Wandel nicht nur unser Leben verbesserte, sondern auch nachhaltigen Einfluss auf unsere Arbeitswelt hatte. Prof. Bryan Caplan von der George-Mason-University erklärt bei Learn Liberty, dass der technische Fortschritt nicht nur Jobs zerstört, sondern auch eine Vielzahl von neuen Arbeitsfeldern schafft. Wer die Modernisierung der Gesellschaft aus Angst vor Arbeitsplatzverlusten aufhält gefährdet nicht nur den Fortschritt, sondern raubt vielen Menschen auch die Chancen auf persönliche Weiterentwicklung.

Tun Sie das, wozu sie gewählt wurden.

Steffen Hentrich

Bei einer Veranstaltung der Akademie der Adenauer Stiftung zum Thema Klimawandel und Klimapolitik hielt der Klimaforscher Hans von Storch einen bemerkenswerten Impulsvortrag zur Rolle der Wissenschaft im Prozess der klimapolitischen Entscheidungsfindung. Seine Ansatz zur Funktion des Wissenschaftlers in der Politikberatung brachte er in folgendem Zitat zum Ausdruck:

Wenn uns Wissenschaftler gelegentlich Politiker fragen – was sollen wir tun, dann ist meine Antwort: das, wozu Sie gewählt worden sind: Lösungsoptionen abwägen mit den Werten und Präferenzen derer, die sie repräsentieren, und entscheiden. Die Wissenschaft sagt Ihnen, welche Folgen diese Entscheidungen in verschiedenen Bereichen haben können. Ob Sie mit diesen Folgen leben können oder nicht, dass ist Ihre politische Bewertung des Problemgemenges.

Weiterlesen