Archiv der Kategorie: Wissenschaft/Technik

Lohn der Angst

Steffen Hentrich

Was hier vorgestern für Kinderspielplätze diskutiert wurde, dass die Illusion der Sicherheit nicht unbedingt mehr faktische Sicherheit bedeutet, trifft offenbar auch für Babyflaschen zu. Seit Jahren geht die Angst um, dass das in Polycarbonaten enthaltene Bisphenol A aufgrund seiner hormonähnlichen Wirkung gesundheitsschädliche Wirkungen haben könnte. Auf Druck von Verbraucherschutz- und Umweltverbänden griff daher bald das Vorsorgeprinzip:  Polycarbonate wurden europaweit aus Trinkflaschen für Kleinkinder verbannt und durch alternative Materialien ersetzt. In seiner aktuellen Ausgabe der Fragen und Antworten zu Bisphenol A in verbrauchernahen Produkten stellte das Bundesinstitut für Risikobewertung nicht nur fest, dass Kinder im Alltag selbst unter worst-case-Annahmen keine gesundheitsgefährdenden Mengen des Stoffes aufnehmen, sondern merkte auch an, dass aus Materialsubstituten wie Polypropylen deutlich mehr Substanzen in Lebensmittel übergehen können als aus Polycarbonat, die überdies hinsichtlich ihrer toxikologischen Eigenschaften nicht so intensiv untersucht wurden wie die von Bisphenol A. Zwar suggeriert die Werbung BPA-Freiheit und damit ein geringeres Risiko, doch wurde dies nur durch ein anderes ersetzt. Offenbar sind das Vorsorgeprinzip und mit ihm Regulierer und Interessenverbände auf einem Auge blind. Wie so häufig wird ignoriert, dass der Versuch gesundheitliche Belastungen zu minimieren, stets durch die Zunahme anderer Risiken kompensiert wird, seien es wegen nicht minder problematische Alternativen oder aber hoher Kosten, die in keinem Verhältnis zum Aufwand stehen.

Schutz der Privatsphäre mit Quantenphysik

Detmar Doering

Der Schutz der Privatsphäre hängt in unseren Zeiten des Internets immer mehr davon ab, wer gerade die Nase vorn hat im Rennen zwischen neuen Verschlüsselungscodes und den Möglichkeiten, sie zu knacken. Ein sicherer Code sei durchaus möglich, schreibt Ross Pomeroy in  diesem Beitrag für den Newton Blog. Es bedürfe aber noch weiter Kenntnisse in der Quantenphysik, um ihn Wirklichkeit werden zu lassen.

Gefährliche Fortschrittsfeinde

Detmar Doering

Der technische Fortschritt hat die Menschen von vielen Zwängen der Natur emanzipiert und Freiräume geschaffen. Deshalb, so der Astronom und Physiker Peter Heller in diesem Kommentar bei Novo, sei die neue Fortschrittsfeindlichkeit in grünem Gewande so gefährlich.

Der Architekt der “grünen Revolution”

Detmar Doering

In den 60er und 70er Jahren griff wieder ein malthusianischer Pessimismus um sich (Stichwort: Club of Rome). Die ständig wachsende Menschheit leide an “Überbevölkerung”, die dazu führen werde, dass Nahrungsmangel und Hunger um sich greifen würden. So hieß es nun. Es kam anders. Die Ursachen des Hungers sind heutzutage dort, wo er in großem Maße auftritt, politischer Misswirtschaft geschuldet – und nicht der Überbevölkerung.  Die Menschheit ist in der Lage, sich zu ernähren. Das verdankt sie primär der “grünen Revolution”, die sich in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts abspielte. Angewandte Wissenschaft und moderne Anbaumethoden vervielfachten die Produktivität der Landwirtschaft in bisher ungekanntem Ausmaß. Vordenker dieser Entwicklung war der amerikanische Agrarwisssenschaftler Norman Borlaug – einer der vielen unterschätzten Helden der Menschheit. Anlässlich der 100. Wiederkehr des Geburtstages von Norman Borlaug erinnert dieser Beitrag von Steve Savage an die Leistungen des großen Wissenschaftlers.

Klimawandel: Was können wir glauben?

Steffen Hentrich

Vergangenen Montag war ich Besucher einer Berliner Veranstaltung der Helmholtz-Gesellschaft zu Thema Klimawandel. Im Grunde war es ein Streitgespräch zwischen den Klimaforschern Hans von Strorch und Andreas Hense, dem sogenannten Klimaskeptiker Peter Heller (ScienceSkepticalBlog), dem Politikwissenschaftler Oliver Geden und dem Zeit-Journalisten Frank Driescher. Dass der Stand unseres Wissens unsicher ist, obwohl an dem anthropogenen Anteil am Klimawandel kaum Zweifel besteht, darüber war man sich eigentlich einig, auch wenn die politischen Konsequenzen daraus extrem unterschiedlich bewertet wurden. Einig war man sich auch darüber, dass die zunehmende Instrumentalisierung der Wissenschaft durch die Politik eine unglückliche Entwicklung ist. Viel zu wenig Raum nahm in der Diskussion die Frage nach dem adäquaten Umgang der Politik mit dem mühsamen Herantasten der Wissenschaft an die Vorgänge in der Erdatmosphäre ein. Peter Heller deutete in die richtige Richtung mit seiner Bemerkung, dass eine wachsende Wirtschaft nicht nur das Klima beeinflusst, sondern auch eine reichere und weniger verletzbare Welt mit sich bringt. Noch immer wird Klimapolitik im luftleeren Raum diskutiert, als wären die Ressourcen und die menschliche Zeit und Kreativität, die heute dem Kampf gegen die imaginäre Bedrohung Klimawandel geopfert werden, nur für diesen Zweck verwendbar und nicht für all die anderen Probleme der Menschheit, die nicht unmittelbar vom Klimawandel tangiert werden. Nur am Rande spielte ebenfalls die erschütternd schlechte Bilanz der Klimapolitik eine Rolle und die Frage, wer dafür verantwortlich ist. Viel zu wenig wurde beispielsweise über die Frage diskutiert, ob es nicht gerade die planwirtschaftlich organisierte Verbotspolitik der größten Klimaalarmisten ist, die die Kosten der Klimapolitik in die Höhe treibt und damit den Widerstand aus Wirtschaft und Bevölkerung provoziert. Auch an diesem Abend schwebte wieder in der Luft, dass die Szene der Skeptiker von Geld und mangelnder Empathie gegenüber künftigen Generationen getrieben sei, Klimaforscher und -politiker sowie Mainstreamjournalisten, auch wenn sie manschmal übertreiben, hingegen vom Drang nach Wissen und Empathie gegenüber Zeitgenossen und zukünftigen Generationen. Das Weltanschauung und Eigennutz keinem menschlichen Wesen fremd sind, ebenso wie Eitelkeit und Sendungsbewusstsein, steht in den Karten, die auch an diesem Abend nicht auf den Tisch gelegt wurden.

Eine inhaltliche Zusammenfassung des Abend und einige Videostatements der Teilnehmer finden Sie auf der Webseite der Helmholtz-Gesellschaft. Lesenswert sind auch die Zusammenfassungen von Peter Heller auf dem ScienceSkepticalBlog und von Werner Krauss auf der Klimazwiebel.

Grüne Gentechnik weltweit auf dem Vormarsch

Steffen Hentrich

Jenseits Europas ist der Trend zum Einsatz moderner biotechnischer Verfahren in der Landwirtschaft weiter ungebrochen. Wie jedes Jahr dokumentiert der International Service for the Aquisition of Agri-Biotech Applications die internationale Entwicklung und deren Konsequenzen für die landwirtschaftliche Entwicklung und die Umwelt:

  1. In den achtzehn Jahren des kommerziellen Gentechnikeinsatzes wurden kumuliert 1,5 Mrd. ha Land mit gentechnisch modifizierten Pflanzen (GMO) kultiviert, was mehr als 50 Prozent der Fläche der USA entspricht.
  2. In dieser Zeit hat sich die jährliche Anbaufläche von 1,7 Mio. ha um den Faktor 100 auf 175 Mio. ha erhöht. Keine andere Nutzpflanzentechnologie hat eine vergleichbare Entwicklung hinlegen können.
  3. Von den 27 Ländern in denen gentechnisch modifizierte Nutzpflanzen angebaut wurden waren 19 Entwicklungsländer und 8 Industrieländer. Auf 27 Prozent der Fläche wurden Nutzpflanzen angebaut, die mehrere gentechnisch induzierte Veränderungen aufweisen. Weiterlesen

Das Alte mit dem Neuen verbinden

Detmar Doering

Fortschritt wird manchmal als Bedrohung empfunden, weil er alte Gewissheiten in Frage stellt. Das gilt gerade in Bezug auf die neuen Medien. Deshalb ist es vielleicht die vornehmlichste Aufgabe von kreativen Innovationen, selbstreflektiv zu sein, und das Alte und Bewahrenswerte mit dem Neuen zu einer höheren und harmonischeren Einheit zu verbinden. So gelangt man zu großen Erfindungen, die die Menschheit weiterbringen, und deren Nutzen kaum mehr in Frage gestellt werden kann

Irrationalismus

Detmar Doering

Die “Kreationisten” (christlich-konservative Evolutionsgegner) müssen – obwohl eine kleine Gruppe – immer als Beweis für den um sich greigenden Irrationalismus der Amerikaner herhalten. Aber, so zeigt Michael Schulson in  The Daily Beast, es gibt in Amerika noch andere quasireligiöse Strömungen, die nicht minder irrational denken und agieren, aber dennoch kaum im Mittelpunkt medialer Aufmerksamkeit stehen. Die Anhänger diser Strömungen findet man sehr häufig in Bio-Läden, stellt er fest. Und das ausnahmsweise mal nicht nur in Amerika, möchte man hinzufügen…

Eine Lizenz zum Gutsein

Steffen Hentrich

Es gibt nicht viele Institutionen, denen die menschen nahezu grenzenloses Vertrauen schenken. Umweltorganisationen gehören dazu, hier wird Kontrolle seitens der Öffentlichkeit,  der Medien und der Politik nicht gerade groß geschrieben. Doch das kann verheerende Folgen haben, wie Hasso Mansfeld im European beschreibt.

 

Am Ende der Vernunft

Detmar Doering

Gehirnforscher und Psychologen haben in den letzten Jahren dem klassischen Selbstbild des Menschen arg zugesetzt. Sind wir wirklich vernunftgesteuerte Wesen oder doch nur Sklaven von Instinkten und neurophysiologischen Mechanismen? Der amerikanische Psychologe und Erkenntnistheortiker Paul Bloom warnt in diesem Beitrag davor, die Rolle der Vernunft in unserer Welt zu unterminieren. Sie ist er Weg zu einer besseren Welt. Trotz vieler biologischen Vorgaben, denen der Mensch unterworfen sei, gebe es autonome Regeln für wissenschaftliche Erkenntnis und objektive Diskussion von Hypothesen.

Wie die Natur komplexe Probleme löst

Detmar Doering

Die Logik der modernen Bürokratie lautet: Je komplexer die Welt ist, desto komplizierter müssen die Regeln werden. Wirklich? Die Natur lehre uns das Gegenteil, meint der an der Züricher ETH lehrende Systemdesigner Nicolas Perony in diesem Video. Komplexität bewältige man mit simplen Regeln!

Energiewende: Nicht die Lösung, sondern Teil des Problems

Steffen Hentrich

Trotz stetig steigender Strompreise vermittelt die neue Bundesregierung den Eindruck als würde die Rettung des globalen Klimas mit einer kompromisslosen Fortsetzung der Energiewende stehen und fallen. Dementsprechend gering sind die Anstrengungen die inzwischen laut gewordene Kritik und entsprechende Reformvorschläge aufzugreifen. Stattdessen wird an der bisherigen energiepolitischen Stoßrichtung und Förderpolitik festgehalten. Mit den beabsichtigen halbherzigen Reformen können die Symptome des Irrweges Energiewende lediglich verschleiert, der Ausbruch der Krankheit nur verzögert werden. Dabei ist die Nutzung erneuerbarer Energieträger, wie Björn Lomborg in seinem Beitrag Klimapolitik – Fakten und Fiktionen in der neuen Ausgabe des Debatten-Magazin liberal, nahezu ohne Bedeutung bei der Reduktion von Klimagasen, wenn sie so gefördert wird wie in Deutschland sogar kontraproduktiv. Dasselbe gilt übrigens auch für die Steigerung der Energieeffizienz und die Verwendung von Bio-Kraftstoffen, deren Forcierung am Ende zu mehr Emissionen führen dürfte. Was nötig ist sind Innovationen, die ohne staatliche Zielvorgaben und einseitige technologische Fixierung die Ressourceneffizienz in der Energiewirtschaft vorantreiben. Das jedoch gelingt am besten, wenn der Staat sich auf die Vorgabe eines Wettbewerbsrahmens in der Energiewirtschaft beschränkt, in der Klimapolitik auf effiziente Instrumente setzt und auf eine Feinsteuerung der Wirtschaft verzichtet.