Archiv der Kategorie: Renten und Altersvorsorge

Die Zukunft der europäischen Sozialstaaten

Detmar Doering

Die demographische Entwicklung macht mittlerweile allen europäischen Sozialstaaten zu schaffen. Zwar sind die Probleme in den einzelnen Ländern unterschiedlich gravierend, aber es bleibt die Gefahr für die Nachhaltigkiet er Altersversorgungssysteme. In dieser Studie, die das HWWI für das Deutsche Institut für Altersvorsorge verfasst hat, werden die Entwicklungen in den Mitgliedsländern der EU verglichen. Einige Grundprobleme zeigen sich dabei besonders häufig, etwa die bereits zu hohe Staatsquote, die den Manövrierraum einengt, oder die besonders in Südeuropa zu geringe Beschäftigungsquote.

Die große Rolle Rückwärts in der Rentenpolitik

Justus Lenz

Große Koalitionen sollen ja angeblich dazu gut sein, große Reformschritte umzusetzen. Wer so argumentiert, der denkt vermutlich an kurzfristig mitunter unpopuläre aber langfristig notwendige politische Projekte, die letztlich nur von einer breiten politischen Mehrheit – zum Beispiel der beiden großen Parteien – auf den Weg gebracht werden können. Eine solche Entscheidung war sicher die Einführung der Rente mit 67 in der letzten großen Koalition von 2005 bis 2009.

Heute jedoch scheinen Union und SPD entschlossen zu sein, den Gegenbeweis zu dieser These anzutreten. Reformschritte zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit finden sich weder im Koalitionsvertrag, noch in den bisherigen Gesetzesvorhaben. Stattdessen scheint sich diese Koalition vorgenommen zu haben, die Belastungsfähigkeit der Volkswirtschaft zu testen. Ein zentrales Element hierfür ist das Rentenpaket, das gerade im Parlament beraten wird: Es verteilt gezielt Wohltaten an bestimmte Wählergruppen, kostet allein bis 2030 rund 233 Milliarden Euro und setzt obendrein ein fatales Signal: Die Rente mit 63 suggeriert, dass es auf einmal doch nicht mehr nötig ist länger zu arbeiten.

Dabei sieht der Rahmen, vor dem alle rentenpolitischen Entscheidungen betrachten werden müssen, wie folgt aus: Die Bevölkerung in Deutschland wird laut Demographiebericht der Bundesregierung bis 2060 auf 65 bis 70 Millionen Menschen zurückgehen. Gleichzeitig wird das durchschnittliche Alter deutlich ansteigen. 2060 werden die 65-Jährigen und Älteren rund 34 % der Bevölkerung ausmachen. Wir werden also gleichzeitig weniger und älter. Schon 2050 kommen laut OECD auf einen Rentner nur noch 1,5 Beitragszahler. Heute sind es noch fast drei Beitragszahler pro Rentner.

Weiterlesen

Arbeit im Alter, Glück im Alter

Detmar Doering

Die Verkürzung der Arbeitszeit im Zuge von “Rente mit 63″ stellt die Nachhaltigkeit unseres Rentensystem dramatisch in Frage. Aber es gbt noch ein Argument, dass für ein flexibles Arrangement spricht, das auch mehr Arbeit im Alter zulässt. Die neuere Glücksforschung, so berichtet Carol Graham (Brookings Institution), zeige einen klaren Zusammenhang zwischen Arbeit und Glückszunahme im Alter. Fazit: “Perhaps we can imagine a future where over-burdened middle- aged workers with children have more flexibility to work part-time, with late-life workers taking up some of the slack. . The latter would help ease the burdens posed by fiscally unsustainable pension systems. And more flexible labor market arrangements might also provide more opportunities (full or part-time) for youth to enter the labor market on a training basis as a first step.”

Aufstand gegen die Rente mit 63

Peter Altmiks

Der Cicero ruft zum Aufstand gegen die schwarz-roten Rentenpläne, die Gift für Deutschland seien. Sowohl die Mütterrente als auch die Rente mit 63 schadeten der Wirtschaft und dem Ansehen Deutschlands in Europa. Nachdem schon Franz Müntefering die Rente mit 63 als sozialen Rückschritt bezeichnet hat, der nur als populistisch zu bezeichnen sei, fordern auch die Jungen Unternehmer in einer  Petition, dass Generationengerechtigkeit von der Kanzlerin zur Chefsache gemacht werden müsse.

Anscheinend regt sich großflächiger Widerstand gegen die Rente mit 63. Das Aufweichen der Rente mit 67 wäre fatal. Führt man eine Rentenmöglichkeit mit 63 ein, entsteht ein gefährlicher Tunnel: Ältere Arbeitnehmer mit einer Beschäftigungszeit von 45 Jahren könnten schon mit 61 in die Arbeitslosigkeit gehen, bis 63 Jahre ALG I beziehen und dann mit 63 Rente beziehen. Und es sind am wenigsten die viel zitierten “Malocher auf dem Bau, deren Gesundheit schon stark beeinträchtigt ist”. Der Kernfehler liegt in der Anrechnung nicht nur von Beschäftigungszeiten, sondern auch von Pflege, Erziehungszeiten und Zeiten des Bezugs von ALG I. Derzeit hätten 17 % der 63-jährigen Anspruch auf die Rente mit 63, davon 5 % auf der Basis echter 45 Jahre Arbeit (“Malocher”), aber 12 % auf der Basis der Anrechnung von ALG I-Zeiten, Pflege und Erziehungszeiten.

Echter Sozialdemokrat

Detmar Doering

Ein echter Sozialdemokrat müsste eigentlich den Unterschied zwischen “sozial” und “pseudo-sozial” kennen. Diejenigen, die sich zurzeit in der großen Koalition herumtummeln, können es nicht anscheined mehr. Schön ist es daher, wenn ein  Sozialdemokrat von altem Schrot und Korn da mal einige Dinge klar stellt. Das tut Franz Müntefering in diesem Kommentar bei Cicero. Die Rente mit 63 sei, so sagt er, ein sozialer Rückschritt, der nur als populistisch zu bezeichnen sei.

2019: Wenn die Babyboomer in Rente gehen

Gérard Bökenkamp

Mit 11,1 Prozent hatten die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 2003 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Seither sind sie wieder leicht zurückgegangen. Die Ursache für den leichten Rückgang auf 9,7 Prozent liegt darin, dass in den Jahren danach relativ geburtenarme Jahrgänge nachgerückt sind. Ab dem Jahr 2019 wird jedoch die sehr geburtenstarke Babyboomer-Generation in den Ruhestand gehen. Bis zum Jahr 2030 werden die Ausgaben der gesetzlichen Rentenkasse voraussichtlich um 48 Milliarden Euro steigen und das obwohl das Rentenniveau gleichzeitig im Zuge der bisherigen Rentenreformen abgesenkt wird. Weiterlesen

Der Rentenwahnsinn

Peter Altmiks

Die Geschichte wiederholt sich: Nachdem Andrea Nahles vor Jahren versucht hatte, die Rente mit 67 Jahren zu verhindern und damit scheiterte, führt sie nun die Rente mit 63 Jahren ein. Zudem werden noch die Mütterrente und die Zuschussrente eingeführt. Tatsächlich gefährdet das neue Rentenpaket Gerechtigkeit und Finanzierbarkeit der gesetzlichen beitrags- u. steuerfinanzierten Rentenversicherung:

Weiterlesen

Was unser Ex-Kanzler …

Detmar Doering

… heute so zur Rentenpolitik der großen Koalition sagt, ist schon interessant. Es stellt die einfache Frage: “Wie soll das finanziert werden?”

Rentenpolitik: Rückfall in die Frühverrentung?

Gérard Bökenkamp

Stefan von Borstel und Dorothea Siems schreiben in der Welt über die Gefahr, dass die neue Rentenregelung, die die Große Koalition verabschieden will – dass Arbeitnehmer bei 45 Beitragsjahren schon mit 63 Jahren in Rente gehen können – zu einer Welle der Frühverrentung schon mit 61 Jahren führen kann. Das liegt daran, dass nach dem Gesetzentwurf Zeiten der Arbeitslosigkeit als Beitragszeit gewertet werden können. Dies ermuntere Arbeitgeber unerwünschte Arbeitnehmer schon zwei Jahre früher in Rente zu schicken und die Kosten der Entlassung auf die Arbeitslosenversicherung abzuwälzen.

Wie erkläre ich es meinem Kinde?

Detmar Doering

Ja wie erkläre ich einem Kind, was die große Koalition zurzeit mit den Renten und damit seiner Zukunft macht? Vielleicht so wie Lisa Nienhaus in ihrem offenen Brief an ihre Tochter in der FAZ.

Rentenerhöhung heute senkt das Rentenniveau in der Zukunft

Gérard Bökenkamp

Wie der Tagesspiegel berichtet, fällt nach Berechnungen der Bundesregierungen durch die geplanten Rentenerhöhungen der Großen Koalition der Anstieg der Renten in Zukunft geringer aus als nach den bisherigen Prognosen. Das zukünftige Rentenniveau werde demnach bis 2030 im Vergleich zu dem bisher prognostizierten Niveau durch die zusätzlichen finanziellen Belastungen der Rentenkassen von 44,4 auf 43,7 Prozent des durchschnittlichen Arbeitsendgeldes fallen. Das zeigt, dass Union und SPD eine Klientelpolitik für die heutigen Rentner betreiben, die einen großen Teil ihrer Wählerschaft ausmacht. Die Interessen der jüngeren Beitragszahler werden hingegen von der Großen Koalition nicht mehr berücksichtigt.

Griff in die Rentenkasse

Detmar Doering

Dieb

Eigentlich wäre die Bundesregierung verpflichtet, den Rentenbeitragssatz von 18,9 auf 18,3 Prozent zu senken. Um Leistungsausweitungen zu finanzieren, tut sie das aber nicht. Das sei bedenklich, argumentiert dieses Paper des Deutschen Steuerzahlerinstituts, weil es sich in eine historisch lange Reihe von politisch missbräuchlichen Zugriffen auf die Rücklage der Gesetzlichen Rentenversicherung fügt.