Archiv der Kategorie: Renten und Altersvorsorge

Rentensystem: Schweden macht es besser

Detmar Doering

Während in Deutschland die große Koalition mit der Mütterrente und der Rente mit 63 gerade die Zukunftsfähigkeit der Alterversorgung aufs Spiel setzt, sind andere Länder dabei, sich mit klar strukturierten Reformen auf den demographischen Wandel vorzubereiten. Insbesondere Schweden ist dabei schon recht weit fortgeschritten, wie Alois Bischofberger in diesem Beitrag für Avenir Suisse feststellt. Dort gebe es mittlerweile eine flexible Rente mit einem Mindestrenteneintrittsalter von 61 Jahren, flexible Teilrenten zur Begünstigung von Altersarbeoit und eingebaute Stabilitätsautomatismen im Rentensystem.

Kapitaldeckung oder Umlagefinanzierung?

Gérard Bökenkamp

Nach den Modellrechnungen des statistischen Bundesamtes werden im Jahr 2060 zwischen 20 und 22,5 Millionen Menschen über 67 sein und damit nach dem Stand der heutigen Regelung Ansprüche auf Altersrenten haben. Im Jahr 2009 waren 17,6 Millionen Menschen im Rentenalter. Denen stand eine Zahl von Personen im Erwerbsalter von 49, 7 Millionen Menschen gegenüber. Im Jahr 2006 werden voraussichtlich noch zwischen 33 und 40 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter sein. Die Bevölkerung wird bis dahin zurückgehen, je nach Rechnung und Abhängig von der Zahl der Einwanderer auf 74- 64 Millionen Einwohner. Dieser demographische Umbruch stellt die Alterssicherungssysteme vor große Herausforderungen.

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Der Sparer wird enteignet und wehrt sich nicht

Peter Altmiks

Unter dem Titel “Der Sparer ist der Blöde – und jammert nicht mal” hat Ariane Bemmer einen bemerkenswerten Artikel im Cicero geschrieben. In Deutschland seien die Bürger im Gefühl belassen worden, sie würden weich fallen. Nun sei einfach das “weich” gestrichen worden. Galten Aktien als risikoreicher und eher für Wohlhabende bestimmt, sei nun das Gegenteil der Fall. Der normale Deutsche sollte eigentlich sein Geld konservativ und sicher anlegen. Mitten im Spiel seien die Spielregeln einseitig geändert worden. “Jetzt ist der anspruchslose Sicherheitssparer plötzlich der Depp und selbst schuld an seiner Misere.”

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Die Wirkung dauerhaft niedriger Zinsen

Peter Altmiks

Nachdem schon die Bundesbank und der Bundesverband deutscher Banken die Niedrigzinspolitik der EZB kritisiert hat, warnt nun auch eine mittelständische Bank vor den verheerenden Folgen der dauerhaften Niedrigzinsen. Das Bankhaus Metzler kritisiert die “Zentralbankverwaltungswirtschaft” und befürchtet das Entstehen von Preisblasen.

Gleichzeitig fördert die groKo die Enteignung der Besitzer von Lebensversicherungen, in dem der Garantiezins für Neuverträge ab 2015 von 1,75 auf 1,25 Prozent gesenkt werden soll. Der jüngste Stresstest der Bundesbank habe nämlich gezeigt, dass 32 Lebensversicherungen ihre Zusagen erfüllen könnten.

Letztendlich werden fast alle Investitionsentscheidungen in einer Volkswirtschaft dauerhaft verzerrt. Schulden machen wird attraktiver, Eigenvorsorge und Sparen unattraktiver. Keine gute Aussicht für eine “nachhaltige” Gesellschaft.

OECD kritisiert Politik der groKo als unsozial

Peter Altmiks

In dem jüngsten Bericht, den OECD-Generalsekretär Gurria der Bundesregierung überbrachte, kritisiert die OECD die unsoziale Wirtschaftspolitik der großen Koalition. Die Rentengeschenke seien riskant und nicht nachhaltig, die Energiewende bringe deutschen Privathaushalten deutlich höhere Strompreise als in den meisten Nachbarländern und das Steuersystem müsse stärker am Wachstum orientiert sein. Folgerichtig erwartet die OECD negative Auswirkungen auf die Beschäftigung in Deutschland.

Allerdings sind die Vorschläge der OECD zum Steuersystem unsinnig und inkonsistent. Da soll eine eigentlich sinnvolle Senkung der Sozialversicherungsbeiträge durch höhere Steuern finanziert werden, obwohl die deutsche Steuerbelastung im europäischen Vergleich hoch ist. Die Steuer auf das erarbeitete und schon besteuerte Vermögen von gestorbenen Menschen, in Deutschland liebevoll Erbschaftssteuer genannt, solle erhöht werden. Zudem sei eine Erhöhung der Grundsteuer sinnvoll, welches gleichzeitig die vermutete Spekulationsblase auf dem Immobilienmarkt eindämmen helfe. Hier verkennen die OECD-Ökonomen die wahre Hauptursache für Blasen auf Immobilienmärkten: eine expansive inflationäre Geldpolitik der staatlichen Notenbanken.

Beim allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn ist die OECD von allen guten Geistern verlassen: Dieser könne die Löhne am unteren Ende der Verteilung anheben, ohne die Beschäftigung zu beeinträchtigen. Die in den nächsten Jahren zu erwartenden Arbeitsmarktzahlen werden eine andere Sprache sprechen.

Wenigstens ein Lichtblick ist zu verzeichnen: In Deutschland sei die Einkommensungleichheit geringer als in den meisten anderen Industrieländern.

Die Zukunft der europäischen Sozialstaaten

Detmar Doering

Die demographische Entwicklung macht mittlerweile allen europäischen Sozialstaaten zu schaffen. Zwar sind die Probleme in den einzelnen Ländern unterschiedlich gravierend, aber es bleibt die Gefahr für die Nachhaltigkiet er Altersversorgungssysteme. In dieser Studie, die das HWWI für das Deutsche Institut für Altersvorsorge verfasst hat, werden die Entwicklungen in den Mitgliedsländern der EU verglichen. Einige Grundprobleme zeigen sich dabei besonders häufig, etwa die bereits zu hohe Staatsquote, die den Manövrierraum einengt, oder die besonders in Südeuropa zu geringe Beschäftigungsquote.

Die große Rolle Rückwärts in der Rentenpolitik

Justus Lenz

Große Koalitionen sollen ja angeblich dazu gut sein, große Reformschritte umzusetzen. Wer so argumentiert, der denkt vermutlich an kurzfristig mitunter unpopuläre aber langfristig notwendige politische Projekte, die letztlich nur von einer breiten politischen Mehrheit – zum Beispiel der beiden großen Parteien – auf den Weg gebracht werden können. Eine solche Entscheidung war sicher die Einführung der Rente mit 67 in der letzten großen Koalition von 2005 bis 2009.

Heute jedoch scheinen Union und SPD entschlossen zu sein, den Gegenbeweis zu dieser These anzutreten. Reformschritte zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit finden sich weder im Koalitionsvertrag, noch in den bisherigen Gesetzesvorhaben. Stattdessen scheint sich diese Koalition vorgenommen zu haben, die Belastungsfähigkeit der Volkswirtschaft zu testen. Ein zentrales Element hierfür ist das Rentenpaket, das gerade im Parlament beraten wird: Es verteilt gezielt Wohltaten an bestimmte Wählergruppen, kostet allein bis 2030 rund 233 Milliarden Euro und setzt obendrein ein fatales Signal: Die Rente mit 63 suggeriert, dass es auf einmal doch nicht mehr nötig ist länger zu arbeiten.

Dabei sieht der Rahmen, vor dem alle rentenpolitischen Entscheidungen betrachten werden müssen, wie folgt aus: Die Bevölkerung in Deutschland wird laut Demographiebericht der Bundesregierung bis 2060 auf 65 bis 70 Millionen Menschen zurückgehen. Gleichzeitig wird das durchschnittliche Alter deutlich ansteigen. 2060 werden die 65-Jährigen und Älteren rund 34 % der Bevölkerung ausmachen. Wir werden also gleichzeitig weniger und älter. Schon 2050 kommen laut OECD auf einen Rentner nur noch 1,5 Beitragszahler. Heute sind es noch fast drei Beitragszahler pro Rentner.

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Arbeit im Alter, Glück im Alter

Detmar Doering

Die Verkürzung der Arbeitszeit im Zuge von “Rente mit 63″ stellt die Nachhaltigkeit unseres Rentensystem dramatisch in Frage. Aber es gbt noch ein Argument, dass für ein flexibles Arrangement spricht, das auch mehr Arbeit im Alter zulässt. Die neuere Glücksforschung, so berichtet Carol Graham (Brookings Institution), zeige einen klaren Zusammenhang zwischen Arbeit und Glückszunahme im Alter. Fazit: “Perhaps we can imagine a future where over-burdened middle- aged workers with children have more flexibility to work part-time, with late-life workers taking up some of the slack. . The latter would help ease the burdens posed by fiscally unsustainable pension systems. And more flexible labor market arrangements might also provide more opportunities (full or part-time) for youth to enter the labor market on a training basis as a first step.”

Aufstand gegen die Rente mit 63

Peter Altmiks

Der Cicero ruft zum Aufstand gegen die schwarz-roten Rentenpläne, die Gift für Deutschland seien. Sowohl die Mütterrente als auch die Rente mit 63 schadeten der Wirtschaft und dem Ansehen Deutschlands in Europa. Nachdem schon Franz Müntefering die Rente mit 63 als sozialen Rückschritt bezeichnet hat, der nur als populistisch zu bezeichnen sei, fordern auch die Jungen Unternehmer in einer  Petition, dass Generationengerechtigkeit von der Kanzlerin zur Chefsache gemacht werden müsse.

Anscheinend regt sich großflächiger Widerstand gegen die Rente mit 63. Das Aufweichen der Rente mit 67 wäre fatal. Führt man eine Rentenmöglichkeit mit 63 ein, entsteht ein gefährlicher Tunnel: Ältere Arbeitnehmer mit einer Beschäftigungszeit von 45 Jahren könnten schon mit 61 in die Arbeitslosigkeit gehen, bis 63 Jahre ALG I beziehen und dann mit 63 Rente beziehen. Und es sind am wenigsten die viel zitierten “Malocher auf dem Bau, deren Gesundheit schon stark beeinträchtigt ist”. Der Kernfehler liegt in der Anrechnung nicht nur von Beschäftigungszeiten, sondern auch von Pflege, Erziehungszeiten und Zeiten des Bezugs von ALG I. Derzeit hätten 17 % der 63-jährigen Anspruch auf die Rente mit 63, davon 5 % auf der Basis echter 45 Jahre Arbeit (“Malocher”), aber 12 % auf der Basis der Anrechnung von ALG I-Zeiten, Pflege und Erziehungszeiten.

Echter Sozialdemokrat

Detmar Doering

Ein echter Sozialdemokrat müsste eigentlich den Unterschied zwischen “sozial” und “pseudo-sozial” kennen. Diejenigen, die sich zurzeit in der großen Koalition herumtummeln, können es nicht anscheined mehr. Schön ist es daher, wenn ein  Sozialdemokrat von altem Schrot und Korn da mal einige Dinge klar stellt. Das tut Franz Müntefering in diesem Kommentar bei Cicero. Die Rente mit 63 sei, so sagt er, ein sozialer Rückschritt, der nur als populistisch zu bezeichnen sei.

2019: Wenn die Babyboomer in Rente gehen

Gérard Bökenkamp

Mit 11,1 Prozent hatten die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 2003 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Seither sind sie wieder leicht zurückgegangen. Die Ursache für den leichten Rückgang auf 9,7 Prozent liegt darin, dass in den Jahren danach relativ geburtenarme Jahrgänge nachgerückt sind. Ab dem Jahr 2019 wird jedoch die sehr geburtenstarke Babyboomer-Generation in den Ruhestand gehen. Bis zum Jahr 2030 werden die Ausgaben der gesetzlichen Rentenkasse voraussichtlich um 48 Milliarden Euro steigen und das obwohl das Rentenniveau gleichzeitig im Zuge der bisherigen Rentenreformen abgesenkt wird. Weiterlesen

Der Rentenwahnsinn

Peter Altmiks

Die Geschichte wiederholt sich: Nachdem Andrea Nahles vor Jahren versucht hatte, die Rente mit 67 Jahren zu verhindern und damit scheiterte, führt sie nun die Rente mit 63 Jahren ein. Zudem werden noch die Mütterrente und die Zuschussrente eingeführt. Tatsächlich gefährdet das neue Rentenpaket Gerechtigkeit und Finanzierbarkeit der gesetzlichen beitrags- u. steuerfinanzierten Rentenversicherung:

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