Peter Altmiks
Dorothea Siems hat in der Welt die Armutsdebatte in Deutschland kommentiert. Vor allem befürchtet sie, dass eines der Ergebnisse, nämlich die sich schließende Einkommensschere im medialen Desinformationsgewitter untergeht. Leider hat auch das Bundesarbeitsministerium zu einer gewissen Verwirrung beigetragen, in dem es versuchte, einige nicht von der Empirie gedeckte Passagen in den vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung zu integrieren.
Dabei geht es Deutschland sehr gut. Höchstwahrscheinlich wird die Zahl der Arbeitslosen im Sommer ca. 2,6 Mio. erreichen – ein neuer Beschäftigungsrekord. Derartige Erfolgsmeldungen passen aber nicht ins Weltbild gewisser politischer Kräfte und ihrer öffentlich-rechtlichen Medienhandlanger. Also werden die Erfolge der Agenda 2010 nicht zur Kenntnis genommen. Siems weist auch darauf hin, dass der Anteil des Niedriglohnsektors infolge der Hartz-Reformen gestiegen ist. Doch wer aus der Langzeitarbeitslosigkeit komme, sei froh, wenn er nun einen Job hat. Vor allem gibt es keine hohe Zahl an in Vollzeit arbeitenden Aufstockern (2011 zählte man ca. 328.599 bundesweit, Quelle: Bundesagentur für Arbeit), für die man einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn einführen müsste.
Starre Lohnuntergrenzen verringern die Chancen von Geringqualifizierten im Arbeitsmarkt und erhöhen die Jugendarbeitslosigkeit. Die Zahlen unserer europäischen Nachbarstaaten mit starren Mindestlohnregeln und hoher Arbeitslosigkeit sprechen eine deutliche Sprache. Diesen Fehler sollten wir in Deutschland nicht imitieren.