Archiv der Kategorie: Philosophie

Völlig unvernünftig?

Detmar Doering

Seit einigen Jahren ist eine Aert der verhaltensökonomie in Mode gekommen, die versucht, die Menschen durch kleine Schubser (nudges) zu einem rationalen Verhalten zu bringen, das sie sonst nicht an den Tag legten. Diese u.a. von Cass Sunstein lancierte Theorie hat letztlich zum Ziel, dass es ein dichtes, aber sanftes System von Regulierungen gibt, die ohne offenen Zwang das Verhalten der Bürger steuert. Präsident Obama machte Sunstein übrigens zu seinem Chef-Regulator.

Sunsteins Theorien sind, so schreibt der britische Wissenschaftspublizist Steven Poole in diesem Beitrag für Aeon, nur ein Teil eines größeren Trends. Dieser bestehe aus einer generellen Herabsetzung der Vernunftfähigkeit des Menschen. Darin besteht sozusagen die Prämisse des ganzen. Genau diese Prämisse bestreitet Poole. Die öffentliche Rationalität einer offenen Gesellschaft sei immer noch der beste Problemlöser: “But even if we each acted as irrationally as often as the most pessimistic picture implies, that would be no cause to flatten democratic deliberation into the weighted engineering of consumer choices, as nudge politics seeks to do. On the contrary, public reason is our best hope for survival.”

James-Buchanan-Brevier: Regeln für eine freie Gesellschaft

Steffen Hentrich

James M. Buchanan (1919-2013) war zeitlebens ein Kämpfer gegen eine naive Beschreibung und Bewertung von Akteuren im politischen Raum. Als Wissenschaftler der Public-Choice-Theorie wollte er die gesellschaftliche Realität der Menschen nicht nur verstehen und erklären, sondern den Menschen das Rüstzeug mitgeben, bei der Organisation ihres Zusammenlebens in einem Staat ihre individuelle Freiheit zu schützen und ihre langfristigen Interessen realisieren zu können. Er war ein Aufklärer im besten Sinne, er wollte den Menschen den Weg aus der Unmündigkeit zeigen und sie davor bewahren die Kontrolle über das eigene leben zu verlieren. Dazu entschlüsselte er die Anreizsysteme politischer Entscheidungsprozesse und zeigte auf, unter welchen Bedingungen diese zu einer Bedrohung einer freien Gesellschaft werden, ob nun in der Form der Einschränkung der Freiheit der Einzelnen, in der Verletzung der rechte von Minderheiten oder auch in der kollektiven Verschwendung knapper Ressourcen. Er wollte keine “bessere” oder “die beste” Gesellschaft entwerfen, gegen derartige Versuche wandte er sich Zeit seines Lebens, stattdessen ging es ihm darum die Menschen zu befähigen eine gesellschaftliche Ordnung zu gestalten, in der Konflikte gemindert und die rechte der Einzelnen geschützt werden. Das ist der Kern seiner Verfassungsregeln, Regeln der Selbstbeschränkung der Menschen, auf Dauer angelegt und für ausnahmslos alle Mitglieder der Gesellschaft zustimmungsfähig, die er in vielen seiner Werke begründete und entwickelte. Sascha Tamm und Steffen Hentrich, Referenten des Liberalen Instituts der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, haben James M. Buchanans wissenschaftliches Werk gesichtet und den Kern seines wissenschaftlichen Erbes in Form von Zitaten strukturiert zusammengestellt. Prof. Kurt R. Leube, Institutionenökonom und Kenner des Werkes von James Buchanan steuerte dem Buch ein Geleitwort bei. Mit dieser Sammlung, erschienen in der Reihe Meisterdenker der Freiheitsphilosophie, herausgegeben von Gerd Habermann und Gerhard Schwarz, liegt der erste deutschsprachige Einstieg in das Leben und Werk dieses großartigen liberalen Ökonomen vor.

Steffen Hentrich, Sascha Tamm (Hrsg.), Regeln für eine freie Gesellschaft, Ein James-Buchanan-Brevier, Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich, 2014.

Quiz: James Buchanans Kritik an der normativen Wohlfahrtsökonomik und deren Tools der Politikberatung (u.a. Kosten-Nutzen-Analyse) begründete sich in erster Linie auf seiner individualistischen und subjektivistischen Definition von Opportunitätskosten, die weder losgelöst vom Individuum bewertet werden können, noch in Form einer Wohlfahrtsfunktion aggregierbar sind. In welchem Buch äußerte er diese Kritik besonders prägnant?

Die ersten fünf Einsender der richtigen Antwort erhalten ein Freiexemplar des James-Buchanan-Breviers. Senden Sie die Antwort bitte an steffen.hentrich@freiheit.org

 

Alles vereinbar?

Detmar Doering

Familie und Karriere sollen vollständig vereinbar sein, heißt es. Das funktioniere nicht, meint hingegen Alexander Grau hier in Cicero. Sich entscheiden hieße, sich zwischen Alternativen zu entscheiden. Entscheidungen seien immer mit Folgen verknüpft. Ansonsten wäre Freiheit endgültig von der Verantwortung entkoppelt.

Kapitalismus für die Armen

Steffen Hentrich

Den Kapitalismus als Ursache der vielen Symptome von Armut zu stigmatisieren ist seit jeher eine beliebte Übung unter Personen im öffentlichen Rampenlicht. Wer eine genaue Ursachenanalyse scheut, der zieht sich in den sicheren Hafen einer Kritik an den herrschenden kapitalistischen Verhältnissen zurück und merkt dabei allzu oft nicht, dass er bei genauerem Hinsehen gerade nicht einer Abkehr von einem marktwirtschaftlich organisierten Wirtschaftssystem mit nur begrenzten staatlichen Handlungsoptionen das Wort reden sollte. In diese Falle, so schreibt Peter A. Fischer in der NZZ, ist auch der Papst mit seiner Kapitalismuskritik in seinem apostolischem Schreiben getappt. Erfahrungen aus Argentinien, in den vergangenen Jahrzehnten alles andere als ein kapitalistischen Musterland, sondern Schmelztiegel von Demokratiedefiziten und ordnungspolitischen Sünden, bilden die Fassade seiner Kapitalismuskritik. Fischer argumentiert jedoch, dass nicht der Kapitalismus überwunden werden muss, sondern der Kapitalismus die Armut beseitigen kann, wenn ihm ein tolerantes, an der Freiheit des Individuums orientiertes Wertesystem zugrunde liegt, an dem sich auch die Politik des jeweiligen Staates ausrichtet. Ein Credo für diese Werte wäre eine Alternative für wohlfeile Kapitalismuskritik.

Jesus, der Kapitalist

Peter Altmiks

Robert Grözinger beweist in seinem Buch “Jesus der Kapitalist – Das christliche Herz der Marktwirtschaft”, dass christlicher Glaube und die Soziale Marktwirtschaft einander bedingen. Weiterlesen

Über die Faszination Hayeks

Peter Altmiks

Kürzlich erschien ein Interview mit Karl-Heinz Paqué über die Faszination von Friedrich August von Hayek und die Staatsgläubigkeit der Deutschen (Handelsblatt vom 25. Oktober 2013, Nr. 206). Weiterlesen

Boris Eichler liest “Die Abenteuer des Jonathan Gullible”

Steffen Hentrich

Die neue, vollständig überarbeitete und erweiterte deutschsprachige Ausgabe des Buches Die Abenteuer des Jonathan Gullible von Ken Schoolland hat inzwischen schon viele Fans gefunden. Fast ist die erste Auflage des gedruckten Buches vergriffen. Zum Glück gibt es das Buch auch  gratis als eBook und Audiobook, was seine Verfügbarkeit nicht an physische Grenzen stoßen lässt. Wer den Sprecher des Audiobooks einmal live erleben möchte, der hat jetzt die Gelegenheit sich einen Mitschnitt einer Lesung des Buches während der Liberalismuskonferenz 2013 der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach anzuschauen.