Ein großer Freiheitsdenker

Sascha Tamm

buchanan

James M. Buchanan (1919-2013)

(Quelle: http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/economics/laureates/1986/)

James M. Buchanan hat die politische Ökonomie wiederbelebt. Das tat er in einer Zeit, in der es dringend notwendig war, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Technokratische Sichtweisen und der Glaube daran, dass die Politik fast automatisch das Leben der Menschen steuern und besser machen kann, beherrschten die öffentliche Meinung. Buchanan lenkte den Blick seine Fachkollegen und der Öffentlichkeit darauf, dass politische Entscheidungen von einer Vielzahl von individuellen, ökonomisch beschreibbaren Interessen bestimmt sind. Das Sichtbarmachen dieser Interessen, die sich fast immer hinter dem Schleier des Gemeinwohls verbergen, und der Mechanismen, die sie in politische Entscheidungen überführen, ist im zum Inhalt eines ganzen Zweiges der Ökonomie und gleichzeitig anderer Sozialwissenschaften geworden – der Public-Choice-Theorie. Gemeinsam mit Gordon Tullock veröffentlichte er 1962 den Klassiker „The Calculus of Consent: Logical Foundations of Constitutional Democracy”.

Buchanan führte die ökonomische Analyse zurück in den allgemeineren Kontext der Sozialwissenschaften und der politischen Philosophie. Seine Arbeiten leisteten wichtige Beiträge zum Verständnis politischer und gesellschaftlicher Prozesse die viele Wissenschaften, vor allem aber die öffentliche Debatte befruchteten. Dabei scheute er im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen auch normative Fragestellungen nicht. Ausgangspunkt war dabei für ihn immer die individuelle Freiheit, die im Spannungsfeld verschiedener Interessen durch abstrakte Regeln geschützt werden muss. Er vertrat einen strikten methodologischen und normativen Individualismus, der gerade bei der Analyse komplexer sozialer und politscher Phänomene einen entscheidenden Erkenntnisbeitrag leistet.

Aufbauend darauf beschäftigte er sich immer wieder damit, wie eine Verfassung aussehen muss, die das gewährleistet, also die Freiheit jedes Einzelnen bestmöglich schützt. Seine Beiträge zur Verfassungsökonomik sind von bleibender Aktualität. Er entwickelte eine Vertragstheorie, die Anstöße für freiheitliches Denken und die Weiterentwicklung politischer Ordnungen gibt. Der Staat ist für ihn kein Zweck an sich, sondern hat der Freiheit und zu dienen und den Ausgleich von Interessen zu befördern. Wichtig und in vielen Diskussionen immer wieder ignoriert ist die Unterscheidung von allgemeinen Regeln, die in einer lange gültigen Verfassung niedergeschrieben werden und der kurzfristigen Interessenverfolgung, die sich in der Tagespolitik abspielt. Nur starke Verfassungsregeln können aus seiner Sicht die einzelnen Interessen daran hindern, die Freiheit einzuschränken und sich auf Kosten anderer zu bereichern.
Ein Blick auf die politischen Prozesse, die wir heute beobachten, zeigt die Aktualität seines Denkens. Seine kritische und scharfe Analyse der Interessen und Mechanismen, die Wahlentscheidungen und politisches Handeln leiten, ist ein Vorbild für alle Ökonomen und Sozialwissenschaftler. Sein unbeirrbares Festhalten an freiheitlichen Wertvorstellungen und ihre Anwendung auf viele Bereiche wird Menschen, die diese Werte teilen, immer inspirieren. Das gilt gerade in einer Zeit, in der das Denken in Ordnungen und der kritische Blick auf politische Entscheidungsmechanismen im Wettstreit mit kurzfristigem Denken und vorgeblicher Alternativlosigkeit einen schweren Stand haben.

Für seine wissenschaftliche Arbeit erhielt James M. Buchanan 1986 den Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften. Daneben wurde er mit zahlreichen weiteren Preisen und Ehrenämtern gewürdigt – so war er Ehrenpräsident des Walter Eucken Instituts in Freiburg i. Br.

Heute, am 9. Januar ist James M. Buchanan im Alter von 93 Jahren verstorben.

Hier finden sich Online-Versionen aller wichtigen Werke auf econlib.org:

Collected Works of James M. Buchanan

Eine Antwort zu “Ein großer Freiheitsdenker

  1. Ein Großer des methodologischen Individualismus und mehr als das.
    Immerhin sah sich das Nobelpreiskommitee seinerzeit trotz all seiner eigenen Schwächen zu einer historischen Entscheidung in der Lage, die nicht zu kritisieren wäre.
    Das ist selten.

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