Sascha Tamm
Die Preismechanismen der Marktwirtschaft werden von den Zentralbanken der Industriestaaten immer stärker außer Kraft gesetzt. So werden schlechte Nachrichten zu guten. Wenn die Wirtschaft nicht wächst, wenn die Arbeitslosigkeit nicht sinkt, steigen Aktienkurse und Rohstoffpreise. In der NZZ erläutert Krim Delko die
Neuen Gesetze in der Zeit der Manipulation
Sie führen dazu, dass die Marktteilnehmer sich nicht mehr vorrangig an den Erwartungen über Angebot und Nachfrage eines Gutes in der Zukunft orientieren.
Die Preiserwartungen basieren vor allem auf dem Vertrauen darauf, dass die Notenbanken praktisch unbegrenzt Geld schöpfen und die Zinsen künstlich niedrig halten werden. Das führt zu einem perversen Umverteilungseffekt, der die Rhetorik Lügen straft, dass die Interventionen dem Gemeinwohl dienen:
„Die Weigerung der Zentralbanken, der Wirtschaft einen natürlichen Verlauf zu geben, wird von Kritikern zu Recht als Umverteilungspolitik bezeichnet. Wenn EZB-Präsident Mario Draghi die Schulden der Euro-Staaten garantiert, verhindert er damit zuallererst einen Kollaps der Bankaktien. Insofern sind die Boni der Investmentbanker in Frankfurt und London für dieses Jahr gesichert. Zahlen dafür darf die Mittelklasse in Deutschland und anderen Kernländern Europas. Diese Umverteilung ist absurd.“
Völlig richtig und seit der sogenannten Finanz-Krise 2008 vom Verfasser dieser Zeilen öffentlich beklagt – er war einsam, aber schneller.
Aktuell fällt auch bei deutschen Politikern peinlichst auf, wie sie ihre Unkenntnis auch noch unverblümt öffentlich zur Schau stellen:
So wird der Markt und seine (böswilligen) Teilnehmer nebst all den Spekulanten an den Pranger gestellt indem sie für die Gegebenheiten der Währungsunion, vornehmlich zu hohe Zinsen bei PIIGS-Ländern und deren weiteren Probleme verantwortlich gemacht werden.
Würde nicht der weiße Ritter EZB-Draghi gegenhalten mit Anleihekäufen, dann würden alle diese Bösen unendlich viel Geld abzocken (wie, das bleibt im Dunkel).
Da das nicht sein dürfe, sei es richtig, wenn EZB-Draghi Milliarden ausgibt,
die fast nur bei Banken, Fonds und Hedgern landen.
Da die Voraussetzung dieser Mär bereits falsch ist, sind es alle Folgerungen ebenfalls.
Nur durch das milliardenschwere Gegenhalten der EZB gelingt es anderen sich fremdzubereichern. So wird der als Sicherheit gegebene Anleihemüll wegen der auf Junkstatus herabgesetzten Anforderungen der Draghi-EZB zu 100% in Bargeld eingetauscht. Da liegt der Hammer.
Deswegen kauften in den vergangenen Jahren etliche Kenner der Lage und der Mentalitäten in EU zwischen Kosten von 1 bis zu 6% (mitunter ein wenig mehr) Schrottanleihen in Billionenhöhe ein. Und warteten. Ein Weilchen nur.
Dann kam die versammelte politische Intelligenz – vor allem auch in Deutschland – zu der zwingenden Erkenntnis: Spekulanten werden wir aber nicht helfen!
Und taten ganau das – mit durchschnittlich zwanzigfachem Gewinnvorteil.
Das nenne ich einen klassischen Corner. Historisch einzig!
Bedenkt man, daß dieses Theater sich nun ungebremst fortsetzt, drängt sich die Frage auf, wer denn wohl mit wieviel Prozent beteiligt ist.
Mafia allerdings teilt nie.