Sascha Tamm
Warum können Border-Collies, die meisten anderen Hunde (und sogar einige Menschen) erstaunlich gut Frisbeescheiben fangen? Sind sie besonders gut darin, die von vielen verschiedenen Variablen bestimmte Flugbahn sehr schnell zu berechnen? Das ist offensichtlich nicht der Fall. Sie verlassen sich auf ganz einfache Regeln und Zusammenhänge. So begegnen sie einer sehr hohen Komplexität. Collies passen ihre Laufgeschwindigkeit so an, dass ihr Blickwinkel zur Frisbeescheibe möglichst konstant bleibt.
Diese Überlegung benutzen Andrew G. Haldane und Vasileios Madouros als Ausgangspunkt für ihre Kritik moderner Ansätze der Bankenregierung. In ihrer Studie
die beim jahrlichen Treffen von Zentralbankern in Jackson Hole präsentiert wurde, analysieren sie die Problematik der Regelwerke Basel I-III. Sie zeigen, dass durch Fokussierung auf die Risikogewichtung und die damit einhergehende Komplexität die Ziele der Regulierung verfehlt werden.Die Autoren betonen einen wichtigen Unterschied – denjenigen zwischen Entscheidungen unter Risiko und Entscheidungen unter Unsicherheit. Bei letzteren können den einzelnen Alternativen keine Wahrscheinlichkeiten zugeschrieben werden.
Komplexe Regulierungssysteme unterstellen jedoch, dass die betreffenden Risiken objektiv quantifizierbar seien. Das geschieht z.B. bei den Regeln, denen sich Banken unterwerfen. Seit Basel II ist eine Überkomplexität der Regulierung zu beobachten. Sie setzt auf die Zuschreibung von Risiken zu jedem Asset, das die Bank hält. Diese Risiken wiederum werden oft aus sehr schwachem historischem Datenmaterial gewonnen. Zudem können Effekte der gegenseitigen Abhängigkeit der Risiken kaum berücksichtigt werden. Die oft riesige Menge an quantifizierten Einzelrisiken gaukelt so Genauigkeit nur vor. Die Risikozuschreibung als Basis von Entscheidungen erweist sich, so lässt sich ergänzend anmerken, als „Anmaßung von Wissen“ im Hayekschen Sinn.
Die Autoren zeigen, dass diese Art von Risikobestimmung nicht in der Lage war, die Banken zu identifizieren, die im Verlauf der Finanzkrise in Probleme gerieten. Ein viel einfacherer Indikator jedoch, das Verhältnis von Eigenkapital zu Bilanzsumme, wäre dazu in der Lage gewesen.
So plädieren Haldane und Madouros für eine Regulierung, die Komplexität mit sehr einfachen Regeln beherrschbar macht. Sie liefern auch Argumente dafür, Anreize für die Reduzierung von Komplexität innerhalb der Banken zu geben. Schließlich stellen sie der zunehmenden Parametrisierung der Risikobewertung die Idee gegenüber, den Regulieren bei der Abschätzung von Risiken mehr Entscheidungsspielraum zu geben.
Eine gute Zusammenfassung wichtiger Ergebnisse und Vorschläge der Studie findet sich in der NZZ:
Völlig richtig.
Die für den Regulierungswahn zusammen gesuchten (angeblichen) Risiken, welche man nach wohl jeglicher Krise – wie auch immer diese (1.)verursacht und (2.)ausgelöst worden sei – flugs und fleißig addierte, verleiten angesichts der Schlichtheit der Methode, der Bewertung sowie oft ungenierter Subjektivität zu wahrlich erst den tatsächlichen Katastrophen durch die abgeleiteten Rezepte, jeder Wiederholung begegnen zu wollen.
Typisch Politik in unkenntnisgetriebener, naiver, übereilter Hektik zu blindem Aktivismus.
Diese Problematik beschädigt uns alle mit zunehmender Intensität seit etwa den 70`er Jahren, seit sich die Mode verbreitete wie die Pest, jedes angebliche oder reale Problem – regelmäßig durch Politik verursacht, wenn auch nicht stets ausgelöst – mittels immer mehr Liquidität zu verkleistern, nicht hingegen zu lösen.