Detmar Doering
Salzlos sollen die Speisen sein. Transfette gehören verboten. Bubble Tea ist eine Gefahr für das Leben unserer Kinder. Diese und ähnliche Hysterien prägen den Ernährungsdiskurs der letzten Zeit. Das hat viele Kritiker auf den Plan gerufen, die dahinter zurecht einen neuen Puritanismus in grünem Gewand vermuten. Angebahnt hat sich das Unheil allerdings schon früher. Schon seit vielen Jahren ist das Trinken am Arbeitsplatz verpönt. Kaum jemand hat über diesen kulturellen Verlust je lamentiert. Jetzt beweisen Studien, dass es sich dabei um ein zutiefst wirtschaftsschädliches Tabu handelt. Ein paar Drinks am Arbeitsplatz erhöhen Arbeitsleistung, Kreativität und Präzision bei der Arbeit, heißt es. Na dann: Prost!

Vor allem, weil mir dieser Regulierungswahn hinsichtlich der betriebsnotwendigen Sauferei am Arbeitsplatz zuwider war, schuf ich mir den eigenen.
Von da an konnte ich endlich völlig ohne Zwang und Einschränkung Wasser, Kaffee, Tee und handgepreßte Säfte saufen – bis zum Umfallen. Oder gar nichts.
Vorbei war es endlich mit Alkohol in Form von Campari vormittags, Jubi mittags neben zwei, drei Bierchen, Brandy am Nachmittag, dann Champagner bis zum Abendessen mit Aperitif, Weinen, diversen trou normand, Digestif und dem abschließenden Whisky, mindestens zwei Dutzend Jahre alt.
Ansonsten liefe man Gefahr von all den Politikern drumherum nicht Ernst genommen zu werden, die danach stets noch anderweitig sich bedienen lassen wollten – nicht zum Aushalten.