Steffen Hentrich
In der Bundesregierung werfen sich die Koalitionspartner gegenseitig die Blockade der Energiewende vor? Dabei gibt es eine ganz einfache Antwort auf die Frage, wer die Energiewende eigentlich blockiert. Ein dynamischer Markt zeichnet sich durch steigende Qualität des Angebots und sinkende Preise aus. Fortschritt zeichnet sich durch Produktivitätsgewinne und nicht durch politisch motivierte Technologieförderung ohne Rücksicht auf Verluste aus. Eine Risikoverlagerung der Kosten der Energiewende auf die Verbraucher führt hingegen dazu, dass die Anbieter von Strom aus Windkraftanlagen in Zukunft noch mehr unwirtschaftliche Risiken eingehen werden, was die Strompreise erhöht und die technische Zuverlässigkeit der Stromversorgung in Mitleidenschaft zieht. Würde ernsthaft jemand von einer wünschenswerten Wende in der Computertechnologie sprechen, wenn Computer immer teurer werden und gleichzeitig häufiger abstürzen? Da die deutsche Energiewende jedoch drauf und dran ist zum “Bluescreen of Death” der deutschen Wirtschaft zu werden, steht eigentlich außer Frage, wer hier eine Wende zum Besseren in der Energiewirtschaft blockiert.
Auf die Frage, wer denn die “Energiewende” blockiere, kann die Antwort nur lauten: Die Gesetze der Physik und die vier Grundrechenarten blockieren den Energiewende. Keineswegs ist, wie Herr Birkner aus Niedersachsen meint, die böse CSU der Übeltäter.
Übeltäter sind die Politiker, die gegen die von Menschen unbeeinflussbaren Gesetze der Natur eine absurde Technik durchsetzen wollen.
Noch einmal zum Mitschreiben:
1. Strom lässt sich großtechnisch nicht wirtschaftlich speichern. Da es keinen einzigen Wissenschaftler auf der ganzen Welt gibt, der eine Idee hätte, wie man doch Strom wirtschftlich speichern könnte, wird dies auch auf absehbare Zeit so bleiben. Daraus folgt zwingend: Strom muss in demselben Augenblick erzeugt werden, in dem er nachgefragt wird.
2. Der Wind weht selten passend zur Stromnachfrage, und die Sonne scheint nicht dann, wenn man Strom braucht. Deshalb sind “Kraftwerke” die Sonne oder Wind ausnutzen wollen, für die Stromversorgung vollkommen untauglich. Es sind kostspielige und nutzlose Spielzeuge, die zu riesigen volkswirtschaftlichen Schäden führen.
3. Politiker, die gegen diese einfachen und unveränderlichen Tatsachen mit Zwang und Subventionen Stromerzeugung aus Wind und Sonne vorschreiben wollen, sind im besten Fall Dummköpfe, im schlimmsten Fall aber böswillige Saboteure der deutschen Volkswirtschaft.
Eine Schlussbemerkung zur aktuellen Auseinandersetzung um die Netzanbindung von Vogelschredderanlagen auf See: Was Rösler und Altmaier zusammen mit den Betreibern ausgeheckt haben, nämlich, dass das Risiko der unzureichenden Netzanbindung auf die Stromverbraucher abgewältzt wird, ist nichts anderes als ein hinterhältiger Vertrag zu Lasten Dritter, nämlich zu Lasten von uns allen. Wenn Frau Aigner da die Ampeln auf Rot stellt, macht sie sich um das Vaterland verdient.
Was würden wohl Rösler und Altmaier dazu sagen, wenn ich hoch in der Eiffel mitten im Wald, wo niemand wonht, eine Bäckerei aufmachen würde und vom Staat verlangen würde, dass er mir eine Entschädigung dafür verschafft, dass ich morgens meine Brötchen nicht verkaufen kann, weil man meinen Laden nur mit geländegängigen Fahrzeugen und querfeldein erreichen kann?
Völlig richtig.
Bleibt die Frage, warum man sich in Berlin (und anderswo) so beharrlich weigert zur Kenntnis zu nehmen, daß die Kiste von den politischen Akteuren in den Dreck gefahren wurde und es allerhöchste Zeit wäre, den Karren wieder flott zu machen.
Noch ließe sich bei geschickter Darstellung ja immer noch halbwegs überzeugend darlegen, daß die dummen grünen und die einfältigen sozen Schuld an allem sind. Die haben schließlich seinerzeit mit dem Unfug begonnen.
Aber nein, selbst dieses Geschick entbehrt die Kanzlerin.
Meine Herren, wie kommen Sie zu der Ansicht, Politiker würden selbst etwas in die Hand nehmen? Ohne Not, oder an die „Hand genommen zu werden“, fällt denn nicht auf, wie quer durch die Parteien brav, so unsichtbar dirigiert, politische Projekte starten, doch nicht ohne, dass eine „ordnende, wohltätige Hand“ sie dazu erzogen hätte?
Die Römer kannten und nannten es „manus manum lavat“, was sich bei uns nur zu deutlich spiegelt.
Wir haben Branchenlobbyisten mit Mandat, Ministerium etc., wir werden professionell mit Propaganda beträufelt und mafiös abkassiert.
Wenn wir Konzerne haben, deren Manager international wegen Korruption berüchtigt sind, sind die dann zu Hause auf einmal anders als in all den Jahrzehnten zuvor?
Wo doch die Politik die Möglichkeit bietet Diebstahl zu legalisieren, in dem er per Verordnung bzw. Gesetz als legal erklärt wird.
Bitte sehen Sie sich die zwei Seiten der Personen an die uns verraten und verkaufen, die einmal direkt kandidieren und einmal einen vorderen Listenplatz brauchen, um auf Dauer „im Geschäft“ zu bleiben. Wer oder was macht den vorderen Listenplatz klar? Was wohl?
Was sind dann diese Geschäftsführer und wann bzw. wo spielen sie Politiker?
@ hans meier:
Verehrter Herr Meier, Sie machen es den Politikern zu leicht, ihnen nur Handwäsche nachzusagen.
Zwar sind sie im Allgemeinen begrenzt, wohl aber nicht so begrenzt, daß sie nicht selber wüßten, wie sich das Volk an der Nase herum führen ließe.
Ebensort müssen sie unschlagbar sein angesichts ihrer Funktion als Stimmeneinfänger.
Was der Lobbyist mühsam erlernt (und danach vermutlich auch technisch besser beherrscht), wurde ihnen in die Wiege gelegt, wenn auch nur die politische. um dort von ganz allein zu wachsen und (leider auch) zu gedeihen. Lobbyisten macht man sich als derart entwickelter Politikfunktionär dann allenfalls zu Bediensteten, die mit dem Thema dann sachgerecht umgehen mögen. Deswegen sind sie nicht die Schlimmeren.
Konzerne und ihre Vorstände mögen diese Lobbyisten beeinflussen, bezahlen oder zu steuern versuchen. Ohne das freundlich-grinsende Begleitkonzert von Politikfunktionären sind selbst sie – Nichts.
Und wirklich angewiesen sind sie auf ausgerechnet diese Politiker mit Sicherheit nicht, allenfalls auf Zeit, die sie jedoch weitgehend selbst zu bestimmen in der Lage sind.
Nur wer es ermöglicht, ist Täter – nicht, wer es versucht zu nutzen.
Ja Mensch noch mal, geht denn keiner darauf ein, dass wir in der Klimawende stecken und etwas geschehen muss?
Sehr geehrter Herr Brouwer,
ganz offensichtlich stecken wir derzeit in der Energiewende fest, sind uns aber sehr unsicher, was, wie und in welchem Zeithorizont unser Klima wendet. Ja, es muss etwas geschehen, wir müssen sehen, wie wir am besten mit den Herausforderungen einer unsicheren Zukunft zurechtkommen. Eben deshalb dürfen wir mit der sog. Energiewende nicht alle Eier in einen Korb werfen, von dem wir jetzt schon wissen, dass er eigentlich nur aus Löchern besteht. Es sei denn, sie verstehen die Energiewende als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Leute die sich schlichtweg nur aufs Eierwerfen spezialisiert haben, egal wo und wie die später landen.
Herzliche Grüße
Steffen Hentrich
Schade! Leider fehlt in diesen Blogbeiträgen eine sehr wichtige Einflussgröße: technologischer Fortschritt.
Wenn schon eine Analogie zur Computertechnik, dann bitte auch etwas weitsichtiger: der technische Wandel wird die dringend benötigten Speichertechnologien früher als erwartet hervorbringen. Analog zur rasanten Entwicklung der Computertechnologie hätte vor 5 Jahren auch noch niemand ernsthaft daran geglaubt, wie wichtig ein Tablet für Apple werden sollte. Zwei sehr interessante Technologien befinden sich in der wissenschaftlichen Erprobung: “Power to gas” (Elektrolyse – Wasserstoff – Methanisierung) und die Brennstoffzellentechnologie unter Nutzung des Wasserstoffs. Mit Hilfe dieser Transfertechnologien lassen sich Wind- und Solarstromüberschüsse zwischenspeichern und in Spitzenzeiten wieder einspeisen. Heutige Prototypen sind noch teuer und unwirtschaftlich – völlig richtig. Aber vor 15 Jahren waren Laptops für die breite Masse ebenfalls unbezahlbar. Aus diesem Grund finde ich die Aussage von Rainer Vogels, dass die Unwirtschaftlichkeit der Stromspeichertechnologie auf absehbare Zeit so bleiben wird, recht anmaßend. Es sei denn, er würde sein Haus o. ä. darauf verwetten, das fände ich dann wiederum sehr spannend…
Es wäre fatal, wenn man auf Basis einer zu großen Skepsis die Energiewende zugunsten der Erneuerbaren Energien verschlafen würde. Denn die vier großen Energieversorger haben insbesondere vor einer Entwicklung besonders viel Angst: Veränderung der Marktanteile. Verschiebt sich der aktuelle Marktanteil in den nächsten 15 Jahren um ca. 25-40 % zugunsten neuer Energieanbieter, dann ist das herkömmliche Geschäftsmodell der großen Energieversorger ernsthaft in Gefahr – sowohl in seiner laufenden Profitabilität wie auch hinsichtlich der erheblichen Investitionen vergangener Jahre.
Wer der Energiewende ganz besonders skeptisch begegnet, dem könnte ein Blick auf die Stromerzeugungsarten der großen Energieversorger helfen: Der Anteil der nichtfossilen Stromerzeugung steigt in diesen Jahren allen (!) Energieversorgern stark an. Beispiel RWE: von 2 % in 2009 auf über 15 % in 2011. Hierin liegt für mich im Übrigen der Beweis, dass die Vorstände der Energieversorger sich der Bedrohung durch Marktanteilsveränderungen sehr wohl bewusst sind. Sie geben es öffentlich nicht zu und benutzen lieber das Argument der Industrie, dass hohe Strompreise die europäische Wettbewerbsfähigkeit bedrohe. Interessanterweise sind viele Großverbraucher von der Ökostromsteuer befreit.
Bitte das Denken für die Freiheit auch zukunftsorientiert anwenden! Die Erneuerbaren Energien haben das Zeug, in den Jahren 2030-2050 die Bedeutung einer weltweiten Friedenstechnologie zu erlangen. Und zwar überall dort, wo es Konflikte, territoriale Machtkämpfe, Machtmissbrauch und Kriege rund um fossile Ressourcen gibt. Jüngstes Beispiel ist der Kampf um den arktischen Tiefseeboden. angesichts der steigenden Weltbevölkerung muss es neue Energietechnologien geben – Klimawandel hin oder her!
Sehr geehrter Herr Mohme,
wir brauchen sicherlich keine Angst zu haben, dass die deutsche Energiewirtschaft ohne die Förderung der Bundesregierung die Energiewende verschläft, sie würde dann nur anders aussehen. Am Ende sind es die Energieversorger, die mit der Brennstoffknappheit konfrontiert werden und darauf technologisch reagieren müssen, wollen sie sich im Wettbewerb behaupten. Ob dabei Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes eine Rolle spielen wäre immer noch eine Angelegenheit der Umweltpolitik und ließe sich mit direkten an den konkreten Umweltschäden orientierten Instrumenten in die gewünschte Richtung bewegen. Herr Vogels will sicher nicht sagen, dass wir menschen mit unserer technischen Intelligenz die Kosten von Speichertechnologien nicht senken können, jedoch sind wir nicht in der Lage die ihnen zugrunde liegenden physikalischen Gesetzmäßigkeiten zu überwinden. Hier gibt es Grenzen, die sich üblicherweise darin zeigen, dass man viel forscht, aber was die Kostenreduktion betrifft auf der Stelle tritt oder an anderer Stelle neue Probleme aufreist. Dass die Energiewende so abläuft, hat sie bewiesen. Technologiegläubigkeit, die dazu führt, dass die Risiken ihrer Anwendung nicht bei denjenigen bleiben, die von ihnen profitieren wollen hat nichts mit Fortschritt zu tun. Der Staat mag gut darin sein internationale Machtkämpfe und Ressourcenkonflikte auf dem internationalen Parkett durch Verhandlungen zu moderieren, er ist jedoch erbärmlich bei der Auswahl der Richtung der technischen Entwicklung. Fortschritt für die Menschheit bedeutet mehr, als immer genug Geld für Leute die ihre technische Phantasie an unserem Energiesystem ausleben wollen. Die Menschen wollen am Ende sehen, dass Umweltschutz nicht mehr Ressourcen verschlingt als er ihnen eigentlich wert ist.
Herzliche Grüße
Steffen Hentrich
@ Till Mohme
Selbstverständlich bin ich ein begeisterter Anhänger des technischen Fortschritts. Das heißt aber nicht, dass ich es für eine verantwortungsvolle Politik halten würde, auf eine vage und nach gegenwärtigem wissenschaftlichen Kenntnisstand durch nichts (!) begründete Hoffnung hin durch politische Zwangsmaßnahmen eine ganze Volkswirtschaft umzukrempeln.
Im Klartext: Es gibt auf der ganzen Welt keinen einzigen Physiker, der eine Idee veröffentlicht hätte, welchen physikalischen Effekt man nutzen könnte, um Strom in großem Maßstab wirtschaftlich zu speichern. Das ist nun einmal so. Selbstverständlich ist es denkbar, dass morgen ein Daniel Düsentrieb auftritt und eine völlig neue Physik entdeckt, mit deren Hilfe sich doch große Strompspeicher bauen lassen könnten. Auf die vage Hoffnung hin jedoch, dass das geschieht, eine ganze funktionierende Stromversorgung für einen Industriestaat zu zerstören und durch unkalkulierbare Zufallfskraftwerke zu ersetzen, ist in meinen Augen höchst verantwortungslos.
Was die von Ihnen angeführte Power-to-gas-Technik betrifft, so ist die keineswegs neu, sondern beruht auf Techniken, die seit wenigstens 100 Jahren bekannt sind. Sie wird deshalb nicht zur Marktreife kommen, weil ihr Wirkungsgrad extrem niedrig ist. Fachleute haben errechnet, dass der Wirkungsgrad unter 20% liegt. Das heißt: Von einer Kilowattstunde, die in das System eingespeichert wird, kann am Ende nur weniger als das Fünftel einer Kilowattstunde herauskommen. (Verluststufen, die sich aus unüberwindlichen physikalischen Gründen nicht vermeiden lassen, sind: Umwandlung des Wechselstroms in Gleichstrom für die Elektrolyse, die Elektrolyse selbst, Verbrennung des Wasserstoffs in einer Wärmekraftmaschine). Wenn also die kwh vom Windrad 10 Cent kostet, kostet der Strom aus dem Speicher mehr als 50 Cent, Kosten für Betrieb und Abschreibung der Anlage nicht gerechnet. Das rechnet sich einfach nicht.
Noch einmal zum technologischen Fortschritt: In Mol in Belgien für eine Demonstrationsanlage zur Transmutation langlebiger radioaktiver Abfälle in kurzlebige gebaut. In ein paar Jahren dürfte dort vor aller Welt demonstriert werden, dass das Totschlagargument gegen die Kernenergie, dass das Abfallproblem unlösbar sei, technisch widerlegt ist. Weiter: In China wird demnächst ein inhärent sicherer Thoriumreaktor gebaut. Auch dort geschieht technischer Fortschritt an vorderster Front.
Deutschland wird vermutlich in ein paar Jahren, wenn auch der naturwissenschaftlich am wenigsten gebildete Politiker begriffen hat, dass Wind und Sonne als Basis für die Stromversorgung nichts taugen, Physikstudenten und Lehrlinge als Technologiepilger zu derartigen Fortschrittslaboratorien ins Ausland schicken, damit in Deutschland eine Aufholjagd in Sachen moderner Energieversorgung beginnen kann. Eine Aufhaljagd auf einem Gebiet, für das Wissenschaftler in Deutschland wie Einstein, Planck, Schrödinger, Heisenberg, einmal überhaupt erst die wissenschaftlichen Grundlagen gelegt haben.
FDP und CDU/CSU haben mit ihrer “Energiewende” den technischen Fortschritt aus Deutschland vertrieben und sich der mittelalterlichen Windmühlentechnik verschrieben. Sie führen damit Deutschland in ein industrielles und finanzielles Desaster katastrophalen Ausmaßes. Noch unsere Enkelkinder werden dafür die Zeche zahlen müssen.
@ Gerhard Brouwer
Die vom Menschen erzeugte “Energiewende” ist eine durch nichts bewiesene Behauptung. Es gibt keinerlei physikalischen Beweis und kein einziges Experiment, welche die Behauptung einer C02-induzierten Erderwärmng stützen würde. Außerhalb Europas glaubt auch so gut wie niemand mehr an dieses Märchen.
Sorry, abgesehen von den Tippfehlern, ist ein sinnentstellender Fehler in meinem Post: Im letzten Absatz muss es natürlich heißen: “Der vom Menschen erzeugte “Klimawandel …”
@ till mohme:
Oh doch – nur angesichts des gigantischen Pöbel-Widerstandes bei all den Massen der Klimatiker, pp, traut sich kaum ein Mensch darauf zu verweisen, daß die Entwicklung total sicherer KKW zügig voranschreitet – leider anderswo als in Deutschland, dafür umso schneller – und alle Welt die Dinger bereits bei der Energieplanung einbezieht und zu Tausenden bauen wird.
Nur Deutschland mit seinen Zurückgebliebenen wird sich dann von weitgehend importiertem Gras ernähren müssen – ob es will oder nicht.
Die Funktionärs-Apologeten der Energiewende sitzen natürlich längst anderswo und saufen uns den Champagner weg mit ihren täglich wachsenden Alimentationen aus Reste-Deutschland.
Hallo Zusammen,
auch ich bin dafür, die Dinge nicht zu verklären und große Wunder ohne tatsächliche Ergebnisse auszurufen. Doch mich lässt der Eindruck nicht los, dass hier gelegentlich “das Kind mit dem Bade ausgeschüttet” wird. Ich vermisse eine gewisse wohlwollende Skepsis, eine solche wäre etwas konstruktiver.
In den späten 1980er und frühen 90er Jahren meinten durchaus nicht wenige Unternehmer, dass etwas so aufwändiges und teures wie die EDV viel zu ineffektiv wäre. Sie verbannten diesen teuren Schrott nach ersten negativen Erfahrungen wieder aus ihren Unternehmen (zu klobig, zu aufwendig, zu viel Schulungsaufwand).
Ich selbst habe im Jahr 2001 einen gestandenen, über sechzigjährigen Niederlassungsleiter erlebt, der das Internet mitsamt der Email instinktiv ablehnte und selbst die Anschaffung einer Digitalkamera verweigerte, da das Gerät zu teuer und die Papierabzüge zu schlecht wären.
Heute gibt es nicht wenige Menschen, die der Auffassung sind, etwas so teures und unwirtschaftliches wie die Energiewende bräuchten wir nicht.
Tja, wer bis hierhin gelesen hat, kann sich sicher denken, dass ich einem generationsübergreifendem Vorhaben, wie es die Energiewende naturgemäß nur sein kann, deutlich mehr Zeit und Geduld für seine Entwicklung zugestehe.
Nach nur einem Jahr Energiewende (= Abkehr von der Atomindustrie) ein negatives Fazit zu ziehen und alles für einen riesen Betrug zu erklären…? Genau solche Meinungen sind die unbewußten Helfer der Energieriesen, sie spielen diesen passend in die Hände. Machen Sie Ihre kritische Meinung nicht zum Instrument der öffentlichen Meinungsmanipulation durch die alte Energielobby. Ich kritisiere Sie nicht, aber ich erwarte, dass Sie neben Ihrem Mut, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, auch darauf achten, “das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten”.
Mit besten Grüßen
Till Mohme
@ Rainer Vogels
Sie haben in dem Punkt recht, dass die Kombination von Energieumwandlungsschritten mit schlechtem Wirkungsgrad zwangsläufig zur Unwirtschaftlichkeit führt – wenn man dies kontinuierlich tun würde. Das Problem bedingt sich schon rein mathematisch durch die Wirkungsgradfaktoren. Allerdings gibt es am Strommarkt sehr dynamische Effekte, die sich günstig nutzen lassen. Beispiel: derzeit produzieren Windräder in Spitzenzeiten mehr Strom, als netztechnisch durchgeleitet werden kann. Das führt zur Zwangsabschaltung der Windräder in den ertragreichsten Phasen. Überkapazitäten könnten daher wirtschaftlich für die Speichertechnik genutzt werden, da sie zu einem “Kostenansatz Null” verfügbar sind (sonst ungenutzer Starkwind als kalkulativ kostenfreier Zusatzertrag). Gleiches gilt für Überkapazitäten bei Solarstrom und anderen Quellen. Derzeit wird die Zwangsabschaltung von Kraftwerken diskutiert, die bei zu wenig Stromnachfrage der Ökostrompriorität unterliegen. Für solche Zeiten lassen sich markttechnisch sicher auch neue Kostensätze entwickeln, die den Einsatz von Stromspeichertechniken wirtschaftlicher machen. Gleichzeitig könnten so auch Nutzungsmodelle für Reservekraftwerke entstehen, um deren Wirtschaftlichkeit in Leerlaufzeiten zu verbessern. Allerdings besteht hier noch das Problem der Emissionen (Reservekraftwerke meist auf fossiler Basis).
Tendenziell bin ich der Ansicht, dass wir als Menschheit weltweit gut beraten sind, möglichst viele Wege der Energieerzeugung zu erproben. Mag sein, dass der Preis darin besteht, viele Irrtümer und technische Sackgassen zu erleben. Aber selbst Thomas Alva Edison musste tausende Wege herausfinden, wie es nicht funktioniert, um dann den richtigen Wolframdraht für seine Glühbirne zu finden. Letztendlich war er nicht der erste, es gab schon 30 Jahre vor ihm welche, die mit dieser Technik experimentierten.
Für die Energiewende brauchen wir eher möglichst viele Varianten der dezentralen Energieerzeugung, anstatt darauf zu warten, dass Forscher endlich die Supersonne auf der Erde nachbauen werden. Das Risiko, dass diese eine Technik noch 30 oder mehr Jahre auf sich warten lässt, ist mir angesichts wachsender CO2-Emissionen von Ländern wie Cina und allen noch kommenden Schwellenländern deutlich zu gefährlich.
Noch ein Satz zum Klimawandel: der Klimawandel ist ein Fakt, lediglich der Beweis, OB der Mensch daran schuld ist, wird heftig diskutiert. Wir können uns auch noch 50 Jahre weiter darüber streiten, OB der Mensch daran schuld ist. Am Klimawandel ändert unsere Beweisführung bis dahin nichts. Wir gehen “nur” das Risiko ein, es noch schlimmer zu machen. Meiner bescheidenen Meinung nach reicht es, sich einmal die Smogglocke von Mexico City oder Tokio und ähnliche Metropolen anzusehen und zusätzlich darüber nachzudenken, warum die Gletscher weltweit schmilzen, der Killimandscharo bals eisfrei sein wird und warum das Fliegen so klimaschädlich sein soll. Auch wenn wir nichts machen, der Sprit wird teurer, das Öl wird knapper werden und die Preissteigerungen werden auch auf die ölabhängigen Kunststoffprodukte übergreifen. Ich jedenfalls möchte mir von meinen Enkeln nicht vorwerfen lassen, dass mich das damals alles nicht interessiert hat, weil es nicht einwandfrei zu beweisen war.
@ Till Mohme
Sie schreiben: “Tendenziell bin ich der Ansicht, dass wir als Menschheit weltweit gut beraten sind, möglichst viele Wege der Energieerzeugung zu erproben.”
Da gebe ich Ihnen natürlich zu 100% recht. Allerdings war ich bisher der Meinung, dass die FDP eine Partei ist, die richtigerweise die Überzeugung vertritt, dass der Markt der beste Entdeckungsmechanismus für Problemlösungen und also auch für die Frage der Energieversorgung ist.
Die heutige FDP jedoch ist offensichtlich der Meinung, dass Ministerialbeamte und Politiker, die Juristen, Verwaltungsfachleute, Pädagogen oder Sozialwissenschaftler sind, besser über die Dinge Bescheid wissen als die einschlägigen Marktteilnehmer mit ihren qualifizierten Fachleuten. Ich halte das für eine infantile Omnipotenzphantasie im Sinne Freuds.
Noch zwei Fußnoten:
1. Strom von Windrädern ist niemals zum Nulltarif zu haben. Das Windrad hat Geld gekostet, es muss betrieben und abgeschrieben werden. Das kostet Geld.
2. Das Thema “Klimawandel” möchte ich nicht ausführlich behandeln. Allerdings will ich auf den logischen Widerspruch eingehen, dass man, ohne zu wissen, warum das Klima sich wandelt, wie es das zu allen Zeiten getan hat, etwas dagegen tun müsse. Das geht einfach nicht. Wenn z.B. Svensmark recht hat, wofür m.E. sehr viel spricht, zumal die klassischen Klimawandeltheorien der Alarmisten in IPCC und PIK im Widerspruch zu den beiden Hauptsätzen der Thermodynamik stehen, ist alles menschliche Tun irrelevant.
@ till mohme:
Ebenso wie Ihr technikfeindlicher Mitarbeiter oder die Gemeinschaft der Unternehmer, die nichts von technischem Fortschritt wissen wollten, verhält sich die versammelte Gegnerschaft des Fortschritts bei der Stromerzeugung – bereits seinerzeit, als sie die Energiewende ausrief ohne der KKW-Technik die verdiente Chance geben zu wollen oder wegen ideologischer Verblendung es zu können.
Wind, Sonne und Getreide sind keine brauchbaren oder im letzten Falle menschenfeindliche Ideen zur Energieerzeugung. Sie funktionieren nicht, was vorausgesagt wurde. Nur wollte es keiner hören.
Bei Computer und Internet war es – gottseidank – anders.
Und – wenn`s auch schwer fällt – glauben Sie bitte nicht, daß mit klaren Statements irgendwelche Monopole oder Partikularinteressen bedient werden (sollen). So einfach sollten Sie es sich nicht machen.
@ Rainer Vogels
Heute konnte ich einen wirklich interessanten und zur Speicherproblematik passenden Artikel lesen, der zwei für mich neue Erkenntnisse liefert:
1. Schweizer Wasser-Speicherkraftwerke kalkulieren offensichtlich mit einem Wirkungsgrad von rund 80% (Oha ?!)
2. Schweizer Energieunternehmen praktizieren schon einige Zeit ein Geschäftsmodell mit zweistelligen Renditen: nachts wird billiger Strom aus Deutschland für die Pumpenarbeit eingekauft und tagsüber wird der Wasserkraftstrom wieder zu Spitzenlastzeiten international verkauft.
Laut dem Handelsblatt-Artikel ist dazu ein Spread von 30% zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis notwendig (und bisher erreichbar gewesen, alle Achtung). Neuerdings droht dieses Geschäftsmodell ausgerechnet am Solarstrom zu scheitern. Der Solarstrom hilft Deutschland, seine mittäglichen Spitzenzeiten zu decken. Durch zunehmende Solar- und Windkraftstomkapazitäten verkleinert sich der Handelsspread.
Bei Interesse – hier ist der Artikel vom Handelsblatt:
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/solarstrom-deutsche-energiewende-macht-schweizer-speicherkraft-unrentabel/7044056.html
Zu allen Beiträgen:
1. Politiker sind weder dumm noch einfältig. Was sie tun ist es also auch nicht, auch wenn es so erscheint. Näher liegt, dass sie es tun müssen. Über die, die im Hintergrund die Fäden ziehen, lässt sich im Einzelnen streiten, was allerdings nichts an der Tatsache ändert. Die früheren Lobbyisten (Interessenvertreter von Großbanken und Großaktionären und deren Spekulanten) sind heute die Berater der Politiker. So lässt sich deren bisweilen befremdliches Tun am einfachsten erklären.
2. Alternative Energiegewinnung wie sie zurzeit bei uns betrieben wird, ist nur vordergründig zu unser aller Wohl. Man will nur unser Bestes, nämlich unser Geld und das möglichst schnell und reichlich. Dass dabei immense Mengen Ressourcen verbraten (zu schnellem Geld gemacht) werden ist gewollt. Hauptsache wir haben jetzt alles was möglich ist, und nach uns die Sintflut. All die scheinheiligen Beteuerungen bezüglich Umweltschutz und bessere Lebensbedingungen dienen ausschließlich diesem Zweck. Uns werden unverfängliche Themen zum Streiten geliefert. So kann in aller Ruhe abkassiert werden.
3. Die EEG-Mafia hat als stärkste Konkurrenten die Wärmekraftwerke. Die müssen ausgeschaltet werden, dann kann von ihr der Preis für Energie bestimmt werden. Bei den Kernkraftwerken war es einfach. Die latente Angst davor bei einem kleinen Teil der Bevölkerung musste nur geschickt eingesetzt werden. Wenn dann herauskommt, dass sie doch noch gebraucht wird, wäscht sie ihre Hände in Unschuld. Mit Hilfe von CO2- Gefahren sind dann die anderen dran. Nur ich glaube, dass ihnen vorher die Ressourcen ausgehen.
4. Aber all diese Probleme werden in absehbarer Zeit in den Schatten gestellt durch die jetzt schon vorhandene Überbevölkerung, die unabhängig davon was wir anstellen noch zunehmen wird. Wir Älteren werden uns vorher aus dem Staub machen, aber den Jungen ist jetzt schon zu raten, sich darüber Gedanken zu machen, wie sie diesen Kollaps halbwegs lebenswert überstehen können.
Ein bedeutender Fehler ist mir im Absatz 3 unterlaufe. Es soll heisen , dass die Kernkraftwerke noch gebraucht werden. Hier der Absatz noch einmal richtig:
3. Die EEG-Mafia hat als stärkste Konkurrenten die Wärmekraftwerke. Die müssen ausgeschaltet werden, dann kann von ihr der Preis für Energie bestimmt werden. Bei den Kernkraftwerken war es einfach. Die latente Angst davor bei einem kleinen Teil der Bevölkerung musste nur geschickt eingesetzt werden. Wenn dann herauskommt, dass sie doch noch gebraucht werden, wäscht sie ihre Hände in Unschuld. Mit Hilfe von CO2- Gefahren sind dann die anderen dran. Nur ich glaube, dass ihnen vorher die Ressourcen ausgehen.
@ peter bauer:
Wie Sie sagen:
am einfachsten (nur) läßt sich das Tun der Politiker erklären durch Fernsteuerung.
Mag auch mal sein – aber kaum durch das allseits unbekannte Wesen einer konzentrierten Lobby. Zuviel der Ehre.
Die Dinge sind etwas (nur, aber doch) komplizierter.
Viel eher durch die schlichte Auffassung (führender Politiker), dem zumeist wenig komplex denkenden und handelnden Wähler seine Stimme leicht damit abluchsen zu können, daß man sich als vorausschauend und klug darzustellen versucht.
Das geht regelmäßig schief, wie historisch zu belegen ist. Zumal dann, wenn jede Sachkenntnis fehlt.
Wirtschaft nebst Lobby sind gewohnt dieser Schlichtheit Vorteile abzugewinnen – derivativ nur, ohne real ursächlichen Beitrag.
Sich derart subprime ursächlich betätigen zu müssen wäre denn doch unter jedem dort jedenfalls akzeptablen Niveau. Immerhin clustert in der Gegend neben Intelligenz auch noch ein wenig (jedenfalls) Stil.
Das ist in der Politik jedoch äußerstenfalls die Ausnahme, wenn überhaupt.