Wem gehört das Weltall?

Steffen Hentrich

In nicht allzu ferner Zukunft wird die kommerzielle Nutzung des Weltraums an die Grenzen seiner kollektiven Bewirtschaftung stoßen. Schon heute wird der sich in den vergangenen Jahrzehnten angesammelte Satellitenmüll beklagt. Wie auf der Erde wird es auch im weiten All bald Nutzungskonflikte um die dort verfügbaren Ressourcen geben. Der hier auf Erden sinnvolle Schutz von Privateigentum dürfte sich daher auch für die wirtschaftliche Weltraumnutzung als vorteilhaft erweisen. Rand Simberg hat sich für den amerikanischen Thinktank Competitive Enterprise Institute darüber Gedanken gemacht, wie eine Eigentumsordnung des Weltalls so gestaltet werden kann, dass sich handelbare Eigentumsansprüche auch für die Finanzierung und Absicherung aufwendiger Erschließungsinvestitionen eignen. Die Studie “Homesteading the Final Frontier” erläutert die heutige internationale Rechtssituation, beschreibt damit verbundene Probleme und entwickelt eine sinnvolle Alternative. Nur so dürfte sich ein praktikabler Weg beschreiten lassen, der die Erforschung und Erschließung des Weltraums dem alleinigen politischen Kalkül des Staates entziehen und dem Steuerzahler die Übernahme der Risiken und Kosten ersparen würde.

7 Antworten zu “Wem gehört das Weltall?

  1. Neue – private – Anbieter senken nicht unbedingt die Kosten der „Raumfahrt“ [ein zu hochtrabender Ausdruck]; dafür gibt es bislang keine Belege.
    Die Antriebe sind durch den immensen Energiebedarf extrem teuer, und neue Technologien zeichnen sich derzeit nicht ab. Auch wenn man derzeit von den superteuren Mehrweg-Fahrzeugen wieder abrückt, bleiben die Kosten für zuverlässige wie leistungsfähige Antriebe hoch.
    Für den Transport eines Kilogramms fallen – unbemannt – mindestens 10.000US-$ an, für den Transport bis auf Low-Earth-Orbits (LEO – bis 1.000km). Für höhere Umlaufbahnen oder bemannte Flüge sind die Kosten noch erheblich höher.
    Die NASA kalkulierte für den Erstflug zum Mars mit einer kleinen Crew einen Kapitalbedarf von 500 Mia. US-$. Kein Wunder, dass die bemannte Marsmission gestrichen/ verschoben wurde.
    Grundsätzlich sind interplanetare Reisen heute möglich, jedoch nur für Roboter/ Sonden.
    Für größere Unternehmungen von Menschen im Sonnensystem fehlen hinreichende Antriebs-Technologien; klassische Raketen wären durch den enormen Treibstoffbedarf riesig, Ionen-Antriebe sind zu schwach; Staustrahl-Antriebe wären interplanetar kaum einsetzbar; Sonnensegel-Antriebe hätten sehr lange Reisezeiten zur Folge.
    Solche Reisen überstehen derzeit nur Roboter. Menschen werden wohl auf absehbare Zeit nicht direkt diese Aufgabe einbezogen werden.

    Für größere Projekte müssten Habitate, Abbautechnologien und schließlich auch die Menschen und Bots „hoch“-transportiert und zusammen mit den Rohstoffen wieder zurückgebracht werden – was nicht nur einen immensen Schub in der technologischen Entwicklung voraussetzt, sondern auch eine immense Erhöhung der terrestrischen Rohstoffpreise.
    Der extreme Transportkosten-Vorlauf für eine solche Ressourcengewinnung wirft die Frage auf – welche Ressource (mehr als 10.000 US-$ je kg allein für niedrige Erdorbits) wäre einen solchen Einsatz wert?

    Hohe Kosten sind immer auch Anreize für Substitutionstechnologien – z.B. lassen sich die teuren Mikrogravitationsexperimente in der ISS genauso gut auch terrestrisch durchführen, in Falltürmen (Bremen) oder Fallschächten, nur viel günstiger.
    Auf der Basis heutiger Technologien ist der Abbau interplanetarer Ressourcen ein ziemlich schlechtes Geschäft. Die Marktkräfte dürften in diesem Bereich ihre segensreiche Wirkung erstmal nicht entfalten, egal welche property-rights für Objekte im Sonnensystem erdacht werden.

    Alan Dean Foster’s „Outland“ ist für uns Sterbliche noch weit (Jahre bis Jahrhunderte) entfernt – aber für die Menschheit ist das wohl nur ein kleiner Schritt.

  2. Der letzte Satz vom Hentrich ist der Entscheidende.
    Allerdings ist er geeignet, die Debatte in die übliche falsche Richtung zu lenken, sobald er Gutmenschen, Sozialisten und anderen Furchtbaren gewärtig würde.

    So läßt sich – jedenfalls in den sozialistisch dominierten Bevölkerungen Europas – absehen, wohin der Hase laufen soll: in die Verstaatlichung.

    Bleibt – immerhin mit gutem/besser: schlechtem Grund – zu hoffen, daß Europa bis zur Entscheidung zu diesem Thema in die angestrebte Bedeutungslosigkeit abgesunken sein dürfte, die all deren Politikerfunktionäre mit Vehemenz ansteuern.

    Dann nämlich entscheiden andere – Gottseidank.

  3. Die Technikgeschichte zeigt, dass es ist unmöglich ist, auch nur einfache Dinge (i.w.S.) in einem einzigen Durchlauf zu entwickeln. Einfache, erst recht komplexe Konstrukte kommen nicht ohne einen mehrstufigen Entwicklungsprozeß aus – Planung, Versuch, Fehlerdiagnose, neue Planung und neuer Versuch, Fehlerdiagnose, nächste Konstruktion, nächster Fehler, nächste Diagnose usw.
    Nur mit Hilfe einer langen Versuchsreihe kommt man – quasi-evolutionär – zu akzeptablen Ergebnissen. Je komplizierter die Zusammenhänge – in der Technik, auch in der Institutionen-Entwicklung – sind, desto höher wird der notwendige Vorlauf an Zeit und Geld.
    Die V2 benötigte 60.000 Einzel-Änderungen vom ersten Prototypen bis zur Serienproduktion, bei 265 (!!!) Tests des Gesamtsystems. Wer sich die Geschichte der Raketen-Entwicklung ansieht, siehe EUROPA-Rakete, und mit den Japanern, Chinesen und Amerikanern vergleicht, kann sehen, dass alle Entwickler zahlreiche bittere Fehlschläge hinnehmen mussten.
    Diesem immensen Kostenvorlauf hätten die meisten CEOs privater Unternehmen vorzeitig das Geld abgedreht, weil sie Ausgaben solcher Größenordnung auf eine ungewisse Zukunft hin ihren Aktionären gegenüber nur schwer verantworten können.

    Der private Zugang zum Weltall eröffnet sich daher nur langsam, und wenn private Anbieter mit steuerzahler-subventionierten Raumfahrtagenturen konkurrieren müssen, wird das nicht leichter. Ganz sicher wird privates Engagement diesen Markt beflügeln, man denke nur an das im Entstehen befindliche Angebot an relativ günstigen (derzeit 300.000US-$ pro Ticket) Suborbital-Flügen (Virgin Galactic) bis auf 100km Höhe – auf das die Raumflug-Bürokratien jetzt schnell aufspringen wollen.
    Satelliten-Kommunikation und Navigation sind die Bereiche, die bisher privat umfangreicher genutzt werden; diese Märkte sind trotzdem nicht riesig und weitere selbsttragende Space-Anwendungsfelder zeichnen sich nicht ab. Trotzdem ergibt sich hier auch eine korrespondierende Nachfrage nach Transport-Dienstleistungen. Daher wird die “Raumfahrt” vorerst noch weitgehend Staatswirtschaft bleiben, noch mehr als die Luftfahrt-Industrie; aufgrund der militärischen Implikationen und industriepolitischen Elemente, wie aufgrund der Kostenstrukturen und der geringen Nachfrage nach so teuren Dienstleistungen.

    Sollten irgendwann zuverlässige Transport-Systeme privater Anbieter zur Verfügung stehen, werden sich vermutlich bald danach Hotel-Stationen in LEO und in den Lagrange-Punkten finden; später wohl auch auf dem Mond.
    Und hier wird die Frage der wieder Eigentumsrechte relevant werden, denn sobald sich eine Mondstation selbst mit Ressourcen versorgen könnte, was alles andere als einfach ist, werden sich die „Kolonisten“ auch der Steuer- und Rechtshoheit der Erde entziehen wollen. Vermutlich wird man dort wieder einmal das Aufflammen von Unabhängigkeits- und Souveränitätskriegen erleben – eine „Tycho-Tea-Party“.

    Sind solche „Kolonien“ erst einmal selbständig, dürfte sich – aufgrund konkurrierender Nachfrage – die Frage nach den Eigentumsrechten und Besteuerungshoheit an Objekten im Sonnensystem recht schnell in realiter stellen.

    • Steffen Hentrich

      Sie dürfen nicht so ungeduldig sein, aber wir moderieren die Kommentare. Dadurch können Sie sicher sein, dass sie alle gelesen werden.

  4. Die Moderation ist wirklich nicht das Problem.
    Ich freue mich, dass dann mein Beitrag mindestens auch einmal gelesen wird.
    Aber zu den Schwierigkeiten führt, dass – währenddessen? – auf einmal der Comment verschwunden ist, wenn man morgens ihn auf mögliche Antworten nachlesen möchte.

    mfg – B.H.

    • Steffen Hentrich

      Einmal angenommene Kommentare werden von uns eigentlich nicht wieder gelöscht. Ich kann daher Ihre Beschwerde nicht ganz nachvollziehen. Es tut mir leid, wenn da irgendetwas schief gelaufen ist.

      MfG

      Steffen Hentrich

  5. Wird selbstverständlich akzeptiert.
    Ich wundere mich nur, wenn ich die Seite aufrufe, und auf einmal mein Beitrag nicht angezeigt wird.
    Lassen wir es dabei – ich freue mich, dass hier ein liberales Forum existiert.
    Weiter so – B.H.

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