Diskriminierung oder Eigentor?

Steffen Hentrich

Im Durchschnitt verdienen Frauen 23 Prozent weniger als Männer, meldet heute das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung. Dabei handelt es sich bei diesem Wert um die sogenannte unbereinigte Gender Pay Gap, in der zunächst noch nicht die Ursachen für die bestehende Lücke isoliert wurden. Bereinigt man diese Daten um geschlechtsspezifische Charakteristika wie Qualifikation, Berufswahl und Arbeitsplatzanforderungen, bleiben 8 Prozent des Einkommensunterschieds unerkärt übrig:

Untersuchungen der ursächlichen Faktoren des Gender Pay Gap wurden letztmalig auf Basis der Verdienststrukturerhebung 2006 durchgeführt. Da diese Faktoren jedoch nur langfristigen Veränderungsprozessen unterliegen, dürften die Ursachen im Jahr 2011 – trotz des zeitlichen Abstands – weitgehend dieselben sein. Demnach liegen die wichtigsten messbaren Gründe für den unbereinigten Gender Pay Gap in der unterschiedlichen Berufs- und Branchenwahl von Frauen und Männern sowie in ungleich verteilten Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung und Qualifikation. Arbeitnehmerinnen gehen eher Tätigkeiten nach, die mit tendenziell geringeren Verdienstmöglichkeiten und Anforderungen verbunden sind. Hinzu kommen weitere Faktoren wie zum Beispiel ein niedrigeres Dienstalter und geringerer Beschäftigungsumfang. Durch die genannten Ursachen können rund zwei Drittel des Unterschieds in den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten erklärt werden.

Der größte Teil des Unterschieds im Bruttostundenverdienst zwischen den Geschlechtern ist demnach nicht auf Geschlechterdiskriminierung, sondern auf Faktoren zurückzuführen, die von den Menschen selbst gewählt sind oder sich auf geschlechtsspezifische körperliche Attribute zurückführen lassen. Unklar ist derweil, ob die Berücksichtigung der o.g. Faktoren erschöpfend ist und daher das Residuum tatsächlich Ergebnis bloßer Diskriminierung ist.

2 Antworten zu “Diskriminierung oder Eigentor?

  1. Die Frage nach dem Residuum kann eindeutig geklärt werden: Es ist ein statistisches Artefakt:

    http://sciencefiles.org/2011/04/22/nachtrag-zum-gender-pay-gap/

    Wenn interessiert, wie man die 23% Gender Pay Gap durch eine Konfrontation mit der Wirklichkeit auf ein Gender Pay Gap zu ungunsten von Männern schrumpft:

    http://sciencefiles.org/2011/07/03/gender-pay-claptrap-wie-die-ig-metall-ihre-mitglieder-fehlinformiert/

    Das Gender Pay Gap ist ein schönes Beispiel dafür, dass Institutionen die Mythen, die sie einmal geschaffen haben, nicht der Realität anheim fallen lassen wollen.

  2. Thx.
    B.H.

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