So viel Kapital müssen Eurostaaten in den kommenden Jahren aufnehmen

Gérard Bökenkamp

Um Schulden aufzunehmen geben die Staaten Staatsanleihen mit festem Zinssatz und begrenzter Laufzeit heraus. Wenn diese Staatsanleihen auslaufen, muss das Kapital zurückgezahlt werden. Dafür werden in der Regel neue Staatsanleihen aufgelegt. Durch die Einnahmen aus dem Verkauf der neuen Staatsanleihen werden die Zahlungen für die alten geleistet. Je nach dem wie das gesamtwirtschaftliche Umfeld sich darstellt, können für die neuen Anleihen höhere oder niedrigere Zinsen angeboten werden. Aufgrund der Verschuldungskrise in der Eurozone verlangen Anleger einen höheren Zinssatz. Diese Übersicht zeigt, wieviel Kapital in den kommenden zwei Jahren neu aufgenommen werden muss, weil Staatsanleihen auslaufen und sich die Staaten neu verschulden. Aus den Zahlen wird deutlich, dass das Jahr 2012 eine große Herausforderung für die günstige Platzierung der Staatsanleihen an den Kapitalmärkten darstellt. Übersicht:

 Italien

2012: 307 Mrd. Euro

2013: 154, 6 Mrd. Euro

 Deutschland

2012: 273 Mrd. Euro

2013: 186 Mrd. Euro

Frankreich

2012: 240 Mrd. Euro

2013: 125,3 Mrd. Euro

Spanien

2012: 132 Mrd. Euro

2013:  82,8 Mrd. Euro

Belgien

2012: 56,6 Mrd. Euro

2013: 30 Mrd. Euro

Griechenland

2012: 55,6 Mrd. Euro

2013: 31 Mrd. Euro

Niederlande

2012: 55, 6 Mrd. Euro

2013: 31 Mrd. Euro

Portugal

2012: 22,2 Mrd. Euro

2013: 10,8 Mrd. Euro

Österreich

2012: 18 Mrd. Euro

2013: 17,5 Mrd. Euro

 Finnland:

2012:14,8 Mrd. Euro

2013: 6,3 Mrd. Euro

Irland:

2012: 5,6 Mrd. Euro

2013: 6,10 Mrd. Euro

Slowakei:

2012: 4,8 Mrd. Euro

2013: 3,7 Mrd. Euro

Quelle: Handelsblatt

Eine Antwort zu So viel Kapital müssen Eurostaaten in den kommenden Jahren aufnehmen

  1. Das Prinzip der “rollenden” Schuldtitel ist beliebt (nicht nur bei Sozen), alt und gefährlich dann, wenn nicht getilgt sondern die Verschuldung noch ausgeweitet wird und dies im Umfeld steigender Zinsen geschehen muß. Ebendas ist in der Eurozone aktuell und seit Jahren der Fall – wegen der Einführung der Gemeinschaftswährung – bei zunächst den PIIGS und nun auch bei allen anderen einschließlich Deutschlands, das vor Tagen ihre zehnjährigen Anleihen nur zur Hälfte am Markt verkaufen konnte. Deswegen war seit Jahren auch die Entwicklung abzusehen und (u.a. von mir) prognostiziert worden.
    Das Dilemma ist auch nie aufzuhalten gewesen, denn es war zu lange schön geredet worden und es bestand niemals und nirgendwo in der Eurozone die Absicht (wegen der “Aufstände” auch kaum die Möglichkeit), die erforderliche gnadenlose Austerity zu fahren, welche z.B. der IWF etwa fordert, um Geld geben zu können. Bis heute hat sich – außer ein wenig wording – nichts geändert. Diese Entwicklung ist zwingend bei (jeder hirnlosen) Überstülpung einer gemeinsamen Währung über ökonomisch aber vor allem mental so verschiedene Nationen unter Beibehalt ihrer Souveränität.
    Seit heute Mittag ist klar, daß nun auch die USA infiziert sind, denn nun stellt sie den Dollar billigst zur Disposition indem (bis 02/2013) sie ihn um 50 Basispunkte billiger und unlimitiert jedem Pleitekandidaten (aus EU und sonstwo) zur Verfügung stellt. Das ist das Ende. (Angeblich soll nur eine frz. Bank zu retten gewesen sein.)
    Paradoxerweise steigen die Märkte – noch, bevor es in den Orkus geht.

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