Gérard Bökenkamp
Der Bundesrepublik Deutschland ist es nicht gelungen, eine Staatsanleihe mit zehnjähriger Laufzeit zu einem Zinssatz von 1,98 Prozent vollständig abzusetzen. Deshalb kommen jetzt verstärkt Forderungen ins Gespräch, den Ankauf der Staatsanleihen durch die Zentralbanken zu forcieren, obwohl erst kürzlich Bundesbankpräsident Weidmann in einer Rede vor der Aufhebung der Grenze zwischen Geld- und Finanzpolitik gewarnt hätte. Es wird behauptet durch den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB könnte das Vertrauen der Anleger zurückkehren. Das ist aber nicht sehr plausibel. Es ist vielmehr wahrscheinlich, dass der Aufkauf der Staatsanleihen, der bis jetzt schon betrieben wurde, erheblich zu der Verunsicherung beigetragen hat, die dazu führte, dass die Bundesanleihen teilweise verschmäht wurden. Um diesen Zusammenhang zu verstehen, muss man die Beziehung zwischen Inflationserwartung und der Bereitschaft zum Kauf von Staatsanleihen betrachten.
Alle festverzinslichten Papiere, die nicht indexiert sind, das heißt bei denen die Verzinsung und Rückzahlung automatisch der Inflation angeglichen werden, sind in einem inflationären Umfeld risikoreich. Die Regel, dass Anleihen und Pfandbriefe und Festgeld sichere Anlagen sind, gilt in einem inflationären Umfeld nicht mehr. Wer zum Beispiel 1916 in Deutschland Kriegsanleihen gezeichnet hat, hat zwar rein formal seine Rechte als Anleger durchsetzen können. Das heißt der Staat hat sich nicht durch eine Insolvenz aus der Schlinge gezogen. Die Anleiheschulden wurden beglichen und die Zinsen gezahlt. Allerdings mit dem Schönheitsfehler, dass das Geld, das der Staat den Anleihehaltern schuldete, vor der Rückzahlung durch die Inflation weitgehend entwertet worden war. Die Sorge vor Inflation führt also dazu, dass nach und nach Vermögen umgeschichtet werden und zwar von festverzinslichten Papieren in relativ inflationssichere Anlagen wie Immobilien, Unternehmensbeteiligungen, Edelmetalle und andere Sachwerte.
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