Die Klimawissenschaft igelt sich mehr und mehr ein

Steffen Hentrich

Derzeit beherrscht die Debatte um einen Aufsatz der Klimaforscher Roy Spencer und William Braswell über den Einfluss der Wolkenbildung auf die globalen Temperaturveränderungen ebenso Blogosphäre und Medien, wie der spektakuläre Rücktritt des Herausgebers Wolfgang Wagner vom Fachjournal Remote Sensing. Wagner ist nach eigener Aussage der Meinung, dass die Autoren des Aufsatzes die Kritik an ihrer Forschung in der Vergangenheit nicht ernst genommen hätten, weshalb der Aufsatz nie hätte veröffentlicht werden dürfen.

Ein Blick hinter die Kulisse dieses Aufruhrs zeigt jedoch, dass es in dieser Angelegenheit weniger um ein Problem der wissenschaftlichen Qualität der Klimaforschung, als um eine gnadenlose Politisierung der Klimawissenschaften bis hinein in die Kreise der Wissenschaftler selbst geht. Eine Reihe kritischer Experten hat in der Blogosphäre bereits klar ausgesagt, dass an der wissenschaftlichen Integrität der Autoren und ihrer Arbeit kein Zweifel bestehe und vorhandene Fehler keineswegs ein derartiges Vorgehen rechtfertige (Roger Pielke Sr., Judith Curry, Steven McIntyre). Roy Spencer selbst erklärt auf seinem Weblog, warum die Vorwürfe gegenüber seiner Forschungsarbeit unbegründet sind und belegt dies mit mehreren weiteren Blogeinträgen (hier und hier). Auch Wagner gibt in seiner Begründung zum Rücktritt zu, dass der Review-Prozess allen formalen Ansprüchen genügte. Spekulationen, nach denen die Reviewer selbst skeptische Positionen bezüglich des herrschenden Dogmas von der temperaturgetriebenen Veränderung der Wolken und dem dadurch ausgelösten positiven Feedbackprozess vertreten, hält selbst er nicht für einen Grund, den Aufsatz nicht zu veröffentlichen. Seinen Rückzug begründet er jedoch damit, dass die Thesen von Spencer und Braswell bereits vor der Veröffentlichung des Aufsatzes widerlegt gewesen seien, was aber im Reviewprozess nicht berücksichtigt worden sei. Das jedoch, so zeigt die aktuelle Diskussion in der Blogosphäre (siehe die o.g. Beiträge von Roger Pielke Sr. und Judith Curry), entpuppt sich als eine unzutreffende Schutzbehauptung, mit der offenbar der politische Hintergrund des Rückzugs verschleiert werden soll. Schon liest man erste Hinweise im Internet, dass Wagner möglicherweise auf Druck des wissenschaftlichen Establishments seinen Hut zog. Schließlich gäben selbst grobe Fehler im Reviewprozess keinen Anlass für einen Rückzug des Herausgebers, sondern bestenfalls eine Gelegenheit für Kritiker, eine entsprechende Fehleranalyse in dem Fachblatt zu veröffentlichen.

Wissenschaftliche Forschung und der Austausch von Forschungsergebnissen sollten in einem offenen Prozess stattfinden, wobei dessen politische Implikationen jenseits des Kompetenzbereichs der Wissenschaft stehen. Welche Schlussfolgerungen man aus den Forschungsergebnissen der Klimawissenschaft zieht, sollte der Politik überlassen bleiben, jedoch ohne Einfluss auf den Wissenschaftsbetrieb selbst bleiben. Da jedoch die Finanzierung der wissenschaftlichen Forschung und die Besetzung von Forschungsposten nicht ohne den Einfluss der Politik erfolgt, erscheint der Anspruch einer von politischem Kalkül unbeeinflussten Forschung illusionär. Auch in diesem Fall ist wieder einmal klar geworden, wie schnell Ideologie und Politik zu wissenschaftlichen Sackgassen führen können und wie groß die Gefahr ist, dass um eine wissenschaftliche Lehrmeinung zur intellektuellen Immunisierung eine Mauer gezogen wird. Für die Reputation der Vertreter des vermeintlichen klimawissenschaftlichen Konsenses dürfte diese Geschichte am Ende nicht zuträglich sein.

Dieser Beitrag ist eine leicht überarbeitete Fassung eines Beitrags bei Ökowatch.

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