Monatsarchiv: August 2011

Frankreichs Krise

Detmar Doering

Frankreich ist besonders stolz auf sein Sozialmodell – insbesondere, wenn man es mit dem Amerikas vergleicht (oder was man dafür hält). Dieses sei aber sehr teuer, so kommentiert Vesselina Spassova vom Institute for Research in Economic and Fiscal Issues, und ließe sich nur noch mit ständig neuer Verschuldung aufrecht erhalten. Ob Präsident Sarkozy den Mut aufbringe, hier mutige und notwendige Reformen zu unternehmen, sei mehr als zweifelhaft.

Crashs: Kleiner Historischer Trost

Detmar Doering

Mit der Tulpenmanie von 1637 begann es…

Unsere Generation erlebt zur Zeit eine Finanzkrise, die es so lange nicht mehr gegeben hat. Vielleicht ist es ein kleiner Trost, wenn man weiß, dass wir da nicht alleine stehen. Schon zu früheren Zeiten hat es immer wieder solche (oder noch schlimmere) Crashs gegeben.

Die Zeitschrift Capital hat jetzt einen kurzen Crash-Kurs zu den Crashs veröffentlicht – einen kleinen Überblick der größten Finanzkrisen von der Tulpenpanik im 17. Jahrhundert über die Gründerpleite nach der Reichsgründung bis in unsere neuere Gegenwart. Krisen gabe es immer wieder.

Wenn der Iran die Bombe hat

Detmar Doering

Allen Beschwichtungen  zum Trotz arbeitet der Iran mit hoher Energie daran, die Atombombe zu besitzen – was früher oder später gelingen wird. Im Westen versucht man dieses unangenehme Faktum zu verdrängen, während diese Aussicht im Nahen Osten selbst schon jetzt zu strategischen Verschiebungen und einem sub-atomaren Rüstungswettlauf führt.

Was kann der Westen tun? Die Optionen würden, so schreibt in diesem Beitrag Thomas Rid (King’s College London) in der Zeitschrift Internationale Politik, verengter:

„Der Westen steht also vor einer Entscheidung, die vielleicht bald keine mehr ist: sich entweder solch harten und unangenehmen Fragen einer äußerst risikoreichen und kostspieligen Abschreckungsstrategie zu stellen. Oder ernsthaft in Erwägung zu ziehen, das iranische Atomprogramm mit einem ebenfalls risikoreichen Einsatz militärischer Gewalt zu verzögern. Bald könnte diese zweite Option nicht mehr zur Verfügung stehen.“

Die Fehler der Eurobonds-Verteidiger

Gérard Bökenkamp

Auf  dem Blog Wirtschaftliche Freiheit hat der Ökonom Jan Schnellenbach auf die desaströsen Folgen, die Eurobonds hätten, aufmerksam gemacht. Der Grundfehler der Verteidiger von Eurobonds besteht darin, dass sie von einer mechanischen Sichtweise ausgehen und die politische Dynamik unterschätzen, die ein gemeinsamer Zinssatz für die gesamte Eurozone zur Folge hätte:

„So ist man dann doch erstaunt, wenn man liest, daß Robert von Heusinger in der Frankfurter Rundschau argumentiert, daß das Zinsniveau von Eurobonds sich auf dem deutschen Niveau einpendeln wird, für Deutschland also gar keine Mehrkosten entstehen werden. Er macht, völlig klischeehaft, den Fehler, den schon Generationen keynesianischer Saldenmechaniker gemacht haben und blendet die politischen Anreizprobleme einfach aus.

Eurobonds werden für Deutschland sehr teuer. Es mag sein, daß es erstmal auf einem niedrigen Zinsniveau losgeht, hinreichenden und überschießenden Optimismus der Anleger vorausgesetzt. Aber der Vertrauensverlust in die noch zu schaffenden Institutionen wird eher früher als später einsetzen, wenn die Schuldenstandsquoten der üblichen Verdächtigen sich wieder eher verschlechtern als verbessern. Denn eines ist sicher: die neuen europäischen Spielregeln werden so dysfunktional wie die alten. Mindestens.“

Irene hilft nicht

Detmar Doering

Paul Krugman äußerte letztens, dass ein Angriff von Aliens vielleicht die Wirtschaft stimulieren würde. Larry Summers erhoffte sich dergleichen vom japanischen Erdbeben. Die seltsame Theorie, dass Schaden Nutzen sei, ist nicht kleinzukriegen.

Vorsorglich argumentiert Art Carden in Forbes, dass nun angesichts des Hurricans Irene in den USA doch bitte schön niemand solch plump falsche Hoffnungen verbreiten sollte. Katastrophe bleibt Katastrophe.

Wem gehört die Farbe grün?

Steffen Hentrich

Statt eine Auseinandersetzung über  politische Inhalte zu führen hat das Bündnis 90/Die Grünen die Grüne Alternative Freiburg wegen einer angeblich widerrechtlichen Verwendung eines Teils ihres Namens verklagt. Auch hier zeigt sich wieder einmal, dass die Reklamation von immateriellem Eigentum an mehr oder weniger banalen Dingen, immer dann angewandt wird, wenn der etablierte Platzhirsch Angst vor ernst zu nehmender Konkurrenz bekommt, es selbst aber an der nötigen Originalität und Innovationskraft fehlen lässt den Wettbewerb mit lauteren Mitteln zu bestehen. Laufen Entsorgungsunternehmen bald Gefahr, wenn sie ihre „Grünen Tonnen“ aufstellen oder riskieren vom Ökotrend genervte Großstädter eine Klage, wenn sie ihrem Bionaden-Kiez liebevoll den Titel „Grüne Vorhölle“ geben?

Wirtschaft und Sicherheit: ein Zusammenhang

Detmar Doering

„Insgesamt zeigt sich in der Welt eine Tendenz der nationalen Insichkehrung“, schreiben besorgt Tim Stuchtey und J. Chase Gummer in diesem Arbeitspapier des Brandenburgischen Instituts für Gesellschaft und Sicherheit (BIGS). Die wirtschaftlichen Ungleichgewichte, die uns seit der Finanzkrise sichtbar bedrücken, hätten auch eine sicherheitspolitische Dimension. Die Turbulenzen und die nun nötigen Anpassungsmaßnahmen  (deren Funktionieren keineswegs garantiert ist) führten zu verkappten Protektionismen und zur inneren Destabilisierung von Staaten.

Aussage steht gegen Aussage

Steffen Hentrich

Wie weit entfernt die Klimaforschung von dem immer wieder betonten Konsens tatsächlich ist demonstrieren dieser Tage die Klimaforscher Stefan Rahmstorf und Roy Spencer auf ihren jeweiligen Weblogs. Während Rahmstorf wie gewohnt den Teufel an die Wand malt, tropische Wirbelstürme zu Vorboten des Klimawandels hochstilisiert, dazu Wissenschaftler und deren Daten zitiert, präsentiert Spencer Indizien des genauen Gegenteils. Demnach gibt es seit 40 Jahren keinen signifikanten Aufwärtstrend der Anzahl und Intensität tropischer Wirbelströme. Mit anderen Worten wissen wir bis heute nicht, ob und inwieweit ein sich wandelndes Klima Einfluss auf die Stärke und Häufigkeit von Naturkatastrophen hat. Gegen diese Unsicherheit helfen auch keine Modellrechnungen, wenn sich diese anhand der realen Daten nicht validieren lassen. Damit stehen aber auch sämtliche klimapolitischen Schlussfolgerungerungen aus den Prognosemustern des IPCC, die aber empirisch nicht existent sind, auf tönernen Füssen. Allein eine Anpassung an das Unvermeidbare, die immer wiederkehrende Gewalt der Natur, lässt sich daher mit gutem Gewissen begründen. Klimaschutz durch die Reduktion von Treibhausgasemissionen, deren volkswirtschaftliche Kosten zum Teil erheblich sind, hieße Spatzen mit Kanonen zu beschießen, und zwar schon zu einem Zeitpunkt, in dem nicht einmal das Ziel richtig zu erkennen ist.

Auch eine Demokratiekrise

Detmar Doering

Die Schuldenkrise der EU und die Art, wie zurzeit versucht wird, sie zu meistern, führen bereits jetzt zu einem massiven Vertrauensverlust der Bevölkerung in die EU-Institutionen. Die Schuldenkrise gehe, so kommentiert Johannes Vogel MdB in der FAZ, in eine Demokratiekrise über.

„Brüssel muss föderal und subsidiär auf fragwürdige Zuständigkeiten wie die Agrarpolitik verzichten und erhält dafür mehr Kompetenzen in der Außenpolitik und der wirtschaftspolitischen Koordinierung. Verglichen mit heute, brauchen wir also ein Europa der besseren Institutionen und der klareren Regeln, an die sich künftig jeder hält. Nur so wird es ein Europa des inneren Zusammenhalts geben, das (auch) künftige Krisen zu meistern vermag.“

Ägypten: Volle Freiheit?

Detmar Doering

Diktator Mubarak ist gestürzt und steht zu Recht vor Gericht. Aber ist mit dem Sturz die volle Freiheit schon gewonnen? Das wird eine schwierige Aufgabe, bei der Rückschläge zu erwarten sind. Dass an Stränden in Ägypten nun das Tragen Bikinis verboten werden soll, stimmt wenig optimistisch.

Moderne Kriegsführung: Kulturell sensibel

Detmar Doering

Kulturelle Sensibilität war früher beim Marine Corps eher der Ausnahmefall...

Internationale Einsätze, die Truppen mit äußerst verschiedenen Kulturmilieus konfrontieren, verlangen heutzutage einen hohen Grad an Anpassung. Dieser Faktor wurde von den Militärs einst (s. Bild) als vernachlässigbar eingestuft, gilt aber heute als entscheidend für den militärischen Erfolg. man muss nicht nur den Feind besiegen, sondern die Herzen der einheimischen Bevölkerung gewinnen, will man einen nachhaltigen Sieg eringen.

So wird bei heutigen Konflikten „diversity management“ zur Richtschnur moderner Kriegsführung, die immer mehr auf kulturelle Sensibilisierung statt auf rohe Gewalt baut. Das kann dem Soldaten  vor Ort oft sehr viel abverlangen. Gewohnheiten, die dem westlichen Menschen in der Öffentlichkeit als völlig selbstverständlich und als unveräußerliches Grundrecht gelten, so berichtet  nun die amerikanische Marine Corps Times, sollten etwa in Afghanistan zurückhaltender praktiziert werden – auch wenn den betroffenen Soldaten dabei die afghanische Kultur weiterhin völlig unverständlich und rätselhaft bleiben muss.

Keine Kostenexplosion im Gesundheitswesen?

Steffen Hentrich

Im Zuge des demografischen Wandels hin zu einer alternden Bevölkerung wird immer wieder vor einer Kostenexplosion im Gesundheitswesen gewarnt. Nach der sogenannten Medikalisierungsthese werden die Menschen zwar immer älter, verbringen die hinzugewonnenen Jahre jedoch überwiegend in Krankheit. Vertreter der Kompressionsthese halten dem entgegen, dass sich die in Krankheit verbrachte Lebenszeit verkürzt und der Kostenanstieg in ein höheres Lebensalter verschiebt. Demzufolge kommen beide Ansätze zu unterschiedlichen Prognosen über den zukünftigen Kostenanstieg im Gesundheitswesen. Ein Beitrag im aktuellen Heft „Wirtschaft und Statistik“ versucht sich den Konsequenzen dieser Annahmen mit einer Schätzung zu nähern und stellt dabei fest, dass unter der Annahme beider Konzepte nicht zwangsläufig mit einer Explosion der Behandlungs- und Sterbekosten zu rechnen ist. Zwar nehmen die Kosten zu, jedoch nicht explosiv mit steigenden Zuwachsraten. Allerdings wird auch deutlich, dass im Kompressionsszenario ein wesentlich geringerer Kostenanstieg zu verzeichnen ist als unter den Bedingungen einer Fortschreibung des Status Quo.

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