Detmar Doering
Eine empirische Studie von Marcus Böhme und Rainer Thiele für das Institut für Weltwirtschaft zeigt, dass sich die Wirtschaftsstruktur in Afrikas Städten langsam weg von der Dominanz des informellen Sektors hin zum formellen Sektor bewegt. Dies mag etwas mit Wohlstandssteigerungen zu tun haben, die eine höhere Präferenz für qualitativ hochwertigere Produkte hervorbringt, die der informelle Sektor in geringerem Umfang produziert.
Verstärkt werden könnte diese Entwicklung, die den Wohlstandin Afrika erheblich maximieren könnte, dadurch, dass die Zugangsschranken (etwa ein korruptes Rechtssystem oder Mangel an klaren Eigentumsrechten) für den Eintritt in den Formellen Sektor erleichtert werden. “As long as the high entry barriers previously identified for West Africa … continue to limit the adjustment possibilities of informal entrepreneurs, the growth process of the urban economy is unlikely to be pro-poor”, schreiben die Autoren.
Trotzdem ist der informelle Sektor in Afrika immer noch ein Symptom des schlechten Geschäfts-und Investitionsklimas. Wenn Menschen gute Gründe haben, ihre wirtschaftliche Tätigkeit vor dem staatlichen Zugriff zu verstecken, weil es keine effektiven Interessenvertretungen, eine endemische Korruption, eine überbordende Bürokratie und keine echte juristische Absicherung gibt, kann dieses Potential nicht genutzt werden. Der informelle Sektor ist von Armut geprägt.
In deutschen Medien ist Afrika-Optimismus angesagt. Doch die These, der Kontinent befände sich auf gutem Weg, hält der Nachprüfung nicht stand. Von autokratischen Regimen in Eritrea, Äthiopien,Zimbabwe, Gambia bis zu den Schüssen auf regierungskritische Demontranten in Malawi sind Korruption und Brutalität fast die Regel. Der gepriesene Wirtschaftsboom Angolas und Nigerias mit Wachstumsraten bis zu acht Prozent kommt -mit Hilfe von amerikanischen und chinesischen Konzernen- raffgierigen Eliten zugute, nicht aber dem Volk, für das Erdöl oder Diamanten ein Fluch ist.
Volker Seitz,Autor”Afrika wird armregiert”