Steffen Hentrich
Der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler übt in seiner persönlichen Erklärung zur “Energiewende” Kritik an den fundamentalen Problemen einer staatlichen Lenkung der deutschen Energiewirtschaft:
Anstatt eines Ordnungsrahmen, der das erste Mal in der Geschichte Marktpreise für die Erzeugung von Kernenergie ermöglicht hätte, schreiben wir auch dem Rest der Branche vor, wie er zu funktionieren hat. Wir planen von der Spitze herab, wie viele Gaskraftwerke zu bauen und Kilometer Überlandleitungen zu errichten sind. Wir greifen ein in das Preisgefüge bei Strom aus so genannter erneuerbarer Energie, indem wir umfangreiche Subventionstatbestände schaffen. Wir planen hier in Berlin, welcher Anteil des Stroms aus welcher Quelle produziert werden soll.
…
Wir entscheiden heute nicht nur über ein mit einer schönen Bezeichnung ausgestattetes Gesetzespaket, sondern nehmen auch dessen Folgen billigend in Kauf. Die Zentralverwaltungswirtschaft führte im Sozialismus der DDR dazu, dass die Menschen Schlange standen, um Orangen und Bananen zu erhalten. Das oder die Benutzung des Schwarzmarkts waren die einzigen Wege, um Waren mit staatlich festgelegten Preisen zu erhalten. Die Eingriffe in die Energiewirtschaft werden zur Deindustrialisierung in energieintensiven Branchen und zur Zuteilung von Strom-Verbrauchszeiten führen. Wir werden die wohlstandsfeindlichen Folgen der zentral verwalteten Energiewirtschaft in Deutschland beobachten können. Denn die ökonomischen Gesetze sind von der Politik unbezwingbar.
Fehlt da der Name im 1. Satz?
Ja, sorry, korrigiert.
Wie in der Europroblematik so hat MDB Schäffler gewiss auch in der Energiefrage hundertprozentig recht. Ich kann ihm nur für seinen Mut und seine klaren Stellungnahmen danken.
Auch ein mit noch so großer Mehrheit im Bundestag beschlossenes Gesetzespaket hat nicht die Macht, die Gesetze des Marktes außer Kraft zu setzen. Es hat schon gar nicht die Macht, die vier Grundrechenarten und die unveränderlichen Naturgesetze zu besiegen.
Aus den Naturgesetzen folgt die Erkenntnis, dass Wind und Sonne unkalkulierbar sind und daher keine verlässlichen Stromlieferanten. Die Naturgesetze belehren uns weiter, dass man Strom nicht in erforderlichem Maße speichern kann. So müsste man z.B. die gesamte Wassermenge des Bodensees 100 m hochpumpen und bei Bedarf durch Turbinen wieder abwärts strömen lassen, um nur den durchschnittlichen Strombedarf Deutschlands von 4 Wochen zu speichern. In einem kalten, windarmen Winter mit Dauerhoch über Mitteleuropa brauchte man aber mindestens eine Stromreserve von 2 1/2 Monaten. Pumpspeicherwerke in dem erforderlichen Umfang zu bauen, ist einfach technisch und ökonomisch vollkommen unmöglich. Dafür gibt es weder ausreichend geeignete Standorte noch ausreichen Süßwasser, wenn man nicht Jahrzehnte warten will.
Da kein sonstiger physikalischer Effekt bekannt ist, mit dessen Hilfe man Strom in erforderlichem Maße speichern könnte, ist die Voraussage erlaubt, dass auch in 50 Jahren Wind- und Solarkraftwerke die Stromversorgung Deutschlands nicht gewährleisten können.
Die Gesetze der Ökonomie nun aber werden dazu führen, dass niemand, der am Markt sein Geld verdienen muss, Kohle- oder Gaskraftwerke als Reserve für den Fall, dass weder die Sonne scheint noch der Wind weht, in Deutschland bauen wird, weil das EEG eine Wirtschaftlichkeit dieser Kraftwerke verhindert: Der Einspeisevorrang für Wind- und Solarstrom führt ja dazu, dass die traditionellen Wärmekraftwerde ständig herauf- und heruntergefahren werden müssen, was sie unwirtschaftlich macht.
Wenn der Staat als Reserve für die Solar- oder Windkraftwerke also Kohle- oder Gaskraftwerke will, muss er sie schon selbst bauen oder durch riesige Subventionen wirtschaftlich absichern.
Das alles wird zu einem weiteren explosionsartigen Anstieg der Strompreise führen. In Deutschland ist der Strom heute schon doppelt so teuer wie in Frankreich. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die deutsche Industrie wie einst die Bürger der DDR mit den Füßen abstimmt und in großem Maße Produktionsstätten in Deutschland schließt und ins Ausland geht.
Fazit: Die vom Bundestag beschlossene Energiewende führt zum wirtschaftlichen Ruin Deutschlands.
@ Reiner Vogels
Nein, zum Ruin sicher nicht, dazu ist Deutschland wirtschaftlich nun doch viel zu leistungsfähig. Es werden ganz normale Wohlstandsverluste sein, die die einen mehr, die anderen weniger stark spüren werden. Das Geld fehlt dann punktuell an anderer Stelle. Bestenfalls bei unsinnigen Subventionen, schlimmstenfalls in Forschung & Bildung.
Und die Kernkraft wird ja mit ziemlicher Sicherheit wiederkehren, vielleicht so in 20-25 Jahren. Dann allerdings mit ganz anderer Reaktoren und ganz anderen Herstellern.
@ Tim
Ich fürchte, Sie unterschätzen die Dynamik, die von überhöhten Strompreisen in einer Industriegesellschaft ausgeht. Es ist ja nicht nur so, dass die Aluminiumindustie, wie Herr Kleinfeld, der CEO von ALCOA, gesagt hat, nicht daran denkt, in Deutschland Produktionsstätten zu errichten. Es ist auch nicht nur SGL Carbon, das die Produktion von Kohlefasterstoffen nicht in Deutschland, sondern in den USA aufbaut. Es gibt eine ganze Reihe von Industrien, die der ständig steigende Strompreis aus Deutschland vertreiben wird. Damit gehen viele Primärarbeitsplätze auf Dauer verloren. Sekundärarbeitsplätze fallen dann auch fort. Viele gut ausgebildete junge Menschen werden dann in Deutschland keine berufliche Zukunft mehr sehen und im Ausland ihr Glück versuchen, versuchen müssen.
Schließlich wird der künstlich verteuerte Strompreis zu einem riesigen Abschöpfungsmechanismus bei jedem einzelnen. Kaufkraft in Milliardenhöhe wird buchstäblich in den Wind geschrieben. Wo kaufkräftige Nachfrage ausfällt, wird die Wirtschaft insgesamt schrumpfen. Dies ist ein lawinenartig sich selbst verstärkender Effekt. Gewiss, wir werden nicht so schnell auf das Niveau von Somalia oder Haiti absinken, aber schon die halbe Wegstrecke dorthin wird eine Katastrophe sein. Das einzig “Nachhaltige” an der gegenwärtigen Politik ist die nachhaltige Zerstörung der wirtschaftlichen Leistungskraft Deutschlands.
Im übrigen stimme ich Ihnen, was die Kernkraft betrifft zu. Die Realität wird ein harter und unerbittlicher Lehrmeister sein. Deutschland wird, hoffentlich nicht erst in 20 oder 25 Jahren, erkennen, dass es ohne Kernkraft auf Dauer in einem Industrieland nicht geht. Leider wird Deutschland die Reaktoren dann aber nicht mehr bei Siemens – die verlegen sich auf auf die mittelalterliche Technik des Windmühlenbaus – bestellen können, sondern teurer im Ausland.
@ Reiner Vogels
Das sehe ich anders: Gott sei Dank wird Deutschland die Reaktoren dann nicht mehr teuer bei Siemens bestellen, sondern günstig im Ausland.
Und auch bei den anderen Punkten sehe ich nicht so schwarz wie sie. Energieintensive Produktion wird ja schon jetzt fleißig ins Ausland verlagert, ohne daß es katastrophale Folgen hätte. Die Unternehmen kommen prima damit klar, bestimmte (eher schlecht) ausgebildete Beschäftigte aber natürlich nicht. Halt das Übliche im Irrsinn der deutschen Wirtschaftspolitik. Am Ende kann die Politik wie immer auf die üblen Folgen des Kapitalismus schimpfen.
@Tim
Tut mir leid, aber ich halte die Analyse von Reiner Vogels für realistischer. Da könnte sich tatsächlich eine Abwärtsspirale auftun.