Als ob uns die EU zurzeit nicht genug zu schaffen macht…

Detmar Doering

… jetzt denkt man in der EU-Kommission auch noch wieder einmal über eine eigene Europasteuer nach. Dies berichtet die Welt. Auweia…

Eine Antwort zu Als ob uns die EU zurzeit nicht genug zu schaffen macht…

  1. Meine derzeitige Interpretation: Krisen sind Antriebskräfte für (und gleichzeitig Ausdruck von) strukturelle(n) Veränderungen. Über Richtung und subjektive Rezeption dieser Veränderungen ist mit dieser Interpretation nichts gesagt. Das kann man auch objektiv nicht. Die soziale Resonanz (von der Kleingruppe bis zur großgesellschaftlichen Reaktion) muss inter-subjektiv erschlossen werden. Eine Folge menschlicher Sozialwesenheit (und damit Sozialgebundenheit) ist die Anpassung an die jeweiligen, sich strukturbedingt herausbildenden, neuen Zeiten. Dazu gehört die Positionierung (als Individuum, Gruppe, Gesellschaft; als Wirtschaftssubjekt, Investor, Arbeitnehmer, etc.) “gegenüber” bzw. in den Strukturen. Diese Positionierung erfolgt auf Basis eigener (persönlichkeitsstruktureller) Gegebenheiten und daraus resultierender Präferenzen.

    In einer Umbruchphase ist die soziale Grundstruktur in Bewegung. Hier kann man sich auch als Akteur relativ variabel bzw. mit Auswahlmöglichkeiten positionieren. (Trotzdem nicht losgelöst, sondern weiterhin persönlichkeitsstruktur-gebunden, aber zumindest theoretisch eher beweglich als in den stabilen Phasen der Grundstruktur der Gesellschaft). Im Fallbeispiel hieße das, man könnte (und muss?) sich theoretisch wahlweise (vielleicht dabei praktisch jedoch nur mit dualistischen Alternativen) positionieren: Pro Vertiefung und Verstaatlichung/Zentralisierung der EU oder Kontra diese Entwicklungsrichtung.

    Aber wenn die “neue Zeit” (mit ihren neuen Strukturen und Bedeutungskonstruktionen) einmal etabliert ist, muss man sich wieder an dieser orientieren und messen, wenn man Alternativen aufzeigen will. Dann gilt die neue Großstruktur (bzw. die neuen Sub-Strukturen) als ‘Normalzustand’. Das könnte in diesem Fall der EU-Entwicklung heißen: Die EU als steuereinnehmender Staat, der (u.a. nach Bürokratie-Theorie des Public Choice) seine Steuerkompetenzen (wenn einmal damit begonnen wurde) sukzessive ausbauen wird. Das wäre dann aber nur noch ein gradueller Prozess, kein struktureller Umbruch mehr. Ein neuer Umbruch wäre dann (meiner punktualistischen Interpretation nach) erst wieder (als und) mit einer Krise zu erwarten.

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