von Peter Altmiks
Kürzlich ist ein neues Argument der Freiheit erschienen. Der Stipendiat der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Wolf von Laer, beschäftigte sich in seiner Diplomarbeit mit den Problemen des etablierten Notenbankensystems und den Möglichkeiten einer wettbewerblichen Geldordnung. Während Wettbewerb und Unternehmertum in den meisten Bereichen als nützlich für die allgemeine Wohlfahrt angesehen würden, überantworte man die Geldproduktion dem Staat und seinen Zentralbanken. Man gehe sogar so weit, die Herausgabe und den Vertrieb von nicht staatlichen Währungen zu verbieten. Dabei weist von Laer anhand des Beispiels des US-amerikanischen Federal Reserve Systems (FED) nach, dass das FED die eigenen Zielstellungen nicht erfüllt habe. Angesichts eines hohen Werteverfalls des US-Dollar, eines stagnierenden Wirtschaftswachstums, eines weder moderaten noch langfristig stabilen Zinsniveaus und der Zunahme von Intensität und Häufigkeit von Wirtschaftskrisen, habe das FED äußerst bescheidene Erfolge erzielt.
Vor allem beschäftigt sich von Laer mit den Einwänden gegen ein Free Banking. Weder sei Geld ein öffentliches Gut, noch müsse die Geldmenge in Proportion zum Wirtschaftswachstum erhöht werden und dies durch staatliche Zentralbanken gewährleistet werden. Auch werde das Argument der höheren Transaktionskosten bei einem eventuellen Free Banking überbewertet. Anbieter und Konsumenten von Geld hätten dasselbe Ziel und es spräche nichts dafür, dass sich „zu viele“ Gelder auf dem Markt herausbilden würden. Zudem müssten die vielfältigen Kosten des herrschenden Fiatgeldstandards gegen gerechnet werden.
Von Laer kommt zu dem Schluss: „Die Wegnahme der Notenpresse für den Staat würde der unendlichen Ausdehnung desselben auf Kosten der eigenen Bürger Einhalt gebieten, fiskalische Vorsicht erzwingen, Kriege teuer und somit seltener werden lassen und auch die Oligopolisierung und die Macht des Finanzsektors einschränken und die Wirtschaft wieder auf eine Basis von realen Werten und Produktivität zurückführen.
Sie scheinen nicht zu verstehen, was ein Monopol ist.
Hört sich alles super an, aber wie soll es in der Praxis dazu kommen, wenn nicht mal die FDP sich traut über entsprechende politische Forderungen nachzudenken, sondern stattdessen eifrig daran arbeitet, die letzten verbliebenen Reste von echtem Liberalismus aus ihrem politischen Profil zu verbannen und lieber plan- und ziellos der gefühlten “Mitte der Gesellschaft” nachzurennen?
Überzeugt mich nicht.
Am Ende der Kritik des Zentralbankensystems (und diese Schwächen dieses Systems sehe ich ja auch) kommt als Alternative wieder nur der olle Goldstandard (nichts anderes ist sein “free banking”).
Und dessen Nachteile sind nun auch hinlänglich bekannt. Insbesondere schützt er ausweislich intensiver historischer Erfahrung eben nicht vor Ausweitung des Staates, Krieg, fiskalischer Unvorsicht und von der wirtschaftlichen Realität abgekoppelten Finanztransaktionen.
Das Geldsystem ist dafür da, da zu sein. Es ist eine Konstruktion, die eine bestimmte Logik hat.
Die derzeitige Geldpolitik (die vom politischen Teilsystem der Gesellschaft gelenkt und sanktioniert wird) macht u.a. die großen Banken und Primärnutzer des inflationierten Niedrigzinsgeldes zu Gewinnern, aber gleichzeitig zu Getriebenen der fehlgeleiteten (vermeintlichen) “Konjunkturankurbelung”. Durch das Vorhandensein der inflationierten zusätzlichen Geldmengen sind die Primärempfänger gezwungen, das Geld auch zu verwenden. Sie stecken es in Vermögens- und Investitionsgüter und schaffen dadurch Asset-Inflation und Blasen. Das war der Grund für die Immobilienblase, das wird auch der Grund für die nächsten Blasen sein. Quantitative Easing und seine Verwandten machen es möglich. Entgegen aller populistischen, aber verheuchelten “Gier”-Thesen: Es macht es für die Investoren auch zwingend nötig, das Geld irgendwo hineinzublasen. Denn wenn ein Investor das inflationierte Geld nicht nimmt und nicht in Blasen steckt [so lange sie nominell-praktisch noch rentabel sind], dann macht es sein Konkurrent und er ist weg von der Möglichkeit, sein Eigentum durch Investitionen zu sichern/erhalten.
Primärquelle: http://www.faz.net/s/Rub9A19C8AB8EC84EEF8640E9F05A69B915/Doc~EB615136E6B6D4C66A3635B0EBC001655~ATpl~Ecommon~Scontent.html