Steffen Hentrich
Haben Sie schon einmal folgende Zeitungsschlagzeile gesehen? „Immer mehr Autos werden von Komponisten repariert“ oder „Informatikermangel: Softwarehersteller lassen von Zahnärzten programmieren“. Nein, sicher nicht, denn hier sorgt ein ausreichender Lohn für die notwendige Anzahl von Fachkräften. Die Nachfrage der Kunden nach Qualität lässt kaum Spielraum für die Beschäftigung von nicht ausreichend qualifizierten Fachleuten, die Vergütung von Spezialisten muss dem Rechnung tragen und macht den Erwerb dieser Qualifikation lohnenswert. Zu einem chronischen Abweichen von Angebot und Nachfrage kommt es nicht.
Anders ist die Situation an Berlins Grundschulen, in denen in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern massiver Fachlehrermangel herrscht, so dass der Unterricht von fachfremden Pädagogen übernommen werden muss. Ursache ist der Mangel an Fachkräften, für die bei den gegeben Arbeitsbedingungen und der herrschenden Entlohnung ein Lehramtsstudium kaum mehr attraktiv ist. Kein Wunder, spielt doch für die Vergütung der Lehrer an Deutschlands Schulen das Verhältnis von Angebot und Nachfrage nur eine untergeordnete Rolle. Bezahlt wird nicht nach Bedarf, sondern nach Bundesbesoldungsverordnung, die je nach Schulart eine vergleichsweise starre Eingruppierung vornimmt. Unterschiede in der Knappheit der Fachlehrer und der Arbeitsbelastung, die auf freien Märkten enorme Lohndifferentiale bewirken, existieren nicht, weshalb sich die zukünftigen Lehrer schon in ihrer Ausbildung auf die Beschäftigungsmöglichkeiten konzentrieren, bei denen später am besten verdient werden kann. Wen wundert es, wenn in Berlin kaum Grundschullehrer verfügbar sind, wenn Lehramtsabsolventen am Gymnasium eine ganze Gehaltsstufe mehr verdienen.
Durch eine einfache Anhebung der Lehrergehälter an Grundschulen wird dieses Problem nicht zu beheben sein. Notwendig ist mehr Autonomie der Schulen bei der Bezahlung ihres Lehrpersonals, ebenso wie Unternehmen ihre Fachkräfte außertariflich nach Marktlage bezahlen können. Nur wenn Schulen in der Lage sind attraktive Marktlöhne zu zahlen, werden sie qualifiziertes Lehrpersonal beschäftigen und damit eine hohe Qualität des Unterrichts gewährleisten können. Das erfordert aber generell eine höhere Wettbewerbsautonomie der Schulen, die sich im Wettbewerb mit anderen Anbietern als Ausbildungsdienstleister für ihre Schüler und deren Eltern verstehen müssen. Als Finanzierungsalternative für ein derartiges Wettbewerbssystem stehen beispielsweise Bildungsgutscheine zur Verfügung. Mit diesen können die Eltern die Bildung ihrer Kinder an der Schule ihrer Wahl bezahlen. Schließlich geht es nicht nur um eine höhere Attraktivität des Lehrberufs, sondern vor allem um die Zukunftschancen unserer Kinder. Und die sollten uns schon etwas mehr Wettbewerb wert sein.