Monatsarchiv: März 2011

Wenn der einst Verklagte selbst zum Kläger wird…

Steffen Hentrich

…sollte man langsam skeptisch werden, in welchem Interesse die Wettbewerbshüter tatsächlich operieren. Lange Jahre als Quasimonopolist selbst in der Schusslinie der europäischen Wettbewerbsschützer versucht sich der in Sachen Marktanteil mehr und mehr schwächelnde Software-Riese Microsoft jetzt selbst bei der EU-Kommission mit einer Wettbewerbsklage gegen Google Genugtuung zu verschaffen. Offenbar ist es einfacher mit Hilfe des Staates den Wettbewerb in die Knie zu zwingen als mit innovativen Produkten die Gunst des Kunden zurück zu gewinnen.

Lesen Sie hierzu auch einen aktuellen Beitrag in der New York Times und den FEE-Klassiker „The Immorality of Antitrust“ von D.T. Armentano.

Portugals Regierung: Warum sie fiel

Detmar Doering

Schulden und ein von beschäftigungslosen Akademikern überfluteter Arbeitsmarkt – das sind nur einige der Ursachen, kommentiert Ricardo Campelo des Magalhàes im Institute for  Research into Ecomonic and Fiscal Issues.. Er erinnert an Margaret Thatchers immer noch aktuellen Ausspruch: „They <d.h. die Sozialisten> always run out of other people’s money.“I

Free Banking als Alternative?

von Peter Altmiks

Kürzlich ist ein neues Argument der Freiheit erschienen. Der Stipendiat der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Wolf von Laer, beschäftigte sich in seiner Diplomarbeit mit den Problemen des etablierten Notenbankensystems und den Möglichkeiten einer wettbewerblichen Geldordnung. Während Wettbewerb und Unternehmertum in den meisten Bereichen als nützlich für die allgemeine Wohlfahrt angesehen würden, überantworte man die Geldproduktion dem Staat und seinen Zentralbanken. Man gehe sogar so weit, die Herausgabe und den Vertrieb von nicht staatlichen Währungen zu verbieten. Dabei weist von Laer anhand des Beispiels des US-amerikanischen Federal Reserve Systems (FED) nach, dass das FED die eigenen Zielstellungen nicht erfüllt habe. Angesichts eines hohen Werteverfalls des US-Dollar, eines stagnierenden Wirtschaftswachstums, eines weder moderaten noch langfristig stabilen Zinsniveaus und der Zunahme von Intensität und Häufigkeit von Wirtschaftskrisen, habe das FED äußerst bescheidene Erfolge erzielt.

Vor allem beschäftigt sich von Laer mit den Einwänden gegen ein Free Banking. Weder sei Geld ein öffentliches Gut, noch müsse die Geldmenge in Proportion zum Wirtschaftswachstum erhöht werden und dies durch staatliche Zentralbanken gewährleistet werden. Auch werde das Argument der höheren Transaktionskosten bei einem eventuellen Free Banking überbewertet. Anbieter und Konsumenten von Geld hätten dasselbe Ziel und es spräche nichts dafür, dass sich „zu viele“ Gelder auf dem Markt herausbilden würden. Zudem müssten die vielfältigen Kosten des herrschenden Fiatgeldstandards gegen gerechnet werden.

Von Laer kommt zu dem Schluss: „Die Wegnahme der Notenpresse für den Staat würde der unendlichen Ausdehnung desselben auf Kosten der eigenen Bürger Einhalt gebieten, fiskalische Vorsicht erzwingen, Kriege teuer und somit seltener werden lassen und auch die Oligopolisierung und die Macht des Finanzsektors einschränken und die Wirtschaft wieder auf eine Basis von realen Werten und Produktivität zurückführen.

Energiepolitik: Zeitfressendes Mammutprogramm

Gérard Bökenkamp

Roland Tichy weist in seinem Blog darauf hin, dass der Sachverständigenrat für Umweltfragen die Kosten für den Umbau zu regenerativen Energien voraussichtlich auf 1,45 Billionen Euro beziffert. Für 10-15 Jahre würdendie Hauptquelle für Energie zum Ersetzen der Kernenergie fossile Kraftwerke darstellen.

„Wir sollten uns verabschieden von einer öffentlichen Debatte, die von einem schnellen und billigen Umstieg träumt. Natürlich ist das möglich – langfristig. Es ist aber doch sehr erstaunlich, wie leichtfertig vage Ideen und visionäre Konzepte für die Tat genommen werden. Die großtechnische Umsetzung von Windparks, Gezeitenkraftwerken, Stromleitungen, Energiespeicheranlagen (für die es außer Speicherseen vorerst nur Konzepte gibt), aber auch flächendeckende Wärmedämmung und effizientere Maschinen für Industrie und Haushalt sind ein zeitfressendes Mammutprogramm.“

Die Widersprüchlichkeit des grünen Seins…

Detmar Doering

… kommentiert Johan Schloemann in der Süddeutschen Zeitung. Tugend predigen und es sich trotzdem gut gehen lassen, dass sei der zeitgeistige Lebensstil, der den Grünen die Wähler zutrage. Von der Stunde der Heuchler spricht er deshalb.

Vom Bock das Gärtnerhandwerk lernen?

Steffen Hentrich

Haben Sie schon einmal folgende Zeitungsschlagzeile gesehen? „Immer mehr Autos werden von Komponisten repariert“ oder „Informatikermangel: Softwarehersteller lassen von Zahnärzten programmieren“. Nein, sicher nicht, denn hier sorgt ein ausreichender Lohn für die notwendige Anzahl von Fachkräften. Die Nachfrage der Kunden nach Qualität lässt kaum Spielraum für die Beschäftigung von nicht ausreichend qualifizierten Fachleuten, die Vergütung von Spezialisten muss dem Rechnung tragen und macht den Erwerb dieser Qualifikation lohnenswert. Zu einem chronischen Abweichen von Angebot und Nachfrage kommt es nicht.

Anders ist die Situation an Berlins Grundschulen, in denen in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern massiver Fachlehrermangel herrscht, so dass der Unterricht von fachfremden Pädagogen übernommen werden muss. Ursache ist der Mangel an Fachkräften, für die bei den gegeben Arbeitsbedingungen und der herrschenden Entlohnung ein Lehramtsstudium kaum mehr attraktiv ist. Kein Wunder, spielt doch für die Vergütung der Lehrer an Deutschlands Schulen das Verhältnis von Angebot und Nachfrage nur eine untergeordnete Rolle. Bezahlt wird nicht nach Bedarf, sondern nach Bundesbesoldungsverordnung, die je nach Schulart eine vergleichsweise starre Eingruppierung vornimmt. Unterschiede in der Knappheit der Fachlehrer und der Arbeitsbelastung, die auf freien Märkten enorme Lohndifferentiale bewirken, existieren nicht, weshalb sich die zukünftigen Lehrer schon in ihrer Ausbildung auf die Beschäftigungsmöglichkeiten konzentrieren, bei denen später am besten verdient werden kann. Wen wundert es, wenn in Berlin kaum Grundschullehrer verfügbar sind, wenn Lehramtsabsolventen am Gymnasium eine ganze Gehaltsstufe mehr verdienen.

Durch eine einfache Anhebung der Lehrergehälter an Grundschulen wird dieses Problem nicht zu beheben sein. Notwendig ist mehr Autonomie der Schulen bei der Bezahlung ihres Lehrpersonals, ebenso wie Unternehmen ihre Fachkräfte außertariflich nach Marktlage bezahlen können. Nur wenn Schulen in der Lage sind attraktive Marktlöhne zu zahlen, werden sie qualifiziertes Lehrpersonal beschäftigen und damit eine hohe Qualität des Unterrichts gewährleisten können. Das erfordert aber generell eine höhere Wettbewerbsautonomie der Schulen, die sich im Wettbewerb mit anderen Anbietern als Ausbildungsdienstleister für ihre Schüler und deren Eltern verstehen müssen. Als Finanzierungsalternative für ein derartiges Wettbewerbssystem stehen beispielsweise Bildungsgutscheine zur Verfügung. Mit diesen können die Eltern die Bildung ihrer Kinder an der Schule ihrer Wahl bezahlen. Schließlich geht es nicht nur um eine höhere Attraktivität des Lehrberufs, sondern vor allem um die Zukunftschancen unserer Kinder. Und die sollten uns schon etwas mehr Wettbewerb wert sein.

Fukushima: Zuviel Panik ist nicht angebracht

Detmar Doering

Alle Zeichen deuten daraufhin, dass der Schaden durch die Katastrophe zwar enorm ist, aber manche hiesige Szenarien maßlos übertrieben sind. Die totale Kernschmelze kommt wohl nicht und die Probleme werden lösbar sein, erläutert Alexander Kekulé, Direktor des Instituts für Biologische Sicherheitsforschung in Halle, im Tagesspiegel.

Sorgen wegen Libyen? Aber was ist mit Syrien?

Detmar Doering

In Libyen hat sich die Weltgemeinschaft zum Einsatz entschlossen. Sollte der irre Diktator darüber fallen, so wäre dies mehr als wünschenswert. Die „post-gaddafische“ Zukunft ist aber ungewiss. Desgleichen gilt für die geostrategischen Perspektiven, die sich aus seinem Fall ergeben könnten.

Wenn man sich über so etwas Sorgen macht, dann muss der Blick auf Syrien fallen, wo es seit kurzem auf schwere Unruhen gibt. Das Land ist ebenso wie Libyen ein post-kolonialer Staat mit künstlichen Grenzen, der vielleicht nur mit Gewalt zusammengehalten wird. Zudem steht er noch mehr im Zentrum strategischer Interessen – Iran, Hisbollah, Israel, Libanon, um nur einige Stichworte zu nennen. Wieviel Instabilität kann man sich hier leisten, fragt sich der britische Nahostexperte Patrick Seale in foreign.policy, und wieviel Freiheit gewinnen? Das Land könnte schon bald zum internationalen Problemfall werden.

Fortschrittsangst

Detmar Doering

Vorwärts stand einst für Fortschritt...

Fortschrittsangst scheint besonders in dem politischen Lager beheimatet zu sein, dass sich früher als die Speerspitze des Fortschritts gerierte.

Irgendwie links sein, heißt heutzutage gegen Fortschritt sein.

Dabei wäre eine fortschrittliche Linke durchaus wünschenswert, kommentiert Michael Miersch in Cicero. Und auch sonst drohen die Fortschrittsfreunde zurzeit politisch arg heimatlos zu werden…

Märkte machen’s möglich: Biospritversicherung

Steffen Hentrich

Nachdem die Politik dem Verbraucher mit der Biospritquote den Kraftstoff E10 und seine möglichen Folgen für Fahrzeugmotoren eingebrockt hat, sind es die Unternehmen, die sich etwas einfallen lassen müssen, das Vertrauen der Konsumenten wiederzugewinnen. Shell geht jetzt mit einer E10-Versicherung an den Markt, die den Autofahrern E10 schmackhaft machen soll und gleichzeitig als Instrument der Kundenbindung dient. Das mag Kritikern als durchsichtiges Manöver erscheinen, ist jedoch nicht mehr als die folgerichtige Reaktionen eines Unternehmens auf das Versagen der Politik. Das grundsätzliche Problem des Biosprits, seine mangelnde Wirtschaftlichkeit, zweifelhafte Umweltwirkung und die Konkurrenz seiner Herstellung zur Produktion von Lebensmitteln, wird damit allerdings nicht gelöst. Hier kann keine Versicherung einspringen, hier bleibt eine Kurskorrektur in Berlin und Brüssel gefragt.

Die sind ja soooo bürgerlich geworden, die Grünen…

Detmar Doering

Werden sich die braven Bürgerlichen das gefallen lassen?

… denken anscheinend auch im bürgerlichen Baden-Württemberg viele Bürgerliche. Es kann sein, dass die ein böses Erwachen erleben. Das Programm der Grünen spricht nämlich eine andere Sprache. Der „Umbau“ der dortigen Automobilindustrie und eine forcierte ökologische Energiepolitik werden teuere Vergnügen. Schlimm könnte es auch in der Bildungspolitik werden. Man werde sich schon bald, so kommentiert Jan Fleischhauer auf Spiegel.online, im „Bildungskeller“ wiederfinden. Ob das dem braven Bürgerlichen im „Ländle“ gefällt?

Teurer Energiekult

Detmar Doering

Welche Art von Energieversorgung man liebt, scheint oft eine Frage des politischen oder ideologischen Standpunkts zu sein. Die einen veranstalten einen Kult um erneuerbare Energien – und vergessen dabei, dass sie dabei eine äußerst teure Energie durchpauken wollen. Die anderen setzen auf  einen Kult um Kernenergie – und vergessen dabei, dass sie dabei eine äußerst teure Energie durchpauken wollen.

Veronique de Rugy vom Cato Institute zeigt in ihrem Beitrag für reason.com, dass in der Energiepolitik alle möglichen Erwägungen eine Rolle zu spielen scheinen, aber nicht der Wunsch, ökonomisch effizient zu sein. Gerade die Kernenergie habe hier eine abnehmende Tendenz zu verzeichnen. Sie wurde  einst als billige Alternative zu herkömmlichen Energieträgern gepriesen und hat dieses Versprechen nie eingelöst.

Auf diesem Video fasst sie ihre Thesen noch einmal zusammen:

Bleibt als Fazit: Kernkraftrisiken und künstlich verteuerte Energierechnungen wären den Bürgern vielleicht erspart geblieben, wenn in der Energiepolitik ein wenig mehr marktwirtschaftliche Prinzipien herrschten.