Ist Planwirtschaft “smart”?

Steffen Hentrich

Zwanzig Jahre nach dem Untergang der DDR kommt die Kommandowirtschaft wieder, diesmal in der Elektrizitätswirtschaft. Wieder einmal soll die Nachfrage dem Angebot angepasst werden. Doch diesmal geht es nicht um gähnend leere Regale, in Abwechselung mit einem Übermaß an Plunder, zu dessen Nachfrage man die Menschen mit einer Mauer und Waffengewalt zwang, sondern um ein Übermaß an unverlässlicher Stromerzeugung für dessen Verbrauch Stromnetze und Verbraucher fit gemacht werden sollen. Da der Strom aus erneuerbaren Energiequellen zumeist nicht am richtigen Ort, zur richtigen Zeit und im richtigen Umfang produziert werden kann oder für dessen hochsubventionierte Produzenten wenig Anreiz besteht, auf die Wünsche der Nachfrager zu reagieren, sollen jetzt Netzbetreiber und Konsumenten die Zeche in Form enormer Investitionen in eine Netzverstärkung und in die viel gerühmten “smart grids” tätigen.

Da müssen Milliarden von Euro in hunderte Kilometer neuer Stromleitungen und Netzanschlüsse dezentraler Stromproduzenten investiert werden, weitere Milliarden sollen in neue Zähler, Hard- und Software zur Abwicklung der Kommunikation zwischen Stromversorger und -verbraucher, Speicher- und Backup-Kapazitäten und neue netzsteuerbare Produktions- und Haushaltsgeräte investiert werden. Hinzu tritt der organisatorische Aufwand, den Unternehmen und Haushalte auf sich nehmen müssen, um den “smart grids” die Intelligenz zu ermöglichen, die von ihnen verlangt wird. Nicht immer lässt sich die Anpassung des Verbrauchsverhaltens an den launigen Wind und die unbeständige Sonne ohne zusätzlichen finanziellen Aufwand, Mühe und einen Verzicht auf Lebensqualität meistern.

Dass marktwirtschaftliche Anreize und lastabhängige Strompreise, mit denen Angebot und Nachfrage zur Minimierung der Produktionskosten reduziert werden können,  eine nützliche Angelegenheit sind, solange sie ökonomische Knappheiten widerspiegeln und auf freiwilliger Basis erfolgen, steht außer Frage. In diesem Falle lohnen sich die Investitionen und der Anpassungszwang, weil er sich in barer Münze auszahlt. Doch derzeit ist es die Rückkehr zur Planwirtschaft, mit Gesetzen und Subventionen der Energiewirtschaft aufgezwungen, nicht die Notwendigkeit der Rohstoffknappheit oder des Umweltschutzes, die den deutschen Haushalten und Unternehmen das Leben als Stromverbraucher in Zukunft schwer macht. Weil aber keine Mauer existiert, beginnt schon die Flucht vor der Last der Kommandowirtschaft. Unternehmen wandern ab in Länder mit niedrigeren Stromkosten und Verbraucher greifen zu billigeren Produkten aus fernen Ländern. Noch sitzen die Bürger zähneknirschend vor ihren immer höhere Stromkosten verursachenden Fernsehgeräten, auf denen Verbraucherschutzsendungen des Staatsfernsehens flimmern, in denen Fernsehexperten von der “grünen Energierevolution” schwärmen und den Teufel der Energiemonopolisten an die Wand malen. Noch machen sie sich keine Sorgen, wie lange sie sich noch gut gekühltes Bier dazu schmecken lassen können. Es bleibt zu hoffen, dass die Stromversorgung in diesem Land nicht irgendwann zum Selbstzweck wird, dass das Licht nicht mitten in der Nacht im Schlafzimmer angeht und die Waschmaschine mit Roboterstimme nach einem Berg schmutziger Wäsche verlangt, weil wieder zu viel Windstrom produziert wird. Denn dann werden sich auch die Verbraucher aus dem Staub machen und die ganze “smarte” Technik sich selbst, dem Wind und der Sonne überlassen.

2 Antworten zu Ist Planwirtschaft “smart”?

  1. Die Geschichte lehrt, dass Planwirtschaft immer am Ende zum Zusammenbruch verurteilt ist. Das wird auch mit der planwirtschaftlichen Energiepolitik der Regierung geschehen.

    Die einzig interessante Frage ist, wie schnell das geschieht und in welchem Maße bis dahin Industrien aus Deutschland vertrieben worden und Arbeitsplätze zerstört worden sind. Ich vermute, wenn nach der Aluminiumindustrie auch die Kupferverhüttung, die Zementindustrie, die Reifenherstellung um dann auch die Stahlindustrie in Deutschland durch die verantwortungslose Politik der Regierung zerstört worden sind, wird auch in Deutschland wie kürzlich schon in Holland die Rückkehr zur Vernunft erfolgen.

    Leider werden die zerstörten Arbeitsplätze dann aber so schnell nicht zurückkehren, und in Deutschland wird die Massenarbeitslosigkeit neue Höchststände erreichen.

    Dass eine dem Namen nach liberale Partei wie die FDP diesen Wahnsinn politisch unterstützt und fördert, ist eines der unerklärbaren Rätsel heutiger politischer Dummheit. Das ist fast so dumm wie das seitenweise Kopieren fremder Texte in einer Dissertation ohne Quellenangabe.

  2. Sepp-Michael Andreas Drescher

    rainer vogels,summa cum laude!!!,wie der aufsatz!

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