Arbeit und Arbeitslosigkeit: Eine Frage der Definition

Gérard Bökenkamp

Nicht erst seit der Agenda 2010 wird darüber diskutiert, wie hoch die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik eigentlich wirklich ist. Die einen meinen, die Arbeitslosenstatistik sei reine Augenwischerei, in Wahrheit sei die Arbeitslosigkeit viel höher. Die anderen meinen, es gäbe vielfältige Formen der Beschäftigung, die nicht in die Statistik einfließen, die Arbeitslosigkeit sei eigentlich viel niedriger. Wer hat also recht?

Als erstes ist Arbeitslosigkeit eine Frage der Definition. Wir messen das, was wir vorher definiert haben. In der Physik messen wir zum Beispiel „Energie“, Leistung, Geschwindigkeit und Zeit. Aber es ist sehr schwer zu erklären, was das genau bedeutet, wenn man Leistung, Geschwindigkeit Zeit oder Energie misst. Genau zu sagen, was Zeit oder Energie ist, fällt schon fast in den Bereich der Metaphysik. Für die praktische Arbeit genügt es in der Regel zu wissen, das man misst, was man vorher als Maßeinheit definiert hat. Ähnlich ist es auch mit vielen politischen und ökonomischen Begriffen. Wenn man von der Statistik wegkommt, und fragt, was eigentlich Arbeit ist und was sie nicht ist, wann sie wertvoll ist und wann nicht, wann sie angemessen entgolten wird, befindet man sich ebenfalls im Bereich der Philosophie, nämlich der Frage was ist ethisch, was ist der Sinn des Lebens, was heißt Leben eigentlich, was ist Glück? Genauso spricht man mit großer Selbstverständlichkeit von Armut, kann aber schwer definieren, was Armut eigentlich ist. Weiter lesen

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