Monatsarchiv: Februar 2011

Arbeit und Arbeitslosigkeit: Eine Frage der Definition

Gérard Bökenkamp

Nicht erst seit der Agenda 2010 wird darüber diskutiert, wie hoch die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik eigentlich wirklich ist. Die einen meinen, die Arbeitslosenstatistik sei reine Augenwischerei, in Wahrheit sei die Arbeitslosigkeit viel höher. Die anderen meinen, es gäbe vielfältige Formen der Beschäftigung, die nicht in die Statistik einfließen, die Arbeitslosigkeit sei eigentlich viel niedriger. Wer hat also recht?

Als erstes ist Arbeitslosigkeit eine Frage der Definition. Wir messen das, was wir vorher definiert haben. In der Physik messen wir zum Beispiel „Energie“, Leistung, Geschwindigkeit und Zeit. Aber es ist sehr schwer zu erklären, was das genau bedeutet, wenn man Leistung, Geschwindigkeit Zeit oder Energie misst. Genau zu sagen, was Zeit oder Energie ist, fällt schon fast in den Bereich der Metaphysik. Für die praktische Arbeit genügt es in der Regel zu wissen, das man misst, was man vorher als Maßeinheit definiert hat. Ähnlich ist es auch mit vielen politischen und ökonomischen Begriffen. Wenn man von der Statistik wegkommt, und fragt, was eigentlich Arbeit ist und was sie nicht ist, wann sie wertvoll ist und wann nicht, wann sie angemessen entgolten wird, befindet man sich ebenfalls im Bereich der Philosophie, nämlich der Frage was ist ethisch, was ist der Sinn des Lebens, was heißt Leben eigentlich, was ist Glück? Genauso spricht man mit großer Selbstverständlichkeit von Armut, kann aber schwer definieren, was Armut eigentlich ist. Weiter lesen

Hayek über den Sozialismus

Steffen Hentrich

Gegen die nach wie vor populären Versuche, die Marktwirtschaft mit Elementen des Sozialismus zu verbinden, spricht vor allem die historische Bilanz des Sozialismus, sein ökonomischen und moralisches Scheitern. Doch dies, so lässt sich Friedrich v. Hayek in einem Interview interpretieren, ist nichts anderes als der Beleg für die Unmöglichkeit seiner Existenz:

Ist Planwirtschaft „smart“?

Steffen Hentrich

Zwanzig Jahre nach dem Untergang der DDR kommt die Kommandowirtschaft wieder, diesmal in der Elektrizitätswirtschaft. Wieder einmal soll die Nachfrage dem Angebot angepasst werden. Doch diesmal geht es nicht um gähnend leere Regale, in Abwechselung mit einem Übermaß an Plunder, zu dessen Nachfrage man die Menschen mit einer Mauer und Waffengewalt zwang, sondern um ein Übermaß an unverlässlicher Stromerzeugung für dessen Verbrauch Stromnetze und Verbraucher fit gemacht werden sollen. Da der Strom aus erneuerbaren Energiequellen zumeist nicht am richtigen Ort, zur richtigen Zeit und im richtigen Umfang produziert werden kann oder für dessen hochsubventionierte Produzenten wenig Anreiz besteht, auf die Wünsche der Nachfrager zu reagieren, sollen jetzt Netzbetreiber und Konsumenten die Zeche in Form enormer Investitionen in eine Netzverstärkung und in die viel gerühmten „smart grids“ tätigen.

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„Big Government“ scheitert weltweit

Detmar Doering

Leviathan vor dem globalen Scheitern?

Die liberale Annahme, dass zuviel Staat kein guter Staat sei, wird von Kritikern heutzutage als „unmodern“ denunziert. Das sei doch nun wirklich ein Thema von gestern…

Die Kluft zwischen Wahrnehmung und Realität könnte kaum größer sein. Die Probleme von „big government“ sind akuter denn je. Und auch die Ereignisse in der arabischen Welt deuten darauf hin, dass die schwere Faust des Staates zu wirtschaftlichen und sozialen Nöten führe, die jetzt zu Unruhen führten, kommentiert der amerikanische Journalist Austin Hill.

Basiswissen zur Schulfreiheit in den USA

Detmar Doering

Einmal im Jahr veröffentlicht die von Milton und Rose Friedman gegründete Foundation for Educational Choice ihren Report The ABCs of School Choice. Er liefert einen Überblick über den Stand der Wahlfreiheit und Privatisierung im Schulsystem der USA – ein Land, das in dieser Hinsicht erheblich weiter ist als Deutschland.

Soziales für Privilegierte?

Detmar Doering

Mit dem Bildungspaket der Hartzreform und der Abschaffung der Studiengebühren in Nordrhein-Westfalen gibt sich die deutsche Bildungspolitik in letzter Zeit so richtig mitfühlend und sozial. Aber das Bildungspaket löse die wirklichen Probleme nicht. Und die Abschaffung der Studiengebühren durch die (von der Linkspartei gestützten) rot-grünen Landesregierung sei eine Privilegierung der bereits Privilegierten unter sozialem Vorwand, kommentiert Ursula Weidenfeld im Tagesspiegel.

Wie man aus einem kleinen Risko ein großes macht

Steffen Hentrich

Als 1994 in Grundwasserreservoirs in Bangladesh Spuren von Arsen entdeckte wurde der Bevölkerung in einer großangelegten Gesundheitskampagne die Nutzung arsenfreier Trinkwasserquellen  empfohlen. Überzeugt damit etwas für die Gesundheit zu tun, wich ein großer Teil der Bevölkerung auf Fernwasserversorgung oder die Nutzung von Oberflächenwasser aus. Doch statt damit leben zu retten, so zitiert Ökonom Jeffrey Miron eine Studie von Eric Field et al, setzte sich die Bevölkerung dadurch einer erhöhten bakteriellen Belastung aus, mit der Folge, dass sich die Kindersterblichkeit in Haushalten, die ihre Wasserversorgung wechselten, um 27 % erhöhte. Wie auch in anderen Bereichen extremer Vorsorge zeigte sich auch hier die Neigung, aus Angst vor geringen Risiken die wahren Gefahren zu ignorieren.

Kommunale Privatisierung: Es geht noch mehr

Detmar Doering

Nicht nur in Deutschland leiden die Kommunen unter Finanznot. Aufgabenkritik ist ein Weg heraus aus der Misere. Die Studie Annual Privatization Report 2010: Local Government Privatization der (auf kommunale Politikberatung spezialisierten) Reason Foundation zeigt in umfassenden Überblick, welche Spielräume für Privatisierung und Public-Private-Partnerships  in den USA genutzt werden: Parkraum, Zoos, Wasserversorgung, Tierheime und vieles mehr.

Defizitbekämpfung: Beispiel Kanada

Detmar Doering

Haushaltsdefizite bleiben mit Sicherheit in den meisten westlichen Ökonomien ein gravierendes Dauerthema. Manche Remeduren – etwa die dauernde Gegenfinanzierung durch Steuererhöhungen – können langfristig mehr Schaden als Nutzen anrichten. Die damalige liberale Regierung Kanadas hat 1995 einen soliden Konsolidierungskurs eingeschlagen, der dauerhaften Erfolg sicherte. In einer Studie beschreiben Niels Veldhuis, Jason Clemens, und Milagros Palacios vom Fraser Institute (Vancouver) dieses interessante Fallbeispiel.

Libyen: Erinnern wir uns noch?

Detmar Doering

Das Gaddafi-Regime ist durch und durch totalitär, menschenrechtsverachtend und terroristisch. Irgendwie ahnten wir das doch schon immer, oder? Aber erst jetzt, da es (hoffentlich!) kurz vor dem Sturz steht, scheint sich die internationale Politik aufzuraffen, das auch anzuprangern.

Da sollte man doch einmal daran erinnern, wie man das Regime noch vor nicht allzu langer Zeit hofierte und mit welchen internationalen Ehrungen man es versah. Hier eine Meldung aus dem Jahr 2003. Was da steht, mutet heute grotesk an, war es aber schon damals. Und wir haben tatenlos zugeschaut.

Noch ein schmutziges Geheimnis

Steffen Hentrich

Nachdem hier vor einigen Tagen schon ein Beitrag zum Rebound-Effekt steigender Energieeffizienz („Wenn weniger mehr wird…“) veröffentlicht wurde, bietet es sich an auch einen Beitrag von Manuel Frondel, Nolan Ritter und Colin Vance auf dem Weblog Ökonomenstimme zum selben Thema zu verweisen. In „Heterogenität des Reboundeffekts: Evidenz für deutsche Haushalte“ setzen sich die Autoren mit der empirischen Evidenz für diesen Effekt im Bereich der privaten PKW-Nutzung auseinander und zeigen, dass sich der Reboundeffekt spritsparender Kraftfahrzeuge auf rund 60 % beläuft und dabei in seinem Umfang vor allem von der haushaltsspezifischen Fahrleistung abhängt. Vor allem Haushalte mit anfänglich geringen Fahrleistungen reagieren auf Verbrauchsreduzierungen von PKWs mit einer Ausweitung der Fahrleistung. Haushalte, die ohnehin schon hohe Fahrleistungen aufweisen, reagieren hingegen weniger stark auf eine Senkung der Spritkosten für den Betrieb ihrer Fahrzeuge. Damit, so die Autoren, ist die Wirksamkeit der europäischen Verbrauchsstandards für PKW hinsichtlich der Minderung von Treibhausgasemissionen erheblich in Frage gestellt. Eine steuerliche Belastung von Kohlendioxidemissionen würde diesen Effekt demgegenüber nicht auslösen, da Schadstoffabgaben die variablen Kosten des Kraftverkehrs erhöhen, wohingegen Verbrauchsstandards zu einer Senkung dieser Kosten führen.

Rumänien und die Vergangenheit

Detmar Doering

Ceaucescus Erbe: Kaum aufgearbeitet

Der Zugang zu den Akten der rumänischen Securitate ist längst nicht so offen wie es das bei den Stasi-Akten in Deutschland der Fall ist. Im „nationalen Interesse“ sind Akten gesperrt. Die Aufbewahrung genügt nicht modernen archivarischen Standards. Das Interesse an der Vergangenheitsbewältigung scheint gering zu sein, obwohl die Sache dringlich ist. Der aus Rumänien stammende, seit 1975 in Deutschland lebende, Schriftsteller Ernest Wichner schildert in einem Beitrag für die Neue Zürcher Zeitung die Lage der Securitate-Aufarbeitung.