Detmar Doering
Über die Ursachen der „Jasmin-Revolution“, die das Regime Ben Alis in Tunesien schnell hinwegfegte, mag man trefflich streiten. Es gibt sicher keine monokausale Erklärung. Dass aber wirtschaftliche Faktoren eine Rolle gespielt haben, das wird kaum jemand bestreiten.
Das Regime gab sich in den letzten Jahren betont „wirtschaftsfreundlich“. Dies kann und darf nicht mit „Marktwirtschaftlichkeit“ verwechselt werden, zumal sich tunesische Wirtschaftspolitiker immer eher an dem etatstischen Wirtschaftsdenken der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich orientierten.
Genau das hat wohl in Tunesien (und sicher nicht nur dort) eine staatsdurchtränkte Klientel- und Günstlingswirtschaft hervorgebracht, in der die Marktwirtschaft allenfalls als rhetorisches Beiwerk (für westliche Geldgeber?) zur Verschleierung der Verhältnisse diente.
Die Realität sah und sieht anders aus. Ein Blick auf die Daten der Studie „Economic Freedom of the World“, die vom Liberalen Institut mit herausgegeben wird, zeigt es. Diese Studie misst den Grad von Wirtschaftsfreiheit (die ja die Kernkomponente der marktwirtschaft ist) anhand von Kriterien wie Staatsquote, Steuerlast, Zölle, Regulierung, Währungsstabilität oder Rechtsstaatlichkeit in 141 Ländern.
Sieht man das Ranking Tunesiens in diesem Index, dann wird klar, dass das Regime Ben Alis das Land tief in den Schlamassel geführt hat.
Als Ben Ali 1987 (siehe blaue Linie) an die Macht kam, leitete er zunächst tatsächlich für eine sehr kurze Zeit Liberalisierungen ein. Aber in den Folgejahren ging es im weltweiten Ranking (rote Linie) stetig und dramatisch bergab. 2008 stand das Land auf Platz 95 von 141.
Dies mag erklären, warum das Land international an Wettbewerbsfähigkeit einbüsste. Insbesondere der große Staatssektor und die Regulierung des Arbeitsmarktes verschärften wohl das Phänomen, dass ein substantieller Teil der Bevölkerung mit hohem Ausbildungsstand in so hohem Maße aus dem Wirtschaftsleben gedrängt wurde. Diese Menschen haben nun den Untergang des Regimes bewirkt.