Gérard Bökenkamp
Handel bedeutet den Tausch Ware gegen Ware. In der modernen Ökonomie ist das Medium Geld zwischengeschaltet, um diesen Tausch zu vereinfachen und im globalen Maßstaab abwickeln zu können. Dies hat aber ein Problem mit sich gebracht: Der Tausch Ware gegen Ware ist in der Wahrnehmung zurückgetreten und massive Ungleichgewichte sind entstanden.
Enstanden sind Wirtschaftskreisläufe, die zu einem großen Teil Schulden finanziert sind. So etwa im Verhältnis zwischen China und den USA und der Bundesrepublik und anderen EU-Staaten. Die Exporteure liefern Produkte und erhalten dafür Schuldverschreibungen, die nach menschlichem Ermessen kaum beglichen werden können.
Der Lebensstandard der Importeure ist damit künstlich angehoben worden. Wenn diese ihre Schulden je zurückzahlen sollen, dann müsste ihre Lebensstandard ganz erheblich sinken. Genau vor dieser Problematik stehen heute sowohl die USA als auch viele Importstaaten der EU. Diese Absenkung des Lohnniveaus und damit des Lebensstandards, um wieder Wettbewerbsfähig zu werde, ist politisch brisant. Die Bevölkerung der entsprechenden Staaten haben sich an einen Lebensstandard gewöhnt, dem keine entsprechende Produktivität gegenübersteht, den sie aber nun verständlicher Weise nicht mehr aufgeben wollen.
Soll dieser Zustand in der Euro-Zone aufrecht erhalten werden, so führt tatsächlich an der Transferunion kein Weg vorbei. Wie im Fall der neuen Bundesländer müssten die deutschen Steuerzahler den Konsum der Abnehmer ihrer Industrieprodukte in der EU stützen. Das heißt, dass die Bundesrepublik auf lange Sicht ihren Export eigentlich selbst finanzieren würde. Ob das ein gutes Geschäft ist, kann man bezweifeln.
Für China gilt im Prinzip dasselbe. Jetzt werden allerdings die Tendenzen sichtbar, dass China versucht seine Dollarbillionen zu reduzieren und sich aus diesem Kreislauf abzukoppeln. Etwa durch den Kauf von Rohstoffen, Land und die Investition in ausländische Unternehmen. Auf diese Weise werden die Preise für diese Güter in die Höhe getrieben und die Wertverluste der chinesischen Devisenreserven werden wenigstens teilweise an andere Länder weiter gereicht.
Liegt hier eventuell ein Missverständnis vor? Ein Leistungsbilanzdefizit ist nicht mit Schulden gleichzusetzen. Schulden macht nur die Regierung, indem sie mehr ausgibt als sie einnimmt.
Empfohlene Lektüre:
http://www.thefreemanonline.org/columns/pursuit-of-happiness/the-balance-of-payments-deficit-not-to-worry/
http://www.econtalk.org/archives/2010/11/don_boudreaux_o_4.html
http://www.coyoteblog.com/coyote_blog/2006/04/ill_try_again_w.html
Wer glaubt „Die Bevölkerung der entsprechenden Staaten haben sich an einen Lebensstandard gewöhnt, dem keine entsprechende Produktivität gegenübersteht“ sollte sich die Daten genauer anschauen:
http://mjperry.blogspot.com/2010/07/increased-worker-productivity-has.html
Wieso das denn? Wenn der Lebensstandard in den schwächeren EU-Ländern sinkt, dürfte das eine Einwanderung nach Deutschland zur Folge haben. In dem Fall kämen genau diejenigen, die man eigentlich haben will: gut ausgebildete und leistungsbereite Europäer!
Die Bundesrepublik finanziert damit nicht nur ihren export Export, sondern auch den vieler anderer außereuropäischer Staaten, z.B. wenn ein griechischer Rentner sich einen Computer kauft. Produkte dieser Art werden bekanntermaßen nicht in Europa, sondern in Asien hergestellt.
Matthew: Griechenland hat seine Importe nur bezahlen können, indem es Schulden aufgenommen und seine Bevölkerung mit Kaufkraft versorgt hat. Wenn die Griechen einen ausgeglichenen Haushalt gehabt hätten, wäre der öffentliche Dienst kleiner, die Rentenleistungen niedriger und die Ausgaben für das Militär nicht so hoch gewesen. Das heißt weniger Menschen hätten Importware kaufen können. Insoweit ist die hohe Verschuldung und die hohe Konsumneigung und der Import ausländischer Produkte eng miteinander verbunden.