Monatsarchiv: November 2010

Die Deutschen finanzieren ihren eigenen Export

Gérard Bökenkamp

Handel bedeutet den Tausch Ware gegen Ware. In der modernen Ökonomie ist das Medium Geld zwischengeschaltet, um diesen Tausch zu vereinfachen und im globalen Maßstaab abwickeln zu können. Dies hat aber ein Problem mit sich gebracht: Der Tausch Ware gegen Ware ist in der Wahrnehmung zurückgetreten und massive Ungleichgewichte sind entstanden.

Enstanden sind Wirtschaftskreisläufe, die zu einem großen Teil Schulden finanziert sind. So etwa im Verhältnis zwischen China und den USA und der Bundesrepublik und anderen EU-Staaten. Die Exporteure liefern Produkte und erhalten dafür Schuldverschreibungen, die nach menschlichem Ermessen kaum beglichen werden können.

Der Lebensstandard der Importeure ist damit künstlich angehoben worden. Wenn diese ihre Schulden je zurückzahlen sollen, dann müsste ihre Lebensstandard ganz erheblich sinken. Genau vor dieser Problematik stehen heute sowohl die USA als auch viele Importstaaten der EU. Diese Absenkung des Lohnniveaus und damit des Lebensstandards, um wieder Wettbewerbsfähig zu werde, ist politisch brisant. Die Bevölkerung der entsprechenden Staaten haben sich an einen Lebensstandard gewöhnt, dem keine entsprechende Produktivität gegenübersteht, den sie aber nun verständlicher Weise nicht mehr aufgeben wollen.

Weiterlesen

Wählen lassen in Ägypten

Steffen Hentrich

Warum aufstehen und sich die Mühe machen ins Wahlbüro zu gehen, wenn freundliche ägyptische Wahlhelfer für ihre Bürger das Kreuz an der richtigen Stelle machen? Unglaubliches von den Parlamentswahlen in Ägypten auf den „Arabesken“ von Karim El-Gawhary.

 

Und wann trifft es uns?

Detmar Doering

Erst Griechenland, dann Irland. Bald wohl Portugal, dann vielleicht Spanien. Aber wie steht es um Deutschland? Sind wir immun oder werden wir bald folgen, weil wir die Lasten nicht mehr tragen können? Die Welt macht erste Alarmzeichen ausfindig…

Zurück in die 70er: Kommt die neue Stagflation?

Detmar Doering

Anfang der 70er Jahre glaubten Wirtschafts- und Finanzpolitiker weltweit, dass ein wenig Inflation gut gegen Stagnation und Arbeitslosigkeit sei. Kurz darauf hatte man viel Inflation und bleierne Stagnation mit hoher struktureller Arbeitslosigkeit. Stagflation nannte man dieses neue Phänomen.

Droht uns in nächster Zeit eine Wiederholung dieser Lektion? Alvaro Vargas Llosa befürchtet, dass eine neue Stagflation schon bald ins Haus steht.

Keynesianismus hinterfragt

Detmar Doering

Sowohl Bush jr. als auch Obama sind in den USA (vulgär-) keynesianischen Rezepten bei der Krisenbekämpfung gefolgt. Ein Video des Center for Freedom and Prosperity (Washington) erklärt, warum das vielleicht keine gute Idee war:

Zwangsverpixelt

Detmar Doering

Wer gar nicht möchte, dass seine Wohnung bei Streetview verpixelt wird, kann sich in einem Mehrparteienmietshaus nicht dagegen wehren, wenn ein anderer Mieter die Entscheidung für ihn gleich mit trifft. Der muss es nämlich nicht einmal den Mitmietern vorher sagen. Darüber ärgert sich der lawblog.

Frauenfeindliche Steuern, frauenfeindliche Lohnnebenkosten

Detmar Doering

Das war einmal… Heute benachteiligt der sozialdemokratische Wohlfahrtsstaat die Frauen auf dem Arbeitsmarkt

Die Gleichberechtigung (bzw. Gleichstellung) zwischen Mann und Frau im Alltagsleben wird in der Politik  heutzutage meist ein sozialtechnisches Problem gesehen, dem man mit sanft planwirtschaftlichen Mitteln wie Quoten oder Gender Mainstreaming zu Leibe Rücken muss – etwas, das für Liberale schon aus rechtsstaatlichen Gründen suspekt sein muss.

Es lohnt sich daher, einmal die wahren Ursachen dafür zu erforschen, warum Frauen auf dem Arbeitsmarkt überproportional diskriminiert werden und viel öfter als die Männer im Niedriglohnsegment gefangen bleiben.

Die Bertelsmann-Stiftung hat gerade eine von Werner Eichhorst und Eric Thode verfasste Studie veröffentlicht, wie unser kompliziertes, aber ungerechtes Steuersystem Frauen auf dem Arbeitsmarkt systematisch benachteiligt.

Der Zusatzverdienst einer Ehefrau in einer durchschnittlichen Familie würde in einem im europäischen Vergleich rekordhohen Maße besteuert, so dass sich eine Arbeit oberhalb eines 400-Euro-Minijobs eigentlich kaum lohne, stellt die Studie fest.

Damit hat die Studie von Bertelsmann nur einen Aspekt des deutschen Sozial- und Steuerstaates als originär frauenfeindlich entlarvt. Schon seit längerem weisen Ökonomen darauf hin, dass unser Sozialstaat zusätzlich zu der steuerlichen Belastung diejenigen Frauen, die gerne arbeiten möchten, indirekt durch die hohen Lohnnebenkosten diskriminieren.

Gerade die hohen Lohnnebenkosten am unteren Ende der Lohnskala (die sowieso die strukturelle Arbeitslosigkeit fördern) seien, so hat schon der US-Ökonom Richard B.Freeman in den 90er Jahren nach Vergleichsstudien zwischen der hohen Frauenerwerbstätigkeit in den USA und der niedrigen in Deutschland nachgewiesen, ein Faktor, warum Frauen sich oft weigern einen Arbeitsplatz anzunehmen, obwohl sie es eigentlich möchten.

Gerade für Mütter, so stellte er fest, verteuere dies die Erwerbstätigkeit gegenüber der Hausarbeit. Der Grundliege darin, dass Leistung für Haushilfe und Kinderbetreuung durch die Lohnnebenkosten so teuer würden, dass sie eventuelle Zusatzverdienste mehr oder minder auffräßen (die – wie oben gezeigt – sowieso hauptsächlich beim Fiskus landen).

Derartige Probleme schafft der Sozialstaat immer wieder. So erleidet eine Ehefrau, die ohne Erwerbstätigkeit bei ihrem Ehemann vorteilhaft in der Privaten Krankenversicherung mitversichert ist, in dem Moment schwere Nachteile, wenn sie eine Tätigkeit annimmt, bei der sie (wegen Unterschreitens der Bemessungsgrenze) der Versicherungspflicht der Gesetzlichen Krankenkasse unterliegt. Auch hier würde eine vernünftige marktwirtschaftliche Gesundheitspolitik, die Wahlfreiheit und Wettbewerb zulässt, einen diskriminierenden Effekt ausschalten.

Um die gröbsten Benachteiligungen für Frauen auszuschalten, bedarf es gar keiner Zwangsgleichstellung. Ein freieres und gerechteres Steuersystem und die Abschaffung von Verzerrungen des Arbeitsmarktes durch den Sozialstaat würden viele Probleme lösen und zudem auch noch weniger bürokratisch sein.

Vielleicht ist das der Grund, weshalb dieser Weg kaum beschritten wird. Es gäbe doch dadurch weniger Posten als Frauenbeauftragte und Umverteilungsverwalter zu besetzen…

Ist die Verringerung der Neuverschuldung wirklich „Sparen“?

Detmar Doering

Die Politik versucht einem nämlich genau das einzureden, meint Günter Ederer in seinem Kommentar in der Fuldaer Zeitung. Echtes Sparen hieße, die Schulden wirklich zurückzufahren. Das hat sich in der Bundesrepublik noch keine Regierung getraut – also bleibt es bei der Mogelpackung…

Was hat man uns allen versprochen…

Detmar Doering

… über die Vorteile des Euros! Als er eingeführt, wähnte man ewiges Wachstum, völlige Stabiltät und Wohlstand für alle. Experten mutmaßten schon damals, dass das wohl irgendwie nicht so sein werde, weil die EU einfach kein optimaler Währungsraum war.  In der Welt beglücken uns Daniel Eckert und Holger Zschäpitz mit einer kleinen Bilanz  darüber, was versprochen wurde und was dann tatsächlich eintrat.

Nicht nur für junge Ökonomen

Steffen Hentrich

Der Einstieg in die Wirtschaftswissenschaften, nicht nur für junge Ökonomen

Der Einstieg in die Volkswirtschaftslehre ist häufig leichter geplant als in die Tat umgesetzt. An den Universitäten herrscht überwiegend wissenschaftlicher Formalismus, der Studenten den Wald vor lauter Bäumen vergessen lässt, und an den Schulen fehlt es an der notwendigen theoretischen Tiefe, ohne die individuelles Handeln in der Gesellschaft unter der Bedingung knapper Ressourcen nicht intuitiv erfasst werden kann. Robert P. Murphy bietet in seinem Lehrbuch „Lessons for the Young Economist“ einen außerordentlich leicht lesbaren und gut verständlichen Kompromiss zwischen theoretischer Stringenz und praktischer Intuition, genau die Kombination, die junge Leute für ein alltagstaugliches Verständnis von Wirtschaft und politischer Realität benötigen. Und das Beste ist, das Ganze gibt es umsonst zum Download beim amerikanischen Mises Institute, einem Think Tank der sich der Forschung und Vermittlung ökonomischer Ideen in der Tradition von Mises, Hayek und Rothbard verschrieben hat.

Was macht einen guten Unternehmer aus…

Detmar Doering

… in einer komplexen Welt wie der unseren? Und kann man es lernen? Die Frage sei keineswegs leicht zu beantworten, stellt Robert Nef vom Liberalen Institut Zürich fest.

Nicht lenken, sondern für Innovationen abkassieren?

Steffen Hentrich

Der amerikanische Politologe Roger Pielke Jr. schreibt in seinem interessanten Artikel „Wacht endlich auf!“ in der Zeitschrift Kapital über das vorhersehbare Scheitern der verfahrenen Klimaverhandlungen. Die lassen immer mehr offenbar werden, dass die wagen Bedrohungsszenarien des Klimawandels kaum geeignet sind, die Bedürfnisse nach wirtschaftlicher Entwicklung in den bislang noch ärmeren Regionen der Erde zu dämpfen. Aber auch die Industrienationen sind zunehmend so realistisch, sich für einen im globalen Maßstab nicht wahrnehmbaren Einfluss auf das Klima, die eigenen Wachstumsaussichten zu verbauen, zumal sich zunehmend zeigt, dass der bislang praktizierte Klimaschutz nicht wirksamer bei der Emissionsreduzierung ist, als ein innovationsfreundliches Business-as-usual. Dennoch mag Pielke Jr. die finanzielle Belastung von Treibhausgasemissionen nicht über Bord werfen, sondern er will sie als Finanzierungsinstrument für die Energiewende einsetzen:

Der Zweck einer moderaten CO2-Steuer besteht nicht darin, das Verhalten von Verbrauchern und Produzenten zu verändern, das Wirtschaftswachstum einzuschränken oder fossile Brennstoffe teurer zu machen als alternative Energien. Das Ziel ist einzig und allein, Geld für Innovationen einzusammeln.

Gerade wir Deutschen haben in den vergangenen Jahren Erfahrungen mit den Folgen der staatlichen Investitionslenkung im Energiesektor gemacht. Mehr als zwei Jahrzehnte staatlicher Förderung für erneuerbare Energieträger haben zwar den Wildwuchs von Windkraftwerken und Photovoltaikanlagen gefördert, waren jedoch nicht geeignet die Kosten des gesamten Energiesystems zu reduzieren. Ganz im Gegenteil stellt die Förderpraxis das Land vor riesige Herausforderungen, was den Ausbau ansonsten nicht notwendiger dezentraler Infrastruktur und Kompensationskapazitäten betrifft.

Vor diesem Hintergrund ist einer Zweifel an diesem Optimismus angebracht. Weiterlesen