Studiengebühren schrecken nicht ab

Peter Altmiks

Nachdem uns eine verheerende soziale Auslese durch die Einführung von Studiengebühren vorausgesagt wurde, belegen die empirischen Daten das Gegenteil. Der kürzlich veröffentlichte Ländercheck des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft untersucht die abschreckende Wirkung von Studiengebühren in den Bereichen Studierendenentwicklung insgesamt und soziale Zusammensetzung der Studierenden.

Eine abschreckende Wirkung von Studiengebühren ist im Vergleich der Bundesländer nicht zu erkennen. Zwar lassen sich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern bei der Entwicklung von Studierendenzahlen und der sozialen Zusammensetzung ausmachen. Vorteilhafte und nachteilige Entwicklungen treffen aber Gebührenländer und Länder ohne allgemeine Studiengebühren in ähnlichem Maße. So gehören z.B. die Gebührenländer Hamburg und das Saarland zur Spitzengruppe. Auch bei der Entwicklung der sozialen Zusammensetzung der Studierenden schneidet das Gebührenland Hamburg gut ab. Interessant ist, dass die Entwicklung in den beiden gebührenlosen Ländern Bremen und Rheinland-Pfalz eher problematisch ist. So stieg in Brandenburg die Zahl der Immatrikulierten seit 2005 um fast 20 %, während Bremen einen Rückgang von knapp 12 % aufweist.

Auch kann man keine Flucht aus den Gebührenländern beobachten. Zum Zeitpunkt der Datenerhebung 2008 hatten zehn von sechzehn Bundesländern keine allgemeinen Studiengebühren erhoben. Um Studiengebühren zu vermeiden, war es also möglich, an eine Hochschule in einem gebührenfreien Land zu wechseln oder einen Wechsel in ein Gebührenland zu vermeiden. Wenn Studiengebühren eine stark abschreckende Wirkung entfalten würden, müsste zumindest der Zuzug in die Gebührenländer abgenommen haben. Bisher vorliegende Daten zu den Wanderungsbewegungen der Studierenden lassen diesen Schluss nicht zu. Denn in vier der sechs Gebührenländer hat sich der Wanderungssaldo zwischen 2005 und 2008 verbessert.

Auch ein nennenswerter Effekt auf die soziale Zusammensetzung der Studierenden lässt sich nicht messen. Ansonsten müsste der Faktor »Einführung von Studiengebühren« die anderen Faktoren überlagern. Die soziale Zusammensetzung der Studierenden müsste sich in Gebührenländern hin zu mehr Studierenden mit vermögenden Eltern, aus gehobenen Schichten und ohne Migrationshintergrund entwickeln. Das ist aber nicht der Fall, im Gegenteil. So vergrößert sich die soziale Selektion an den gebührenfreien Hochschulen in Rheinland-Pfalz, Bremen und Berlin. Bremen erzielt dabei auch noch das schlechteste Ergebnis aller Bundesländer.

Links:

Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

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