Monatsarchiv: September 2010

Studiengebühren schrecken nicht ab

Peter Altmiks

Nachdem uns eine verheerende soziale Auslese durch die Einführung von Studiengebühren vorausgesagt wurde, belegen die empirischen Daten das Gegenteil. Der kürzlich veröffentlichte Ländercheck des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft untersucht die abschreckende Wirkung von Studiengebühren in den Bereichen Studierendenentwicklung insgesamt und soziale Zusammensetzung der Studierenden.

Eine abschreckende Wirkung von Studiengebühren ist im Vergleich der Bundesländer nicht zu erkennen. Zwar lassen sich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern bei der Entwicklung von Studierendenzahlen und der sozialen Zusammensetzung ausmachen. Vorteilhafte und nachteilige Entwicklungen treffen aber Gebührenländer und Länder ohne allgemeine Studiengebühren in ähnlichem Maße. So gehören z.B. die Gebührenländer Hamburg und das Saarland zur Spitzengruppe. Auch bei der Entwicklung der sozialen Zusammensetzung der Studierenden schneidet das Gebührenland Hamburg gut ab. Interessant ist, dass die Entwicklung in den beiden gebührenlosen Ländern Bremen und Rheinland-Pfalz eher problematisch ist. So stieg in Brandenburg die Zahl der Immatrikulierten seit 2005 um fast 20 %, während Bremen einen Rückgang von knapp 12 % aufweist.

Auch kann man keine Flucht aus den Gebührenländern beobachten. Zum Zeitpunkt der Datenerhebung 2008 hatten zehn von sechzehn Bundesländern keine allgemeinen Studiengebühren erhoben. Um Studiengebühren zu vermeiden, war es also möglich, an eine Hochschule in einem gebührenfreien Land zu wechseln oder einen Wechsel in ein Gebührenland zu vermeiden. Wenn Studiengebühren eine stark abschreckende Wirkung entfalten würden, müsste zumindest der Zuzug in die Gebührenländer abgenommen haben. Bisher vorliegende Daten zu den Wanderungsbewegungen der Studierenden lassen diesen Schluss nicht zu. Denn in vier der sechs Gebührenländer hat sich der Wanderungssaldo zwischen 2005 und 2008 verbessert.

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Roger Pielke Jr.: Munich Re geht zu weit

Steffen Hentrich

Wenn Unternehmen, statt sich um ihr Geschäft zu kümmern, von sich aus auf politischen Handlungsbedarf hinweisen, dann ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass es eine Menge Geld zu verdienen gibt. So ging die das Versicherungsunternehmen Munich Re dieser Tage mit einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit in der ein Zusammenhang zwischen den diesjährigen Umweltkatastrophen und der globalen Erwärmung postuliert wird und eine Ankündigung einer weiteren Informationskampagne über den Klimawandel vor dem Weltklimagipfel in Cancun erfolgt.

Ein Glück, dass der kritischen Blogosphäre derlei Aktivitäten nicht verborgen bleiben. Der amerikanische Klimawissenschaftler Roger Pielke Jr. kommentierte die spekulativen Verlautbarungen des Unternehmens prompt mit einer Klarstellung auf seinem Weblog:

The actual state of the science is that no connection has been shown between greenhouse gas emissions and thunderstorms, tropical cyclones, Russian heatwaves or European floods.  Regrettably, Munich Re has made a jump from making a tenuous assertion to propagating incorrect information.

Fadenscheinige Umweltsteuern

Steffen Hentrich

Es gab Zeiten, da glaubten die Menschen, die Ökosteuern wären ein Lenkungsinstrument zur Reduzierung der Umweltbelastung. Der Staat sollte versuchen die zusätzlichen Schäden einer bestimmten Schadstoffmenge zu quantifizieren und über die Steuer von den Verschmutzern diese Kosten der Allgemeinheit erstatten lassen. Dies würde dazu führen, dass ein optimales Niveau an Umweltverschmutzung erreicht wird, bei dem die Differenz zwischen Nutzen und Kosten von Umwelteinflüssen der Produktion maximiert wäre. Natürlich war immer klar, dass eine zuverlässige Quantifizierung von Umweltschäden nicht möglich ist und der Staat sich per Versuch und Irrtum an ein für alle akzeptables Umweltniveau heran tasten müsse, doch damit konnten selbst die Ökonomen leben. Schließlich ist allein die Umweltsteuer (mit Abstrichen auch der Emissionshandel) in der Lage ein angestrebtes Umweltschutzniveau zu den gesamtwirtschaftlich geringsten Kosten zu erreichen.

Doch derlei theoretische Überlegungen waren nie nach dem Geschmack der Politiker. Weiterlesen

Die Crux der Bewusstseinspolitik

Gérard Bökenkamp

Das Bewusstsein bestimmt das Sein. Das ist die Grundannahme des herrschenden Diskurses in der Bundesrepublik. Journalisten, Intellektuelle, Politiker, Pädagogen und Lehrer sehen sich in der besonderen Pflicht, Bewusstsein zu schaffen. Bewusstsein für Umweltzerstörung, Rassismus, soziale Ungerechtigkeit, Diskriminierung und vieles mehr. Im Grunde handelt es sich um einen deutschen Konsens: Die Vorstellung, dass das Sein vom Bewusstsein bestimmt wird, also die Umkehrung des berühmten Diktums von Marx, ist die unausgesprochene Prämisse fast aller öffentlichen Debatten. Daraus ergibt sich die Gleichung „Meinung gleich soziale Wirkung“. Und so ist erklärlich, warum Minderheitenmeinungen in diesem Lande so extrem attackiert werden.

Denn dieser naive gesellschaftstheoretische Idealismus hat drastische Folgen für den Stellenwert der Meinungsfreiheit. Es wird umso intoleranter auf andere Meinungen reagiert, je stärker jemand von der realen Wirkung von Meinungsäußerungen ausgeht. Wenn man daran glaubt, dass allein die Wirksamkeit bestimmter öffentlich geäußerter Meinungen für die Probleme der Gesellschaft verantwortlich ist, dann ist der Schritt zu der Überzeugung, dass man diese Meinungen bekämpfen und unterbinden muss, ein sehr kleiner. Wer wirklich davon ausgeht, dass die Welt nur gerettet werden kann, wenn alle an die Erderwärmung glauben, für den ist jeder Kritiker, der seine Meinung öffentlich kundtut, nicht nur ein intellektueller Gegner, sondern der Feind der ganzen Menschheit. Wer daran glaubt, dass Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen tatsächlich nur dadurch entstehen, dass Menschen über die Gegensätze zwischen diesen Gruppen reden, für den sind solche Äußerungen eine reale Gefahr für den Frieden. Meinungsfreiheit ist aus der Perspektive dieses naiven Idealismus nur ein störendes Hindernis auf dem Weg zur guten Gesellschaft. Und wer auf seinem gegenteiligen Standpunkt besteht, der ist ein Störenfried. Weiter lesen

Killerspiele für die Umwelt

Steffen Hentrich

Beim Gang durch die Kinderabteilung einer deutschen Buchhandlung kann man die Frustration von Adrew P. Morris in seinem Artikel „What’s so Bad about Eco-Propaganda for Kids“ gut nachvollziehen. Dort schreibt er:

If these books are what kids grow up with today, we should hope they spend their time on video games instead of reading. The books are troubling because by ignoring economics and by focusing on eco-politics, they get the solutions to environmental problems wrong.

Doch eine kleine Warnung an Eltern, die denken, dass nur Papier geduldig auf die leicht beeinflussbaren Köpfe ihrer Kinder einwirkt und Computerspiele ohne Folgen bleiben. Zum einen ist auch die Welt der Computerspiele nicht frei von einseitiger und vorurteilsbehafteter „Umweltbildung“, wie diese Sammlung von Kindelspielen des BMU zeigt, zum anderen gibt es hier auch die Sorte von Öko-Adventures, die – wie Luboš Motl in seiner unnachahmlich sarkastischen Art  berichtet – in ihrer Widerlichkeit den verpönten Killerspielen in nichts nachstehen, und doch den Siegel des Vertrauens des wissenschaftlichen Fachmagazins „Nature“ erhalten. Insofern scheint es doch sinnvoll zu sein, mit den Kindern die virtuelle Realität von Büchern und Internet ab und zu zu verlassen und die Nase in die reale Welt zu stecken, wo die Umwelt nicht durch Ideologie, sondern durch nachvollziehbare Taten geschützt wird.

Artensterben

Detmar Doering

Zu den Dingen, die Menschen und Politiker in Panik versetzen (und letztere zu hemmungslosen Aktivismus reizen), gehört das Artensterben.

Nicht alle der ausgestorbenen Arten scheinen aber zu wissen, dass sie ausgestorben sind.

Sparen oder nicht sparen?

Detmar Doering

Die große Debatte in der Ökonomie ist zurzeit, ob im Nachklang der Krise weiter auf Expansion der Staatsausgaben und -schulden gesetzt werden soll, oder ob Sparen und Haushaltssanierung angesagt seien. Veronique de Rugy von der George Mason University argumentiert in ihrem Beitrag für die Reason Foundation, dass Letzteres wohl unausweichlich und auch richtig sei.

Gilt auch für Keynes…

Detmar Doering

Auf lange Sicht seien wir alle tot, lautet das wohl bekannteste (und in letzter Zeit ein wenig überbenutzte) Zitat von John Maynard Keynes. Das gelte auch, so meint Richard McKenzie (University of California), für Keynes und seine Ideen selbst.

Surfen unter Linken

Steffen Hentrich

In der aktuellen Ausgabe von surF werden nicht viele Worte verloren, sondern Bilder gezeigt. Jan Fleischauers Fernsehdokumentation „Unter Linken – Der Film“ spricht für sich selbst. Lesen Sie hier auch meine Buchempfehlung zu Fleischauers Buch „Unter Linken. Von einem der aus Versehen zum Konservativen wurde“.

Land unter

Steffen Hentrich

Bislang wollte man uns davon überzeugen, wir Menschen würden den  steigenden Meeresspiegel nur über die Emissionen von Treibhausgasen verursachen. Doch halt, es kommt noch schlimmer, denn jetzt haben niederländische Wissenschaftler herausgefunden, dass der Abfluss des von uns aus der Erde gepumpten Grundwassers signifikant zum Meeresspiegelanstieg beiträgt. Dagegen kann natürlich kein Emissionshandel, kein Windrad und keine Energiesparmaßnahme helfen. Offenbar ist auch in der Klimapolitik die Therapie vor der sorgfältigen Diagnose begonnen worden.

Egal wie man es dreht, die Mieten steigen

Steffen Hentrich

Bundeskanzlerin Merkel schenkt ihren Bürgern reinen Wein ein: Energiesparmaßnahmen in der Wohnungswirtschaft werden die Mieten steigen lassen. Noch nicht abzusehen ist dagegen, ob die Entschädigung durch sinkende Heizkosten die Mieter dafür entschädigt. Bei der derzeitig günstigen Entwicklung der Preise für Erdgas und Fernwärme ist nicht klar, ob sich die ambitionierten Maßnahmen ökonomisch wirklich rechnen.

Typisch für Politiker ist auf jeden Fall die Art, wie die Botschaft verpackt wurde. Natürlich sind es die Vermieter, die die Verantwortung für die steigenden Preise tragen, da diese ja künftig einen größeren Teil der Modernisierungskosten an die Mieter weiterreichen dürften. Egal, ob der Staat den Mietern eine weiterreichende Mietumlage gestattet oder nicht, am Ende kommen die Kosten ohnehin beim Bürger an. Vermieter, die ihre Kosten nur unzureichend umlegen können, halten sich bei den Investitionen zurück und tragen so zur Verknappung des Wohnraumangebots bei. Das wiederum lässt beim unveränderter Nachfrage nach Wohnraum die Mieten mittelfristig steigen.

Es mag sich beeindruckend anhören, wenn Politiker den Eindruck erwecken, sie könnten durch Energiesparpflichten und Mietpreisregeln eine schwerzlose Geburt ihres Energiekonzepts bewirken, doch der Aufwand für  Energiesparmaßnahmen verursacht nun einmal Kosten. Die zahlt am Ende derjenige, der ihnen am schlechtesten aus dem Weg gehen kann. Wohnen will jeder, der Energieverbrauch ist uns mit unseren Verbrauchsgewohnheiten ans Herz gewachsen. Darauf nicht verzichten zu müssen, lassen wir uns einiges kosten. Sparen muss man sich aber leisten können.

An der falschen Stelle gespart

Steffen Hentrich

Was hat man uns in den vergangenen Jahren in den Ohren gelegen, nur nicht so viel Wasser zu verplempern. Es hätte nicht viel gefehlt und das Motto „Dursten für die Umwelt“ wäre propagiert worden. Waschmaschinen laufen inzwischen fast trocken, die Toilettenspülung gibt Wasser oft nur noch in homöopathischen Dosen ab und bald droht uns die Wasserspardusche aus Brüssel. Doch Wassermangel ist es nicht, der Umweltaktivisten so penetrant und umweltbewusste Bürger so sparsam hat werden lassen. Ganz im Gegenteil, das kühle Nass ist reichlich vorhanden und der Sparwahn macht schon heute den Wasserwerkern zu schaffen. Nein, es ist die Wassersparideologie, die den Verbrauchern suggeriert ihre Knauserigkeit würde irgendetwas an der Wasserknappheit in der Sahelzone ändern, die uns mit mahnendem Zeigefinger den völlig bedeutungslosen Anteil der Haushalte am globalen Wasserverbrauch vorrechnet. Es ist die ewige Pauschalisierung ökologischer Argumente, die es dem Verbraucher möglichst einfach machen soll, dem schlichten grünen Ideologiegebäude zu folgen, die jetzt in Deutschland zum Wassersparproblem wird.