Monatsarchiv: Juni 2010

Hayek und die Erkenntnistheorie

Gérard Bökenkamp

Auf  Forum Ordnungspolitik wurde der sehr empfehlenswerte Beitrag von Christoph Sprich „Der unbekannte Hayek. Der Erkenntnistheoretiker“ veröffentlicht. Sprich kann darin zeigen, wie früh Friedrich August von Hayek sich intensiv mit kognitiven und psychologischen Forschungen auseinandersetzte. Aus Hayeks psychologischen Überlegungen ergab sich seine Vorstellung vom Gleichgewicht, „das sich nicht durch Allokation auf Gütermärkten, sonder vielmehr dadurch einstellt, daß sich die Erwartungen und Pläne der Marktteilnehmer durch Lernen – also durch kongnitive Prozesse – einander anpassen. Das eigentliche empirische Element der Wirtschaftswissenschaft bestehe deshalb in Aussagen über die Aufnahme von Wissen.“  Zum Beitrag von Christoph Sprich

Zum Geburtstag von Frederic Bastiat

Steffen Hentrich

Zum 209. Geburtstag von Frederic Bastiat noch einmal eine Erinnerung an den wohl besten seiner Essays: Was man sieht und was man nicht sieht

„Soziale Gerechtigkeit“ in Gefahr?

Detmar Doering

Dass die Armen immer ärmer, die Reichen immer reicher, und dass die Mittelschicht verschwände – das sind heutzutage schon fast unhinterfragt akzeptierte Glaubenssätze der Linken. Die „Soziale Gerechtigkeit“ gehe vor die Hunde.

Natürlich, so müsse hinzugefügt werden, sei der Neoliberalismus schuld, der ja ganz offenkundig den Staat zum fast völligen Verschwinden gebracht habe.

So verkündete es auch kürzlich die vom DIW veröffentlichte Studie zur Einkommensungleichheit in Deutschland. Klaus Schröder, Sozialwissenschaftler an der Freien Universität in Berlin, hat sich im Deutschlandradio Kultur der Sache einmal kritisch angenommen. Hier die akustische Version und hier die Textzusammenfassung.

Fazit: „Geradezu absurd ist die Forderung, die Wohlhabenden stärker zu besteuern, hierunter fassen die DIW-Forscher alle Personen, die mehr als knapp 2.000 Euro netto verdienen. Hierdurch würden nur die getroffen, die ohnehin die Last des sozialen Umverteilungsstaates tragen, unter ihnen viele Durchschnittsverdiener. Die wirklich Reichen können da nur lachen.“

Hilfe und Korruption: Der Fall Somalia

Detmar Doering

Entwicklungsgelder und Spenden von Hilfsorganisationen sollen dazu dienen, dass in armen und krisengeschüttelten Ländern die Bedingungen für mehr Wohlstand und Stabilität herrschen. Es kann aber durchaus sein, dass das Fehlen dieser Bedingungen den Hilfsaufwand wieder neutralisiert. In zusammengebrochenen Staatsordnungen und irregulären Kleptokratien kommt das Geld dann nicht dort an, wo es wirklich gebraucht wird. Somalia ist von der Welt zu Recht als ein besonders notleidendes Land erkannt worden. Leider scheint dort aber auch das Problem besonders gravierend zu sein, dass das Geld in die falschen  Taschen fließt. Die Korruption um die „Hilfsindustrie“ blühe, meint die kenianische Publizistin Rasna Warah in einem Bericht der Zeitung Daily Nation.

Dies wirft durchaus prinzipielle Fragen über Sinn und Selbstverständnis von Entwicklungshilfe auf.

Gesundheitsprämie: finanzierbar, sozial gerecht und ordnungspolitisch sauber

Kerstin Funk

Die Gesundheitsprämie sei nicht zu finanzieren, sie sei sozial ungerecht und mache einen Großteil der Bevölkerung zu Bittstellern. So oder ähnlich klingen die allzu pauschalen Ablehnungen des Reformmodells. Das diese Bewertung nicht haltbar ist, zeigt jetzt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Die Verfasser der Studie legen eine wissenschaftlich fundierte und nachvollziehbare Arbeit vor und kommen zu Ergebnissen, die vor allem die Kritiker des Prämienmodells zum Nachdenken anregen sollte.

Die zentralen Ergebnisse: Das Prämienmodell ist nicht nur finanzierbar, es kann sogar zu erheblichen Steuereinsparungen führen. Und da mit der Einführung des Prämienmodells alle Einkommensarten berücksichtigt werden, ist das Modell gerechter, als das geltende System. Denn im status quo müssen solche Haushalte, deren Einkommen zum größten Teil aus beitragsfreien Einkommen wie z. B. Vermögen oder Mieteinkünften besteht, weniger abgeben. Darüber hinaus ist es sozial, denn der Sozialtransfer wird aus Steuermitteln finanziert und nicht mehr nur von der Gemeinschaft der gesetzlich Versicherten getragen.

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Grundrecht auf sexuelle Selbstentfaltung in Gefahr

Detmar Doering

Auch wenn es jetzt nur eine kleine Bevölkerungsgruppe wie  Astronauten und Astronautinnen (hier klicken!) betrifft, hört sich die Sache bedrohlich an. Man kennt ja die Logik des modernen Staates, dass ein Verbot stets dem anderen folgt…

Rückblick: 1961, als Gus Backus den Mond besuchte, ging es irgendwie noch vielversprechender zu…

The Journal of Economic Perspectives gratis!

Steffen Hentrich

Wirtschaftswissenschaften in verdaulichem Format? Dafür steht das Journal of Economic Perspectives, jetzt zurück bis 1999 gratis im Netz verfügbar.

Steuerlasten bedeuten weniger Wohlstand

Johannes Maruschzik

Mit dem Ergebnis der Bundestagswahl 2009 hat die schwarzgelbe Bundesregierung die historische Chance erhalten, in der Wirtschaftspolitik unseres Landes die Weichen auf Zukunft zu stellen – unter anderem mit einergrundlegenden Steuerreform. „Wir verstehen Steuerpolitik als Wachstumspolitik, denn wir wissen, dass Basis aller Staatsfinanzen die Arbeit der Bürger unseres Landes und die wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen sind. Mehr finanzieller Spielraum ist Voraussetzung für mehr Konsum und mehr Investitionen.“ So heißt es im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und FDP für die jetzige Legislaturperiode. Und weiter: „Die Bürger empfinden aber nicht nur die Höhe der Steuer- und Abgabenlast als demotivierend, sondern auch die Kompliziertheit und Unklarheit des deutschen Steuerrechts. Deshalb wollen wir, dass Steuern ‚einfach, niedrig und gerecht’ sind.“

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Reagan-Berater Richard K. Vedder: Steuerlast reduzieren

Gérard Bökenkamp

Lesen Sie hier das sehr informative Interview, das Prof. Richard K. Vedder, der frühere Berater von Ronald Reagan,  dem Glasshouse Center for Studies on a Free Economy zur Steuerpolitik in der Bundesrepublik gegeben hat. Mit freundlicher Genehmigung von Glasshouse.

Glasshouse: Agiert die deutsche Bundesregierung im prohibitiven Bereich der Laffer- Kurve4, in dem hohe Steuern mit niedrigeren Wachstumsraten einhergehen?

Richard K. Vedder: Angesichts der Ergebnisse meiner jüngsten Studie zu den Steuerlasten in Deutschland und den Erfahrungen aus meinem eigenen Land, den USA, lautet die Antwort offensichtlich ja.

Glasshouse: In welchem Maß sollte Deutschland die Steuern senken?

Richard K. Vedder: Ich denke, wenn Deutschland die Steuerbelastung seiner Bürger um etwa 25 % reduzieren würde, könnte das Land erheblich besser dastehen als heute. Die Frage ist: Könnte es Deutschland noch besser gehen, wenn hier die Steuerbelastung um 30 % oder 40 % reduziert würde? Letztlich ist es sehr schwierig, genau zu beurteilen, welche Steuerbelastung in Deutschland in der derzeitigen Situation optimal wäre. Aber es kann keinen Zweifel geben, dass eine deutliche Reduzierung der Steuerbelastung notwendig ist. Niedrigere Steuern bedeuten höheres Wirtschaftswachstum. Das wiederum heißt für zum Beispiel Familien mehr verfügbare Einkommen, mit dem sie etwa Autos kaufen, reisen oder für eine gute Ausbildung ihrer Kinder und Enkelkinder sorgen können.

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Hayek-Tage: Immer wieder Freiheit

Klaus Peter Krause

Stets gefährdet, ständig zu verteidigen

Eine Feststellung, die wohl immer gültig ist: „Über lange Frist können wir die politische Tendenz nur ändern, indem wir die geistige Entwicklung ändern.“ Sie stammt von dem Nationalökonomen, Philosophen und großen Liberalen Friedrich A. von Hayek (1899 bis 1992). Und was ist die „politische Tendenz“ unserer Tage und der ihnen vorangegangen Jahrzehnte? Es ist die des schleichenden Einschränkens der persönlichen Freiheit durch staatlichen Aktionismus, staatliche Fehlentscheidungen und fortschreitendes Eindringen des Staates in immer mehr Lebensbereiche der Menschen. Immer wieder ist die Freiheit durch den Staat in Gefahr, ständig ist sie gegen ihn zu verteidigen.

Vermeintlicher Wohltäter, scheinbar wohlwollender Bevormunder

So spielt sich der Staat, die politische Klasse, mittels Einkommensumverteilung als vermeintlicher Wohltäter und scheinbar wohlwollender Bevormunder auf. Er bedient durchsetzungsstarke Interessengruppen zu Lasten einer durchsetzungsschwachen Bevölkerungsmehrheit. Er führt mit verfehlter Politik Krisen herbei, die es ohne diese Politik nicht gäbe, stellt als Krisenverursacher andere hin und maßt sich daraus die vorgebliche Berechtigung zu immer mehr Reglementierung und staatlicher Kontrolle an, ohne an die tiefe Wurzel des Übels zu gehen. Das dafür jüngste schlimme Beispiel ist die staatenübergreifende Schulden- und Finanzkrise mit den furchteinflößenden staatlichen Rettungsmaßnahmen für fallierende Banken und Staaten. Letztliche Ursache: die Geldschöpfung aus dem Nichts ohne Deckung durch einen knappen Sachwert.

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Fußballs deutsch-deutsche Geschichte…

Detmar Doering

Fußball ist – ganz aktuell am Fernseher – furchtbar spannend. Alle fiebern dem Spiel gegen Argentinien entgegen… Aber nicht nur die Gegenwart ist spannend, sondern auch die Vergangenheit. Zumindest die deutsch-deutsche Vergangenheit bis 1989 bietet tolle Geschichte vom Feinsten: Republikflucht, Propagandaschlachten, planwirtschaftliche Sportverwaltung, geheime Untergrundkontakte – Jutta Braun, Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Zeitgeschichte des Sports an der Universität Potsdam hat die deutsche Fußballhistorie aus der Zeit des Kalten Kriegs 2008 für das Liberale Institut packend dargestellt.

Das ist eine Lektüre, die sich kein Fußballbegeisterter entgehen lassen sollte… Lesen Sie: Fußball und politische Freiheit  – historische  Erfahrungen des geteilten  Deutschland von Jutta Braun.

Das Handbuch für die Freiheit

Steffen Hentrich

Der amerikanische Ökonom David Friedman, Sohn von Milton Friedman, hat die zweite Auflage seines anarchokapitalischen Klassikers „The Machinery of Freedom – A Guide to a Radical Capitalism“ jetzt zum freien Download (für das Lesen mit einem E-Book-Reader auch im Mobipocket-Format, auf 2EPUB.com in andere Formate, wie das auf dem iPhone gängige EPUB, umwandelbar) ins Netz gestellt. Auf seinem Weblog „Ideas“ kündigte er überdies vor wenigen Tagen an, die Arbeiten an einer aktualisierten Fassung zu beginnen, wobei er seine Leser aufforderte ihm als Ideengeber zur Seite zu stehen. Das in seiner ersten Auflage 1973 erschienene Buch gehört zu den wichtigsten Werken des Libertarismus. Anders als viele libertäre Theoretiker begründet Friedman sein Plädoyer für eine anarchokapitalistische Gesellschaft nicht mit dem Rückgriff auf eine Naturrechtsphilosophie, sondern mit utilitaristischen Argumenten. Deutschen Lesern sei auch die 2003 unter dem Titel „Das Räderwerk der Freiheit“ im Lichtschlag-Verlag erschienene Übersetzung des Buches empfohlen.