Der Steuerzahler als Geldautomat

gefunden von Steffen Hentrich

Der US-Ökonom Steven Landsburg stellt seinen Bloglesern die Frage nach der adäquaten Reaktion auf ein Leben über die Verhältnisse und nimmt plausibler Weise an, dass wohl nahezu jeder darauf antworten würde, man müsse entweder sparen oder mehr verdienen. Wohl kaum jemand würde auf die Idee kommen das Problem mit häufigeren Stopps am Geldautomaten zu lösen. Wie kommt es dann, dass viele Leute der Meinung sind, dass der Staat trotz hoher Verschuldung ruhig mehr Geld ausgeben könne, wenn er nur in der Lage wäre das notwendige Geld irgendwann vom Steuerzahler einzutreiben? Schließlich sind wir Bürger für den Staat nichts anderes als Geldautomaten…

7 Antworten zu “Der Steuerzahler als Geldautomat

  1. Kuriose Weltsicht, umgekehrt wird ein Schuh draus. Der Staat ist der Geldautomat, der mit seiner Geldschöpfung(Kreditaufnahme) die Freude seiner Bürger am Aufbau von Guthaben ermöglicht.

    Und keiner sagt mal, danke Staat für Dein Soll und mein Haben. Nein, da wird noch Hohn, Spott und Vorwürfe ausgeschüttet.

    • Steffen Hentrich

      Lieber Herr Buschbeck,

      der Schleier des Geldes verdeckt sehr schnell die Tatsache, dass Konsum heute weniger Ersparnis und Investition in der Zukunft bedeutet. Fiskalisch verantwortlich handeln heißt also nicht nur darauf zu achten, dass irgendjemand die Rechnung zahlt, sondern vor allem darauf, ob die Rechnung wirklich nötig war. Einfach zum Geldautomaten gehen, solange der nur offen ist, wird diese Frage nicht klären.

      MfG

      Steffen Hentrich

  2. Sehr geehrter Herr Hentrich,

    vor wenigen Tagen wurde hier in diesem Blog erst das Schulungsmaterial der Bundesbank mit wichtigen Erläuterungen verlinkt.

    http://liberalesinstitut.wordpress.com/2010/03/09/schulerbuch-zur-geldpolitik/

    Wir haben ein endogenes Geldsystem, bei dem mit Kreditaufnahme (hoffentlich Investition) das Geld durch Monetarisierung von Pfändern geschaffen wird. Es ist also keinesweg so, dass staatliche Ausgaben privatwirtschaftlichen Investitionen “das Geld wegnehmen” können.

    Weil eben jede kreditfinanzierte Investition “Ihr Geld” und später anderer Leute Guthaben/Gewinn selber schafft.

    Natürlich können staatliche Geldschöpfung zusammen mit privatwirtschaftlicher Geldschöpfung(Kreditaufnahme) zu einer Übernachfrage(Inflation) führen, welche mit Zinserhöhungen beanwortet wird.

    Was nur gern übersehen wird, wir brauchen halt eine gewisse Inflation(Übernachfrage), weil uns für die Deflation das monetäre Steuerelement (nominal negative Zinsen) fehlt.

    Die Übernachfrage(Inflation) hält die steigende Gewinnerwartungen der Unternehmer und damit die Investitionsbereitschaft am Leben.
    Ohne “Investitionsmittelkonsum” haben wir eine schnell wachsende selbst verstärkende Nachfragelücke.

    In einer Deflation fällt diese Gewinnerwartung als Investitionsmotiv weg. Es würde aber trotzdem investiert, wenn die alternative Geldhaltung eben unlukrativ wäre.

    Solange wir dieses monetäre Steuerungelement nicht haben, müssen wir weiter mit Staatsgeldschöpfung/Staatsverschwendung das System in die Inflation zwingen.

    Nächste Woche kommen aber unsere ersten “Geldscheinbefristungsaufkleber” die in der später unlösbaren Form das Problem lösen.

    http://tiny.cc/prz0L

    Ich schick Ihnen dann gleich einen Bogen zum Ausprobieren dieser Innovation zur Abschaffung staatlicher Fehlallokationen.

    Dann klappt es in Zukunft auch wieder mit dem Geldschleier. Keynes Bücher können ins Altpapier und eine liberale Wirtschaft und Gesellschaft wird wieder möglich.

    liberale Grüße Jörg Buschbeck

    • Steffen Hentrich

      Lieber Herr Buschbeck,

      wir können Geld weder konsumieren noch investieren, wir konsumieren oder investieren Güter. Güter die der Staat heute konsumiert oder fehlinvestiert stehen nicht mehr für alternative Verwendungen in der Gegenwart oder Zukunft zur Verfügung. Diese simple Erkenntnis sollte immer am Beginn finanzpolitischer Überlegungen des Staates und seiner Bürger stehen.

      MfG

      Steffen Hentrich

  3. Lieber Herr Hentrich,

    wenn’s doch zeitlich andersrum ist mit der Ware und dem Geld?

    Oder glauben Sie die Bundesbank blickt nicht durch bei Ihrer Beschreibung des Geldsystems? Warum wird dass dann hier verlinkt?

    Das ist doch schon soooo lange her, dass unser Geld als Ware(Silber,Gold) aus der Erde gegraben wurde.

    Heute wird Geld in der Bank produziert – mit einem Kreditnehmer als Geldautomat und einem Sparer/Geldhalter als Verbraucher. Und wenn der Staat der Kreditnehmer ist – ist er auch der Geldautomat für den Verbracher? Und erst ist die Vorfinanzierung und dann ist die Ware.

    Wir tauschen nicht fertige Waren gegen fertiges Geld – sondern Unternehmer finanzieren mit Gewinnaussichten Wertschöpfungsprozesse vor.

    Die vereinfachte Betrachtung mit Tauschwirtschaft vorhandener Ware und vorhandenen Geldes ist grob irreführend.
    Auch die Idee das vorhandene Geld bei einer Bank einzuzahlen und wieder zu verleihen hat eben den Denkfehler des “Einfach so Vorhandenseins des Geldes”. Wächst es jetzt auf Bäumen?

    Oder wie meinen Sie das mit “alles ist Ware”?

    Grüße
    PS
    mit der Ressoursenverschleuderung durch staatliche Fehlinvestitionen bin ich voll bei Ihnen. Nur sollten wir den Staat eben nicht zu solchen Ersatzhandlungen wegen Investitionsverzicht der privaten Wirtschaftssubjekte nötigen.

  4. Steffen Hentrich

    Lieber Herr Buschbeck,

    in ihrer Welt scheint es nur viel Psychologie, aber keine physische Knappheit und daher auch keine Opportunitätskosten zu geben. Sicherlich spielen die Gewinnaussichten für Unternehmensinvestitionen eine große Rolle. Diese kann aber nur aus der faktischen Existenz von Ressourcen und deren subjektiver Bewertung durch die Wirtschaftssubjekte resultieren. Wenn der Staat heute Ressourcen konsumiert oder in Investitionsobjekten mit geringer tatsächlicher Bewertung fixiert, dann benötigt die Reparatur dieses Problems wieder anderer Ressourcen, um Angebot und Nachfrage wieder zusammen zu bringen. Je größer jedoch der Ressourcenverbrauch, um dies zu bewerkstelligen, umso ärmer ist die Gesellschaft. Wenn sie dieses Koordinationsproblem mit einer ungeeigneten Geldpolitik noch verstärken, indem Sie die Ausstauschsignale des Preises verzerren, dann ist die Gesellschaft noch ärmer.

    MfG

    Steffen Hentrich

  5. Lieber Herr Hentrich,

    ich bin der letzte der die Knappheit der Ressourcen bestreitet, da kommen mir leider Ihre energiepolitischen Kommentare manchmal etwas zu weit entfernt von dieser Problematik daher. Die Preisbildung knapper Naturressoursen erfolgt ja unter Auschluss der Betrachtung ZUKÜNFTiger Knappheit.

    Aber dass ist ein anderes Thema.

    Es gibt eine gesamtvolkwirtschaftliche Nachfrage:

    Das ist die Nachfrage aus den konsumierten bzw. investierten Einkommen zuzüglich der Zusatznachfrage auf Kredit.

    Und es gibt ein volkswirtschaftliches Angebot – das sind erbrachten Leistungsmengen, welche identisch mit den vorfinanzierten Einkommen sind.

    Und im Moment sind halt die Angebote größer als die Nachfrage. Dies weil die natürliche Zusatznachfrage aus Kredit hinter dem Nachfrageverzicht zurückbleibt.

    Und da geht es genau um eine gestörte Preisbildung – wir haben negativen Bedarf an Nachfrageverzicht, welcher sich durch das hortbare Bargeld eben nicht in einem marktgerechten Malus auf Geldhaltung entladen kann.

    Das ist keine Psychologie – das ist einfachste Marktwirtschaft. Psychologie ist aber wohl für die Kommunikation erforderlich beim “Triggerthema” Geld.

    Es ist einfach die Realität deren sich die Ökonomen bitte, bitte stellen müssen.

    Bitte schaun Sie in die Realität der VGR, die Nettoinvestitionen sind mittlerweile auf null – die Sparquoten dagegen konstant bei 12% der Einkommen.

    Der Trend war auch seit langem klar –

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:InvestitionsquotenUSAJBRD.PNG&filetimestamp=20060210153824

    das “bessere” Abschneiden Japans und USA liegt in massiver Staats- bzw. Subprimeinvestition.

    Nichts von dem hat auch nur einen Ansatz von Nachhaltigkeit – unsere Hortungsschutz-Aufkleber sind die neue TINA.

    MFG Jörg Buschbeck

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