Wann ist ein Bürger ein Bürger?

Paris lehnt Einbürgerung bei Totalverschleierung ab

Von Csilla Hatvany

Der Einbürgerungsantrag eines Marokkaners wurde jetzt in Frankreich abgelehnt, weil er seine Frau nötigt, Gesicht und Körper hinter einem Schleier zu verbergen. Der französische Einwanderungsminister Eric Besson bestätigte, dass der islamische Ganzkörperschleier als Ablehnungsgrund für die Einbürgerung anerkannt werde. Die Ablehnung der Staatsangehörigkeit habe keinen religiösen Grund, sondern werde mit dem Verhalten des Mannes begründet, das „mit den Werten der Republik nicht vereinbar“ sei. Zu diesen Werten gehöre auch das Prinzip der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Für die Entscheidung unerheblich war demnach, dass die Frau des Bewerbers, eine französische Staatsbürgerin, der Verschleierung zustimmt.

In Frankreich wird seit einiger Zeit über ein Burka-Verbot diskutiert. Sarkozy hat sich für ein generelles Verbot von Ganzkörperschleiern ausgesprochen. Vor Kurzem hat eine Parlamentskommission eine Empfehlung ausgesprochen, das Tragen von Ganzkörperschleiern in öffentlichen Einrichtungen zu verbieten.

Interessant in diesem Zusammenhang ist eine Studie über türkische Immigranten in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, welche die unterschiedlichen Identifikationen der Migranten mit dem Gastland in Abhängigkeit verschiedener Immigrationspolitiken aufzeigt. Das Ergebnis der Studie belegt, dass die Ausstattung mit inklusiven Bürgerrechten bei gleichzeitiger Einforderung staatsbürgerlicher Werte – so wie sie Frankreich praktiziert – die Orientierung an und Identifizierung mit der Kultur im Gastland fördert. Dagegen scheinen multikulturelle Integrationsstrategien wie in den Niederlanden einen negativen Einfluss darauf zu haben, wie gut sich Zuwanderer in die heimische Gesellschaft hineinfinden. Weder der Ausschluss von Staatsbürgerschaftsrechten (wie in Deutschland) noch staatliche Unterstützung für Minderheitenkulturen (wie in den Niederlanden) ist am erfolgversprechendsten, sondern vielmehr eine realistische Perspektive zur Erlangung der Staatsbürgerschaft gekoppelt an die Anforderung der Rolle des Staatsbürgers zu entsprechen, nämlich Kenntnisse der Landessprache, der politischen Struktur, der Verfassungsnormen und bis zu einem bestimmten Rahmen kulturelle Gepflogenheiten.

Quellen:

Beitrag in der FAZ

Ersanilli, Evelyn/Koopmans, Ruud: Join the club, but learn the rules, in: WZB Mitteilungen 126, Dezember 2009.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s