Detmar Doering
Mit der Finanzkrise scheint der Streit zwischen den Anhängern des “angelsächsischen Kapitalismus” und dem korporatistischen “Europäischen Modell” entschieden. Auch die amerikanische Regierung scheint in Ansätzen so zu denken. Aber stimmt das so? Sicher hat es im amerikanischen Wirtschaftssystem schwerwiegende Strukturfehler gegeben (nicht zuletzt die Politik der Zentralbank), die zur Krise führten. Doch wie steht es um Europa? Wirtschaftsnobelpreisträger Edmund S. Phelps hat in einem Kommentar festgestellt, dass die sozialen Ungleichgewichte in Europa kaum zu übersehen seien. Die Wirtschaft sei ausgesprochen wettbewerbsfeindlich, was sich u.a. darin zeige, dass seit 20 Jahren immer die selben Unternehmen an der Spitze stünden, während in den USA neue Firmen (Microsoft, Google) an die Spitze kämen. Die Dynamik des “amerikanischen Kapitalismus” sollte nicht unterschätzt werden. Sie zu zerstören, wäre verhängnisvoll.