Wenig Neues bei der “Sonntagsfrage”

Von Thomas Volkmann

Exakt zwei Monate nach dem Termin der Bundestagswahl schauen die Politikbetreiber wieder zunehmend gebannt auf die Umfragenlage – die ja leider vornehmlich mit der so genannten “Sonntagsfrage” gleichgesetzt wird, also der Frage: Was würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre?

Schaut man aktuell genau hin, so verpufft die Spannung recht rasch. Ausser vielleicht, man ist Sozialdemokrat und hat am Mittwoch, nach der Vorabmeldung des Magazins “Stern”, mit der Welt abgeschlossen und die Rollos heruntergelassen: 19% erreicht die SPD bei Forsa, schlechtester jemals gemessener Wert, die 20-Prozent-Marke von oben durchbrochen. Allerdings: mit diesem Wert hat Forsa in der Tat ein Alleinstellungsmerkmal. Bezieht man die übrigen Institute mit ein, so sieht es für die Sozialdemokratie im Lande zwar immer noch schlecht, aber dann doch nicht soooo schlecht aus: Nur bei Infratest Dimap liegt die SPD mit 22% unter ihrem Bundestagswahlergebnis, bei Emnid steigt sie zum Ende des Monats November auf eben die 23%, bei Allensbach steht sie im Oktober und November exakt auf diesem Wert, und das aktuelleste Ergebnis, das des “Politbarometer” der Forschungsgruppe Wahlenvom heutigen Tage, sieht sie gar mit Anstieg um zwei Punkte gegenüber Oktober auf 24%.  Interessant ist dabei, dass das “Politbarometer” als einzige Umfrage zwei Mal bewertet, nämlich einmal mit einer wissenschaftlich hoch komplexen Methodik der “Gewichtung”, und einmal nach den blanken Zahlen der Befragung. Und hier, also in den ungefilterten Stimmabgaben der Menschen, legt die SPD gegenüber Oktober gleich um sieben Punkte zu und erreicht 27%, während die Union 5 Punkte verliert und auf 36% kommt. Mal sehen, wer sich in der neuen SPD-Führung den Button “Sieben auf einen Streich” anheftet.

Die Union verliert dementsprechend auch in der gewichteten Wertung des “Politbarometer”, allerdings nur einen Punkt, und kommt auf 35%. Den gleichen Wert erreicht sie in den Umfragen von Allensbach in der FAZ, von Infratest Dimap in der ARD und bei GMS. Forsa sieht (ein Schelm, wer dabei etwas vermutete…) die Union mit steigender Tendenz bei 37%, Emnid dagegen vergibt (gleichbleibend durch den November hindurch) nur 34%.

Die FDP kann ihr Ergebnis der Bundestagswahl (14,6%) nur bei Allensbach annähernd halten, wo sie gleich dem Oktober auch im November auf 14,0% kommt. Ansonsten geht es bei Emnid (13%), Forsa (12%), und Infratest Dimap (13%) im November wöchentlich ohne erkennbare Stetigkeit mal eins rauf, mal eins runter; bei GMS und beim “Politbarometer” werden 13% erreicht. Die Liberalen setzen sich also dauerhaft im gesicherten zweistelligen Bereich fest – den von einigen Medien prognostizierten, vielleicht sogar provozierten Absturz im Rahmen der schwierigen Arbeit in der Bundesregierung gibt es derzeit erkennbar nicht.

Bei der Linkspartei tut sich in den Umfrageergebnissen recht wenig; die Partei liegt gleichbleibend mal auf 13% (Emnid, GMS), mal auf 12% (Forsa, Infratest Dimap, Politbarometer), und auch bei Allensbach kommt man seit Monaten auf Werte von 12 oder 11,5%.

Und auch bei den Grünen gibt es recht wenig Bewegung: sie fallen bei Emnid und bei Infratest Dimap leicht von 13 auf 12%, steigen dafür bei Forsa von 12 auf 13% und bei GMS von 11 auf 12%; bei Allensbach gewinnen sie einen halben Punkt und kommen auf 11%, beim Politbarometer dagegen verlieren sie einen Punkt und schaffen knapp die 10%.

Große Signifikanzen lassen sich  – vielleicht abgesehen vom GabrielNahlesundderRest- Effekt  bei der SPD, der sich aber erst einmal noch verfestigen muss – aus den aktuellen Zahlen und der Zahlenentwicklung zur “Sonntagsfrage” nicht herauslesen.

Mal sehen, wie es nächste Woche aussieht.

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