Kulturwirtschaft und Digitalisierung

Von Gérard Bökenkamp

Am 12. November findet in Berlin die Jahrestagung Kulturwirtschaft statt. Eine der wichtigsten Herausforderungen neben der Wirtschaftskrise ist für die Kultur- und Kreativwirtschaft die Digitalisierung, also die Umwandlung ihrer Produkte  in digitale Güter. Digitale Güter können in digitaler Form in Nullen und Einsen repräsentiert werden können. Ihre wichtigsten Eigenschaften sind Unzerstörbarkeit, Umwandelbarkeit, Reproduzierbarkeit und Komprimierbarkeit. Die Zugänglichkeit von Kulturgütern in digitaler Form über das Internet verändert die Vertriebswege, die Kundengewohnheiten, die Markteintrittsbarrieren. Auch wenn die Entwicklung heute noch nicht ganz absehbar ist, trägt dieser Vorgang durchaus den Charakter einer kleinen Kulturrevolution.

Der Prozess der Digitalisierung verändert das bisherigen Verhältnis der Marktteilnehmer,  die Marktposition zwischen den Lieferanten von Kulturgütern (Künstlern, Autoren, Schauspielern usw.) , den Produzenten und den Verbrauchern. Der IT-Spezialist Markus Mayer hat in einer Studie zur Digitalisierung der Musik- und Filmindustrie und des Literaturmarktes folgende Entwicklungen für die einzelnen Branchen skizziert:

Musikindustrie:

Aufgrund geringer Produktionskosten und neuer Vermarktungsmöglichkeiten fallen die Markteintrittbarrieren. Musiker haben es leichter ihre Werke über neue Anbieter oder selbst im Internet zu veröffentlichen. Die Zahl der möglichen Substitute und Kopien steigt. Die Position der Endkunden wird durch die größere Transparenz im Internet und die große Auswahl gestärkt.

Filmindustrie:

Die Position der großen Produktionsfirmen wird nur unwesentlich geschwächt, da die Filmproduktionen teuer bleiben. Größere Vermarktungschancen ergeben sich für die Anbieter von Low Budget Filmen. Videotheken werden durch die neuen Möglichkeiten von Pay-per-View Marktpositionen verlieren.

Der Literaturmarkt:

Die Position der Autoren verbessert sich, da die Markteintrittsbarrieren durch neue Vermarktungsmöglichkeiten im Internet fallen. Die Verlage behalten ihre Position im Bereich Belletristik durch ihre Reputation und Vertriebsnetze. Wissenschaftliche Autoren können durch die Digitalisierung ihre Werke schneller der Öffentlichkeit zugänglich machen, was für die Sachbuchverlage eine besondere Herausforderung darstellt.

Anmerkungen

Meyer geht davon aus, dass die Konzentration der Großanbieter noch stärker zunimmt, bei gleichzeitig stärkerer Konkurrenz durch die kleine Anbieter und Neueinsteiger. Gerade die zweiten Entwicklung kann eine kleine Kulturrevolution bedeuten. Denn noch nie waren die Einstiegsbarrieren so niedrig.

Wissenschaftliche Texte, Musik und Filme können ohne großen Kostenaufwand fast unendlich vielen Nutzern zugänglich gemacht werden. Mayer geht davon aus, dass die Marktmacht der bisherigen Branchenführer bestehen bleibt, da nur diese in der Lage seien, große Zahlen von Verbrauchern mit ihrem Angebot zu erreichen.

Ob sich diese Prognose bewahrheitet muss sich aber erst noch erweisen. Denn es ist wahrscheinlich, dass über das Internet neue Formen der Werbung und neue Intermediäre entstehen, die nach und nach Alternativen zu den klassischen Vertriebswegen aufbauen und den Großanbietern ihre Position streitig machen können.

Literatur:

Markus Mayer: Kulturwirtschaft im Wandel. Analysen der Digitalisierung von Musikindustrie, Filmindustrie und Literaturmarkt, Saarbrücken 2007

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