Monatsarchiv: Oktober 2009

Arbeit im Wandel II: Lohnsubventionen und ihre Grenzen

Von Steffen Hentrich

Zweiter Teil der Buchrezension zu Cahuc, Zylberberg: „The Natural Survival of Work“, MIT Press, 2009. Lesen sie hier den ersten Teil.

Arbeit muss sich wieder lohnen. Diese Forderung betrifft nicht nur die Leistungsträger dieser Gesellschaft, die mit der Abgabenbelastung ihrer Einkommen den Sozialstaat finanzieren, sondern auch beschäftigungslose Empfänger von Lohnersatzleistungen. Doch sind die Transferzahlungen für Arbeitslose in vielen Ländern, inklusive Deutschland, so gestrickt, dass sie kaum Anreize zur Aufnahme einer Arbeit bieten, die den Betroffenen einen Wiedereinstieg ins Berufsleben erlauben. Zu schnell schmelzen die Transferzahlungen ab, wenn ihre Empfänger eine Arbeit aufnehmen. Vor allem für Familien mit transferberechtigten Kindern lassen sich nur bei einer sehr hohen Wochenarbeitszeit spürbare Einkommensvorteile gegenüber dem staatlichen Transferbezug erreichen. Als Lösung schlagen die Autoren großzügige, jedoch zeitlich beschränkte Lohnzuzahlungen bei Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit vor. Derartige Kombilohnexperimente zeigten in kanadischen Modellversuchen durchaus Erfolge, doch sollten die Erwartungen in den Umfang der Beschäftigungseffekte nicht zu hoch gesteckt werden.

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Arbeit im Wandel I: Arbeitsplatzdynamik und Mindestlohn

Von Steffen Hentrich

Die Angst vor Arbeitsplatzverlusten greift gerade in Krisenzeiten um sich. Politiker fühlen sich auf den Plan gerufen und wollen Arbeitsplatzsicherheit und für ein gutes Leben auskömmliche Löhne garantieren. Doch anstatt diese Versprechen einzulösen, leidet der europäische Arbeitsmarkt seit fast drei Jahrzehnten an chronischer Unterbeschäftigung. Nach Ansicht von Pierre Cahuc und André Zylberberg, Autoren des neuen Buches „The Natural Survival of Work – Job Creation and Job Destruction in a Growing Economy“, scheitert die Arbeitsmarktpolitik am mangelhaften Verständnis der Funktionsweise des Arbeitsmarktes. Grund genug, anhand einer Vielzahl empirischer Ergebnisse der Arbeitsmarktforschung etwas mehr Licht in das Dunkel der Arbeitsmärkte zu bringen. Lesen Sie den ersten Teil einer dreiteiligen Buchrezension.

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Kulturwirtschaft und Digitalisierung

Von Gérard Bökenkamp

Am 12. November findet in Berlin die Jahrestagung Kulturwirtschaft statt. Eine der wichtigsten Herausforderungen neben der Wirtschaftskrise ist für die Kultur- und Kreativwirtschaft die Digitalisierung, also die Umwandlung ihrer Produkte  in digitale Güter. Digitale Güter können in digitaler Form in Nullen und Einsen repräsentiert werden können. Ihre wichtigsten Eigenschaften sind Unzerstörbarkeit, Umwandelbarkeit, Reproduzierbarkeit und Komprimierbarkeit. Die Zugänglichkeit von Kulturgütern in digitaler Form über das Internet verändert die Vertriebswege, die Kundengewohnheiten, die Markteintrittsbarrieren. Auch wenn die Entwicklung heute noch nicht ganz absehbar ist, trägt dieser Vorgang durchaus den Charakter einer kleinen Kulturrevolution.

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Bloß nicht auf Pump?

Von Steffen Hentrich

Die scharz-gelbe Koalition steht unter Beschuss, weil sie Wohltaten auf Pump finanzieren will. Selbst hartnäckige Wohlfahrtsstaatsverfechter kritisieren das Schuldenmachen. Doch die wichtigste Frage nach dem Sinn der Projekte stellt sich kaum jemand.

Angenommen in ihrer Familie kommt eine Debatte über den Kauf eines eigenen Fahrzeugs auf die Tagesordnung. Was ist ihre erste Überlegung? Fragen sie sich erst, ob sie überhaupt ein Auto benötigen oder übergehen sie dieses Problem gleich mit einem Streit über die Art der Finanzierung? Wahrscheinlich steht die Diskussion über die Nützlichkeit der Investitionsentscheidung im Vordergrund. Doch die Debatte um die im Koalitionsvertrag beschlossenen Ausgabenpläne scheint einer anderen Logik zu folgen. Statt sich bei jeder Maßnahme der Frage nach der Sinnhaftigkeit zu stellen, wird gleich auf die Finanzierungsmethode eingedroschen. Ja, die frischgebackene Koalition will gleichzeitig die Steuern senken und die Staatsausgaben erhöhen, was zwangsläufig zu höheren Schulden führt. Doch eine Schuldenzunahme macht das geplante Ausgabenprogramm ebenso wenig zu einer schlechten Entscheidung, wie ihr persönlicher Neuwagenkauf nur deshalb keine gute Idee ist, weil sie dafür einen Kredit aufnehmen. Es kommt in erster Linie darauf an, wofür sie sich verschulden, weniger darauf, ob sie sich verschulden.

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20 Jahre nach dem Fall der Mauer: Ein Rückblick und eine Bilanz

Von Kerstin Funk

Am 9. November 2009 jährt sich der Fall der Mauer zum 20. Mal. Das historische Datum war ein zentraler Schritt hin auf dem Weg zur Deutschen Einheit. Gelegenheit genug, heute eine Bilanz zu ziehen: Wie steht es um die Deutsche Einheit? Dieser Frage widmet sich Karl-Heinz Paqué in seinem Buch aus wirtschaftlicher Sicht. Und er tut dies als Wissenschaftler, als Politiker und auch als Privatmann. Denn Paqué weiß, wovon er redet, wenn er die wirtschaftliche Situation in den Neuen Ländern analysiert. Sein Fazit ist nüchtern und ermutigend zugleich: „Nicht das Erreichte ist enttäuschend, sondern die Erwartungen waren zu hoch.“ Wie kommt er zu diesem Ergebnis?

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USA und Bundesrepublik: Zwei unterschiedliche Arbeitsmarktstrategien

Von Gérard Bökenkamp

Die Arbeitslosenquote ist im Juli 2009 in den OECD-Ländern auf mit 8,5 Prozent auf den höchsten Nachkriegswert gestiegen. Im Euro-Raum lag die Arbeitslosenquote sogar bei 9,6 Prozent. Die USA und die Bundesrepublik haben auf die Wirtschaftskrise mit unterschiedlichen Arbeitsmarktstrategien reagiert.  Der Ökonom Norbert Bertold hat auf Wirtschaftliche Freiheit beide Strategien miteinander verglichen. In den USA ist die Arbeitslosenquote gestiegen, wohingegen die Bundesrepublik den Weg gegangen ist, die Zahl der Arbeitsstunden pro Beschäftigten zu senken. So konnte in Deutschland der Eindruck einer Beschäftigungskrise bisher vermieden werden. Die Kosten für diese Stabilisierung müssen die Steuer- und Beitragszahler tragen. Bertold kritisiert, dass die „deutsche“ Strategie, grundlegende Strukturreformen verhindert und die Arbeitslosenquote wegen des inflexiblen Arbeitsmarktes bald wieder stärker ansteigen wird als in den USA.

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Die Weltwirtschaftskrise und das „Österreichisch-Monetaristische-Interventions-Modell“

Von Gérard Bökenkamp

Kaum ein Artikel oder Fernsehbeitrag über die aktuelle Finanzkrise kommt ohne einen Verweis auf die Parallelen zur Weltwirtschaftskrise von 1929 aus. Die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Regierungen werden mit den Erfahrungen der damaligen Zeit gerechtfertigt. Es gelte alles zu vermeiden, was damals die Krise verschärft habe. Die liberale Position ist in der Diskussion dadurch geschwächt, dass sie sich nicht auf eine einheitliche Interpretation verständigen kann. Die Interpretationen der Monetaristen und der Österreichischen Schule über die Ereignisse in den Jahren vor und nach dem Crash von 1929 gehen in unterschiedliche Richtungen. Eine Synthese ist aber nicht unmöglich.

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Ist die Quelle-Insolvenz eine beschäftigungspolitische Katastrophe?

Von Steffen Hentrich

Nehmen wir an, ein Angestellter der Firma Quelle wäre ein ganz durchschnittlicher Bürger. Dann würde die insolvente Firma morgen 10500 Personen entlassen, von denen nach Maßgabe der Arbeitslosenstatistik spätestens drei Monate später knapp 6100 nicht mehr arbeitslos wären, also einen neuen Job hätten, eine Ausbildung bzw. Qualifikation machen oder sich von der Erwerbstätigkeit freiwillig ganz oder vorübergehend verabschieden würden. Nach einem halben Jahr wären etwa 8200 der ehemaligen Quelle-Mitarbeiter nicht mehr arbeitslos und nach Ablauf von zwölf Monaten müssten noch 504 Alg-II beantragen. Nach weiteren drei Monaten wäre die Arbeitslosigkeit für weitere 191 der Ex-Quelle-Beschäftigten vorbei. Nach einem Jahr Alg-II wären 123 noch immer arbeitslos.

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Analyse der DGAP: Französische Familienpolitik

Von Gérard Bökenkamp

Das Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik hat eine Analyse der französischen Familienpolitik vorgelegt. Die französische Familienpolitik wurde im familienpolitischen Diskurs in der Bundesrepublik oft als Vorbild für die Ausweitung familienspezifischer Maßnahmen dargestellt. Ergebnisse dieser Studie werden deshalb hier für die Leser kurz zusammengefasst und kommentiert. Weiterlesen

Liberale Außenpolitik im SPIEGEL

Von Gérard Bökenkamp

Spiegel-Online berichtet für die Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung „Liberale Außenpolitik“. Klaus Kinkel kritisierte die Außenpolitik der letzten 11 Jahre.  Die Regierung Schröder habe Ansehen in der Welt verspielt und der scheidende Außenminister Steinmeier habe sein Thema nicht gefunden. Der SPIEGEL zitiert den Parteienforscher Franz Walter. Dieser sieht Guido Westerwelles Vorteil für das Amt des Außenministers darin, dass er wie Genscher bereits über langjährige Erfahrung in der Parteiführung verfüge. Artikel lesen

Der Mann mit der Zigarre

Von Gérard Bökenkamp

Das Bild von Ludwig Erhard als dicken Herren mit dicker Zigarre, der den Wohlstand der fünfziger und sechziger Jahre symbolisiert, ist immer noch gegenwärtig, sein politisches Wirken und sein politisches Denken hingegen verschüttet. Nur so ist erklärbar, dass sich inzwischen fast jeder mit ihm und dem Begriff der sozialen Marktwirtschaft schmücken kann, mag er auch noch so weit von den ideellen Fundamenten des ersten Wirtschaftsministers entfernt sein. Weiterlesen

Das Streben nach Wohlstand

Von Gérard Bökenkamp

Auf nicht einmal 440 Seiten führt Peter Jay den Leser durch 5000 Jahre Wirtschaftsgeschichte. Auf diesem Weg gibt es viele Hinweise auf Wirtschaftstheorien ohne dass diese in der Breite dargestellt werden würden. Jays eigene, sehr einfache Theorie und sein Roter Faden ist der sogenannte „Walzerschritt.“ Unter dem historischen Walzerschritt versteht Jay folgendes: In einem ersten Schritt schaffen die Menschen Wohlstand, in einem zweiten Schritt wird dieser Wohlstand durch den Zugriff von Räubern bedroht, im dritten Schritt wird die politische Ordnung geschaffen, die notwendig ist, um den Wohlstand vor den Zugriff dieser Räuber zu verteidigen. Weiterlesen