Kein Grund zur Panik

Steffen Hentrich

Offene Briefe zur Klimapolitik sind keine Seltenheit. Zumeist fordern die Unterzeichner im Namen der Wissenschaft eine härtere Gangart in der Klimapolitik und eine drastische Verminderung der Treibhausgasemissionen. Auch auf diese Weise entstand in der Vergangenheit der Eindruck, dass die Debatte um den Klimawandel zu Ende wäre und offene Fragen nur noch das klimapolitische Prozedere beträfen. Doch nach Ansicht der sechzehn Wissenschaftler, die heute unter dem Titel „No Need to Panic About Global Warming“ einen offenen Brief im Wall Street Journal veröffentlichten, gibt es keine wirklich überzeugenden Argumente für drastische Maßnahmen zur Vermeidung der industriellen Kohlendioxidemissionen.

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Privatisierungspolitik im Iran

Gérard Bökenkamp

Die Sorge vor dem iranischen Atomprogramm und das Embargo haben das Land wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gebracht. Weniger beachtet wurden die Entwicklungen in der Wirtschaftspolitik der iranischen Republik in den letzten Jahren, obgleich die ökonomische Entwicklung ohne Zweifel langfristig eine entscheidende Rolle für die Entwicklung des politischen Systems spielt. Nach dem Ende der Reform-Ära Khatami ist zwar die außenpolitische Mäßigung in ihr Gegenteil verkehrt worden, aber immerhin wurden die Ansätze zur Privatisierung der staatlich kontrollierten Wirtschaft weiter geführt.

Die iranische Verfassung unterteilt die Wirtschaft in drei Sektoren: Einen staatlichen, einen korporativen und den privaten.  Nach der Islamischen Revolution wurden die 28 größten Privatbanken, hunderte von großen Industrie- Dienstleistungsunternehmen und landwirtschaftlichen Betrieben verstaatlicht. Während des iranisch-irakischen Kriegs kamen ganze 80 Prozent der Iranischen Wirtschaft unter staatliche Kontrolle.

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Immer dasselbe Spiel in Russland?

Detmar Doering

In Russland demonstriert das aufgeklärte Bürgertum – darunter vor allem junge Menschen – gegen das verkrustet autoritäre Putin-Regime. Auf dem Lande wird die Situation noch weitgehend hingenommen und man sehnt sich nach der starken Hand. Das erinnere sehr an die Situation vor 1917, schreibt der russische Schriftsteller Michail Schischkin in diesem Beitrag für die Neue Zürcher Zeitung. Deshalb müsse man mit hohen Erwartungen auch vorsichtig sein:

„In Russland wird noch immer dasselbe Spiel nach denselben Regeln für drei Mitspieler gespielt: Das Volk – so Puschkin – schweigt, die intellektuelle Jugend fordert «schweizerische» Volkssouveränität und erklärt der Regierung den Krieg, und so bleibt den Machthabern nur, entweder abzutreten oder die Schrauben anzuziehen. „

Schuldenschnitt für Griechenland und Portugal

Detmar Doering

Die Schuldenkrise beunruhigt Europa. Aber wie schlimm steht es um die einzelnen Länder? Henning Klodt und David Bencek vom Kieler Institut für Weltwirtschaft haben zur Beantwortung der Frage eine Schuldenbarometer zusammengestellt.

Dazu wurden nicht nur die Schuldenberge berücksichtigt, sondern auch die Wachstumschancen zu deren Abbau. Fazit: Um einen massiven Schuldenschnitt werden Griechenland und Portugal nicht herumkommen. Andere Krisenstaaten, wie etwa Irland, könnten glimpflicher davonkommen.

Liberale Reflexionen über den Staat

Steffen Hentrich

Das Alterswerk des vergangenen Oktober verstorbenen ehemaligen Präsidenten des Cato-Institutes William Niskanen „Reflections of a Political Economist“ ist derzeit für begrenzte Zeit als kostenloses E-Book (verschiedene Formate) zu haben. Lesenswert sind auch die Erinnerungen einiger seiner Freunde und Kollegen an diesen herausragenden Liberalen und profunden Kenner der politischen Ökonomie des Staates.

Ressourcenknappheit? Relativ zu was?

Steffen Hentrich

Auf dem sonst vor allem mit klimawissenschaftlichen Fragestellungen befassten Weblog „What’s up with That?“ gibt es einen interessanten Beitrag des Geologen David Middleton über die Frage, ob Rohstoffe in der Vergangenheit knapper geworden sind oder nicht. Ausgangspunkt seiner Analyse ist die berühmt gewordene Wette zwischen dem Ökonom Julian Simon und dem Biologen Paul Erlich um die Entwicklung der Preise für ein Bündel metallischer Rohstoffe, die Simon 1990 aufgrund gesunkener realer Rohstoffpreise gewann.

Kritiker wiesen jedoch darauf hin, dass Erlich in den Folgejahren aufgrund des Wiederanstiegs der Preise immer wieder gewonnen hätte, weshalb der Beleg für eine abnehmende Knappheit der ausgewählten Rohstoffe nicht abschließend erbracht worden wäre (inzwischen hätte er jedoch die Wette zum Teil wieder verloren). Tatsächlich ist das Ergebnis einer solchen Wette sehr stark von der Wahl des Zeitintervalls abhängig, da die realen Rohstoffpreise im Konjunkturverlauf erheblich schwanken. Über den gesamten statistisch erfassten Zeitverlauf lässt sich nur für wenige Rohstoffe ein statistisch signifikanter Preistrend ausmachen, so dass aus einer isolierten Betrachtung der Preise aus Ansicht von Middleton nicht viel über die Entwicklung der Knappheit sagen lässt.

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Welche Farbe hat die Umweltbewegung?

Steffen Hentrich

Man kann der Heinrich-Böll-Stiftung das Verdienst nicht hoch genug anrechnen, mit dem Sammelband „Braune Ökologen“ auf die rechts-nationalistische Unterwanderung der Umweltbewegung aufmerksam zu machen. In mehreren Beiträgen erfährt man hier Bekanntes, aber auch Neues über die „braunen“ Wurzeln der Umweltbewegung, die romantische Verklärung der Einheit von Mensch und Natur und den daraus abgeleiteten Fortschrittspessimismus.

Für die grüne Bewegung ist die inhaltliche Nähe rechter Ideologen zu den Kerninhalten ihres ökologischen Weltbildes verständlicherweise ein ernstes Problem, zumal, das versuchen die Autoren der Texte zuweilen etwas umständlich zu kaschieren, die Gründe für eine Ablehnung von fossilen Energieträgern, der Gen-Technik in der Landwirtschaft und industriellen Argrarmethoden gar nicht so weit voneinander entfernt sind. „Zurück zur Natur“-Rethorik, ominöse „ökologische Gleichgewichte“, regionalwirtschaftliche Abgrenzung kleinbäuerlicher Hof-Romantik und wissenschaftsferne Fortschrittskritik sind keine Eigenheiten „brauner Ökologen“, sondern konstituierende Elemente der Denkwelt der „grünen“ Umweltbewegung, die sonst eine Nähe zu rechter Ideologie vehement von sich weisen würde. Man muss nur einmal eine Führung durch das Ökodorf Brodowin gemacht haben, um zu wissen, wie vehement in der Bio-Bauern-Szene regionale Landwirtschaft gegen die wirtschaftlichen Bedrohung durch die Globalisierung verteidigt wird. Kein gutes Haar wird dort an Bauern aus Übersee gelassen, selbst dann nicht, wenn sie mit Bio-Lebensmittel konkurrieren.  Selbst der Zweifel vieler „brauner Ökologen“ an der Fähigkeit der Demokratie mit den ökologischen Problemen unserer Zeit fertig werden zu können ist den politischen Debatten der grünen Bewegung nicht fremd, woran der im Sammelband enthaltene Beitrag von Hubertus Buchstein noch einmal eindrucksvoll erinnert.

Insofern eignet sich dieser Sammelband nicht nur zur Abgrenzung der grünen von den „braunen Ökologen“, was die Heinrich-Böll-Stiftung im Vorwort avisiert, sondern vor allem als Spiegel für all diejenigen, deren Umweltbegeisterung unreflektiert die selben Denkfiguren bemüht wie die derzeit wachsende „völkisch-autoritäre Ökologiebewegung“.

Dieser Beitrag erschien auch bei Ökowatch.

FNF-Stipendiat gewinnt Vernon-Smith-Preis

Peter Altmiks

Wolf von Laer, Stipendiat der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, hat den zweiten Preis beim internationalen Vernon-Smith-Wettbewerb gewonnen. Der Preis wird alljährlich vom Europäischen Zentrum der Stiftung der Österreichischen Schule vergeben und erfreut sich einer hohen Reputation. Von Laer wurde für seinen herausragenden Aufsatz „The Decline of the Rule of Law and the Emergence of Regime Uncertainty“ ausgezeichnet. Zudem beschäftigte er sich schon 2010 mit Free Banking in seiner Abschlussarbeit „Probleme des etablierten Notenbankensystems – Free Banking als Alternative?„.

Popularitätstief

Detmar Doering

Die Strukturprobleme von Finanzen und Wirtschaft kriegt der amerikanische Kongress zurzeit anscheinend kaum in den Griff. Verwundert es da, dass das Ansehen dieser Institution beim Bürger nunmehr den absoluten Tiefstand (seit es überhaupt Umfragen gibt) erreicht hat?

Chinas interessengeleitete Wirtschaftsstatistik

Detmar Doering

China erscheint uns zurzeit als der Weltwirtschaftsriese, von dessen Wachstum auch unser Gedeihen abhängt. Umso wichtiger ist es, sich ein realistisches Bild zu machen vom Wachstum Chinas in den letzten Jahren und vom mutmaßlichen Rückgang, der sich gerade abzeichnet. Dazu bräuchte man glaubwürdige Statistiken. Aber China ist noch eine von unglaublicher Intransparenz geprägte Diktatur, die unabhängige Erfassung und Forschung nur bedingt ermöglicht. In diesem Beitrag analysiert der amerikanische China-Experte Derek Scissors das Problem. Die chinesische Regierung habe ein äußerst interessengeleitetes Verständnis von Wirtschaftsstatistik.

Soziale Profiteure

Steffen Hentrich

"Soziale Verantwortung: 50 Prozent Preisnachlass für jeden Gast über 70 oder mit chirurgischer Magenverkleinerung"

Preisdiskriminierung, so negativ die Konnotation dieses Begriffes auch sein mag, ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie profitorientiertes Verhalten soziale Zwecke erfüllen kann. Das Angebot unterschiedlicher Preise für identische oder ähnliche Produkte, je nach Zahlungsbereitschaft der jeweiligen Verbrauchergruppe, ermöglicht, dass auch Menschen mit geringeren Einkommen in den Genuss von Gütern oder Dienstleistungen kommen, die bei einheitlichem Preis nicht rentabel zu vermarkten wären. Jeder kennt den freien oder reduzierten Eintritt für Kinder und ältere Menschen oder die Basisvariante eines Haushaltsgerätes, die sich nur geringfügig von der erheblich teureren Premiumvariante unterscheidet. Bekannte Beispiele hierfür sind Sonderwaschprogramme an Waschmaschinen oder ein größerer Speicher in Mobiltelefonen. Beides erfordert deutlich weniger zusätzliche Kosten als das Preisschild am Ende suggeriert. Die Preisdiskriminierung stellt sicher, dass jeder Kunde mindestens die zusätzlichen Kosten der Herstellung des nachgefragten Gutes deckt, lastet aber den Verbrauchern mit einer sehr hohen Zahlungsbereitschaft für exklusive Eigenschaften einen größeren Teil der fixen Kosten der Produktion und des Gewinns an. Mit Hilfe dieser Gewinnabschöpfung von zahlungskräftigen Nachfragern wird für weniger zahlungsbereite Nachfrage erst ein besonders günstiges Angebot möglich. Ein besonders bizarres Beispiel für Preisdiskriminierung, mit der die verbraucher entsprechend ihrer Zahlungsbereitschaft „sortiert“ werden, haben die Autoren von Freakonomics ausfindig gemacht. Um ein ganz besonderes Klientel anzusprechen verspricht ein brasilianisches Restaurant jedem Gast, der über siebzig ist oder sich chirurgisch den Magen verkleinern ließ, einen Preisnachlass von 50 Prozent. Profit und soziales Verhalten schließen sich offenbar nicht aus.

Liberale Denker und Religion (Teil 3) : Adam Smith

Gérard Bökenkamp

Bei Adam Smith ist eine große Sympathie für kleine Religionsgemeinschaften erkennbar. In seiner idealen Gesellschaft gibt es hunderte von Sekten und Freikirchen, von denen keine über eine Anhängerschaft verfügt, die groß genug ist, um die Gesellschaft zu dominieren: „Völlig ungefährlich jedoch muss solcher  Eifer dort sein, wo eine Gesellschaft in zwei- oder dreihundert oder sogar zwei- oder dreitausend Sekten gespalten ist, von denen keine groß genug ist, um die öffentliche Ruhe zu stören.“

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