Steffen Hentrich
Man kann der Heinrich-Böll-Stiftung das Verdienst nicht hoch genug anrechnen, mit dem Sammelband „Braune Ökologen“ auf die rechts-nationalistische Unterwanderung der Umweltbewegung aufmerksam zu machen. In mehreren Beiträgen erfährt man hier Bekanntes, aber auch Neues über die „braunen“ Wurzeln der Umweltbewegung, die romantische Verklärung der Einheit von Mensch und Natur und den daraus abgeleiteten Fortschrittspessimismus.
Für die grüne Bewegung ist die inhaltliche Nähe rechter Ideologen zu den Kerninhalten ihres ökologischen Weltbildes verständlicherweise ein ernstes Problem, zumal, das versuchen die Autoren der Texte zuweilen etwas umständlich zu kaschieren, die Gründe für eine Ablehnung von fossilen Energieträgern, der Gen-Technik in der Landwirtschaft und industriellen Argrarmethoden gar nicht so weit voneinander entfernt sind. „Zurück zur Natur“-Rethorik, ominöse „ökologische Gleichgewichte“, regionalwirtschaftliche Abgrenzung kleinbäuerlicher Hof-Romantik und wissenschaftsferne Fortschrittskritik sind keine Eigenheiten „brauner Ökologen“, sondern konstituierende Elemente der Denkwelt der „grünen“ Umweltbewegung, die sonst eine Nähe zu rechter Ideologie vehement von sich weisen würde. Man muss nur einmal eine Führung durch das Ökodorf Brodowin gemacht haben, um zu wissen, wie vehement in der Bio-Bauern-Szene regionale Landwirtschaft gegen die wirtschaftlichen Bedrohung durch die Globalisierung verteidigt wird. Kein gutes Haar wird dort an Bauern aus Übersee gelassen, selbst dann nicht, wenn sie mit Bio-Lebensmittel konkurrieren. Selbst der Zweifel vieler „brauner Ökologen“ an der Fähigkeit der Demokratie mit den ökologischen Problemen unserer Zeit fertig werden zu können ist den politischen Debatten der grünen Bewegung nicht fremd, woran der im Sammelband enthaltene Beitrag von Hubertus Buchstein noch einmal eindrucksvoll erinnert.
Insofern eignet sich dieser Sammelband nicht nur zur Abgrenzung der grünen von den „braunen Ökologen“, was die Heinrich-Böll-Stiftung im Vorwort avisiert, sondern vor allem als Spiegel für all diejenigen, deren Umweltbegeisterung unreflektiert die selben Denkfiguren bemüht wie die derzeit wachsende „völkisch-autoritäre Ökologiebewegung“.
Dieser Beitrag erschien auch bei Ökowatch.